Sonntag, 31. Dezember 2017

Knaller - Rallye

In zwei Tagen ist es soweit. Die Welt verabschiedet sich von dem Jahr 2017. Das Ende des alten Jahres und der Beginn des Neuen wird mit viel Radau vonstatten gehen. Deshalb werden ab 28. Dezember in jedem Jahr die allseits beliebten, aber auch gefürchteten Pyromanen in die vielen Geschäfte rennen, um sich dort für eher wenig Geld mit viel krachenden Artikeln einzudecken.
Auch in diesem Jahr sollen es wohl so um die 130 Millionen Euro sein, die in die Luft geschossen oder am Boden zerplatzten.

Eigentlich wollte ich am Freitagnachmittag nur eine Glühbirne für die Treppenhausbeleuchtung holen, nachdem die eingeschraubte Birne ihren Geist aufgegeben hatte. So begab ich mich zu Fuß in Richtung Wreesmann. Jenem Ramschladen, der Sonderposten und andere Dinge anbietet, die dort nicht immer billiger sind.

Kaum hatte sich die Tür zum Geschäft vor meinen Augen geöffnet, traute ich denselben nicht mehr. Die Bude war gerammelt voll. An allen Regalen wuselten Menschen herum. Es sah so aus, als gäbe es morgen nichts mehr zu kaufen. Doch der Grund, warum sich derartig viele Leute auf so engen Raum bewegten, zeigte sich mir bereits nach wenigen Meter. An mehreren Auslagen wurden Raketen und Knaller angeboten. Angeblich zu sehr günstigen Preisen. Da muss der Feuerwerker natürlich zugreifen.

Ich suchte indes meine Glühbirnen heraus und begab mich zur Kasse. Dort traf mich erneut der Schlag. Eine lange Schlange stand vor mir. Doch meine Befürchtungen, dort Minuten lang warten zu müssen, zeigten sich als unbegründet. Es ging zügig voran. Und dieses, obwohl an der ersten Kasse keine EC - Kartenzahlungen möglich waren. Das Lesegerät war defekt.

So quälte sich die Mitarbeiterin hinter dem Tresen mit der erforderlichen Frage, ob der Kunde Karten - oder Barzahlung wünsche. Bei jedem Wartenden lautete die Frage: " Bar - oder Kartenzahlung? "
Zudem hörte ich, wie beide Kassiererinnen die zu zahlenden Beträge benannten. " 19,90. 25,00 und 28,90 Euro ". verstand ich da.

Junge, junge, da sage doch mal Einer noch, es sei kein Geld vorhanden.

Da war ich an der Reihe. " 1,58 Euro ", schnarrte die Frauenstimme mir entgegnen. Da hätte ein anderer Kunde nicht einmal eine Silvester - Rakete erhalten.

Nö, ich bin kein Anhänger dieser blöden Ballerei - aber ich werde mir das Schauspiel natürlich am Sonntag ansehen. Und während so mancher Knaller für viel Geld das Feuerwerk eingekauft hat, um die Moneten dann in den Himmel zu jagen, steht für mich fest, dass es auch in diesem Jahr bei uns stockdunkel bleibt. Es soll dazu nicht gerade wenige Knaller - Fetischisten gebe, die für ihr begehrtes Spielzeug zu Silvester, eine wahre Odyssee auf sich nehmen und von Verkaufsstand zu Verkaufsstand fahren.

Nun, ja, wer es so nötig hat?

Gut´s Nächtle - morgen ist Silvester - mit:

" Jane " - " Fire, Water, Earth & Air " - 1976:




Freitag, 29. Dezember 2017

Grenzkontrolle


Die von den Medien hoch stilisierte " Flüchtlingskrise " ist bekanntlich längst vorbei. Geblieben sind Erinnerungen an jene heißen Tage im Sommer 2015 als Hunderttausende über die so genannte Balkanroute in das geliebte Germany einströmten und hiermit - allerdings nur bei einem Teil der Bevölkerung -  politisch einen Rechtsruck verursachten. Es wurde alsbald gehetzt, verleumdet und gepöbelt. Es wurden schwere Straftaten von Verblendeten begangen. Und es gelang den EU - Ländern, diesen Fluchtweg bald hermetisch abzuriegeln. Die Ungarn haben hier eine Art Vorreiterrolle übernommen. Zudem weigern sich Polen, Tschechien und eben auch die Magyaren beharrlich,ihr von der Europäischen Union auferlegtes Kontingent an Flüchtlingen zu erfüllen.

Alle drei EU - Staaten zeichnen sich nun wahrlich nicht durch einen besonders hohen Lebensstandard aus. Deshalb dürfte auch hier die Frage erlaubt sein, warum diese eher armen Mitgliedsstaaten auch noch Arme aufnehmen sollen? Wie dem auch sei, die Grenzen sind seit vielen Monaten hermetisch abgeriegelt. Wenn die viel geschmähte " Balkanroute " abgeschlossen wurde, wenn Österreich zudem weiterhin Grenzkontrollen durchführt, wenn Italien über den Seeweg nach Lampedusa zusammen mit anderen EU - Staaten Flüchtlingsboote aufbringt und zudem dadurch die illegale Einreise in das Stiefelland verhindert, stellt sich die erhellende Frage: " Warum müssen ausgerechnet an den Grenzen des Freistaates Bayern weiterhin Grenzkontrollen durchgeführt werden? "

Eine plausible Antwort darauf dürften Seehofer und seine CSU - Vasallen kaum geben können. Der Zweck heiligt hier wohl offensichtlich die Mittel, auch wenn diese ungeeignet sind und nur der eigenen Bevölkerung in Bayern Nachteile bringen. Wer zu den Winterferien, wer in den Skiurlaub oder in einigen Monaten nach Kroatien in die Sonne fährt und wieder nach Bayern einreisen möchte, der wird sein blau - weißes Wunder erleben. Gigantische Staus auf der A 8 am Grenzübergang Bad Reichenhall / Felden. Allerdings nur bei der Einreise nach Bayern. Aha!
Auch  der Übergang Kiefersfelden auf der A 93 / Inntaldreieck wird regelmäßig von Staus erfasst. Wenngleich diese häufig den LKW - Verkehr betreffen.

Nun gibt es aber auch noch weitere Ausreisemöglichkeiten, die den genervten Autofahrer an sein Ziel führen könnten. Die Übergange bei Passau etwa sind nicht so stark frequentiert. Doch dieses bedeutet gleichzeitig, dass ein nach Deutschland / Bayern Einreisender, einen Umweg und weiteren Zeitverlust in Kauf nehmen müsste.
Ein CSU - Politiker aus der Provinz sieht dieses eher gelassener:

Er war schon einmal schlechter auf die Grenzkontrollen zu sprechen, aber jetzt sagt Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher von der CSU:
"Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich höre nur von ganz wenigen noch, dass sie verärgert sind. Es gibt auch diese Staus nicht mehr außerhalb der Primetime."
Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher (CSU)

https://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/grenz-kontrollen-deutschland-oesterreich-sollen-weiter-gehen-100.html

Na, denn: Wir werden ab sofort Gewohnheitstiere, lassen uns von den Bazis zunächst ordentlich Abmelken, dann zur Schlachtbank führen und werden sodann als Pressfleisch für die " Döner " - Pappe aus deutschen Imbissen verbraucht.

Aber: Vielleicht könnten die betroffenen Autofahrer während der Stunden langen Wartezeiten in ihrem High - Tech - Untersatz die Zeit auch sinnvoll nutzen. Schließlich ist das eigene Leben begrenzt und jede Minute kostbar. Wie wäre es mit B 1 bis B5 öder als sinnvolle Alternative dazu einen Privatdudeler oder gar Ö3 hören? Auch ein elektronisches Buch bringt dabei Entspannung. Eine Unterhaltung mit der streitsüchtigen LAG, Ehefrau, dem lärmenden Nachwuchs auf den Hinterbänken, kann auch ganz charmant sein. Eine Einheit meditativer Stille hilft immer.

Für das kommende Mal habe ich mir allerdings etwas anderes überlegt. Ich gehe während der sinnlos verplemperten Zeit an der Grenze sodann in mich, formuliere im Geiste eine Verfassungsbeschwerde und werde diese einen Tag danach nach Karlsruhe senden? Ach, nein, das geht ja gar nicht! Ich muss ja erst den Instanzenweg einhalten. Dann fluche ich eben nur leise vor mich hin. Verwünsche die scheiß CSU, Seehofer, Scheuer, Söder, Herrmann und wie sie alle sonst noch heißen und bestätige mich selbst, dass ich diese Flachpfeifen in meinem Restleben nie wählen werden.


Eva Cassidy und Michael Bolton: " Fields Of Gold " - 1993:





Donnerstag, 28. Dezember 2017

" Wolle - Hölle " - Blues


Die Völlerei während der vergangenen Weihnachtsfeiertage hat bei mir doch nicht das Kampfgewicht in den dreistelligen Bereich bringen lassen. Dank der ausgiebigen Spaziergänge mit den Enkeln, den Familienhund und auch sonstiger Aktivitäten im Haushalt und am Kickertisch, verhielt sich die Personenwaage beim Heraufblicken durchaus friedlich. Kein Aufschrei: " Hilfe! Ich muss ab Beginn des neuen Jahres wirklich abnehmen! "

So konnte ich heute Morgen sehr entspannt am Küchentisch meinen drei Hauptbeschäftigungen nach gehen: Kaffee trinken, Radio hören und " SPIEGEL " lesen. In einer der älteren Ausgaben ( Heft 44 / 2017, S. 132 ff. ) las ich einen Artikel über einen Schlagersänger, der unter dem Künstlernamen Wolfgang Petry einst für klingende Münze bei den Musikfirmen sowie den Veranstaltern sorgte.

Der inzwischen 66jährige hatte sich nach einer durchaus erfolgreichen Karriere als Liederschreiber, Komponist und Sänger am 16. September 2006 unwiderruflich von der Bühne und dem deutschsprachigen Schlagerzirkus verabschiedet. Immerhin konnte er zu diesem Zeitpunkt auf 30 Jahre Berufstätigkeit zurückblicken.

Was folgte, war der übliche kommerzielle Abgesang des Musikers in den Medien, durch Tonträger - Zusammenschnitten aus jenem langen Zeitraum. Hierbei beteiligte sich auch sein Sohn Achim, der u.a. in dem Verkaufssenden HSE24 für einen voluminösen Compiler mit den Lieder seines Vaters ordentlich die Werbetrommel rührte.

Danach wurde es für zirka 8 Jahre um den Musiker eher ruhig. 2014 legte er dann ein Album mit Neuarrangements seiner bekannten Lieder vor. Zudem trat er in dem Musikvideo zu der veröffentlichten Single seines Sohnes kurz auf. Ein Jahr darauf legte er ein Album mit dem richtungsweisenden Titel " Brandneu " vor. Im letzten Jahr erschien dann eine weitere Zusammenstellung von Petry´s bekannteren Stücken auf einem Album.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Petry

Auf die sonst übliche Tournee verzichtete der Sänger jedoch. Und damit blieb sein Name in den Medien denn eher unerwähnt. Einzig der Großkotz unter den bundesdeutschen Fußballvereinen ließ den juten Wolfgang am 29. April 2014 noch einmal so richtig aufleben, als auf Geheiß des Führers an der Säbener Straße U. Hoeneß, zum CL - Rückspiel gegen Real Madrid ( Hinspiel 1:0 für die Spanier ) der Hit " Wahnsinn " aus der bis zum Anschlag aufgerissenen Beschallungsanlage georgelt würde und die mehr als 60.000 Bazi - Fans voller Inbrunst den " Höllen " - Refrain brüllten, weil " Ihr Uli " sie zuvor mit den Worten: " Real wird bei uns durch die Hölle gehen! " öffentlich dazu angestachelt hatte. Nun, das Endergebnis lautete 4:0 für Real Madrid. Aber, immerhin, es war ein netter Versuch, den Karohemd - Träger mal wieder ins Gespräch zu bringen.

Nun widmete sich der " SPIEGEL " auf zwei vollen Seiten der Zukunft des Herrn. Die dortige Mitarbeiterin Maren Keller beschreibt - nicht ohne eine gewisse Süffisanz dabei durchklingen zu lassen - was der Held vergangene Disco - Fox - Orgien heute mit seiner vielen Zeit macht. Er treibt inzwischen Sport, ißt gesund und versucht sich in einem neuen Musikgenre - dem Blues. " Wolle " Petry hat sich deshalb auch einen anderen Künstlernamen zugelegt. Er nennt sich nunmehr Pete Wolf.  Unter diesem möchte er demnächst wieder auftreten. In wesentlichen kleinerem Kreis. Und wenn sich dann dorthin ein Musikfreund verirren sollte, ist es mit Sicherheit kein Anhänger der wummernden Eintönigkeit seiner vorherigen Lieder.

Pete Wolf, der Blueser, könnte ab 2018 vielleicht wirklich echte Musik spielen, denn er muss dank seiner Millionen, die er mit dem Schlagern eingestrichen hat, nicht mehr davon leben. Ein Privileg, dass nur wenigen auf diesem Feld vergönnt war und noch ist. Die Masse jener Interpreten muss finanziell besehen, eher durch die Hölle gehen. " Wolle " eben nicht. Weshalb " Wolle " vom Schlager zum Blues kam - dem " Wolle - Hölle " - Blues. Yeah!


" The White Stripes " - " Catch Hell Blues ":



Mittwoch, 27. Dezember 2017

Bilder des Jahres 2017 oder: Oh, wie war das schön?

Noch vier lumpige Tage, dann haben wir das Jahr wieder geschafft. 2017 gibt es nicht mehr - Es lebe 2018!
Aus meinem Fundus vieler, eigenhändig aufgenommener Fotos, habe ich einige als kleine Erinnerung an bald abgelaufene 12 Monate, 52 Wochen und 365 Tage anzubieten:


Januar 2017:


Auch im abgelaufenen Jahr gab es so etwas wie einen Winter. Zwar nur für kurze Zeit, aber immerhin. Treusorgend und naturverbunden, wie ein Naturfreund sein sollte, haben wir die Futterhäuschen bestückt, Meisenknödel aufgehangen und sogar Brot ausgelegt. Auch wenn es nach dem Pausenclown Donald " Duck " Trump keine Klimaerwärmung geben soll, finden sie dennoch statt. Die Winter sind eigentlich keine mehr. Die gefiederten Freunde freut´s!


Februar: 



Auch wenn die Frühlingsbilder aus dem Garten sich jedes Jahr gleichen, so zeigen sie doch, dass es bald wieder wärmer werden muss. Die Frühlingsblüher zeigen nicht nur die nächste Jahreszeit an. Sie finden nämlich immer neue Plätze zwischen den noch kahlen Flächen. Viele Jahre lag im Februar noch Schnee, es war empfindlich kalt und von der zweiten Jahreszeit noch keine Spur. 2017 indes hatte da nur ein paar Frosttage zu bieten.


März: 



Der März bringt so einige Bäume, Sträucher und Blumen zum Blühen. Während die Natur bunter wird, regt sich auch im Garten wieder die Tierwelt. Die Sonne bekommt mehr Kraft und der Mensch leidet manchmal unter der berühmt berüchtigten Frühjahrsmüdigkeit. 


April: 

Nach dem geflügelten Wort, soll der April machen, was er will. Zumeist bringt er viel Grün und bunte Farben in den Garten. 

Dann war da auch noch so etwas wie Ostern.




Mai:  




Die Zeit des Königlichen Gemüses war angebrochen. Spargel gab es satt. Ausnahmsweise nörgelten die Bauern hier nicht herum. 


Juni:

Die Hälfte des Jahres 2017 war geschafft. Der Sommeranfang kam und die Regen reiche Zeit begann. 


Juli: 



Wieder ein Lebensjahr ohne größere Blessuren geschafft. Es scheint stetig aufwärts zu gehen - nicht nur mit diesem Land.



August:

Der Sommermonat schlechthin. Die gesamte Nation war im Urlaub oder tat zumindest so, als sei sie es. Unser alljährliche Igel - Besuch erschien natürlich auch. Else leerte den Bio - Kompost mit Genuss. Auch Pflaumen wurden nicht verschmäht.



September: 

Kurz vor der Wahl legten sich die Parteien ordentlich ins Zeug. Die Konjunktur scheint zu Brummen, wie aus diesem Stellenangebot deutlich hervor geht.
Billig - billiger - Geiz ist geil!



Auch unser Mitbewohner, der Eierbovist erschien nahezu pünktlich im Garten. Er hatte sich nicht nur vergrößert, sondern auch vermehrt. Gehn´Sie mit der Konjunktur - so lange es sie noch gibt.


Noch September: 
 Pilze gab´s auch - wenn auch spät. Und dazu viele Schnecken. Es war eben nass, feucht, glitschig!




Immer noch September:





Urlaub auf dem Darß - Zingst: Das Wetter war so Lala, dafür konnten wir Fahrrad fahren und lecker Fisch essen!




Oktober:



Ein geflügelter Gast fand sich mit der milden Oktobersonne ein. Seine Tage waren gezählt, die des Sommers längst und auch das Jahr näherte sich seinem Ende.
November: 

Langsam wurde es kahl und eher trostlos im Garten. Jetzt war die Zeit gekommen, Laub zu harken, die Kübelpflanzen in den Keller zu verbringen und die Tage bis Weihnachten zu zählen.


Dezember: 




Weihnachten 2017 war wieder ein Fest der Freude. Schenken und Beschenkt zu werden. Immerhin haben sich unsere drei Enkel gefreut. Weil der Jüngste nun unbedingt seine Fähigkeiten an dem gemeinsam geschenkten Kicker ausprobieren wollte, gab ich ihm die Gelegenheit dazu. Aus meinen wilden Studentenjahren hatte ich noch ein wenig der erforderlichen Technik herüber retten könne. So prophezeite ich ihm voller Überzeugung und mit einer Inbrunst, dass ich nunmehr die 1980er und 1990er Jahre aufleben lassen wolle.
Meine Grün - Weißen traten gegen meinen Erzfeind aus der Arena von nebenan an.
Am Ende hieß es 10:0! Für mich!



In diesem Sinne: Man darf ja noch Träume haben!



" Traffic " mit " Walking In The Wind " - 1976:



Weihnachten für Helene Fischer: Tri - Tra - Trullala!


Die beiden Dickschiffe des bundesdeutschen TV - Schwachsinns, die ARD und das ZDF, können es einfach nicht lassen, dem vom vielen Weihnachtszauber verzückten Glotzer das Fest so richtig zu vermiesen. Weil die private Konkurrenz abgelaufene Konserven aus dem kühlen Keller holen, um diese mit viele Werbeschund garniert, alle Jahre wieder zu kredenzen, bleibt den Quoten süchtigen Öffentlich - Rechtlichen gar nichts anderes übrig als auf Hausmannskost zurückzugreifen.

Am ersten Heiligen Feiertag gab es bei Mama ARD im Ersten einen Berglandland - Krimi. Es ging um einen persiflierten Banküberfall, der in dieser Form natürlich nie stattfinden wird und mit dem sich der Oberjäger aller Verbrecher, Ganoven und Halunken, der Cerne, Rudi, nicht auf´s Glatteis führen lässt.

Gut, wer nimmt am Abend des 1. Weihnachtstages einen Beitrag über den Versuch der wundersamen Geldvermehrung aus dem Kaff St. Andreasberg schon tierisch ernst? Niemand! Und deshalb dümpelte die Handlung in dem 1 1/2 - Stünder so vor sich hin. Wildes Gejage, atemberaubenden Verfolgungsjagden und kriminalistischer Stumpfsinn, wie er in den formatierten Langweilern des selbst ernannten Krimisenders, beim ZDF drohen, gab es hier nicht. Gut, ja, gut. ich sach´ma´: Geschenkt!

Bei der Schwiegermutter in Mainz schien es besser, weil bunter zuzugehen. Die hoch gejazzte Blonde des biederen Schlagers als aufoktroyiertes Segment der deutschen Leitkultur gab sich die Ehre. Ihr wurden vom Rentnerkanal satte 3 Stunden Sendezeit eingeräumt. Junge, was kann der gesunde Bundesdeutsche mit dieser Lebenszeit so alles anfangen? Er könnte ein Buch lesen, ein Nickerchen machen und sich dabei vom erlittenen Weihnachtsstress ein wenig erholen oder, er könnte einfach aus dem Fenster des Wohnzimmers schauen und sehen, dass er in der Dunkelheit vielleicht nichts sieht.

Doch: Was macht die blöde deutsche Masse? Sie glotzt sich Fischer´s, Helene im ZDF an.

Da gab es so allerlei zu Bestaunen. Alternde Stars die den Renteneintritt längst hinter sich gebracht haben. Junge Wilde, deren geölter Kehlkopf ihre Sangeskunst auch nicht verbessern konnte und selbstverständlich, ihre Majestät selbst, " Uns Helene ".
Die assimilierte Rheinhessin gab sich innerhalb der Sendezeit ersichtlich alle Mühe klarzustellen, wer hier Chefin im Theater der niederen Sangeskünste ist. Deshalb soll ja angeblich - der hochmodernen Technik sei dank - auch die eigene Moderation ihrer Show über ein Playback - Verfahren laufen.
Das hat den Vorteil, dass Freud´sche Versprecher nicht direkt an das darbende Publikum weitergeleitet werden müssen und die Atemlosigkeit nach den barbarischen Gymnastikeinlagen nicht voll auf den Gehörgang gelegt wird.

Fischer´s Helene ist mittlerweile zur universalen Waffe des deutschsprachigen Schlager - Schwachsinns geworden. Deshalb war es ihr auch von dem vergreisten Bellut - Sender gestattet, allerlei bekannte Namen einzuladen.


  • Vanessa Mai
  • Barbara Schöneberger
  • Stephanie Stumph
  • Santiano
  • The Kelly Family
  • The Baseballs
  • James Blunt
  • Gianna Nannini
  • Max Giesinger
  • Die Höhner
  • Alexander Klaws
  • Alex Christensen
  • Sascha Grammel
  • Seven
  • das Ensemble des Musicals „Tanz der Vampire“
  • Matthias Schweighöfer
Bei einigen Alt - Stars sollte sich der Konsument des bunten Blödsinns wirklich fragen, ob die Verlockung, es einem Millionenpublikum doch noch mal ordentlich zeigen zu wollen, nicht das süße Gift der Eigendemontage versprüht hat.
Dass natürlich auch einige echte Kotzbrocken unter der Riege der Bevormundeten waren, ergibt sich alleine schon aus deren Namensnennung.

Stumpf, Stefanie, eine mit Papa´s Gnaden in das Versorgungssystem der Öffentlich - Rechtlichen eingeschleuste, talentfreie Dame, deren Unterhaltungswert weit unter dem intellektuellen Gefrierpunkt liegt.

Barbara Schöneberger: Das physische Korrelat zu Fischer´s " Traumfigur " für Männern zwischen 40 und darüber. Eine Wuchtbrumme, die in einem Stahlkorsett eingepfercht, mit der Blonden ein vokales par de deux auf  dem Niveau von Straßenmusikanten auf der Zingster Promenade zelebrierte und dabei nicht eine Peinlichkeit ausließ. Einfach nur zum Wegschreien: Hilfe!

Matthias Schweighöfer: Wenn einer in so jungen Jahren sich bereits in die Niederungen der profanen Dumm - Dudelei des deutschsprachigen Singsangs herab gibt, kann es um dessen Talent nicht weit bestellt sein. Mal so janz nebenbei: Es gibt Sänger die können wirklich singen. Schweighöfer zählt nicht dazu!

Da pläscherten die drei Stunden Programm so vor sich hin. Der Zwangsgebührenzahler subventionierte ein teilweise Ohrenschmerzen verursachendes tete a tete von aufgewärmten Gestrigen, wie der Kelly Family, Vanessa Mai, Gianna Nannini und " Die Höhner ", ausrangierten Musikern aus der vierten Reihe, wie Alexander Klaws und nichtssagenden Erfolglosen.

Drei Stunden qualvolles Gelaber, Gesinge und Getanze zur besten Sendezeit am 1. heiligen Feiertag. Grausam, einfach nur zum Abschalten.
Der Kasper aus den längst vergangenen Zeiten hat da mehr Niveau als die fromme Helene so kurz vor dem Jahresausklang.
" Tri - Tra - Trullala - die Fischer, sie ist wieder da ".


Dazu Otto mit dem " Schwamm - drüber - Blues " - 1977:





Montag, 25. Dezember 2017

Das Mallertshofer Holz




Während unseres weihnachtlichen Aufenthalts in Unterschleißheim führte uns der übliche Spaziergang erneut zu einer der vielen Grünflächen, die mittlerweile zu den prägenden Landschaftsbildern in dem Freistaat zählen. Das Mallertshofer Holz an Peripherie der Stadt Unterschleißheim liegt zwischen dem wenige Kilometer entfernten Eching, Oberschleißheim und Garching.
Die darin befindlichen Mischflächen bestehen zum Teil aus Sand und Kiesboden. Deshalb gibt es hier die eher für Heideböden typische Vegetation.
Die nicht durchgängigen Kiefernwälder wechseln sich mit Heideflächen und offenen Kiesarealen ab.


https://de.wikipedia.org/wiki/Mallertshofer_Holz_mit_Heiden


Seit 1995 wurde das Gebiet als Natuschutzhabitat öffentlich eingetragen und ist als Ausgleichsgebiet zu den wachsenden Bebaungsflächen der Landeshauptstadt München zuerkannt worden. Während die Millionenstadt an der Isar ständig wächst, zeigen sich an deren Randgebiete großflächige Naturreservate. Ein konsequentes Zugeständnis der Bayrischen Staatsregierung an die Erfordernisse des Umwelt - und Naturschutzes. Das größte Flächenland Deutschland kann sich dieses alle Male leisten.

Wer jenseits des hektischen Lebens einer Großstadt die erforderliche Erholung als Ausgleich sucht, der ist im Mallertshofer Holz an der richtigen Adresse.

Während unseres gut zweistündigen Spaziergangs durch das jetzt im Winterschlaf liegende Gebiet begegneten uns nur einige Menschen. Das ist in den wärmeren Monaten ganz anders, denn das Holz ist auch als Radfahrgebiet äußerst beliebt.

Beim Rundgang überlegte ich natürlich auch, ob es dort Pilze geben kann. Bestimmt!



" The Kinks " - Sand On My Shoes " - " Something Else " - 1967:


Sonntag, 24. Dezember 2017

Och, Tannenbaum!




Noch einige Stunden, dann ist es soweit. Die Geschenkeorgie 2017 darf beginnen. Es ist angerichtet. Dann fliegen die Papierfetzen, die Papierberge türmen sich, die Papiertonne quillt über. Aus den Wohnzimmern dieses, unseres, Landes dringt seichte Musik. Die üblichen Weihnachtslieder werden abgespielt. Dudelei as Dudelei can do?

Neben Helene Fischer, die Fischer - Chöre oder einfach nur die instrumentale Variante der Klassiker? Wie es jeden Feierwütigen aus dem christlichen Abendland beliebt. Zu der weihnachtlichen Musik, den Geschenken und dem Weihnachtsessen, gehört natürlich auch der Weihnachtsbaum, der Tannenbaum, der Christbaum.

Hierunter sollen sich ja die Geschenkeberge auftürmen, die zuvor entweder von den dauergestressten Paketzustellern noch bis heute Mittag angekarrt wurden oder bereits vor Wochen aus den vielen Geschäften herausgeschleppt, den Weg in einen Schrank, eine Kommode, vielleicht den Keller gefunden haben.

Der Weihnachtsbaum gilt seit Jahrhunderten als Teil eines Rituals, innerhalb dessen die christlich geprägten Länder ihr Weihnachtsfest begehen möchten.
Deshalb wird jener Baum - ob Blautanne oder Nordmanntanne - zuvor akribisch ausgesucht. Schließlich muss das gute Stück noch über  die Weihnachtsfeiertage in der Wohnung und im Haus bleiben.

Deshalb sollte das Bäumchen ein richtig satte, grüne Farbe haben. Es muss einen geraden Wuchs vorweisen können. Und es wird auch dabei darauf geachtet, dass die Zweige dicht eingewachsen sind. Ein Weihnachtsbaum hat gefälligst all jene ästhetischen Kriterien erfüllt, die die Werbung und die Gesellschaft an einen einzelnen Menschen auch anlegt. Ein schönes Äußeres ist heutzutage das A und O des menschlichen Seins. Wer Segelohren hat, der wird gehänselt. Wer eine krumme Nase von Geburt an besitzt, der gehört zu den Protagonisten, die sich alsbald dem Schönheitschirurgen hinzugeben haben. Wer Senk - Spreitz - und Plattfüße vorweisen kann, der lebt nicht nur auf den selbigen, sondern bewegt sich auf dünnem Eis.

So wird der ästhetisch ausgewählte Weihnachtsbaum dann in die Gute Stube verbracht, wo er mit allerlei Schmuck behängt wird. Dazu zählen natürlich auch die Kerzen. Diese sind längst nicht mehr aus Wachs und leuchten wunderbar, sondern werden elektrisch betrieben. Deshalb können die Weihnachtsbaumkerzen den Baum nicht mehr abbrennen. Das ist gut für die Feuerwehr, für die Familie und den Hauseigentümer.

Da fuhren wir gestern Vormittag zum Baum kaufen mit drei Enkeln und einem Hund. Fachmännisch suchten die Jüngsten ein Exemplar aus dem Angebot des einheimischen Fachbetriebs mit dem wunderschönen Nachnamen " Fischer "!. Huch, schon wieder dieser Name. Hat sie eigentlich in diesem Jahr eine neue Weihnachts - CD heraus gebracht? Und wenn nicht, dann war sie unisono im TV zu besehen. Fischer in Weihnachtsstimmung. Da macht das Baumschmücken noch mehr Spaß.

Das Ergebnis der diesjährigen Aktion ist oben zu sehen.

Och, der Tannenbaum. Sieht er nicht ästhetisch aus? So, wie der schöne Mensch in der Werbung. Doch da fehlt noch etwas. Nur, was?

Frohes Fest!











Samstag, 23. Dezember 2017

Der Krieg war ausgebrochen.




Gestern war Freitag, der 22.Dezember 2017. Ein Tag nach dem kalendarischen Winteranfang und zwei Tage vor Heilig Abend. Die Weihnachtsvorbereitungen liefen nicht nur bei uns auf Hochtouren. Der alljährlich selbst hergestellte Rindfleischsalat mit Tafelspitz, Silberzwiebel und Gurken stand bereits zum Durchziehen auf der Terrasse. Er befand sich dort in guter Gesellschaft mit dem Heringssalat, der auch eine Eigenkreation wurde. Weil es die dazu erforderlichen Heringsfässchen beim Kaufland nicht mehr gab ( der Platz im Kühlregal sah wie leer gefegt aus ), kamen wir auf die Idee, stattdessen eine andere Packung mitzunehmen. Die Verpackungsaufschrift versprach, dass die Fische sowohl ausgenommen als auch ohne Schwanz sowie kopflos eingelegt seien. Ja, gut, das stimmte zwar, doch die einstigen Ostseebewohner besaßen noch Gräten. Und davon genug.

Da saßen wir mehr als eine halbe Stunde am Küchentisch und puhlten die Gräten aus dem Fisch heraus. Wer sich je mit dieser Fronarbeit zu beschäftigen hatte, der weiß, dass hier absolutes Fingerspitzengefühl erforderlich ist, will der spätere Esser nicht ständig seine Zunge zum Hervorholen von feinen Gräten benutzen müssen. Doch auch dieser Kelch ging an uns vorüber, denn die feinen Gräten konnten allesamt aus dem Heringen entfernt werden. So stand die Schüssel mit dem selbst hergestellten Heringssalat gut durchgezogen auch am Freitagnachmittag auf der Terrasse und wartete darauf, am späten Abend mit auf Große Fahrt genommen zu werden.

Inzwischen packte ich die Geschenke in eine Tasche. In eine zweite Reisetasche kamen die Bekleidungsstücke für die Feiertage. Eine dritte Tasche war für die kulinarischen Köstlichkeiten vorgesehen.
Schließlich muss die Feiertagszeremonie gut vorbereitet werden.

Während wir die Treppen herauf und wieder herunter liefen und unter den argwöhnischen Blicken unserer Stubentiger die Taschen packten, klingelte das Telefon. Ein Arbeitskollege meiner besseren Hälfte wollte sich noch so kurz vor dem Frohen Fest wegen einer Stellenausschreibung bei ihr erkundigen. Es entwickelte sich ein längeres Gespräch. Innerhalb dessen dieser erzählte, was ich kurz zuvor bei einem Einkauf in der " Netto " - Filiale selbst erlebt hatte. Der Anrufer hatte eigentlich seine Besorgungen längst hinter sich gebracht. Doch - wie es anlässlich solcher Großereignisse oft vorkommt - er hatte irgendeinen Artikel vergessen und fuhr erneut in den Supermarkt. Dort angekommen, traf ihn beinahe der Schlag. Der Parkplatz war gerammelt voll. Aus der Tür schoben Kunden bis zum Rand voll gepfropfte Wagen heraus. In den Regalgängen kam es zu ständigen Staus, weil die Menschen sich wechselseitig über den Haufen fuhren.

Nur mühsam gelangte er mit dem vergessenen Artikel an die Kasse. Dort muss es ihm so gegangen sein, wie mir. Er stand und stand und stand. Die Einkaufswut hatte auch die Bewohner des Städtchens im Erzgebirge gepackt. Sie pferchten ihre Einkaufswagen voll. Dem Arbeitskollegen kam der Gedanke, dass wohl demnächst der Krieg ausgebrechen wird. Es sah eher nach Hamsterkäufen, denn nach Wochenendeinkäufen aus.

Die Erklärung für dieses Verhalten ist völlig einleuchtend. Der Heiligabend fällt dieses Jahr auf einen Sonntag. Die beiden Weihnachtsfeiertage sind demnach der Montag sowie der Dienstag. Weil am Sonntag kaum Geschäfte geöffnet haben, sorgen viele Kunden vor und kaufen dabei Artikel auf Vorrat. Immerhin sind drei volle Tage mit vier Mahlzeiten zu bestreiten. Da muss der Kühlschrank, der Keller und das Regal gut gefüllt sein.

Morgen ist Heiligabend. Lasset die Fress - Sauf - und Streitorgie sodann beginnen. Egal, ob es zuvor so aussah, als habe der Krieg begonnen.



Freitag, 22. Dezember 2017

Auf der Autobahn nachts um halb eins!


Noch zwei Tage! Hach, dann ist Weihnachtstach! Während wir gestern im kollektiven Wahn die Präsente für das Enkelkinder - Trio einpackten, kam uns die existenzielle Frage über die Lippen, wer, wann, wo und wie noch zur Tankstelle fährt?

Ein nur kleines Problem, das sich sicherlich noch während der Abfahrt lösen lässt. Gravierender wird doch eher das zu erwartende Verkehrschaos sein, dass sich so kurz vor den Feiertagen auf den Bundesautobahnen zutragen könnte. Neben den Winterurlaubern, die dann am Samstag ihr Quartier beziehen werden,  kommen jene Reisenden hinzu, die auf Verwandtenbesuch sind. Es könnte also voll werden auf den Magistralen von Nord nach Süd und von Ost nach West.

Während sich die Massen in Bewegung setzen, erinnerte ich mich an die Fahrt am 23. Dezember 1978 von Wilhelmshaven nach Bad Eilsen, als es am Abend heftige Schneefälle gab und ich für die knapp 220 Kilometer Strecke satte 6 Stunden benötigte, weil der Scheibenwischer des R 4 die herunter fallenden Schneemassen gar nicht so schnell verarbeiten konnte. Während dieser Angstfahrt, malte ich mir aus, dass plötzlich die Autobahn bis nach Oldenburg, auf der an diesem Abend kaum noch Fahrzeuge fuhren, plötzlich nicht mehr passierbar wird und ich dort stehen bleiben muss, bis einer der wenigen Räumfahrzeuge einen Weg auf der verschneiten Fahrbahn bahnt.

Aber diese Horrorfahrt war noch gar nichts, wenn ich die Tage nach Weihnachten, nämlich die Ereignisse ab dem 29.12.1978 in Erinnerung rufe. An jenem Abend schneite es ununterbrochen. Es lagen mindestens 1 Meter Neuschnee auf den Straßen. An ein Durchkommen war nicht zu denken. Und in den Nachbarorten, den Landkreisen und einigen Städten in Norddeutschland wurde Katastrophenalarm ausgelöst.
Über Tage waren viele Orte und Regionen völlig abgeschnitten. Es gab sogar Tote. Die Bundeswehr musste mit Panzern ausrücken, um die Straße frei zu räumen. Menschen wurden per Hubschrauber versorgt. Das Leben stand zeitweise still.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schneekatastrophe_in_Norddeutschland_1978

Wer an jenem Tag, in jener Nacht mit dem PKW unterwegs war, der hatte alsbald ein echtes Problem.
Auf solche Fahrten kann ich heute gerne verzichten.

Snowy White - " Riding The Blues ":



Donnerstag, 21. Dezember 2017

Die Eisenflechter aus Bremerhaven



Heute ist der erste Tag nach dem Bergfest im Dezember 2017. Nur noch 11 Tag bis zum Heiligen Abend. Brrrrrh!  Draußen weht ein kühler Wind, bei Temperaturen um 4 ° C. Mich fröstelte es etwas als ich den Weg in Richtung " MäcGeiz " antrat, um für unsere heiß geliebten Vierbeiner das Standard - Trockenfutter zu besorgen. Im Winter fressen die vier Katzen immer etwas mehr als sonst. Das liegt u.a. an dem dickeren Fell, dass sie sich ab dem Herbst zulegen. Schließlich sind alle " Stubentiger " eher Freigänger als dieses.

So ging ich jene Strecke, die mich dann auch an die Straßenkreuzung von der Anton - Weck - Straße mit der Reiswitzerstraße führte. Hier, stadteinwärts betrachtet, stand vor zirka 1 1/2 Jahren noch ein eher herunter gekommenes Haus, dass wohl zur dem Grundstück Nummer 8 gehörte. Inzwischen ist dieses längst abgerissen worden.
Statt seiner entsteht hier ein Neubau. Die Fläche wurde mittlerweile von einem dieser typischen Bauzäune abgegrenzt. Dahinter befindet sich jede Menge Baumaterial, dass eher chaotisch abgestellt, auf seine spätere Verwendung wartet.

Vor einigen Wochen sah ich hier einige Männer auf den Bau arbeiten. Sie verlegten Moniereisen und Baustahlmatten. Es waren so genannte Eisenflechter. Ein Beruf, der durchaus anspruchsvoll, aber eben auch anstrengend ist ( https://de.wikipedia.org/wiki/Betonstahlbieger_und_-flechter ).
Ich beobachtete die Männergruppe beim so genannten Rödeln. Sie verknüpften verschiedene Eisenteile miteinander.

Es waren - wie so oft in dieser Branche - ausländische Arbeiter, die sich dort bewegten. So, wie es bereits ab den frühen 1980er und den 1990er Jahre der Fall war, als eine schwächelnde Konjunktur in führenden europäischen Ländern, zu krisenhaften Situationen in deren Binnenwirtschaft führte. Baukonzerne entließen massenhaft Mitarbeiter und bedienten sich danach statt ihrer, in dem grauen Markt von Subunternehmen.
Möglicherweise waren auch diese Eisenflechter von einem Subunternehmen aus den östlichen EU - Staaten angeheuert worden.

So, wie jene Mitarbeiter aus der Türkei, die eine Firma aus Bremerhaven ab Mitte der 1980er Jahre beschäftigte. Dieses als Gesellschaft bürgerlichen Rechts ( GbR ) tätige Unternehmen arbeitete auf diversen Baustellen im Raum um Bremen und Bremerhaven, wo es Baustahl und Moniereisen verlegte. Beide Gesellschafter der GbR waren als Subunternehmer eines anderen Bauunternehmen dort tätig. Weil diese Gewerke jedoch nicht von zwei Mitarbeiter fristgerecht erledigt werden konnten, holten sie sich " Schwarzarbeiter " aus der Türkei und beschäftigten diese als weitere Einzelunternehmer in Form eines Unterauftrags.

Diesem - rechtswidrigen - Konstrukt kam eines schönen Tages, so irgendwann in den Sommermonaten des Orwell´schen Jahres 1984, eine Truppe der Bremerhavener Gewerbepolizei auf die Schliche. Sie recherchierten dazu akribisch, fotografierten die Baustellen auf denen die Sub - Subunternehmer am Wuppen waren und schalteten dazu auch noch - alles legal im Wege der Amtshilfe - andere Dienststellen aus dem niedersächsischen Umland und darüber hinaus, ein. 

Ma(n) witterte einen organisierten, vielleicht sogar von mafiösen Strukturen durchzogenen, systematischen Schwarzarbeiter - Handel, der zu Lasten der Solidargemeinschaft führt, weil er Pflichtversicherungsbeiträge, Steuern und sonstige Abgaben hinterzieht. Bremerhaven´s Ermittler durchleuchteten das gesamte persönliche und berufliche Umfeld der beiden Eisenflechter und deren GbR mit einer Akribie, die ich sonst nur in Fällen von Kapitalverbrechen kennen gelernt habe.

Diese dienstliche Beflissenheit führte jedoch zu dem, was ein Vertreter aus dem Hause der " Herrin des Strafverfahrens ", der Staatsanwaltschaft nun überhaupt nicht mag und auch ein Richter in seinem normierten Dienstzimmer dann eher in einer Ecke oder auf dem überfüllten Regalen seiner Geschäftsstelle auf dem abgewetzten Fußboden liegen lässt: einen Aktenberg.
Seite für Seite, dicht bedruckten Papiers, zumeist im DIN A4 - Format, finden sich dann, handschriftlich durchnummeriert, in den Leitz - Ordnern, die in den Farben " Feuerrot ", " Karminrot " bis  " Tomatenrot " ( RAL 3000 - 3013 ) angelegt wurden, um sich von den anderen Zweigen der rechtsprechenden Gewalt zu unterscheiden. In schöner Regelmäßigkeit prangte dabei ein dunkler Aufkleber auf dem Deckel des Hefters, worauf " Haft! " und sogar " Eilt! " stand.

Nun, in diesem Fall der Bremerhavener Eisenflechter - " Mafia " war dieses nicht zu sehen. Es bestand auch keine Veranlassung dazu, denn die beiden Hauptbeschuldigten konnten einen festen Wohnsitz vorweisen, waren in einem festen sozialen Umfeld ( Ehe ) verankert und die zu erwartende Strafe gab eher keinen Anreiz dafür, sich der Verfolgung durch Flucht zu entziehen. Zudem war auch ein dringender Tatverdacht aus dem Ermittlungskomplex nicht zwingend herzuleiten.

Das betrügerische Gewerbe hatten die beiden Bremerhavener indes abgemeldet. Die Firma existierte nicht mehr und beide Männer traten den Gang zum Arbeitsamt, dem Sozialamt und anderen Behörden an, um jene Sozialtransfers zu erhalten, von denen sie vor dem finanziellen Höhenflug auch existieren mussten.

Andere Verwaltungen und Ämter begannen indes kräftig zu rechnen. Das Finanzamt, die dortige Dienststelle in Gestalt der Steuerfahndung, die Allgemeine Ortskrankenkasse Bremen / Bremerhaven und auch die Bau - Berufsgenossenschaft war dabei. Sie alle rechneten und erließen alsbald Beitrags - und Steuerbescheide, die sich bei den beiden Gesellschafter aus dem Eisenflechtergewerbe auf den Tischen stapelten und dennoch unbezahlt blieben. Beide Herren mussten den " Offenbarungseid " leisten und wurden danach Jahre lang von diesen Gläubigern gequält, obwohl - zumindest offiziell - dort nix zu holen war.

Die Jahre vergingen. Ein neues Jahrzehnt war angebrochen. Die Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft Bremerhaven staubte vor sich hin. Auf die durchaus intelligente Frage eines Engländers, die da lautet " What works? ", hätte der zuständige Dezernent der Bremerhavener Ermittlungsbehörde glatt und zudem permanent antworten müssen: " Nothing works! "

Der dortige Dezernent hatte inzwischen den - dann doch wohl eher unbestätigten - Titel des " faulsten Staatsanwalts in Deutschland " erhalten. Das Latrinenblatt mit den vier Buchstaben widmete ihm einen großen Artikel und auch der überregionale Boulevard berichtete über jenen Herrn Kollegen, der das Arbeiten in der Anklagebehörde nicht so ganz ernst nahm. Inzwischen hat er diesen " Titel " längst abgeben müssen ( http://www.bild.de/regional/stuttgart/staatsanwalt/das-ist-deutschlands-faulster-staatsanwalt-43473726.bild.html ).

Während die Jahre ins Land zogen, erinnerte sich der Titelträger dann doch wohl der Akten aus dem einstigen Eisenflechter - Milieu, durchforstete diese und quälte sich zu einer Anklage durch. Die landete irgendwann in den frühen 1990er Jahren auf dem Schreibtisch des seit 1983 dort tätigen Richters ( https://de.wikipedia.org/wiki/Jörg_Schulz ).

Richter am Amtsgericht ( RiAG ) S. prüfte die umfangreiche Anklageschrift und ließ sie freigiebig zu. Das konnte und durfte er, denn die vielen angeklagten Einzeltaten waren ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht verjährt. Doch die Verfolgungsverjährung drohte bereits bei dem ersten gerichtlichen Schritt zur Eröffnung des Hauptverfahrens. Der Bremerhavener Amtsrichter musste dieses irgendwie geahnt haben, denn er beraumte einen Hauptverhandlungstermin am frühen Nachmittag an. Zuvor allerdings wanderte der Aktenstapel jeweils für eine Woche an die Verteidiger, der dann insgesamt 5 Angeklagten.

Ich hatte das Paket aus Bremerhaven irgendwann im Frühjahr 1994 auf meinem Schreibtisch. Das Mandat erhielt ich von ehemaligen Kollegen aus Achim, die ihre Kanzlei dort aufgaben und sich beruflich und örtlich veränderten. Der Mandant war inzwischen in die Nähe der Stadt gezogen und unterschrieb mir dann eine Strafprozessvollmacht. Nun hieß es aber zunächst, die Papierberge zu sichten und Kopien zu erstellen. Danach formulierte ich einen so genannten Beiordnungsantrag mit dem ich eine Pflichtverteidigung erreichen wollte. Diesen Antrag sandte ich mit dem Aktenstapel zurück an das Amtsgericht Bremerhaven.

Nach der üblichen Routinetätigkeit hieß es nun weiter warten. Irgendwann danach rief mich ein Bremerhavener Kollege an und erklärte mir schlankweg, dass sämtliche, in der Anklageschrift aufgeführten Taten inzwischen verjährt seien. Ich stutzte ein wenig, ließ mir aber am Telefon nichts davon anmerken, sondern besprach mit diesem die weitere Vorgehensweise in dem Verfahren. Der Kollege hatte wohl weder Zeit, noch ein großes Interesse sich in diesem Strafverfahren weiter einzubringen. Vielleicht waren ihm die Pflichtverteidigergebühren auch zu gering. Jedenfalls bügelte er meine Nachfrage, ob er einen entsprechenden Antrag auf Einstellung des Verfahrens wegen der eingetretenen Verfolgungsverjährung und des sich daraus ergebenen Verfahrenshindernisses stellen werde, kurz und bündig ab. Nein, er habe keinerlei Ambitionen, einen solchen Antrag in der Hauptverhandlung zu stellen.

Weil ich dem Bremerhavener Kollegen, der natürlich den Ruf des Staatsanwalts als " faule Suppe " längst vernommen hatte, für seinen Insidertipp dankbar war, setzte ich mich an den Schreibtisch und diktierte einen entsprechenden Antrag. Meine Azubine tippte diesen Sülz ab und ich nahm das Papier einen Tage später mit zur Hauptverhandlung. 

Als wir nun in einem der Sitzungssäle saßen und auf das Schöffengericht ( 1 Berufsrichter, 2 ehrenamtliche Richter ) warteten, sprach mich der Bremerhavener Kollege auf den Antrag an. Er grinste, als ich ihm zusicherte, einen solchen Antrag stellen zu wollen. Auch die drei  anderen Kollegen lächelten vor sich hin.

Das Hohe Gericht mit RiAG S. erschien, wir standen auf und der Vorsitzende bat uns gleich danach, wieder Platz zu nehmen. Das übliche Ritual. Dann befragte Richter S. als Vorsitzender die fünf Angeklagten nach ihren Personalien und war gerade im Begriff, den " faulen " Staatsanwalt aus Bremerhaven um die Verlesung der Anklageschrift zu bitten, als ich intervenierte. Ja, ich hätte einen Antrag zu verlesen.
" Ja, ich weiß schon, was Sie jetzt wollen. ", entgegnete mir Richter S. in einem leicht genervten Ton.
" Bitte! ", sagte er dann doch noch.

Ich stand dazu auf, denn schließlich kommt es ja nicht alle Tage vor, dass ein Verteidiger sich in der glücklichen Lage versetzt fühlen kann, der Staatsanwaltschaft als dem wahren Gegner in einem Strafverfahren, die absoluten Grenzen ihres Tuns aufzeigen zu können.
" Bitte bleiben Sie doch sitzen. ", sagte Richter S. mit einem leicht süffisanten Unterton zu mir, als ich begann, den Antrag auf Einstellung des Verfahrens zu verlesen. Um es auf einen rechtsdogmatisch korrekten Weg zu erledigen, konnte ich nach Ansicht des RiAG S. dieses auch in sitzender Haltung mit schwarzer Robe vornehmen.

Meine geschliffene, fach-terminologisch exakte Wortwahl hatte ich aus den Strafrechtskommentaren entnommen, die in meinen Regalen standen. Da war die Rede von einem Verfahrenshindernis, von Verfolgungsverjährung und von Verfahrenseinstellung, wenn diese beiden Bedingungen vorlagen.

" Möchte Sie darauf eine Stellungnahme abgeben, Herr X ? ", fragte RiAG S. den Staatsanwalt, der eher missmutig, müde wirkend zuvor den Sitzungssaal in Öko - Latschen von Birkenstock, einer zerschlissenen Jeans, deren einst blaue Farbe mittlerweile nicht mehr zu erkennen war und dessen Gesicht ein " Kraut - und Rübenbart " in schwarz - grauen Farbschattierungen zierte. Die letzte Rasur muss wohl eine halbe Ewigkeit her gewesen sein.

" Nein ", antwortete der ökologisch angehauchte Anklagevertreter. "
" Möchten die weiteren Verteidiger dazu noch eine Stellungnahme abgeben? ", fuhr Richter S. fort.
" Ich schließe mich dem Antrag an. ", erklärte der Bremerhavener Kollege, der mich erst auf die Idee mit der Verjährung gebracht hatte.
" Ich auch! ", betonten dann nacheinander die drei weiteren Robenträger aus meiner Zunft.

Gut! Dann ziehen wir uns jetzt zur Beratung zurück! ", sagte RiAG S. und stand gleichzeitig mit seinen beiden Schöffen auf. Die Gepflogenheiten eines solchen Verfahrens sind eben pro forma einzuhalten. So auch jene, dass die übrigen Prozessbeteiligten auch aufzustehen haben, wenn das Hohe Gericht den Raum verlassen möchte.

" Das haben Sie sehr gut gemacht! ", lobte mich der ältere Kollege aus Bremerhaven, der in seinem längst abgetragenen, grau - blauen Anzug mit der eher unpassenden dunklen Krawatte, bereits mehr als das Dreifache an Berufsjahren auf dem Buckel hatte. Auch die weiteren, ebenfalls aus der beschwesterten Stadtgemeinde des gemeinsamen Bundeslandes Bremen stammenden Verteidiger, nickten wohlwollend und zustimmend.
" Aber, die Idee kam von Ihnen, Herr Kollege. ", antwortete ich ihm höflich, dabei einen leicht devoten Unterton wählend.
Er grinste und gab dann jenen Satz zum Besten, den ich danach in Erinnerung behielt:
" Ja, ich kenne das hier schon! "
Wir lachten schallend, während der Ökopax - Anklagevertreter mit sauertöpfischer Mine hinter seinem Tisch saß und vielleicht vor Scham gleich eine Etage tiefer abgetaucht wäre. Im Keller nämlich, wo bestimmt einige Akten lagerten, die er - weil ebenfalls zu spät bearbeitet - in den Bremerhavener Wesersand gesetzt hatte.

Das Gericht erschien wieder. RiAG S. setzte sich und erklärte: " Wir haben uns beraten. Wir werden dem Einstellungsantrag der Verteidigung in der vorgetragenen Form stattgeben. Allerdings mit der Auflage, dass jeder Angeklagte eine Geldauflage von 100 DM entrichtet und, weil es unverhältnismäßig wäre, die Verfahrenskosten der Staatskasse aufzubürden, müssten die Angeklagten ihre notwendigen Auslagen selbst tragen. Sind die Beteiligten damit einverstanden? "
RiAG S. schaute mit ernster Mine zu dem Staatsanwalt herüber. Dem konnte er dadurch ein kaum hörbares " Ja " entlocken.

Dann klopfte er verfahrenskonform die fünf Verteidiger ab, " Sie haben ja den Antrag selbst gestellt, aber die modifizierte Einstellung bedarf der Zustimmung aller Beteiligten. ", erklärte S. dazu.
Nach dem fünffachen, zustimmenden " Ja ", verkündete RiAG S. dann seinen vorbereiteten Beschluss.
" Das Verfahren wird im allseitigen Einvernehmen gegen eine Geldauflage von jeweils 100 DM eingestellt. Die Kosten des Verfahrens, mit Ausnahme der notwendigen Auslagen der Angeklagten, trägt die Staatskasse."
Dann bat er die Protokollführerin, die an der von ihm aus gesehenen, rechten Ecke des Richtertisches saß, dieses erneut laut vorzulesen. Das war´s dann mit einem Strafverfahren, dass lehrbuchhafter nicht hätte sein können. Ein wunderbares Beispiel für jede Strafrechtsklausur, innerhalb derer dem Aspiranten zur Aufnahme in das Fußvolk der Rechtsschaffenden, suggeriert werden kann, dass dieser Staat mit dieser Gesellschaft gerecht ist, denn er bestraft nur diejenigen Delinquenten, die auch tatsächlich in einem rechtsstaatlichen Verfahren einer angeklagten Tat überführt werden können.

Doch, bei aller Blauäugigkeit: Es war eigentlich ein Wirtschaftsstrafverfahren, das dort abgenudelt wurde. Und auf diesem Gebiet reagiert die eigentlich blinde Justitia dann doch anders als bei einem kleinen Strauchdieb. Obwohl der Schaden für die Allgemeinheit, also den Fiskus, die Solidargemeinschaft, beträchtlich war, hatte es die Staatsanwaltschaft nicht fertig gebracht, innerhalb der 10jährigen Verjährungsfrist das Verfahren in irgendeiner Form zu beenden. Und  - so meine moralische Bewertung - ich empfand diesen Ausgang des Prozesses nicht gerade als ungerecht. Schließlich sind die veruntreuten und hinterzogenen Gelder irgendwie wieder in den Wirtschaftskreislauf gelangt und landeten nicht als virtuelle Zahlenkolonne auf einem geheimen Nummernkonto einer mysteriösen Firmenkonstruktion mit dem Sitz auf einer pazifischen Kleinstinsel.

Nach dem Ende der Sitzung kam die Lebensgefährtin des Mandanten auf mich zu und hätte mich vor lauter Freude beinahe umarmt oder, wie es meine iranischen Freunde in einer blumigeren Sprache erklären würden: Sie hätte mir die Füße geküsst. Deshalb zahlte diese auch meine an den Mandanten abgesandte Rechnung.

Als ich vor einigen Tagen an der Baustelle vor der Kreuzung Anton - Weck - Straße / Reisewitzerstraße entlang ging, war kein einziger Bauarbeiter zu sehen. Der Gitterzaun befand sich immer noch dort. Das Tor war zugezogen und verschlossen. Der Rohbau stand dort und sah so kahl, wie die übrige Landschaft im Winter aus. Auf Baustellen werden jetzt kaum Arbeiter zu sehen sein. So auch dort. Ich zog den Reißverschluss meiner warmen Jacke etwas höher und dachte dabei wieder an die Eisenflechter aus Bremerhaven.


" Nektar " - Mundetango " - Album: " Sunday Night In The London Roundhouse Live " 1974:

















Die tschechisch - polnischen Chinaböller



Tja, nun werden wir die längste Nacht oder um es positiver auszudrücken, den kürzesten Tag oder auch umgeht,  hinter uns bringen. Ab Morgen geht es dann mit der Erdbevölkerung wieder stetig bergauf. Dazwischen aber kommt noch Weihnachten und zudem Silvester. Dabei gibt es eben jede Menge zu Feiern.

Dabei wird auch das alte Jahr verabschiedet. Die bösen Geister, das Unheil und die schlechten Einflüsse des Jahres 2017 werden dann um 24.00 Uhr mit einem lärmenden, tönendes und blitzenden Silvesterfeuerwerk vertrieben. Es lebe das Neue!

Wie es seit Jahrzehnten Usus ist, bedient sich ein großer Teil der wohlhabenderen oder derer, die sich dafür halten, des auf Moneten verdienen wollenden Erfindungsreichtums vieler Feuerwerkshersteller. Diese lassen dann ihr Zeugs über Millionen Verkaufsstellen unter die knallwütigen Menschen streuen. Allein in diesem, unserem, reichen Lande, werden wieder weit mehr als 100.000.000 ( ! ) Euro für das Gesumse berappen. Tendenz seit 2005 steig steigend: ( https://www.handelsdaten.de/deutschsprachiger-einzelhandel/silvester-umsatz-mit-feuerwerk-deutschland-zeitreihe ).

Ich zähle mich da eher zu den Feuerwerk - Totalverweigerern, denn ich kann diesem industriell und medial aufgezwungenen " Brauchtum " nix abgewinnen. Gut, ja, gut, ich sach´ma´: Zusehen kostet nüscht!

Da lag ich doch heute Morgen, noch selig und halbwegs zufrieden, ob des knappen Sieges meiner Grün - Weißen über die Breisgauer des SC Freiburg, in meinem wärmenden Bett, träumte schnarchend vor mich hin, als gegen kurz vor 6.00 Uhr zwei laute Explosionen mich des wohlig - warmen Schlafs beraubten. Kurz hinter einander war ein deutlich vernehmbarer Knall zu hören. Ein Geräusch, als habe sich einige Kilometer von meinem Schlafgemach entfernt, eine unkontrollierte Detonation ereignet. Zunächst vermutete ich einen Unfall auf der wieder lärmenden A 17 in Richtung der tschechischen Hauptstadt Prag. Doch das Abrollgeräusch der dorthin donnernden LKW war immer noch vernehmbar.

Es hätte sich aber auch um eine Gasexplosion handeln können. Ab und zu ist ja davon in den vielen Medien zu lesen und zu hören. Da fliegt dann ein ganzes Haus in die Luft oder das Dach wird zerstört oder die Wände werden von der Wucht der Explosion eingerissen.

Doch der Knall ereignete sich nicht nur ein Mal sondern zwei Mal und dieses sogar in kurzen Abständen. Was also konnte die Ursache für diesen Krach gewesen sein?

Vor einigen Tagen berichtete der NDR über diverse Unfälle mit Feuerwerkskörpern. Es wurden dabei verletzte Männer gezeigt, die mit Böllern, Raketen oder einer ganzen Batterie von diesen, herum hantiert hatten. Dabei wurden ihnen Fingerkuppen, Finger oder gar die gesamte Hand abgerissen. Es waren Gesichtsverletzungen zu sehen, die übel aussahen.
Dann kam die Warnung vor dem Kauf jenes Feuerwerkes, das in Deutschland nicht zugelassen ist, weil es den sicherheitstechnischen Prüfungen nicht entspricht.

Dennoch gibt es auch hier einer riesigen Grauen Markt, der jenseits der einstigen Ostgrenzen zu Tschechen und Polen blüht. Ganzjährig kann hier Pyrotechnik in rauen Mengen erworben werden. Die Artikel dürfen beispielsweise in Tschechien das gesamte Jahr über abgebrannt werden; in Polen ist dieses nur außerhalb geschlossener Ortschaft erlaubt. So pilgern bereits jetzt Zehntausende über die Grenzen, um sich mit billigen Böllern, Raketenbatterien und anderen Artikeln aus dem Bereich der Pyrotechnik einzudecken.

Wer diese bereits weit vor Silvester zündet, kann sofort mit einem Bußgeld belegt werden. In besonderen Fällen ist sogar ein Freiheitsstrafe möglich .
 https://www.bussgeldkatalog.net/umweltschutzordnungswidrigkeiten/sprengv/

Doch diese Strafandrohungen halten offensichtlich keinen Hardcore - Pyromanen davon ab, die explosiven Artikel in den Läden jenseits der Grenzen zu belassen. So werden spätestens ab dem 31.12.2017 wieder Tausende in die Krankenhäuser eingeliefert, weil sie " Polen - Böller " und " Tschechen - Knaller " gezündet haben und sich dabei üble Verletzungen zuziehen.

daneben gibt es aber auch solche Oberknaller, die morgens um kurz vor 6 Uhr ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen und diese Zeug bereits einige Tage vor Silvester ausprobieren. Da scheint das Geld doch besonders reichlich vorhanden zu sein.


" Öresund Space Collective " - " Consumed By The Goblin ":





Hundstage 2018

Der Sonntag war warm. Nicht heiß, aber dafür schwül. Geregnet hat es nicht, obwohl über all um unsere Stadt eine geschlossene Wolkendec...