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Sonntag, 21. Mai 2017

Die Erdbeerplantage in Luhden



Beim Schreiben meines Posts über die Erdbeerfelder am Unterschleißheimer Berglwald, erinnerte ich mich an jene Zeit zurück, als ich selbst zum freiwilligen Erdbeer - Erntehelfer wurde. Vor 50 Jahren, als die Welt vielleicht noch überschaubarer war, unser Globus nicht so quietschte und eierte; wohl aber die Feindbilder klare Konturen hatten, blätterte ich - hoch interessiert und oft voller Wünsche - die immer dicker werdenden, bunten Kataloge von Versandhäuser durch. Ob nun Quelle, Neckermann oder Schwab, sie lagen ab März und September unter dem Radiotisch in der elterlichen Küche. Diese Wälzer überbrachte immer der Postbote und dieses sogar persönlich.

In diesen Wunderwerken des westdeutschen Konsumbegehrens, gab es beinahe all jene Dinge, die das Herz begehrte, aber der Verstand ausblendete, weil das Geld dafür nicht vorhanden war. Mich reizten besonders die Angebote in den Rubriken für Unterhaltungstechnik. Ob nun Plattenspieler, Verstärker, Boxen, Tonbandgeräte, Mikrophone oder Kassettenrekorder, ich sah mir die Abbildungen hierfür stundenlang an, las die technischen Daten und erstarrte bei den Preisen. So etwas konnte ich mir nicht kaufen. Wovon auch? Taschengeld gab es keines, erspartes Geld hatte ich kaum ( zudem war das Sparbuch bis zur Volljährigkeit mit 21 Jahren gesperrt ) und wohlhabende Eltern oder reiche Verwandte schon gar nicht.

Es war bald wieder Sommer geworden. Die Schule drohte mit den langen, über 6 Wochen andauernden Schulferien und der damit verbundenen Langeweile, als ein Schulkollege aus der Nachbarschaft mir eher zufällig erzählte, dass einige hundert Meter hinter dem Elternhaus, dort, wo heute eine Golfplatz - Anlage ihr Dasein fristet, eine Obstplantage eröffnet worden sei. Diese würden angeblich Erntehelfer suchen. Genauer gesagt: Es wurden Erdbeerpflücker gesucht.

Ich schlug meinem Schulkollegen vor, dort einmal vorzusprechen. Weil wir Schüler waren, nahm die Ehefrau des Obstbauern und mit Kusshand. Es mussten dafür keine Sozialabgaben gezahlt werden. Die Tätigkeit wurde lediglich pauschal besteuert. Somit waren nur Hausfrauen, Rentnerinnen und Schüler dort tätig.

Die Arbeit begann Samstags - und Sonntagsmorgen ab 5.00 Uhr und ging bis Mittag 12.00 Uhr. Dann wurde es zu heiß und es war auf den Feldern nicht mehr auszuhalten.

So begannen wir den ersten Samstagmorgen um kurz vor 5.00 Uhr uns auf den Weg zu dem vielleicht einen Kilometer entfernt liegenden Feldern zu machen. Draußen wurde es bereits hell und wir dachten, wir seien die ersten Helfer auf den Feldern. Das war ein Irrglaube. Gut ein Dutzend ältere Frauen waren bereits fleißig am Pflücken. Mit Kittelschürzen, Kopftüchern und alten Schuhen bewehrt, durch stöberten sie in gebückter Haltung die ungezählten Reihen mit den Erdbeerpflanzen. Links und rechts standen zwei Anhänger. Einer, der mit Holzkisten voll gestopft war, in denen die Holzkörbe mit den Früchten eingestellt wurden. Ein zweiter Hänger enthielt diese Holzkörbe. Zuvor aber mussten sie natürlich gefüllt werden.

Die Frau des Bauern begrüßte uns kurz, erklärte uns dann, wie wir die Körbe mit welchen Früchten zu bestücken hätten und gab dafür auch den Lohn an. Es waren 50 Pfennig für einen 2,5 Kilo - Korb. Das hieß: Für 10 Pfennig mussten 500 Gramm Erdbeeren in den normierten Holzkorb wandern. Wir sahen uns die rasant arbeitenden alten Frauen bei der Arbeit an und kamen zu der festen Überzeugung, dass wir dieses in der Geschwindigkeit auch schaffen müssten.

Die Bauersfrau gab uns zunächst einen Holzkorb in die Hand, erklärte uns aber sofort, dass wir den nächsten Behälter selbst holen müssten, begleitete uns zu einem Feldabschnitt und gab uns dort die Anweisung, in welcher Richtung und wie und vor allem, welche von den reifenden Früchten wir abzuerneten hatten. Dann zeigte sie uns einen Holztisch auf dem zwei große, mechanische Waagen standen und informierte uns, dass wir hier in ihrem Beisein die Körbe abwiegen müssten. Sie werde den Inhalt dann kontrollieren, dann in einer Kladde, in dem die Namen aller Helfer verzeichnet wurde, hinter diesem einen Strich machen und am Ende der Arbeitszeit dann abrechnen.

Es ging also los. Schritt für Schritt, Minute für Minute, Stunde für Stunde schlichen wir durch die langen Beete und sammelten Frucht für Frucht mit der Hand ein. Während wir uns abplagten, hatten die Alten aus den Dörfern Luhden, Heeßen Buchholz oder Ahnsen und sogar Bad Eilsen Korb für Korb eingesammelt. Einige der Frauen kamen auf sagenhafte 100 Körbe in den 7 Stunden Arbeitszeit; wir schafften gerade einmal die Hälfte. Doch auch 25 Deutsche Mark pro Tag waren für mich sehr viel Geld.  So holte ich mir den ersten Verdienst am Mittag von der Frau des Obstbauern ab und war danach stolz wie Oskar. Mein erstes, eigen verdientes Geld.
Ich sparte es für einen Kassettenrekorder von Neckermann, der damals 198 Deutsche Mark kosten sollte. Dazu wollte ich mir zwei C 60 Kassetten kaufen, die einzeln mit 5,95 DM angegeben waren, im Doppelpack jedoch nur 9,90 DM ausmachten. Also musste ich mindestens 207, 90 DM verdienen, um meinen Herzenswunsch in Erfüllung zu bringen.

Am nächsten Sonntag standen wir wieder ab kurz vor 5 Uhr auf der Erdbeerplantage in Luhden und pflückten erneut. Ich kam wieder nur auf knapp 50 Körbe. Die alten Frauen schroteten mehr als das Doppelte durch. Ich versuchte mir klar zu machen, wie sie das hinbekamen. Wir waren doch jung und die Frauen alt - älter als meine Mutter. Die Antwort hierauf war simpel: Es kam auf die Pflücktechnik an Die Frauen kamen vom Lande, kannten die Gartenarbeit und hatten eben gelernt, wie die Erdbeeren schnell und präzise abgeerntet werden.

Dann waren Sommerferien. Wir standen ab der ersten Juliwoche jeden Tag auf dem Erdbeerfeldern von Luhden. Doch die Ernteausbeute wurde nicht mehr. Dann sollten wir zum so genannten Nachpflücken kommen. Da konnte allenfalls die Hälfte der Körbe gepflückt werden. Da die Frauen eben schneller waren als wir, mussten wir quasi hinterher laufen. Immerhin hatte ich in der zweiten Juliwoche meinen Kassettenrekorder nebst zwei Bänder verdient.

Dann war die Erntezeit zu Ende.

Ich hatte mir meinen Traum selbst erfüllt. Wenige Tage später bestellte ich bei dem Neckermann Versand in Frankfurt am Main den Kassettenrekorder und zwei Bänder. Stolz nahm ich damit sogar einige Radiosendungen auf.

Immerhin musste ich dafür mindestens 416 Körbe füllen und 1040 Kilogramm, also mehr als 1 Tonne der köstlichen Früchte per Hand ernten. Tja, früher war eben nichts besser, nur vieles anders.

Gut´s Nächtle mit:


Der zutreffende Titel schlechthin!


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