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Dienstag, 19. April 2011

" Living in the past ", " Travellin' thru' the USA " und " Back home " - aus den Flötenspielen der 70er Jahre.




 Da überreichte uns vor kurzem der Nachbarjunge eine Einladung. Sie bezieht sich auf  den 15. Mai 2011 und hat einen konkreten Anlass, der " Jugendweihe " heisst.
Für mich als Zugezogener ist diese Festivität zwar nicht gänzlich unbekannt ( immerhin habe ich viele Jahre DDR-Fernsehen geschaut ); zu einer solchen Feier war ich aber noch nie eingeladen.
" Jugendweihe " als weiterer Schritt in die - nur zu oft grausame - Erwachsenenwelt? Als Freischwimmübung aus dem See der Kindheit? Ein Pendant zur Konfirmation oder Kommunion?

Während ich hierüber sinnierte, kreisten einige Gedanken um meine Konfirmation im Mai 1970. In jenem Jahr also, als ich mit 16, bald 17 Jahre alt werdend, zusammen mit meinen beiden Geschwistern as so genanntes voll wertiges Kirchenmitglied in die Gemeinde Bad Eilsen aufgenommen war.
Davor lagen 2 Jahre Unterricht bei dem damaligen Pastor Hinz in Bad Eilsen.
Nach den Sommerferien 1968 mussten wir zum Vorkonfirmantenunterricht; ein Jahr später zum Konfirmantenunterricht.
Beide Jahre waren kein Zucker schlecken. Hinz war ein strenger Sohn Gottes, ein rabiater Diener der evangelischen Kirche und ein Abbild der körperlichen Züchtigungspädagogik der prä-faschistoiden Zeit.

Wer den aufgegebenen Lernstoff am Mittwoch der folgenden Woche ab 15.00 Uhr nicht auswendig konnte, wurde sanktioniert. Abschreiben eines der 10 Gebote, eines Liedtextes oder einer Passage aus dem Neuen Testament, zählte noch zu den kleineren Übeln. So manchem - zu begriffsstutzigen - Bauernsohn wurden die Segelohren von Hinz lang gezogen. Bei Wiederholungstätern setzte es auch eine schallende Ohrfeige. Bei den Arbeitermädchen indes hielt sich Hinz diskret zurück. Diese - gleichfalls nicht mit der Gnade des überragend Intellekts ausgestattet - mussten eher eine halbe Stunde im Unterrichtsraum der Kirchengemeinde kerzengerade stehen und keusch ihr Gesicht nach unten auf den Fußboden senken, wenn sie dabei ertappt worden waren, eben jene - nach Lesart der Kirche und Gutdünken des Pastors - wichtigen Regeln für das künftige Leben nicht auswendig herunter leiern zu können.

So klopfte dann ab 1. Januar 1970 das letzte Quartal der ungeliebten Konfirmationsknechtschaft an die Tür meines Zimmers. Schon in wenigen Wochen wäre der Zwang, Sonntag für Sonntag, seinen Milchbubikopf, der durch einen modischen, aber dennoch züchtigen Fassonhaarschnitt bedeckt war, deutlich von Pastor Hinz erkennbar, auf der Empore des Kirchenschiffs sehen lassen zu müssen, beendet. Die Zeit jagte vorbei - schon damals.
Der zweite Sonntag im Mai des Jahres 1970 brach an.
Noch schnell, nämlich kurz vor 9.00 Uhr morgens, den Text des aufzusagenden Teils eines der 10 Gebote  durch gelesen, herunter gemurmelt und durch wechselseitig Abhören mit beiden Geschwistern auf eben die erforderliche Textsicherheit hin überprüft, dann ging es - im Konfirmationsanzug - in die evangelisch lutherische Kirche zu Bad Eilsen.
Dort in der Bahnhofsstarße angekommen, warteten schon sämtliche Mitstreiter nebst Eltern, Onkel, Tanten, Geschwister und was sonst noch zweibeinig laufen, sitzen und auch stehen konnte, auf den Einlass in die Kirche.

Zum Bersten voll war sie damals, die Kirche, als Pastor Hinz mit dem Konfirmationsgottesdienst begann. Gemurmel, das dann schlagartig verstummte, als er die treppen zum Altar betrat. Der Kantonist oder Organist Koskar hämmerte in die Tasten und ließ das erste von gut einem halben dutzend Liedern, die auf einer der Tafeln links und rechts von dem Kircheneingang hing, benannt worden waren, zum Mitröhren frei geben.
Kaum war der letzte Ton verklungen, das obligatorische Geräuspere, das Hüsteln und Rascheln verstummt, erklang die feste Stimme von Pastor Hinz.
" Liebe Gemeinde! Wir sind heute zusammen gekommen, um weiteren jungen Menschen, die das Wort Gottes erhört haben, bei uns aufzunehmen."

Usw. usf.....

Dann wurde erneut gesungen. Bis endlich unser großer Auftritt kam. Alphabetisch leierte Hinz die Namen der Konfirmanten herunter. Bis zum Buchstaben "W", ohne das die Gottesdienstbesucher iregendwelche Regungen zeigten. Man kannte sich, man wusste voneinander, man respektierte sich ( meistens eher nicht ).
Dann las er vor:

Christiane W. ( eisige Ruhe )

Jürgen W.  (schon leichtes , von den Sitzbänken herrührendes  Gemurmel  )

Klaus-Dieter W. ( plötzliches, nicht zu überhörendes, etwas länger andauerndes Geraune ) 

Dann folgte noch ein Name mit W. Das wars.

Nachdem jeder sein vorgegebenes Textquantum auf Fragen des Pastors laut und deutlich verkündet hatte. Entließ uns der Pastor eine halbe Stunde später aus der Kirche.
Was dann folgte, war die übliche Abfolge derartiger Feiern: Mittag essen, Kaffee trinken, Abend essen. Dazwischen Rauchen, Alkohol, Gelabere.
Die von uns eingeladenen Nachbarn saßen derweil oben in meinem Zimmer und hörten Musik. Tabakqualm schwängerte den Raum und so einige Glas mit Fruchtbowle wurden dabei geleert.

Während die Jugendlichen eben im Zimmer hockten, wir als Konfirmanden zu den Mahlzeiten bei den Erwachsenen verbleiben mussten, stellte sich noch die Frage, zu wem nun Pastor Hinz besuchsweise auftauchen würde. Das Mittagessen hatte er wohl in einem Restaurant mit irgendeiner Konfirmandenfamilie eingenommen, die eben damals schon mehr Geld hatten. Dann erschien Maestro Hinz doch tatsächlich zum Kaffee bei uns. Alles war erstaunt. Andererseits wiederum auch nicht, denn: Wann werden schon drei Geschwister zusammen konfirmiert. Und während die Runde sich am Tisch mit unterhielt, der Kaffee gereicht und der Kuchen kredenzt wurde, mussten wir uns überlegen, wer nun das Tischgebet spricht.

Als der Älteste war ich dran. Fragend schaute ich den Pastor an. Der sich ( hmmmh-Gott sei dank! ) meiner annahm und dann höflich anfragte: " Soll ich beten?"Ein trockenes " Ja!" entkam mir noch, dann legte er auch schon los.
Und gerade in diesem Moment dröhnte von oben nach unter, nämlich aus meinem Zimmer " Atlantis " von " Donovan ". Ich schaute etwas unschuldig zur Seite. Pastor Hinz nahm es aber erstaunlich gelassen und formulierte: " Ja, auch die Musik der heutigen Jugend findet Gottes Gehör!". Eifrig nickend pflichteten wir ihm bei.
Wenig später folgten eben auch jene Stücke, die ich dann bei der Disko im Jugendheim und im Gemeindesaal ein Jahr später ebenfalls auflegen sollte:
" Living in the past " von " Jethro Tull ", "Travellin'thru' the USA " von einer Truppe mit dem Namen " Betangles " und " Back home " von der holländischen Formation " Golden Earring ".
Danach durften wir wieder zu unseren Freunden aus der Nachbarschaft nach oben gehen.

Musik verband schon damals viele Dinge, die dann wieder passend wurden, auch wenn sie nur sehr schwer zusammen zu fassen waren. Erwachsene und Jugendliche eben.

Dann waren da noch die Geschenke. Am Umschlag konnten wir schon erkennen, wer da welchen Schein (e) hinein gelegt hatte. Lieder blieb die Freude nur von kurzer Dauer, denn unsere Mutter kassierte die Umschläge allesamt ein und brachte sie auf das Sparbuch. Nichts da, mit neuen Plattenspieler und LPs kaufen. Schade, denn neben den schon vorhandenen Titel, die beim Kaffeetrinken herunter dröhnten, hätte ich mir sehr gerne einige Titel aus der vormaligen. der aktuellen Hitparade eben, gekauft.

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