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Samstag, 9. Juli 2016

Die Katzen - Mama, der schlesische Bergmann und die Einsamkeit auf dem Großen Annenfridhof in Dresden.



Es wurde wieder Zeit, um nach dem Grab zu sehen. Der bislang regenreiche Sommer und die Treibhaus ähnlichen Temperaturen bringen die Pflanzen zum Dauerwachstum. Weil sie aber außergewöhnlich stark wuchern, sind jede Art von Scheren gefragt.

Da ging ich nun mit Handhacke, Rosenschere und selbst gepflückten Blumen aus dem Garten in Richtung Annen Friedhof, um hier nach dem Rechten zu schauen. Kaum hatte ich die Eingangspforte passiert, fiel mir eine ältere Frau auf, die sich mit einer gut genährten Katze unter hielt. Was sie dort dem hinter ihr her laufenden Stubentiger mitzuteilen hatte, konnte ich leider nicht genau verstehen. Einige Male jedoch vernahm ich das Wort " komm ". Der schwarz - weiß gefärbte Vierbeiner hob seinen Schwanz und sprintete hinter der Dame her. Die zog etwas aus ihrem Stoffbeutel und war es auf den Rasen.

Es war wohl Futter, denn die Katze stürzte sich sofort auf das, auf dem Rasen liegende Stück, dann hob sie wieder den Schwanz und trottete neben der Dame her, die wiederum auf sie einredete. Dann warf sie erneut Futter aus ihrer Tasche auf den Weg. Die Katze sprang dort hin und schien dieses zu verschlingen. Der Ablauf wiederholte sich mehrere Male. In mich hinein lächelnd, beobachtete ich die Szenerie, ehr mir die riesigen Laubbäume und die großen Büsche auf dem Friedhofsgelände, die Sicht versperrten. Das Paar bog einen anderen Weg ab und war dann gar nicht mehr zu sehen.

Bis zur Grabstelle gehend, überlegte ich immer wieder, in welcher Form die beiden Lebewesen zusammen gehören könnten. Ob die Dame wohl alleine wohnte? Vielleicht hatte sie keinen Partner mehr? Kann es sein, dass dieser auf dem Annen Friedhof beerdigt wurde? Und, die Katze? Ein hübsches, gut in Futter stehendes Tier. Sie könnte ausgesetzt worden sein. Sie könnte aber auch dort geboren worden sein, denn hier gibt es viele wild streunende Katzen. Es mag auch so sein, dass der Stubentiger erst vor kurzer Zeit, eventuell mit dem Ferienbeginn dort ausgesetzt worden ist. Diese beiden Friedhofsbesucher kannten sich aber offensichtlich schon länger.




Als ich am Grab stand und mit der Pflegearbeit begann, kam mir die Erinnerung an die unzähligen, wild lebenden Katzen in Miami Beach. An einem Strandabschnitt, wo längst keine der Beton - Hotel - Monster zu sehen sind, wo sich das Meer, der Pazifische Ozean, nur noch von Kilometer weiten Sandstränden, an der Biscayne Bay, und der Collins Avenue, einer stark befahrenden Hauptverkehrsader, die wiederum als Stateroad A1A dort geführt wird, separiert, gibt es einen kleinen Park, indem die ausgesetzten Tiere zu sehen sind.
Niemand kümmert sich um die häufig todkranken ( Katzenschnupfen, vereiterte Augen, mit Parasiten übersäte Körper ).
Wir waren damals entsetzt, dass es so etwas in einem solch reichen, zivilisierten land gibt.

Nun, diese naive Sichtweise habe ich längst aufgegeben. Bei uns vor der Haustür ist ein ausgesetzter Hund, sind weggeworfene Katzen und frei gelassene Ziervögel keine Seltenheit.

Ich wollte gerade die Grabarbeiten beenden und einige, längst obligatorische Fotos von der Grabstelle knipsen, als ein älterer Mann zu mir herüber sah. Er werkelte zuvor auch an einer Grabstelle herum. Ich hörte dabei, dass er Selbstgespräche führte. Aber, es waren eigentlich  keine typischen Gespräche mit sich selbst, sondern er unterhielt sich mit dem Grab. Es wird wohl seine Frau sein, die dort beigesetzt worden ist, dachte ich bei mir.  Der ältere Herr sprach mich an: " Ja, das mache ich auch, wenn ich hier her komme; einige Bilder von Grab. ", sprach er mich an.

Wir unterhielten uns einige Minuten. der Herr erzählte mir, dass er aus Schlesien stamme, genauer gesagt aus einer Kleinstadt zwischen Görlitz und Breslau. Dort sei er bei einer Zeche beschäftigt gewesen und sei dann vor 37 Jahren nach Dresden gekommen. Es erzählte mir weiter von dieser Zeit, der Arbeit unter Tage, dem Krieg und, dass er vor vielen Jahren wieder zu Besuch in seinen Heimatort gefahren sei. Er habe aber dabei nichts mehr wieder erkannt, weil alles verfallenen und abgerissen worden sei.






Er hätte mit Sicherheit noch mehr aus seinem langen und auch bewegten Leben weiter gegeben, doch meine Zeit drängte. Ich packte meine Utensilien zusammen und verabschiedete mich von ihm. Mit einer Zinkkanne in der Hand und dem Leinenbeutel in der anderen, ging ich zu der Wasseraufnahmestelle. Als ich die Kanne dort hinunter setzte und das abgeschnittene Grünzeug entsorgt hatte, drehte ich mich eher zufällig noch einmal zu der Grabreihe, aus der der Fremde kam, um. Ich sah, wie dieser sich mit einer Frau unterhielt.

Er wird wohl einsam sein, kam mir sofort der Gedanke, so, wie die Katzen - Mutter zuvor auch. Er suchte ein wenig Unterhaltung. Einsamkeit kennt viele Facetten. Dagegen hilft oft ein Gespräch. Und sei es auf dem Friedhof mit einer Katze.


" Hot Tuna " mit " Hesitation Blues " :




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