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Mittwoch, 6. April 2011

Spießer-Oberspießer-Ökospießer!

Was ist ein Spießer? Handelt es sich dabei um einen, der etwas aufspießt; ein Krieger also? Wenn ja, was spießt ein Spießer also auf?
Ein kurzer Blick zu dem Begriff besagt:

" Als Spießbürger oder Spießer werden in abwertender Weise engstirnige Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen und einer  Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung und ein starkes Bedürfnis nach sozialer Sicherheit auszeichnen. "

-Zitatende -




(c) Ramessso bei WIKIPEDIA

Zur historischen Herkunft ist zu lesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Spie%C3%9Fb%C3%BCrger

Der Spießbürger, kurz: der Spießer, hat also doch etwas mit Bewaffnung und Krieg zu tun.
Historisch betrachtet, ist es in der Tat eine ewig währende Auseinandersetzung zwischen Arm und Reich. Wobei diese beiden Unterscheidungskriterien in der heutigen Zeit eher fließend sind. Der Neo-Spießer, der Füdlibürger oder Bünzli wird nicht nur an seinem sozialen Besitzstand erkannt. Spießigkeit ist eher vielschichtig. Sie lässt sich sowohl anhand von diversen persönlichen Lebenseinstellungen, von Handlungen und durch materielle Formen definieren: 

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,485057,00.html

Der einfache Spießer kann sowohl noch sehr jung, als auch im mittleren Alter oder bereits alt sein.Er ist leichter von dem gesellschaftlichen Mainstream beeinflussbar und vollzieht häufiger eine Kehrtwende,denn er ist angepasst und möchte dazugehören.Seine - sehr oft - anerzogenen oder unkritisch übernommenen Vorurteile sind jedoch nicht nicht sehr fest ausgeprägt und damit durchaus reversibel. Dieser Spießertypus hat zwar eingefahrene Lebensstrukturen, wie Beruf, familiäres Umfeld, Urlaubsgewohnheiten. Diese ändert er jedoch von Zeit zu Zeit, ohne sich jedoch zur Spontanität offensiv zu bekennen.
Der standardisierte Spießer erwartet von seinem Leben ein Mindestmaß an Sicherheit, Solidität und Akzeptanz.

Die zweite Kategorie stellt den Oberspießer dar. Er handelt deckungsgleich zu dem normalen Spießer in bestimmten Lebenssituationen. Jedoch legt er dabei eine vielfach höhere Intensität an den Tag. Sein Wille zur Veränderung ist sehr schwach ausgeprägt; weshalb der Oberspießer im Extremfall seinen Urlaub lebenslang an einem Ort verbringt, in einem Beruf oder an einer Stelle bis zur Verrentung tätig ist und immer die selbe Automarke fährt - und zwar eine angeblich deutsche. Der Oberspießer steckt voller Vorurteile und lehnt alle Menschen ab, die nicht so sind wie er selbst. Er schneidet den Rasen nach einem festen Zeitplan auf Streichholzlänge, bekämpft das Unkraut mit Chemie und anderen erlaubten Mitteln, er beseitigt die Bemoosung vor der Garageneinfahrt mittels Seifenlauge und Wurzelbürste und kürzt abstehende oder herausragende Grashalme aus den Gittersteinen zur Hauseinfahrt mit der Nagelschere. Er führt nur Nachbarschaftsrechtsstreite, obwohl er sonst rechthaberisch ist. Der Oberspießer verlangt die Deutsche Mark als Zahlungsmittel zurück, lehnt die EU ab,ist negativ gegenüber anderen Kulturen eingestellt ( auch wenn er im Ausland auch Urlaub macht). Er ist konfessionell eingestellt, wählt rechts und hasst Kommunisten,Langhaarige und Sitzenpinkler, weil er eher den Macho heraus hängen lässt,um seine eigenen Schwächen zu verbergen.
Er liebt sein Auto -mit dem er durchgängig jeden Gullideckel umfährt - mehr als seine Frau/Partnerin, lässt aber auch seinen Aggressionen im Bedarfsfall im Straßenverkehr freien Lauf.

Eine dritte Gruppe aus der Unzahl an deutschen Spießern stellt die Ökospießer dar. Diese spezielle Art des Deutschspießers hat sich erst seit gut 3 Dekaden entwickelt. Historisch betrachtet ist der Ökospießer eine Mutation aus den vorbenannten beiden Kategorien. Er zeichnet sich dadurch aus,dass er sein individuelles soziales Umfeld nach rein ökologischen Kriterien aufbaut. Der Ökospießer ist aber nicht unbedingt ein Fundamentalist aus dem Spektrum der GRÜNEN; er ist auch nicht den REALOS in dieser Partei zugehörig; der Ökospießer ist eher ein Zwitterwesen. Er lebt durchaus nach christlichen Grundsätzen, kann deshalb als gläubig eingestuft werden und hat ein geordnetes Lebensraster, innerhalb dessen er zwischen gut und schlecht, zwischen befürworten und ablehnen oder zwischen schwarz und weiß unterscheidet. Dieses zwiespältige Wesen zeichnet sich - soziologisch definiert - als gut ausgebildeter, besser verdienender Arbeitnehmer aus, der nicht selten in einem Doppelverdienerhaushalt mit höchstens zwei Kindern lebt. Der Ökospießer hält zum Zwecke der Einordnung in seine feststehende Matrix das Prinzip des Gleichseins unter Gleichen hoch. Damit bewertet er alle Lebensformen, die außerhalb seines Refugiums existieren als gefährlich.
Kommt er relativ zügig zu einem solchen Ergebnis, setzt er alle Hebel seiner Einflussnahme in Bewegung, um die erkannte Gefährlichkeit des andersartigen Individuums und dessen Lebensumfeld zu beseitigen.

Als ich vor einiger Zeit einen Artikel in meiner Leib-und Magenlektüre "DER SPIEGEL" über eben jenen Ökospießer las,sah ich mich hierbei zunächst voll umfänglich in dem eigenen Meinungsbild über jene menschliche Erscheinungsform bestätigt.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77531620.html

Flugs versuchen sich die von Markus Feldkirchen, keinem angepassten Konservativen im Gutteplag-Outfit, aus seinen dort gewonnen Eindrücken verfestigten Meinungen des vermeintlich spießigen Sozio-Biotops- Geschassten gegenüber den heimischen Provinzmedien zu rechtfertigen.

http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/tuebingen_artikel,-Ist-das-Franzoesische-Viertel-eine-Oekospiesser-Siedlung-_arid,128733.html


Wo schwäbische Provinzialität im nunmehr grünen Ambiente auf einem  bourgeoisen, aber intellektuellen Provokateur mit bundeshauptstädtischem Anspruch und hanseatischem Understatement für die Aufarbeitungen existenzieller Fragen trifft, bleibt kein Vorurteil ausgelassen. Feldkirchen ist zwar ein aus der Pampa des Bergischen-Landes, obwohl in Bergisch-Gladbach geboren, stammender Meinungsmacher,dennoch sind seine Beiträge im "SPIEGEL" völlig anders gelagert, als jene des pseudo-intellektuellen Pompanzes Jan Fleischhauer, der sich selbst als Langzeitgeschädigter des einstigen hamburger Linksspießer-Milieus geoutet hat nun zum Rächer seiner im hamburger Linksspießerumfeld der 70er Jahre verloren geglaubten Kindheit avanciert ist, und dabei wild gegen alle , nur ansatzweise erkennbaren linken Strömungen in der Gesellschaft mit ganzen Breitseiten von Vorurteilen abschießt.

Wie auch immer die Gemengelage zum Zeitpunkt der vier seitigen Berichterstattung war, nach den B.-W.-Landtagswahlen ist nun vieles anders und es wird einiges an Veränderungen geben. So, wie sich das von Markus Feldkirchen skizzierte Ökospießerumfeld auch seit 1994 massiv gewandelt hat. Schön wäre gewesen, der das entlarvende Ökospießertum tätige Rechercheur hätte einige Zeilen auch darauf verwandt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sisches_Viertel

Immerhin gibt es es doch,dass verspießte Sozialverhalten der Generationen nach den 68ern, den Zaungästen der 70er und den Ökoaktivisten in den 80er Jahren, wenn der "SPIEGEL" von der " Grünen Hölle  "des  Französischen Viertels in dem beschaulichen Städle Tübingen schreibt, wobei damit eben nicht alle Ausgeburten des vorhandenen Ökospießertums erfasst werden.
Denn es stellt sich die Frage, worin der Ökospießer sich von dem Oberspießer oder dem einfachen Spießer unterscheidet.
Ist es nun der besser verdienende Schwabe, der dadurch zur Gentrifizierung des Prenzlauer Berg beiträgt oder ein schweizer Ex-Kabarettist und Fernsehakteur mit Namen Dieter Moor, der sich nunmehr als Öko-Bauer in der brandenburgischen Wallachei bei dem Örtchen Hirschfelde versucht und dort von den Einheimischen angefeindet wird oder sind es die Bewohner der Öko-Kommune bei Jarmen im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern, die als Spießer betrachtet werden müssten,weil sie anders sind als die Anderen?

Die Triebfeder jedweden Urteilens über die Andersartigkeit liegt dann wohl in dem Zwang solche nieder geschriebenen Meinungen in klingende Münze umsetzen zu wollen,denn in einer fundierten Kritik über Selbige.

Kommentare:

Stemesch hat gesagt…

Netter Artikel.

Kleine Anmerkung: es heißt subaltern und nicht subalternd. Das ist nämlich kein Mittelding zwischen jung und alt, sondern heißt untergeben oder unterstellt. Ein Subalterner ist also jemand mit niedrigem Status, Rang oder Dienstgrad.

Lobster53 hat gesagt…

Vielen Dank für den Hinweis. Du hast natürlich richtiger Weise auf den Fauxpas hingewiesen. Subalternd gibt es nicht. Viele Grüße nach B.-W.?