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Mittwoch, 2. Februar 2011

" Sie wissen nichts! Und ich weiß nichts!Herr Lüg" - " Vielen Dank, Herr Wöhner!" - Onkel Herbert und seine Sprachkonstrukte.


Deutsches Bundesarchiv


Am 19. Januar 1990 verstarb Herbert Wehner im Alter von 83 Jahren in Bonn. Damals war diese Stadt noch Bundeshauptstadt und bereitete sich auf die formaljuristische Wiedervereinigung vor. Es wäre vielleicht eine Genugtuung für den am 11.Juli 1906 in Dresden geborenen Herbert Richard Wehner gewesen,hätte er diesen historischen Akt noch mit erlebt. Schließlich verknüpfte der hier geborene Politiker auch in seinem späteren Leben so einige Dinge mit seiner Geburtsstadt. Vieles,was nach der Wende, der Wiedervereinigung und langsamen,aber stetigen Zueinanderfinden in dem Zeitraum nach 1989, insbesondere von Juli 1990 bis zum 03.Oktober 1990 sich ereignet,wird dem "Onkel Herbert" auch gefallen haben, vieles davon aber auch nicht.

Wenn Herbert Wehner in jener Zeitspanne noch gelebt hätte, er hätte sowohl das Eine als auch das Andere in der Öffentlichkeit beim Namen genannt. Herbert Wehner war in dieser Beziehung ein geradliniger Mensch. Er hielt mit seiner Meinung, seiner persönlichen Einschätzung und seinen Bedenken nie hinter dem Berg. Er war kein politischer Schleimer,wie es heute - 20 Jahre nach seinem Tod - eben viele seiner jetzigen Kollegen sind. Sprechblasen,Plattitüden und Kauderwelsch, das waren nicht der Stil des " Onkel Herbert " von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der SPD.
Einer Partei, die zu seiner aktiven Zeit als Politiker, als Abgeordneter und als ihr Fraktionsvorsitzender, einen völlig anderen Stellenwert hatte, als ihr nunmehr zukommt.

Die SPD,dass war für ihn zunächst - als ehemaligen Mitglied der dann verbotenen KPD - ein neues politisches Zuhause. Das waren nach seinem Eintritt 1946 über viele Jahre Schmähungen, Lügen und Beschimpfungen durch die Adenauer - CDU und ihren Ex-Nationalsozialisten in den Reihen. Das waren dann nach 1949 bis 1966 harte Zeiten in der Opposition. Er unterstützte gegen den Widerstand in der eigenen Partei dann den Reformkurs von Willi Brandt. Später war er zusammen mit Helmut Schmidt in der legendären Troika der SPD,die über viele Jahre die Geschicke der Partei führt und sie zu wahren Höhenflügen in der Wählergunst brachte.

Nach dem konstruktiven Misstrauensvotum gegen den damaligen Bundeskanzler Schmidt 1982 kandidierte Herbert Wehner nicht mehr für den Bundestag,obwohl er ins einem einstiegen Wahlkreis - trotzt seiner 76 Jahre - durchaus noch gute Chancen gehabt hätte, in den Bundestag wieder einzuziehen.


Herbert Wehner war aber müde, enttäuscht vom Ende der SPD/FDP-Regierung und angewidert von der neuen,der anderen Genration von Politikern. Er zog sich auf das Altenteil zurück. Er lebte dann einige Jahre noch in einem Haus auf der schwedischen Insel Öland. Hier begleitete ihn seine Stieftochter Greta Burmester,die er dann 1983, also weit vor seinem Tod, aus rechtlichen Gründen heiratete.

http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Wehner

"Onkel Herbert " war kein einfacher Mensch. Er hatte viele Ecken und Kanten,an denen sich auch seine Parteigenossen oft rieben und sogar verletzten. Er war aber eine Fleissarbeiter, ein akribischer Politiker und ein glänzender Rhetoriker. Dabei geriet er häufiger mit dem damals noch strengeren Regeln des Miteinaderumgehens im Bonner Bundestag in Konflikt:

Herbert Wehner ist der Bundestagsabgeordnete mit den meisten Ordnungsrufen. Er kam im Bundestag auf insgesamt 57 beziehungsweise 58 Verwarnungen. Zählt man noch seine Entgleisungen als kommunistischer Abgeordneter während seiner Mitgliedschaft im Sächsischen Landtag Anfang der 30er Jahre dazu, kommt man sogar auf 75 parlamentarische Ordnungswidrigkeiten.
Am 22. März 1950 wurde er sogar wegen unparlamentarischen Verhaltens für zehn Sitzungstage ausgeschlossen. Eine Gruppe von SPD-Abgeordneten unter der Führung von Wehner und  Ernst Rudolf HEILAND hatte den antisemitischen Abgeordneten Wolfgang Hedler Wolfgang Hedler von der DP aus dem Ruheraum für Abgeordnete verjagt. Dabei war Hedler eine Treppe heruntergefallen und wurde leicht verletzt. Hedler hatte sich als ausgeschlossener Abgeordneter nicht im Ruheraum aufhalten dürfen.
Den CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe titulierte Wehner als „Herr Übelkrähe“, Jürgen Todenhöfer als „Hodentöter“. Dem SPD-Abgeordneten Franz Josef Zebisch, der sich über die in den 1960er Jahren noch übliche alphabetische Sitzverteilung beklagte, empfahl Wehner, sich in „Genosse Arschloch“ umzubenennen,dann könne er ab sofort in der ersten Reihe sitzen.
Wehners Reden waren durchzogen von langen verschachtelten Sätzen, die immer wieder durch eruptive Ausbrüche unterbrochen wurden. Als die CDU/CSU-Fraktion am 13. März 1975 während seiner Rede in einer Debatte zur inneren Sicherheit unter Protest den Plenarsaal verließ, wurde sein daraufhin getätigter Zuruf an die Fraktion zu einer vielzitierten Redensart: „Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen! Ich sag ihnen Prost.“ Zuvor hatte Wehner der CDU/CSU-Fraktion vorgeworfen: „Wenn Sie das Wort ‚Marxist‘ hören, geht es Ihnen so, wie einst Goebbels, der damit operiert hat, nicht anders. Sie sind nämlich in dieser Frage genauso dumm, wie es jener war. Nur war er ganz jesuitisch raffiniert.“

Der spätere Bundespräsident Carstens (CDU) nannte Wehner vor diesem Hintergrund verärgert den „größten Schimpfbold im ganzen Bundestag“,[und der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geisler  bezeichnete ihn – eher anerkennend – als die „größte parlamentarische Haubitze aller Zeiten“.

Ein besonderes Verhältnis entwickelte " Onkel Herbert " zu Journalisten,die dann gelegentlich Opfer seiner Rhetorik wurden. Den ARD - Reporter Ernst Dieter Lueg redete Wehner während eines Interviews am Abend der Berichterstattung von der Bundestagswahl 1976 als „Herr Lüg“ an. Der Reporter revanchierte sich zum Abschied mit den Worten: „Vielen Dank (…) Herr Wöhner (…).

Vor allem seine Zwischenrufe waren Anlass für Ermahnungen:

„Mann, hampeln Sie doch nicht so herum. Sie sind doch Geschäftsführer und nicht Geschwätzführer.“

„Sie verwechseln wohl den Bundestag mit der Oktoberwiesn, Sie Flaschenkopf?“

Bei einer Rede des CDU-Abgeordneten Kurt Biedenkopf riet er Fraktionsmitgliedern:
" Nicht verrückt machen von dem Gauch!"

" Onkel Herbert " war ein Unikum, ein Vollblutpolitiker mit Format,der allerdings wegen seiner oft ruppigen Art auch unter den Genossen in der SPD eher gefürchtet,denn beliebt war. So gehörte es jahrelang zu den eher unangenehmen Pflichten, dass sich ein SPD-Neumitglied des Bundestags bei " Onkel Herbert " vorzustellen hatte, der nur zu oft - hinter seinem Schreibtisch sitzend - den Neuling entweder gar nicht wahr nahm oder ihn gleich abkanzelte, dass er noch viel lernen müsse. Eher klein mit Hut verließen dann jene Abgeordneten das Dienstzimmer des Fraktionsvorsitzenden Wehner.

Wie war das noch gleich mit dem unvergessenen Ernst-Dieter Lueg von der ARD, als dieser Herbert Wehner nach der ersten Hochrechnung zur Bundestagswahl 1976 befragte?
" Sie wissen nichts! Und ich weiß nichts! Herr Lüg!".
" Vielen Dank, Herr Wöhner!",entgegnete Ernst-Dieter Lueg daraufhin dem Politiker von der SPD.
Was Dieter Hildebrandt in seinem Kabarettprogramm zum Anlass nahm, um nach der Einspielung dieses Interviews - das ja eigentlich keins war - zu kalauern:
" Besser wäre gewesen: Argwöhner!"

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