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Dienstag, 25. Juli 2017

Spasiba = Спасиьа #thank#you#



Heute Abend spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen gegen die russische Vertretung. Sie bestreitet das Länderspiel im Rahmen der Fußball - Europameisterschaft in den Niederlanden. Diese Begegnung läuft in Utrecht, einer Stadt mit mehr als 339.000 Einwohnern; der viertgrößten Stadt der Niederlande. Die Zuschauerresonanz ist - wie bei den anderen Spielen ohne niederländische Beteiligung - eher mäßig. Das Spiel in der 1. Halbzeit völlig einseitig, denn die von der Trainer Steffie Jones betreute deutschen Auswahl zeigt sich turmhoch überlegen. Die Russinnen stehen mit zwei Viererketten zirka 20 bis 25 Meter vor ihren Strafraum und versuchten - mit lauteren und vor allem unlauteren Mitteln - die deutsche Angriffsmaschinerie zu stoppen.
Es steht zur Halbzeit deshalb nur 1:0 für die Jones Frauen.

Während Angriff auf Angriff im Minutentakt auf das russische Tor vorgetragen wird, schweifen meine Gedanken ab. Russland, Russinnen, Flüchtlinge, das war einst, also vor knapp einen Vierteljahrhundert ein großes Thema in Deutschland, das ja seit dem Juli 1990 wieder vereinigt ist.

Die einstige Sowjetunion, der Warschauer Pakt, die DDR als zweiter deutscher Staat, waren implodiert. Die Strukturen lösten sich auf. Es herrschte Chaos allenthalben und überall; wo sonst der Staatsapparat mit brutaler Härte, mit Sanktionen und Repressionen gegen die eigene Bevölkerung vorging, gab es eher ein laissez faire. Die gewählten Regierung der betroffenen Staaten hatten mehr mit sich selbst und der Aufrechterhaltung von Grundstrukturen des Staatswesens zu tun, denn mit der Kontrolle ihrer eigenen Bürger.

So kam es auch, dass aus dem jetzigen Russland eine Vielzahl von Menschen flohen und versuchten, über Schlepper, einen Weg zur illegalen Einreise nach Westeuropa zu finden. Dafür zahlen diese Menschen - wie heute auch - einige Tausend US - Dollar. Die Kriminellen schleusten dann die russischen Frauen und Männer über die einstigen sozialistischen Bruderstaaten Rumänien, Bulgarien,Ungarn oder die Slowakei und Tschechien nach Österreich oder direkt nach Deutschland ein.

Ich hatte seit zirka 10 Jahren einen Faible für Ausländer - und Asylrecht entwickelt und kannte mich als Jurastudent und später Rechtsanwalt in dieser Materie relativ gut aus. Das sprach sich in Bremen unter den vielen ausländischen Mitbürgern irgendwann herum. So erhielt ich deshalb davon eine Vielzahl von Mandaten und aus diesen daraus folgend, auch Strafsachen.
Irgendwann im Frühjahr 1994 erhielt ich einen Anruf eines Dolmetschers für russische Sprache, der mir erzählte, dass er einen Übersetzungsauftrag in einigen Strafsachen, derentwegen russische Staatsangehörige als Beschuldigte geführt waren, erhalten hatte. Er stellte mir die Frage, ob ich zwei Fälle von Russinnen übernehmen würde, die wegen Vergehens gegen das Asylverfahrensgesetz sowie das Asylbewerberleistungsgesetz in Untersuchungshaft in Bremen -Oslebshausen einsaßen.

Wir verabredeten uns zu einem Besuchstermin an einem späten Nachmittag im März oder April 1994 in der U - Haftanstalt. Die  beiden Russinnen wurden uns dann durch die Schließer in die Besprechungszimmer gebracht. Der Dolmetscher erklärte ihnen, dass ich eine Vollmacht benötigen würde. Die die beiden Frauen dann separat unterschrieben. Ich beantragte danach Akteneinsicht und erhielt zwei dieser roten Leitz - Ordner, in denen jeweils der gesamte Schmus abgeheftet war. Ich ließ beide Akten von meinen Azubinen kopieren.

Es vergingen zwei weitere Wochen, ehe ich einen weiteren Termin mit dem Dolmetscher vereinbaren konnte. Wieder trafen wir uns in der U - Haft und bekamen die beiden Damen dann zugeführt. Zuvor aber fragte mich der Dolmetscher, ob ich den Russinnen nicht eine Schachtel Zigaretten aus dem Automaten, der neben dem Besprechungszimmer an der Wand hing, ziehen könne. Sie seien mittellos und hätten ihn nach Zigaretten gefragt. Ich öffnete mein Portemonnaie und holte Ein - und Zweimarkstücke heraus, die ich in den Automaten warf. Dann zog ich zwei Packungen " Marlboro " und steckte sie in die Hosentasche.

Kaum waren die beiden Frauen im Zimmer legte ich die Packungen auf den schäbigen, alten Tisch, der in der Mitte des siffigen, verhunzten Raumes stand.
Beide jungen Frau lächelten mich an und bedankten sich artig mit dem russischen Wort:
" Spasiba ".
Danach besprachen wir die beiden Strafsachen. Beiden wurde vorgeworfen, unter falscher Identität mehrfach Asylverfahren betrieben zu haben, dabei jeweils Geldleistungen erhalten zu haben und die Behörden damit getäuscht zu haben. Es gibt ein spezielles Strafgesetz hierfür, dass Freiheitsstrafe ab 6 Monate bis zu zwei Jahren vorsieht.

Nun, die bremischen Gerichte sanktionierten dieses Vergehen mit der Verhängung von Kurzfreiheitsstrafen von 6 bis 9 Monaten.

So kam es denn auch. Beide Russinnen wurden zu 8 Monaten Haft verurteilt. Da sie bereits 5 Monate in U - Haft geschmort hatten, ehe die Hauptverhandlung anberaumt wurde, konnte diese Zeit angerechnet und die Reststrafe auf Bewährung ausgesetzt werden. Die beiden Russinnen wurden nach dem Termin sofort nach Omsk in Sibirien, ihrer Geburtsstadt, in der sie vor der Odyssee nach Deutschland lebten und jeweils eine Tochter groß zogen, die dann wohl bei den eigenen Eltern abgelegt wurde, mit denen sie noch auf engsten Raum zusammen leben mussten, abgeschoben. Er habe nie wieder etwas von ihnen gehört. Sie hießen Emiljanova und Semsova. Sie waren russischen Zuhältern auf den Leim gegangen, die sie nach Deutschland zur Prostitution vermittelt und ihnen dabei zusätzlich noch Geld und ihren Pass abgeknöpft hatten.

Bei einer der Beiden erhielt ich eine Pflichtverteidigung. Diese Sache wurde von einem noch relativ jungen Richter, der später zum Landgericht, das ja bekanntlich gegenüber liegt, wechselte, verhandelt. Er spulte das Verfahren als Allerwelts - Delikt routinemäßig ab, nachdem wir uns zuvor telefonisch über eine Beiordnung als Pflichtverteidiger geeinigt hatten und er sich sehr sicher war, dass ich in der HV keinen großen Spukus veranstalten werde. Bei der zweiten Angeklagten war das nicht der Fall. Dort fuhrwerkte nämlich ein alter, damals kurz vor der Pensionierung stehender, Richter und Ausländerhasser herum, der dieses der bei ihm angeklagten Russin auch spüren ließ und mich nicht als Pflichtverteidiger eben nicht beiordnete. Das Ar.., besser: der Ar...,. war dafür in der Bremer Justiz; insbesondere in der einschlägigen Strafverteidiger - Szene sehr gut bekannt und bestimmt auch verhasst.
Nun, ja, auch ein Anwalt kann mit einer so genannten Mischkalkulation leben. In dem einen Fall gab es knapp 500 DM an Gebühren; in dem anderen Fall nüscht.

C´est la vie, so ist und war das Leben schon immer.

Dafür hatte ich den beiden Russinnen geholfen, ihre Freiheit, in einem für unerwünschte Ausländer, unfreien Land wiederzubekommen. Und sei es nur in der Gestalt, dass sie auf Kosten des Steuerzahlers in die nächst beste Maschine nach St. Petersburg oder Moskau gesteckt wurden.
Freiheit ist ein hohes Gut. Das und die weiß jeder Eingeknastete zu schätzen, auch wenn er, wie in diesem Fall, in die Armut und Perspektivlosigkeiten abgeschoben wird.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen hat ihr letztes Gruppenspiel durch zwei Foulelfmeter mit 2:0 gegen Russland gewonnen. Es waren nur 6.000 Zuschauer in Utrecht anwesend. Traurig, aber wahr. So, wie die beiden Strafsachen von vor mehr als 23 Jahren.

Gut´s Nächtle mit:

Jimmy Page & Robert Plant und " Thank You " - Album " No Quarter " - 1994:



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