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Samstag, 19. April 2014

Erzgebirgische Osterschnitzereien





























Dass mit dem Osterfest - jenseits des Stellenwerts im christlichen Glaubenskonstrukts - so mancher Schwachsinn betrieben wird, erkennt der Bewohner eines hoch industrialisiertes Landes spätestens einige Wochen vor den Festtagen. Bunte Osterhasen, Ostereier und Oster - Accessoires hängen in den Bäumen, den Sträuchern oder stehen auf Fensterbrettern.





Nun, ja, auch hier gilt der Grundsatz: Viel hilft viel!

Wer den heimatlichen Ritualen, wie dem Osterfeuer, den Oster - Gottesdienst, noch eine Schippe drauf legen will, der fährt oder fliegt in den Osterurlaub. Zum Super - Sondern - Spartarif in Richtung Süden und - entgegen gesetzt davon - an die See in Richtung Norden.




Abseits der Pervertierung des eigentlich christlichen Glaubensfestes, dass dem Nicht - Gläubigen einfach per Gesetz als Feiertage von Papa Staat aufoktroyiert wird, reicht denn ein Osterspaziergang in der inzwischen grünenden Natur aus, um Ruhe zu finden.


Hierzu hat der geniale Johann Wolfgang von Goethe einst gedichtet:


Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.




Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weisses,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dring ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus Strassen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit' und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.



Goethe hat ja so tief in die Abgründe der menschlichen Natur hinein geblickt, ohne dabei die Contenance zu verlieren. 
Und während die Fress - und Sauforgien ihrem Höhepunkt entgegen gehen, die leeren Regale in den Tagen vor dem Osterfest darüber Aufschluss geben, dass es dem Bundesmichel wieder besser geht, weil die Wirtschaft brummt, genießt so mancher Anti - Christ das Fest mit des Meister Lampe´s langen Ohren - aus Holz - versteht sich:

Der erzgebirgischen Schnitzkunst sei Dank, dass ich mir die hängenden Plasteeier an den Bäumen, der schokoladigen Dickmacher in den Supermarkt - Regalen und der Pfaffen Lobhudelgeseiere zum wahren, christlichen Glauben Abhold tuend, einen leckeren irischen Whiskey als Ostertrunk genehmigen darf, denn das Osterhasen - Ensemble habe ich dekorativ auf den Tisch gezaubert. Na, denn:

" Frohes Fest! "


  

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