Haftung für externe Links - Datenschutz

Hinweis und Belehrung

Aus gegebenen Anlass erkläre ich hier durch, dass eine rechtliche Haftung für den Inhalt externer Links - unter Anwendung der bundesdeutschen Gesetze und der Rechtsprechung - ausgeschlossen ist. Ich distanziere mich ausdrücklich von Inhalten, die mittels Verlinkung in meinen Veröffentlichungen eingebettet werden und möglicher Weise gegen Rechtsvorschriften verstoßen könnten.

Da die Verwendung von so genannten Cookies auf diesem Blog nicht erfolgt, schließe ich auch die Haftung - aus welchen Rechtsgründen auch immer - ausdrücklich aus.

Beiträge mit strafrechtlich relevanten Inhalt, wie beispielsweise Volksverhetzung, Beleidigung, üble Nachrede, Bedrohung sowie das Verwenden von verfassungsfeindlicher Symbolik, werden unangekündigt gelöscht und den zuständigen Ermittlungsbehörden zur Kenntnis geleitet.

Mittwoch, 27. April 2011

" Michael Kutzop! Er läuft an, und....?Daneben! Er schießt den Elfmeter vorbei!" - Erinnerungen, 25 Jahre nach dem größten Fehlschuß der Saison 1985/1986.



Wenn heute Abend ab 20.45 Uhr die Millionarios von Manchester United und dem FC Schalke 04 im Hinspiel des Halbfinals der Champion Leaque 2010 / 2011 die Klingen im Gelsenkirchener Stadion kreuzen, dann steht zumindest ein Außenseiter einem Favoriten auf den Titel gegenüber. Statt des Ruhrpottvereins haben zuvor die meisten der so genannten Experten eher auf den FC Bayern München getippt. Der jedoch schwächelt seit Monaten nicht nur in der Bundesliga, ist im DFB-Pokal gerade gegen den FC Schalke 04 ausgeschieden und ließ sich von Inter Mailand im Achtelfinale der CL 2010 / 2011 die Butter von Brot nehmen, obwohl der bajuwarische Klub das Hinspiel in Mailand noch mit 2:1 gewonnen hatte.

Wie seit vielen Jahren, besser noch seit vielen Dekaden, werden jene obligatorischen Fragen nach dem heimischen Meister, dem Pokalsieger oder der Teilnahme am internationalen Wettbewerb, der CL also, immer wieder monoton mit Bayern München geantwortet.
Wer sich die letzten 40 Jahre in der BuLi ansieht erkennt auch sofort warum. Die Bayern beherrschten die nationale Szenerie nach belieben.

Das schien vor 25 bzw. 26 Jahren ausnahmsweise nicht der Fall zu sein. Der SV Werder Bremen mit seinem damaligen Trainer Otto Rehhagel startete in die Saison 1985/86 furios:
Die Mannschaft gewann im Auftaktspiel in Gelsenkirchen mit 1:0, fertigte Hannover 96 zuhause mit 8:2 ab, spielte gegen den 1. FC Saarbrücken zwar nur 1:1, gewann aber dann 2:0 zuhause gegen den norddeutschen Erzrivalen HSV mit 2:0, spielte remis - nämlich 3:3 - gegen Köln, gewann gegen Nürnberg 2:1, gegen Düsseldorf 4:1, gegen Waldhof Mannheim gab es indes nur ein 2:2 auswärts. Dafür wurden Bochum und Frankfurt mit 3:2 bzw. 4:0 besiegt.

Rehhagels Truppe belegte bis zum Halbserienende permanent den 1. Tabellenplatz; auch dann noch, als am 22. 11. 1985 das Skandalspiel gegen den Verfolger Bayern München angepfiffen wurde. Die von Lattek aggressiv eingestellten Bayern traten gegen alles, was nicht bis 3 über die Grasnarbe sprang.
"Cognac"-Udo wusste genau, dass er es mit einem spielerisch und taktisch durchaus ebenbürtigen Gegner zu tun hatte.Wäre das Spiel gegen diesen unmittelbaren Konkurrenten nicht gewonnen, sondern mit einer Niederlage bestritten worden, hätte der SVW 5 Punkte Vorsprung gehabt ( damals galt noch die 2 Punkte-Regelung für einen Sieg, ein Remis zählte einen Pluspunkt, eine Niederlage mit 2 Minuspunkten), was durchaus als komfortabel einzustufen war.

Der SVW hatte zuvor am 15. Spieltag das weitere Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach auf dem Bökelberg mit 2:1 gewonnen.Dadurch konnten sich die Grün-Weißen einen Mitbewerber zunächst vom Hals halten.

Als an jenem 22. November 1985 gegen 17.15 Uhr das Spiel im Olympiastation von München durch den unfähigen und dauerhaft überforderten Schiedsrichter Gerhard Theobald abgepfiffen wurde, hatten die Bazis  zwar 3: 1 gewonnen, jedoch nur deshalb, weil das "Arschloch" Matthäus, das "Oberarschloch" Augenthaler und der " Klopper " Lerby durch brutale Fouls den Werderanern den Schneid abkauften.

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1985-86/16/13571/spielschema_bayern-muenchen-14_werder-bremen-4.

Völler war über Monate verletzt ( Foul durch Augenthaler), andere Spieler angeschlagen. Dennoch gewann der SVW durch ein eindrucksvolles 6:0 gegen die "Spätzle"-Fresser aus Stuttgart die Herbstmeisterschaft.
Das ausverkaufte Weserstadion tobte und sang - ich mit - aus voller Inbrunst " Oh, wie ist das schön!".
Das Blödel-Duo " Klaus & Klaus " hatte seinen Gassenhauer "An der Nordsseküste" mittlerweile umgetextet und frohlockte nunmehr:

" Ja, bei Werder Bremen. "

" Damals vor unendlich langer Zeit,
da machten die Bremer in der Liga sich breit,
der Weg ging nach oben,in Saus und in Braus
und mit Otto am Ruder geht es siegreich nach Haus. Refrain:
Ja bei Werder Bremen,da wackelt die Wand,
denn der deutsche Meister kommt vom Weserstrand
2.Strophe
Die Jungens,sie stürmen wie die stürmische Flut
unser Budde,der hält niemals schlecht sondern gut
Frank,Benno und Johnny,die kennt jedes Kind,
und mit Mirko und Rudi sind wir schnell wie der Wind
Refrain
3.Strophe
Die Fans schunkeln hin,die Fans schunkeln her,
die Stimmung is super,hier steppt heut der Bär
Petzai is' Spitze und Otto hebt ab,
bald holn wir uns auch den Europa-Cup. "

Die Euphorie hielt auch in der Rückrunde an.Am 30. Spieltag, dem 04. April 1986 gewann der SVW zuhause gegen die "Pillendreher" aus Leverkusen 5:0 und hatte 4 Punkte Vorsprung, bei einem besseren Torverhältnis.


http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1985-86/30/0/spieltag.html

Das am 11.04. 1986 - einem Freitag - folgende Auswärtsspiel gegen die weitere "Werkself" des Bayer-Konzerns, den KFC (Krefeld)Uerdingen 05 vergeigten die Werderaner mit 0:1. Ein Spieler namens Raschid erzielte kurz nach dem Wiederanpfiff zur 2. Halbzeit das entscheidende Tor. In der einstigen Mannschaft - des mittlerweile in der Niederrheinliga, der vormaligen Verbandsliga, also der 6. Herren-Spielklasse, angesiedelten Vereins - tummelten sich illustre Akteure, wie Friedhelm Funkel ( einem selbst ernannten Hasser der Grün-Weißen ).
Der weitere, vom Weltkonzern Bayer gesponserte Klub hatte seine erfolgreichste Zeit Mitte der 80er Jahre. Also auch in der Saison 1985/1986.

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1985-86/31/13707/spielschema_kfc-uerdingen-05-28_werder-bremen-4.h

Mein damalige Studienkollege aus Bremen rief mich kurz vor 22.00 Uhr wegen des Spiels an und wir schimpften wie die Rohrspatzen, weil unser SVW das Spiel verloren hatte. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte ich das ungute Gefühl, dass es auch dieses Mal mit der Deutschen Meisterschaft nichts werden wird.

Es folgte am Donnerstag, den 17.04. 1986 das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Auch diese Begegnung konnte der SVW nicht gewinnen. Sie endete 1:1, nachdem " der Lage ", Frank Neubarth die Grün-Weißen in der 63. Minute in Führung schoss, glichen die Gladbacher bereits 10 Minuten später aus. Die Bazis indes nutzten ihr Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen nicht ( 0:0 ), um bis auf einen Punkt heran zu kommen, nachdem sie ihr Auswärtsspiel am 31. Spieltag in Dortmund ( 12.04. 1986 ) noch souverän mit 3:0 einfahren konnten.

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1985-86/32/13723/spielschema_werder-bremen-4_borussia-mgladbach-15.html

Vor dem Rückspiel gegen die Bayern aus München, am 33. Spieltag hatte der SVW einen 2 Punkte Vorsprung, aber nicht mehr das bessere Torverhältnis:

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1985-86/33/0/spieltag.html

Der SVW musste also am 33. Spieltag, an jenem denkwürdigen Dienstag, den 22. April des Jahres 1986, mindestens mit 1:0 gewinnen, um die Deutsche Meisterschaft perfekt zu machen.
Das Spiel des Jahres, der Vereinsgeschichte wohl nicht, aber der Saison 1985/1986 fand im - natürlich - ausverkauften  Weserstadion um 20.00 Uhr statt. Karten hierzu gab es seit Wochen, ja seit Monaten nicht mehr. Radio Bremen "Hansawelle" übertrug die Partie deshalb live. Die beiden Reporter Wilhelm Johannsson und Walter Jasper ( beides glühende Werder-Fans ) liefen zur Höchstform auf.

Ich hatte mich an jenem denkwürdigen Dienstagabend, dem 22. April 1986, also 4 Tage bevor in Tschernobyl das bis vor Fukushima größte Unglück auf dem Gebiet der Kernkrafttechnik statt finden sollte, zu einem Spaziergang am Bremer Uni See entschlossen. Während ich erwartungsfroh ab 19.00 Uhr allein die große Runde um jenes künstliche Gewässer in der Nähe der Autobahn, des Bürgerparks und der Beton-Wüste der Universität abschritt, um mich aber auch abzuregen, kreisten meine Gedanken eben auch an jenes Hinspiel, dass die "Scheiß" Bayern in brutaler Weise 3:1 gewonnen hatten. An jene Tretereien und den einseitigen Kommentar durch das  " Bazi "-Reporter-" Mega-Arschloch " Fritz von Thurn & Taxis, einem FCB-Vereinsmitglied, Lobhudeler und intellektuellen Tiefflieger, der rhetorisch nichts auf der Pfanne hat(te) und schon damals ständig sündhaft teure grüne Lodenmäntel während der Spiele, die er übertrug, anzog. 

Diesen "Drecks"-Bayern sollte nun im Rückspiel nicht nur der "Arsch" hoch gebunden werden, sondern dazu auch noch die gesamte Mannschaft nebst dem " Säufer " Lattek durch einen grün-weißen Sturm auf das "Bazi"-Tor eine Lektion erteilt werden.
Naivität gehörte eben auch schon damals zum Glauben an eben jene lang ersehnte Fußballmeisterschaft,; die Zweite eben, nach 1965/1966.
Die "Mist"-Bayern könnten ja unisono keine der bereits vielen mehr gebrauchen; schließlich hatten sie ja schon damals alle Titel gewonnen, die einst angestrebt werden konnten.

Ergo: Wir gewinnen 5:0, oder wenigstens 4:1 oder nur ganz knapp 1:0!

Als gegen 20.00 Uhr die Reportage begann, hatte meine einstige Studienkollegin mich noch an der Strippe. Sie wusste, dass ich ein Fußball-Fanatiker bin und seit einigen Jahren zum SVW konvertiert war,nachdem mich meine Favoriten der 70er Jahre aus Mönchengladbach in einem Auswärtsspiel gegen eben jenen SV Werder Bremen so schmählich in Stich gelassen hatte und dieses sang - und klanglos mit 0:2 verloren.
Nein, dieses Spiel musste für eben auch die Schmach zuvor, die bitteren Pleiten gegen die verhassten Bayern herhalten. Ich drehte den Lautstärkeknopf meines schwarzen Toshiba-Verstärkers höher, als die Anmoderation von Walter Jasper erfolgte. Mein Herz schlug allerdings bis zum Hals. Meine Kollegin und ich beendeten das Telefonat. Sie wohl aus reiner Höflichkeit, weil sie ja wusste, dass ich eh nicht mehr ansprechbar war.

Das Spiel verlief bis zur Halbzeit eher ausgeglichen. Die Bayern spielten - wie immer - clever, abgebrüht und ließen sich durch den Pfiffe-Orkan bei jeder Ballberührung des Abwehrspieler Klaus Augenthaler nicht aus der Ruhe bringen. Lattek war eben ein ausgesprochener Fuchs, wenn es um wichtige Spiele ging, hatte er seine Mannschaft eben richtig eingestellt.

So spielten, liefen und schwitzen sie:


Burdenski (2) - 
Pezzey (2)   
Schaaf (3) , 
Kutzop (4) , 
Otten (3) - 
Wolter (1) , 
M. Votava (3) , 
Meier (1)   
Okudera (2) - 
Neubarth (3) , 
Trainer: Rehhagel
Pfaff (1) - 
Augenthaler (2)   
Nachtweih (3) , 
Eder (2) , 
Pflügler (2) - 
Matthäus (4) , 
Lerby (3) , 
Mathy (4) - 
Wohlfarth (3) , 
Hoeneß (3) , 
Rummenigge (3)   
Trainer: Lattek

Für mich indes - der sich am Radio, die Hände schwitzend, den Puls rasend und Verwünschung gegen die Bayern ausstoßend, von denen die obigen noch eher harmloserer Natur waren - verflog die Zeit. Halbzeit!
Es stand 0:0. Es war nicht das erwartete Schützenfest meiner Grün-Weißen, nicht die Revanche für das "Klopper"-Spiel in München. Es war eher ein Duell auf Augenhöhe. Hier die abgebrühten "Bazis", dort die eher abwartenden Werderaner.

Auch nach dem Anpfiff zur zweiten Hälfte tat sich eher wenig. Dann zog Otto Rehhagel in der 77. Minute seinen Joker aus der Tasche: Rudi Völler kam für den bis dato glänzend aufgelegten Norbert Meier, der wiederum etwas angesäuert den Platz verließ. Ausgerechnet "Ruuuuuuuuuuudi", " Tante Käthe ", der Übersteiger-König, sollte es richten. Und tatsächlich: Rudi Völler hatte mehrere Chancen, um ein Tor zu erzielen. Ein Ball köpfte er - so meine Erinnerung - so gar an das Gebälk. Aber, er machte eben auch kein Tor. Noch nicht!
Noch 5 Minuten! Immer noch 0:0! Die "Scheiß" - Bayern begnügten sich mit dem Halten des Remis. Sie riskierten nicht mehr viel. Werderś Bemühungen blieben auch eher brotlos. Dann die 88. Minute. Völler wird bei einem Zweikampf mit einem Bazi (es war Sören Lerby) im Bayern-Strafraum angerempelt.Der Ball prallt dabei von Rudi Völler kommend dem Dänen Lerby in das Gesicht, wobei dieser eine Abwehrbewegung vollzieht, die eher so aussieht, als würde er versuchen, die Kugel - wie beim Volleyball - zu Baggern.  Ein Pfiff! Schiedsrichter Volker Roth, der die Partie ansonsten sehr gut leitete, zeigt auf den 11 Meter-Punkt. Elfmeter für uns! Jaaaaaaaaaaaaaaaaah! Ein Elfer! Wir sind Deutscher Meister! Mein Puls rast!

Dann die üblichen Proteste der "Bazis". Roth lässt sich nicht beirren. Der Werderaner Michael Kutzop, den Otto Rehhagel - wie einige vor, mit und auch nach ihm - als erfahrenen Spieler in den Verein geholt hatte, er stand zur Ausführung bereit. Er sollte also den Meistertreffer erzielen. Er sollte den "Drecksverein" aus München in den Orbit schießen!

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1985-86/33/13724/spielschema_werder-bremen-4_bayern-muenchen-14.html

Ich höre noch heute die Worte, den Kommentar von Walter Jasper:
" Michael Kutzop! Er läuft an, und.....? Daneeeebeeeen! Er schießt den Elfmeter vorbei!"

Parallel hierzu lief die TV-Live-Übertragung. Bei der Paul Breitner als Co-Kommentaor fungierte. Breiter, selbst einstiger "Bazi"-Spieler, erkannte sofort, dass es kein Elfmeter war. Womit er wieder einmal in seiner Einschätzung vollkommen richtig lag. Es war kein Strafstoß, weil es von Lerby kein Handspiel war.

http://www.youtube.com/watch?v=XxGJj30P5M8 
Für mich brach dennoch  eine Welt zusammen. Aber nicht nur für mich. Die gesamte Polit-Prominenz in Bremen stand auf der (VIP) -Loge, der Südtribüne und ächzte in diesem Moment, wie ein alter Gaul bei der Fronarbeit. Vorbei"! Er schießt den Elfmeter am vom Schützen gesehen rechten Torpfosten, halb hoch, von wo der Ball in das rechte Seitenaus springt. Vorbeiiiii! Aus! Finito, Deutsche Meisterschaft?

Die späteren Interviews mit irgendwelchen Spieler, mit Rehhagel und Lattek und die - wohl zutreffende Feststellung des Dänen im Mittelfeld der Bayern Sören Lerby " Der Elfmeter war wohl ein verspätetes oder verfrühten Weihnachtsgeschenk - interessierten mich nicht mehr. Wir hatten den Matchball zur Deutschen Fußballmeisterschaft 1985 / 1986 kläglich vergeben.

Michael Kutzop wurde seit eben jenem verschossenen Elfmeter, eben wegen jenes vergebenen Strafstoßes, ständig daran erinnert, dass er die Deutsche Fußballmeisterschaft 1985 / 1986 entschieden habe - zugunsten der Bayern aus München.
Diese Fehlschuss der Saison 1985 / 1986 lastete auf ihm, wie ein Sarkophag in Tschernobyl, wie ein Damokles-Schwert hing er über ihm. Er war der Loser, der Depp,der Meisterschaftsverlierer. Nicht das spätere 1:2 gegen giftige "Spätzle"-Fresser aus Stuttgart an dem dann schlimmsten Tag der UdSSR-Atomwirtschaft, an dem GAU im Reaktor von Tschernobyl, war aber eigentlich der Anfang vom Ende der 2. Deutschen Meisterschaftsträume, sondern das verlorene Spiel in Uerdingen, das 1:1 gegen Gladbach sind für mich - retrospektivisch betrachtet - die eigentlichen Punktverluste gewesen, die die Meisterschaft kosteten.

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1985-86/34/13734/spielschema_vfb-stuttgart-11_werder-bremen-4.html

Als die BuLI Übertragung und die Konferenz am 26.04. 1986 ab 15.30 Uhr im WDR begann, vermeldete der Studiomoderator Kurt Brumme schon nach 1 Minute das 1:0 der Bayern gegen Gladbach. Torschütze Matthäus. Ein Knaller aus ca. 20 Meter. In Stuttgart stand es immer noch 0:0. Das hätte gelangt! 1 Punkt Vorsprung. Dann kam der Auftritt von Karl Allgöver alias " Knallgöver ". Einem - neben Guido Buchwald - schwäbischen "Arschloch " und Norddeutschen-Hasser. Einem "Schweinehund " aller erster Güte. Er prügelte das Leder aus allen möglichen Positionen auf Burdenskis Tor. Wie Geschosse jagte er die Kugel am Kasten des SVW-Torhüter vorbei. Dann traf der "Sauschwoab " zwei Mal. Der SVW war wie gelähmt. Die "Drecks"-Schwoaben wollten uns nicht gewinnen lassen.
Später erzählte der Volltrottel Buchwald einem Reporter, in der Halbzeitpause sei er von einem Werderaner mit den Worten angesprochen worden: " Lasst uns gewinnen!". Dieses Ansinnen habe er jedoch barsch mit dem Hinweis zurück gewiesen, sie - die Mannschaft - sei den Fans ein gutes Spiel und einen Sieg schuldig.

In der 79. Minute keimte noch einmal ein Fünkchen Hoffnung auf: Der Oldie Mann Burgsmüller erzielte den 2:1 - Anschlusstreffer. Dann kam der Abpfiff.
In München tobten die Fans im ausverkauften Olympia-Stadion nach dem die Bayern die Gladbacher mit 6:0 weg gefegt hatten und das Ergebnis aus dem Nachbarland B.-W. an der Anzeigentafel erschien.
 Es wurde eine Meisterschaft mit einer Double der Schale gewonnen, denn das Original lag im Stuttgarter Neckarstadion, an die eigentlich keiner mehr geglaubt hatte.

So ist Fußball eben auch!

Für mich indes stand fest: Ich werde nie Bayern-Fan und Anhänger des VFB Stuttgart schon gar nicht.
An die 2. Meisterschaft meines SVW musste ich in der Folgesaison nicht glauben, denn die verlief eher schwach.
Dafür schaffte es die Rehhagel-Truppe am 02. Mai 1988 mit einem 1:0 gegen die Eintracht aus Frankfurt, den Titel vorzeitig zu gewinnen.
Rehhagels Kreation der " kontrollierten Offensive" hatte Früchte getragen.

Ich war inzwischen Rechtsanwalt und hatte am 03. Mai 1988 einen Termin vor dem Arbeitsgericht in Wesel. Einen Tag also nach dem Gewinn der 2., einem Mittwoch. Nach der Verhandlung grinste der Vorsitzende und wünschte mir eine gute Rückfahrt und beglückwünschte mich auch zum Titelgewinn. Woher er wusste, dass ich SVW-Fan bin, war mir nicht so ganz klar - er wird es wohl einfach unterstellt haben.

Und, nachdem der Groll auf die "Bazis" nach Jahren sich immer noch nicht gelegt hat, ist es mir ein innerer Vorbeimarsch, an jene Ereignisse im Jahre
1993, also in der Spielzeit 1992 / 1993 an jenem 05.06. 1993 in Stuttgart hinzuweisen. Am 33 Spieltag standen die beiden hier benannten Vereine punktgleich und nur durch ein einziges Tor getrennt an der Tabellenspitze. Zuvor hatten die " Bazis " über sehr lange Zeit die Tabelle angeführt.
Bayern hatte in Gelsenkirchen anzutreten; der SVW auswärts beim VFB Stuttgart.
Es war wieder so ein Herzschlagfinale.

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1992-93/0/0/spieltag.html

Zur Halbzeit stand es in Stuttgart 0:0; dann kam Bernd Hobsch und Thomas Wolter. Werder gewann 3:0. Buchwald schaute wie ein Trecker,Allgöver war längst ausgemustert und Gaudino hatte einen rabenschwarzen Tag.


http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1992-93/34/11529/spielschema_vfb-stuttgart-11_werder-bremen-4.html

Noch schlimmer, als den "Sauschwoaben" erging es den " Bazis " auf Schalke.
Ingo Anderbrügge erzielte bereits nach 5 Minuten das 1:0 für die Königsblauen. Dann glichen die Bayern aus. Dann kam ein russischer Spieler mit dem Namen Sascha Borudjuk und zerschoss die Titelträume von Scholl und Co. Scholl heulte wie ein Schlosshund, ihm erging es so, wie es tausenden von Werder-Fans an jenem 26.04. 1986, also  7 Jahren zuvor auch erging, als die Meisterschaft gegen den VFB 1:2 vergeigt wurde,sie waren alle am Boden zerstört.

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/1992-93/34/11526/spielschema_fc-schalke-04-2_bayern-muenchen-14.html

Fußballgeschichte wiederholt sich eben doch; wenn auch nicht so oft.
25 Jahre nach dem Fehlschuss der Saison im Bremer Weserstadion steht für mich immer noch fest: Nicht Michael Kutzop hat die Deutsche Fußballmeisterschaft durch seinen verschossen Elfmeter vergeben, sondern es waren alle Spieler von einst, die in der Zielgeraden das große Fracksausen bekamen, ähnlich, wie der FC Schalke 04 gestern Abend im heimischen Stadion gegen ManU es bekam.

Auch das ist eben Fußball!

PS.: Sämtliche Titulierungen in Anführungsstrichen stellen keine eigenen Wortschöpfungen dar, sondern sind aus dem Vokabular von einst rezitiert worden ( d.Verf.).

Keine Kommentare: