Trauertourismus
Seit den frühen Morgenstunden des 1. Januar 2026 herrscht in der Schweiz kollektive Trauer. In jener Nacht verbrannten 47 überwiegend Jugendliche oder jüngere Menschen in einer Bar im Nobelort Crans - Montana ( https://de.wikipedia.org/wiki/Brandkatastrophe_von_Crans-Montana ). Unter den Toten befinden sich zwei 14jährige Mädchen, die dort ausgiebig in das neue Jahr hinein feierten. Bei allem Verständnis für die Angehörigen, die in ihrer Trauer, Wut und Verzweiflung nach den Ursachen und vor allem den Schuldigen suchen, stellt sich für einen Außenstehenden die berechtigte Frage, was zu nachtschlafender Zeit Minderjährige oder Heranwachsende ohne Elternbegleitung in dem Schuppen zu suchen hatten?
Die Bar " Le Constellation " war zudem im oberen Preissegment des Nobelortes einzustufen. Bereits 2018 echauffierte sich ein Gast, dass er für sechs 0,25 l - Biere satte 115 Schweizer Franken ( zu jener Zeit zirka 100 Euro ) zu berappen hatte. Allerdings gilt auch dort: Wer sich aus der breiten Masse herausheben möchte, kann dieses nur über etwas Exklusives. Und seine es hier die Mondpreise, denn die kann nicht jeder Besucher bezahlen.
Während die Ermittlungen unter anderen gegen das Betreiber - Ehepaar angelaufen sind, wurde beinahe zeitgleich die Trauermaschinerie in Gang gesetzt. Nach dem seit Jahrzehnten bekannten Muster legten Unbeteiligte am Unglücksort Blumengebinde, Stofftiere oder Tafeln mit der Aufschrift " Warum? " nieder, platzierten Grabkerzen und hielten davor andächtig inne.
" Warum? "
Nun, weil es beinahe alle Menschen in Europas an verschiedenen Orten vorexerziert haben. Die Bilder gleichen sich dabei. Ich frage mich beim Betrachten der angeblich Trauenden immer wieder, was davon Heuchelei und was ehrliches Mitgefühl ist. Und wenn dann noch Auswärtige an den Unglücksort pilgern, um sich selbst darstellend öffentlich als einer von ihnen zu zeigen. Das zwischen Voyeurismus einerseits oder Betroffenheit auch hier ein schmaler Grat verläuft, zeigt sich ebenso an dem gewaltigen Medienaufkommen. Von solchen Ereignissen zu berichten, ist nach wie vor mehr als nur Alltagsarbeit. Hierbei lässt sich so ganz nebenbei trefflich spekulieren, wem nun die Schuld an diesem Brandunglück trifft. Der Gemeinde? Den Betreibern" Den anwesenden Gästen?
So fallen nach wie vor Horden vermeintlich Trauernder in das Schweizer Dorf ein, sehen sich die Unglücksstelle an, produzieren dazu Videos, die sie alsdann, die eigene Aufmerksamkeit erwartend, ins Netz stellen. Widerlich! So widerlich wie der Trauertourismus, der auch noch von den politisch Verantwortlichen geduldet wird.
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