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Freitag, 3. Dezember 2010

Der 6. Mai 1980, und kein Ende?

Nun ist er heute Abend im Ersten zu besten Sendezeit gelaufen. Der Fernsehfilm über den Beginn der öden 80er Jahre, die Proteste gegen de Politik der Aufrüstung, insbesondere den NATO-Doppelbeschluss,den Aufschwung der so genannten " Friedensbewegung ", der so genannten " Alternativen " und das Chaos rund um das Rekrutengelöbnis am 6. Mai 1980 vor dem Bremer Weserstadion.
Der Film hierüber heißt genau: " Neue Vahr Süd ".
Als Ex-Buten-Bremer sagt mir natürlich der Bremer Stadtteil " Neue Vahr " etwas. 

Neue Vahr, das sind Mietblocks in der Gestalt von Schuhkartons: rechteckig, praktisch,gut! Einst war es der gesellschaftlichen Notwendigkeit geschuldet, dass vermeintlich günstiger Wohnraum für die untere bis obere Mittelschicht zur Verfügung gestellt werden musste,um deren eher bescheidene Einkommen, die in den 60er bis 70er Jahren der öffentliche Dienst zu zahlen bereit war, in eine politisch gewollte Korrelation zu bringen. Besonders der DGB in Gestalt der Neue Heimat war einst Vorreiter. Was nach dem 2. Weltkrieg architektonisch und städteplanerisch an Todsünden begangen wurde, dürfte inzwischen längst wieder auf die Müllhalde der Geschichte verbracht worden sein.

Neu Vahr Süd, das ist eigentlich kein Teil der Vahr, des Bremer Ostens, in dem in jenen verwirrten Fortschrittsgläubigkeitsära, nämlich der beiden Dekaden nach den WiWu-Jahren. Gerade Straßen, genormte Grünflächen und nahezu identisch aussehende Betonblöcke. Aus der Neue Heimat schälte sich alsbald die GEWOBA heraus, die - zwar unter einer anderen Firmierung - den Zinnober an inzwischen überwiegend aus den sozialen Randgruppen sich rekrutierenden Mietern zu über nehmen hatte.

Die Vahr besteht real aus:

Gartenstadt Vahr
Neue Vahr Nord
Neue Vahr Südwest
Neue Vahr Südost

Die Mieten blieben zwar immer noch moderat, dafür stiegen die Mietnebenkosten in exorbitante Höhen. Was nicht vom einstigen Sozialamt übernommen wurde, blieb letztendlich bei der Vermieterin hängen. Mietschulden, Räumungsklagen und erneute Wohnungszuweisungen standen nicht nur einmal an der Tagesordnung.  
Wer keine Lust auf normiertes Wohnen hatte, der zog aus.

Gleiches gilt übrigens für Osterholz-Tenever. Der Stadtteil mit den wohl hässlichsten Betonklötzen in Bremen.

In diesem Umfeld spielt sich denn auch die Handlung des Films " Neue Vahr Süd " ab. Ein Wehrpflichtiger reißt seinen Wehrdienst in der Kaserne in Dörverden in der Nähe der niedersächsischen Reiterstadt Verden, in der Pampa also,ab. "Neue Vahr Süd " - angelehnt an den Roman von Sven Regener - zeigt die Tristesse der 80er Jahre in jenen Betonburgen, in denen Familien, eher die Eltern, ihre Kinder wie Karnickel in einem zu großen Stall, sprich: Betonwohnung groß ziehen, ehe diese im wahrsten Sinne des Wortes fliehen.
Der  am 01. Juli 1980 zum Bund eingezogene Pionier Frank Lehmann überwirft sich im Herbst 1980 mit seinen Eltern und zieht in eine Punk - Polit - WG im Bremer Steintorviertel.
Die weitere Buchgeschichte ist hier wunderbar beschrieben:


http://www.dieterwunderlich.de/Regener_neue_vahr.htm#cont

Was innerhalb der Bundeswehrverblödungsmaschinerie sich sonst im Soldatenleben des Pionier Frank Lehmann abspielt, ist  - sieht der Leser und Zuschauer einmal von der zarten Romanze zu einer jungen Frau ab - nahezu abenteuerlich. Lehmann wird zum Kompanie-Vertrauensmann gewählt, düpiert zuvor den Bundeswehrpfarrer durch eine nahezu naive Fragestellungen und gerät in eben jene Randale rund um das öffentliche Rekrutengelöbnis im Bremer Weserstadion, dass im Film am 5. November 1980 stattfindet und nicht, wie von mir bereits beschrieben, am 6. Mai 1980. Dieses sind jedoch nur gewollte Abweichungen.

Völlig andersartig werden jedoch die beginnenden 80er Jahre dargestellt. Die Zeit der Punks,Popper und New Wave-Pappen. Jene Ära also, in der die BRD von der NDW überspült wird, in der die Hitparaden voll mit Titeln von Formationen, wie The Clash, The THE, The Police oder sonstigen Plastik-Neonlicht-Zeiterscheinungen waren. Die frühen 80er waren die Erlebnisjahre der in den 60er geborenen. Widersprüchlich in sich und geprägt von vielen Modeströmungen.

Frank Lehmann wird als junger Mann der 80er in den Militärdrill hinein geworfen, weil er angeblich den Antrag auf Kriegsdienstverweigerung bei der Musterung nicht gestellt hat. Nun, dass ist kein absolutes Hindernis für ihn, den gesamten BW-Schwachsinn ständig in Frage zu stellen.
Der Pionier Lehmann ist einerseits der ablehnende Soldat, andererseits verinnerlicht er das unvermeintliche Kameradschaftgefühl, das " Wir ", das " Soldat-Kumpel-Kamerad "- Brimborium.

Dieses führt dazu, dass er mit seiner eher unkonventionellen Art zwischen die Stühle gerät. Hierzu schreibt Dieter Wunderlich ( vgl. a.a.O. )

"  Obwohl das Feierliche Gelöbnis erst am frühen Abend stattfinden wird, rücken die fünfzehn Fackelträger unter dem Kommando eines Hauptfeldwebels bereits vormittags ins Weserstadion ein, weil eine Großdemonstration angemeldet ist. Als die Fackelträger nach der Veranstaltung das Stadion verlassen, stellen sie fest, dass ihr Bundeswehrbus von den Demonstranten umgestürzt wurde und ausgebrannt ist. Im nächsten Augenblick geraten sie zwischen Demonstranten und Polizisten. Der Hauptfeldwebel, der als einziger keinen Stahlhelm trägt, wird von einem Stein am Kopf getroffen und geht zu Boden. Frank stößt zufällig auf Mike, der verletzt ist, verdeckt dessen Irokesenkamm mit seinem Stahlhelm, schleust ihn an den Polizisten vorbei und bringt ihn zur Notaufnahme im Sankt-Jürgen-Krankenhaus. "

-  Zitatende  -

Der 6. Mai 1980 hat sich so oder so ähnlich abgespielt. Die vielen tausend Demonstranten waren allerdings nicht allesamt gewalttätig. Sie waren auch nicht alle vermummt. Sie waren eher Zuschauer, an den Gewaltexzessen, die dann ein riesiges politisches Nachspiel hatten. Der 6. Mai 1980 am Bremer Weserstadion hat aber vor allem gezeigt, dass die damalige Protestbewegung sich nicht nur aus der friedlichen Friedensbewegungen, deren Aktivisten wegen der Sitzblockaden strafrechtlich verfolgt wurden und wegen Nötigung zum Teil angeklagt und verurteilt worden sind, sondern auch aus Frustrierten, die nicht friedlich gegen den Staat, die Gesellschaft sowie Staatsorgane mit allen möglichen Mitteln vorgingen.

Was in dem Film dann eher zum Schluss und somit nur am Rande geschildert wird, war ein Einspielen eines Zeitdokuments über die Protestbewegung der frühen 80er, ohne dabei das gesamte Umfeld zu beschreiben. So formierten sich die " GRÜNEN " als Partei, aus jener Zeiterscheinung, die eine Adaption der APO der 60er Jahre bzw. der 68er zu sein schien. Tatsächlich war sie es aber nicht. Der einstigen Bewegung ging es inhaltlich um einige wenige Sachthemen, wie Friedenspolitik, Umweltpolitik und Energiepolitik und nicht um die Abschaffung des Systems. Das ist der große Unterschied, der in dem Film eher angedeutet wird.

Die Krawalle vor mehr als 30 Jahren waren denn auch weder fremd gesteuert, noch durch eine bestimmte politische Gruppierung initiiert,schon gar nicht von dem SPD geführten Bremer Senat in irgendeiner Weise gefördert worden. Ebenso wenig hat die Berichterstattung hierüber bei Radio Bremen einen tendenziösen oder etwa befürwortenden Charakter. Diese Lügengeschichten sind reine Erfindungen der Schwarzen, ihrer Hetz-Postillen und sonstigen Schmierfinken, deren geistiger Horizont nicht über die eigene Haustür hinaus geht. 

Radio Bremen berichtete einst so:



http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?id=028641

Dass das Buch von Sven Regener und der Film von 
Hermine Huntgeburth ( Regie ) sowie  Christian Zübert ( Drehbuch ) überwiegend auf ein positives mediales Echo stieß, liegt wohl denn eher daran, dass er die frühen 80er Jahre eher aus der regionalen Sicht schildert, wenn gleich er damit auch das Interesse außerhalb der bremischen Gefilde anregte.

So begibt sich " WELT ONLINE " in der Ausgabe vom 04.05.2010 auf die Suche nach dem Sinn dieses Films und kann ihn - wie erwartet nicht erkennen:

" Für die Passanten am Kölner Mediapark muss es ein etwas irritierender Anblick gewesen sein: Junge Menschen mit ungewaschenen Haaren und 80er-Jahre-Klamotten telefonierten mit ihren iPhones, während Techniker zahlreiche Scheinwerfer und Kabel in den Keller des Kölner Filmhauses schleppten. "

-  Zitatende -

Na, klar, die jungen Menschen der 80er hatten ungewaschene Haare und trugen bestimmte Klamotten. Für die Hetzer aus dem Hause Springer waren solche Menschen unisono ein Dorn im Auge des rechtsseitig blinden Redakteurs dieser Postille.

Weiter heißt es dort:

" Die ARD verfilmt derzeit den Roman um den 20-jährigen Bremer, der im Spagat zwischen Bundeswehr und links-alternativer Chaos-WG seinem Aufbruch aus der Provinz entgegensieht. "

-  Zitatende -

Wenn mit Provinz das Nest Dörverden bei Verden / Aller gemeint ist, dürfte diese Qualifizierung zutreffen. Zu befürchten steht jedoch bei den " WELT "-Flachdenkern, dass damit die Stadtgemeinde Bremen gemeint ist. Auch 30 Jahre nach dem 6. Mai 1980 steckt der Stachel im Arsch der bürgerlichen Presse so tief, dass diese immer wieder aufschreit,wenn das Thema angeschnitten wird. Wenngleich der Schreiberling dieses geflissentlich ausspart. Wen wundert es, in diesem Umfeld?

Und zum Dritten, noch einen "Brüller" aus der Mottenkiste der journalistischen Verdummung:

" Die meisten Aufnahmen zu Lehmanns glückloser Karriere bei der Bundeswehr entstanden dann in Mechernich in der Eifel. "

-  Zitatende  -

Karriere? Bei der Bundeswehr? Da muss der Autor dieses Traktats wohl den Inhalt des Films nicht verstanden haben. Die Journaille wird auch immer dümmer!

So verwundert es denn nicht, dass in der " WELT ONLINE " - Ausgabe vom 01.12.2010 noch größerer Blödsinn verzapft wird. Einfach am Thema vorbei geschrieben, Herr Journalist! Sechs, setzen!

http://www.welt.de/fernsehen/article11318343/Der-Typus-schlaffe-Generation-in-Neue-Vahr-Sued.html

Und - last but not least - bringt es die Filbeschreibung bei "ww.cinema.de " exakt auf den Punkt:

Der 20-jährige Frank Lehmann (Frederick Lau) rebelliert auf seine Weise gegen den Stumpfsinn des Grundwehrdiensts, trifft am Wochenende in der WG seines Schulfreunds Martin auf kleinbürgerliche Revo­luzzer - und verguckt sich in die Studentin Sibille (Miriam Stein, Lotte Buff in "Goethe!"), die für Soldaten offenbar wenig übrig hat… "

-  Zitatende  -


So war es damals!

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