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Donnerstag, 26. Juli 2012

Der Deichgraf zu Wilhelmshaven.





Für den durchschnittlich belesenen und informierten Norddeutschen ist die Stadt Wilhelmshaven ein Begriff. Für einem in Mitteldeutschland lebenden Bundesbürger dürfte die korrekte Beantwortung der Frage, wo diese Stadt liegt, erhebliche Probleme verursachen. Ein Süddeutscher oder Ur- Bayer wird eine solche geographische Nuss wohl kaum knacken können und wenn, dann treten spätestens bei der Orthographie Fehler auf, denn das " Wilhelmshaven " wird mit " Vogel - V " geschrieben und nicht wie es bei den Pendaten im Binnenland üblich ist mit " f ". So besteht denn nicht nur in der sehr unterschiedlichen geographischen Lage der Stadt Wilhelmshaven zu dem südlich belegenen Örtchen Bodman - Ludwigshafen ( nicht zu verwechseln mit der Stadt Ludwigshafen am Main ) am Bodensee der sichtbare Unterschied, sondern eben auch in der Schreibweise des " haven / hafen ).

Wilhelmshaven also, benannt nach dem Kriegstreiber und Menschenschinder Kaiser Wilhelm I., hat eine geschichtliche Verbundenheit mit dem Meer, dem Jadebusen, an dem die Stadt liegt und der Kriegsmarine, von der die Stadt seit 1863 profitiert, denn Arbeitsplätze sind auch in dieser Region rund um die angrenzenden Landkreis Friesland sowie dem sich danach folgenden Ostfriesland eher rar.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelmshaven

Deshalb wird das Militärische seit Jahrzehnten hoch gehalten. Die Marine als größter Arbeitgeber wird hier immer hofiert. Da steht auch der entsprechende Umgang miteinander nicht weit weg von den militärischen Gepflogenheiten.

Vieles muss zwar nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen geregelt, einige Dinge jedoch werden militärisch betrachtet nach der Maxime " Befehl und Gehorsam " umgesetzt. So auch bei einer Maßnahme, die die Gemüter der Betroffenen in der Jadestadt in Wallung bringt. Da beschloss nämlich der in Brake ansässige I. Oldenburgischer Deichband rund um den Voslapper Deich einen Schutzzaun hoch zu ziehen. Hiermit wird der über viele Jahrzehnte für Personen eingeräumte Zugang zukünftig verwehrt. Es dürfen dort nur noch Schafe weiden und sich Berechtigte aufhalten. Aus, vorbei mit dem Deichspaziergang am Sonntagnachmittag! Mit der nach Gutsherrenart durch gepaukten Maßnahme werden aber nicht nur Einheimische, also Wilhelmshavener vergräzt. sondern auch Besucher und Touristen, die vielleicht doch ein wenig Geld in die klammen Stadtkassen spülen.

Den Verantwortlichen des Deichbandes ist das Ansinnen der Bewohner indes schnurzpiepegal. Sie lassen weiter an dem Mega-Zaun werkeln und Kilometer für Kilometer abtrennen. Koste es, was es wolle. Zumal ja auch die Mittel dafür von der Landesregierung im fernen Hannover bewilligt worden sind.
Das zuständige Ministerium gibt sich arglos.
Der Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Dr. Stefan Birkner ( FDP ) hat jedoch die erforderlichen Finanzmittel für die Einzäunung der Voslapper und Alt-Voslapper Deiche bewilligt.




 
 
Die Bürger sind jedoch weder befragt noch informiert worden. Erst als die Grenzbautruppen ím Auftrag des I. Deichbandes zu Oldenburg anrückten und die ersten Meter des sogar mit Stacheldraht bewehrten Zaunes setzten, schwante den Wilhelmshavenern, was für ein Halunkenstück dort am laufen war. Zu spät!


Dennoch regte sich Protest. Die Medien wurden eingeschaltet und die berichteten zwar über die Deichabsperrung, jedoch eher unkritisch.
So kanalisierte sich der Bürgerprotest auf einigen Webseiten, auf denen mit Vehemenz der Rückbau des Deichzaunes gefordert wird. Bislang ohne Erfolg!





Wir schreiben das Jahr 1976, genauer gesagt: Es ist grauer Novembertag in jenem Jahr. Ein Sonntag in Wilhelmshaven. Nach einer kurzen Fahrt mit meinem lindgrünen Renault R4 erreichen wir den Wilhelmshavener Stadtteil Voslapp, der sich an Rüstersiel anschliesst. Am Voslapper Groden-Süd gab es einst genügend Parkplätze, um unmittelbar von dort eine Deichwanderung zu absolvieren. Der Wind bläst ordentlich und ist frisch, so wie fast immer ab Spätherbst an der See, am Wasser. In der Ferne sind einige Industrieaufbauten zu sehen. Die Großanlage des einstigen Chemiegiganten ICI, um die es Jahre zuvor bereits heftige Diskussionen gab.
Die Wanderung beginnt, denn Spaziergang wäre ein wenig zu tief gestapelt,weil doch einige Kilometer zurück zu legen waren. Auf dem Deich begegnen uns einige Fahrradfahrer; sonst sind nur Schafe zu sehen, die unterhalb der Deichkrone weiden. Eine Idylle eigentlich, denn der Naturverbundene befindet sich zwischen dem Wasser, dem Meer und dem geschützten Land. Der Wanderer fühlt sich irgendwie frei. Er lässt die Seele baumeln und bemerkt gar nicht, dass es langsam schon wieder dunkel wird und eine lange Strecke hinter ihm liegt.

So im Jahre 1976. Mehr als 3,5 Dekaden später ist es vorbei mit der uneingeschränkten Wanderei, mit den Spaziergängen bei Wind, in unmittelbarer Nähe zum Wasser, dem Jadebusen, der ein winziges Bruchstück der Nordsee und des gigantischen Ozeans, des Atlantiks darstellt. Seit Beginn des Jahres 2012 weiden nur noch Schafe auf den Deichflächen. Sie sorgen dafür, dass das Gras kurz gehalten wird und sind als ökologische Deichpolizei zu sehen. Der Mensch ist hier nicht mehr erwünscht; Zuwiderhandlungen werden polizeilich verfolgt, wenn er die Deiche in Voslapp betritt. Armes Wilhelmshaven, bedauernswertes Niedersachsen.


Was waren das einst für Zeiten, ab 1976 in Wilhelmshaven, in Rüstersiel und Voslapp oder umzu, als der freie Gang, der erlaubte Spaziergang noch sicher gestellt war. Ohne Zaun, ohne Stacheldraht und Drohungen mit der Polizei, einem Bußgeld und sonstigem staatlichen Maßnahmen.

Selbst der "olle" Kaiser Wilhelm I., der eigentliche Herrscher über die Wilhelmshavener Deiche, hat es nie gewagt, diese für die unfreien Bürger von damals sperren zu lassen. Der Deichgraf in Hannover, der Promovierte von der FDP lässt es zu, dass sich die Geschichte indes ad absurdum füht.

Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben! Zumindest in dieser Hinsicht!

1 Kommentar:

til_o. hat gesagt…

Im Land Brandenburg geht es ähnlich zu. Dort haben die Kommunen, oder wer auch immer, Wassergrundstücke privatisiert, sprich an Neu- oder Altreiche verkloppt, mit dem Ergebnis, daß die Wanderwege am Ufer rund um den See für Normalsterbliche abgesperrt wurden. Privatbesitz, Zugang verboten. Diese Zaunbaumentalität scheint immer mehr in Mode zu kommen. Ich bete deshalb schon jeden Tag zum Lidl-Gott, auf daß er meinen Wagen auch weiterhin 24h am Tag auf seinem Parkplatz duldet.