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Donnerstag, 8. September 2016

Garçon !





Die ostfranzösische Hafen - und Großstadt Nizza ( Nice´) ist mit ihren mehr als 320.000 Einwohner zwar nicht der Nabel der Welt, aber immerhin ein beliebter Ferienort für den Massen - Tourismus. Hier tummeln sich, etwa 30 Kilometer von der italienischen Grenze entfernt, zu den Haupt - Reisemonaten Juli und August Zehntausende, um den verblichenen Flair der einstigen Oase für Reiche, Schöne und Blöde einzufangen.

Wo in den 1950er bis 1980er Jahren nur den selbst ernannten Zugehörigen der Hautevolee die Möglichkeit gegeben wurde, den Max ordentlich raushängen zu lassen, ist inzwischen graue Tristesse der Beliebigkeit eingetreten. Wo vormals Schmarotzer wie Gunther Sachs, Brigitte Bardot oder andere Persönlichkeiten ihr Stelldichein gaben, ist längst ein Massentrubel eingetreten. Es wälzen sich Menschenmassen über die Strandpromenade. Immer im der Hoffnung, einen winzigen Augenblick ihres eigenen Lebens damit verbringen zu können, in der Kloake des Mittelmeers zu sein.

Wer dem Trubel aus dem Weg gehen möchte, der verbringt seine Freizeit in irgendeinem der vorhandenen, exklusiven und deshalb teuren Hotelanlagen, in denen die hochpreisige Beköstigung, durch erlesene Getränke - Kreationen ihren Klimax erfährt. Gleiches gilt auch für die massenhaft angesiedelten Restaurants, in denen das fest gezurrte Budget eines Durchschnittstouristen schon bei dem Einblick in die Speise - und Getränkekarten längst den roten Alarmknopf drücken lässt. Und ähnlich ist es bei den Cafes, Bistros und zum späten Abend der Tanztempel. Dieses Privileg wird indes nur den gut bis sehr gut betuchten Gästen zuteil. 

http://www.luxuryhotelsguides.com/?ufi=-1454990&lang=DE&gclid=CI_YmaW-_84CFbMW0wodMfkPCg

https://www.tripadvisor.de/Restaurants-g187234-c20-Nice_French_Riviera_Cote_d_Azur_Provence.html




https://de.wikipedia.org/wiki/Nizza


Der Mob, der Pöbel, der Plebs muss sich mit dem einfacheren Angeboten der 1.778 Gastronomie - Einrichtungen zufrieden geben, die jedoch ebenfalls die nizzanische Küche und deren Spezialitäten sowie auch jene der übrigen Welt bereit halten. Allerdings sind hier die Bedingungen und das angebotene Umfeld der Fresstempel und mehr, eher bescheiden, weil auf Masse ausgerichtet.

Doch auch die französische Küche ist in den preiswerteren Segmenten immer noch gut. Kombiniert mit einer Sonnen - und Schönwettergarantie in den klassischen Reisemonaten Juni bis September, ist die Hafenstadt am Mittelmeer, an der Côte d’Azur nicht nur bei der Landesbevölkerung äußerst beliebt.

Was aber vor vielen Dekaden noch als exklusiver Reiseort der westlichen Prominenz und des wieder erstarkten Geldadels im Gespräch war, hat sich mit eben dem Massen - Reiseverkehr als x - beliebiges Ferien - und Freizeitziel entwickelt. Von einigen Tausend auserwählten Besuchern mit sieben - und mehrstelligen Vermögenswerten oder den gut über sehr gut bis hin zu den Spitzenverdienern, kann die dortige Touristik kaum leben, geschweige denn überleben.

Dennoch zelebrieren Jahr für Jahr für einige Wochen schon in die reifen Lebensjahre gekommenen - zumeist Frauen - Besucher, ein Ritual, dass gemeinhin als Angeben erklärt wird. Es liegen ab den Vormittagsstunden just die zwar älteren, aber durch exzessive Körper - und Gesichtsstraffung, nicht sofort als solche, erkennbaren Damen in zuvor reservierten Strandliegen der meerseitig angelegten Hotel - und Gastronomieflächen und geben sich den Blicken der vorbei flanierenden Massen hin. 

Gut ausgestattet mit Designer - Sonnenhut, einer dazu passenden Sonnenbrille, an deren Rändern es leicht, aber sichtbar funkelt und glitzert sowie einem zart - farbenen Strandkleid und dazu exakt abgestimmten Sandaletten der üblichen Edelmarken, wird der nicht selbst, sondern von einem Ex - oder Ehemann erwirtschaftete Reichtum protzig zur Schau gestellt.

Während das gemeine Fußvolk, dass den - nur durch die Gnade der richtigen Geburt - erlangten Luxus während des Vorbeischiebens eher mit stoischer Gelassenheit zur Kenntnis nimmt und bei 26 ° C und darüber hinaus gehend, die affektierten Gesten der Gutsituierten eher nicht registriert, hat es die in den privaten Strandabschnitten tätige Gruppe der Kellner schwer, durch Trinkgelder, das Hunger - Salär von 1.000 Euro brutto aufzustocken. 

Bei der Berufsausübung ist hier viel Intuition, Fingerspitzengefühl und eine stoische Gelassenheit gefragt. Nur durch einen ausgebauten Schutzschild, von dem jene gewollten, ritualisierten Kränkungen dieses Personals dann abprallen, wie indianische Giftpfeile von der Rüstung des Aquirre im Amazonas, lässt sich diese Tätigkeit ertragen. Der filmreife Auftritt der dekadenten Brut ist Tag für Tag gleichförmig.

Zunächst stolzieren die sündhaft teuer bekleideten Puten über einen Laufsteg artigen Zugang zu ihrer angestammten Strandliege. Es könnte ja sein, dass die äußerst gepflegten, nämlich durch tägliche Pediküre in Fasson gebrachten Edel - Füßchen mit dem feinkörnigen Sand in Berührung kommen. An dem exakt bemessenen und durch normierten Abstand zu einer anderen Edel - Pute abgegrenzten sowie von jedweden Fremdkörpern befreiten Areal, angekommen, bringt sich die reifere Frau, also die Madame, mit gekünstelten Bewegung in die selbst gewünschte Liegeposition. Zumeist ist diese so geartet, dass der Kopf, der zur Hälfte von einem eleganten Damenhut bedeckt gehalten gelassen wird, sich der schräg zu der schräg stehenden Strandliegenposition angleicht. Der übrige Körper ist von beiden Längsseiten nicht mehr erkennbar.

Hat die ruhende Luxus - Dame ihre Grundstellung eingenommen, folgt nach einer zeitlich fein abgestimmten Ruhepause durch ein gemächliches Anheben des rechten Armes bis auf Kopfhöhe und hieran anschließender, halbkreisförmiger Zusammenfügung der sehr gepflegten Hand, ein mittels Daumen -  und Zeigefingerzusammenführung, deutlich hörbares Schnippen. Wenige Sekunden später erfolgt ein in einem gemäßigten, aber sehr bestimmten Ton ausgesprochenes
 " Garçon!  " (  https://de.wikipedia.org/wiki/Kellner )

Wie von der Tarantel gestochen begibt sich einer der für jenen Strandliegenabschnitt zuständige jungen, uniformiert gekleidete und sehr gepflegten Kellner, der mit einem breitseitig über den linken Arm gelegten Serviertuch bewehrt wurde, zu der schnippenden Madame. Es folgt ein standardisierter Dialog:  

"  Ma'am . Vous voulez , s'il vous plaît ? "

" Un champagne aux fraises! "



" Très bien , madame ".



Danach jagt der Gerufene, wie ein Verschnitt aus Usain Bolt, Jim Hines und Carl Lewis in Richtung des separierten Ausschanktresens und ruft bereits einige Meter davor in einer demütigten Tonlage: " Einen Champagner mit Erdbeeren! Bitte schnell!" 

Der Barkeeper rotiert, wie ein umlaufender Elektromotor und schenkt das Getränk nebst fruchtiger Einlage in ein hochpreisiges Glas ein. Binnen Sekunden hat der Kellner das georderte Mode - Gesöff auf seinem Silbertablett und schreitet schnellen Schrittes, aber dazu elegant und mit gekonnten Ausweichbewegungen, sofern sich kollegialer Gegenverkehr nähert, zu der darbenden Luxus - Pute und ihrer gemieteten Liege. 

Sodann nimmt der Garçon in einem gebührenden Abstand zu der ruhenden Henne eine Grundstellung mit zusammen gehaltenen Hacken ein und wiederholt die zuvor aufgegebene Bestellung der wartenden Schaumschlägerin: 



"  Ma'am, un champagne aux fraises, s'il vous plaît! "

und ergänzt dann noch in einer gemäßigten, leicht verständnisvollen Tonlage : "

" Ainsi bekommt de! "

Sodann begibt sich der zuvor gerufene Kellner in eine Habachtstellung einige Meter hinter der Liegenansammlung. Hat das Getränk gemundet, der Service zur Zufriedenheit der luxuriösen Madame funktioniert, könnte ein ordentliches Trinkgeld dabei abspringen. Funktioniert der erwartete Service jedoch nicht, weil der Mitarbeiter beim Ausschank wegen zu vieler, gleichzeitig eingehender Bestellungen, eben nicht, erfolgt die gnadenlose Feststellung der, dann jedoch ungnädigen Frau durch die lapidare Wortwahl: 
" Trop tard ! " ( Zu spät ).

Der so Geschasste hat nun die Funktion eines geprügelten Köters und muss das zubereitete Gesöff wieder zum Tresen zurück bringen. Die Dame indes bezahlt für diese Demütigung selbstverständlich nichts. Pech gehabt! Trinkgeld gibt es natürlich dann für diesen Leerlauf auch nicht. Die Frage, die sich dem Normal - Otto dabei stellt, wäre: Was geschieht mit dem nicht entgegen genommen Champagner?
Vermutlich hat der Barkeeper dafür einen eigenen, gekühlten Auffangplatz in einem der vielen Schränke, wo das edle Gebräu auf die nächste, von einer dieser affektierten Damen georderten Bestellung warten könnte. Schlimmtenfalls wandert der Trunk in den Ausguss und die frischen Erdbeeren in den Abfall. Luxus pur, eben!

Nizza ist dann immer noch die alte Dame an der französischen Mittelmeerküste, wenn auch nicht mehr unerreichbar für den Schmalspur - Touristen. Einst verkündete der inzwischen verstorbene Bundesaußenminister Guido Westerwelle, dass uns bei zuviel versprochenen staatlichen Leistungen ohne geforderte Gegenleistung, der Rückfall in die spätrömische Dekadenz drohe.

Für dieses aufgeblasene Weiberpack an Nizza´s Stränden, hat diese apokalyptische Vorstellung bereits Realitätsformen angenommen.

Leistungsfrei leben, dank der richtigen Zusammensetzung bei der Erzeugung eines Menschen - Quo vadis, orbis?



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