Freitag, 30. November 2012

Der " Armutsbericht 2012 ": Arm an Wahrheiten.


Für viele Wähler galt die FDP ja einst als Garant der liberalen Gesinnung und als Sinnbild der politischen Mitte. Auch wenn die Parteihistorie hierzu etwas völlig anderes aussagt. Längst sind aber jene Politiker, die sich nicht nur vor den Ochsenkarren irgendwelcher Lobbyistenhaufen spannen ließen, auf das Altenteil gegangen. Die Hamm - Brüchers, Baums, Maihofers und mit Einschränkungen, die Genschers, Scheels, Mischnicks, sie sind nicht nur aus dem Focus der aktuellen Parteipolitik entschwunden, sondern sie haben keine entsprechenden Nachfolger geformt. Die heutige FDP ist denn eher als ein zusammengewürfelter Trupp von egomanischen Ahnungslosen zu qualifizieren, deren eigener politischer Horizont bei der nächsten Wahl - und davon gibt es eben viele - endet. Schön das blau-gelbe Fähnchen mit dem Wind flattern lassend, sitzen die Bubis um Westerwelle, Rösler, Bahr, auf ihren Regierungsstühlen und harren der Dinge, die da kommen werden, statt gestalterisch für die Zukunft dieses Landes zu agieren.

Da kommt denen der letzte " Armutbericht " gerade richtig, um mal wieder ordentlich Dampf abzulassen. Als Spiritus Rector tat sich dabei der feine Herr Rösler hervor.
Ihm gefielen einige Passagen in dem alle vier Jahre erscheinenden " Armutsbericht ",
(vgl. hierzu bei: http://de.wikipedia.org/wiki/Armut ) der von dem Bundesarbeitsministerium heraus gegeben wird und den anderen Ressorts zunächst vorzulegen ist, ehe er dann offiziell als Bericht der Bundesregierung veröffentlicht wird, überhaupt nicht. So wurden die Formulierungen zum Auseinanderdriften der Einkommen aus dem Entwurf des Hauses der Arbeitsministerin von der Leyen gänzlich gestrichen. Gleichfalls wurde die Feststellung, dass die Privatvermögen in diesem Land sehr ungleich verteilt sind, ersatzlos gestrichen.

Auch getroffene Aussagen zu der Lohnentwicklung findet sich in dem überarbeiteten Papier nun nicht mehr. Die Formulierung: " Während die Lohnentwicklung im oberen Bereich positiv steigend war, sind die unteren Löhne in den vergangenen zehn Jahren preisbereinigt gesunken. Die Einkommensspreizung hat zugenommen. " findet sich in der jetzigen Endfassung nicht mehr. 
Gleichzeitig ist die Bewertung, dass diese Einkommensspreizung " das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung " verletzte und " den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährde "ersatzlos gestrichen worden.


Die veröffentlichte Fassung geht stattdessen davon aus, dass die Situation für Alleinstehende, deren erzieltes Einkommen nicht zur Sicherung des eigenen Lebensunterhalts ausreiche, " kritisch zu sehen " sei.
Dazu wird daraufhin gewiesen, dass in den letzten Jahren viele Vollzeitjobs in den unteren Lohnbereichen entstanden seien. In diesem Zusammenhang hat die Bundesregierung auch die Information, dass im Jahr 2010 in der BRD knapp vier Millionen Beschäftigte für weniger als 7 ( sieben ) Euro brutto eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hatten, gleich mit gestrichen. Damit wurde die Rohfassung derart verwässert, dass sie auch die Aussage des Berichts aus dem Hause von der Leyen, wonach die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich weiter betrieben wird, nicht mehr bestätigt.

Rösler indes erkennt in dem jetzigen Papier keinen Verstoß gegen den Grundsatz, dass die Bundesregierung wahrheitsgemäß zu informieren hat. Warum sollte er auch. schließlich sind im kommenden Jahr Bundestagswahlen und da will der Minister nicht mir Negativschlagzeilen belästigt werden. Sein Lebenselexier lautet nämlich " Jung, dynamisch, Gernegroß! "  So, wie sich seine Freie Demokratische Partei seit der Ära Möllemann/Westerwelle selbst zeigt.
http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-09/armuts-und-reichtumsbericht-2012

Mittwoch, 28. November 2012

Mollath - Merk: Merkwürdig, Euer Merkwürden Merk!


Wer ist Gustl Ferdinand Mollath, geboren am 7. November 1956?

http://de.wikipedia.org/wiki/Gustl_Mollath

Wer ist Dr. Beate Merk, geboren am 1. August 1957?

http://de.wikipedia.org/wiki/Beate_Merk

Was haben Gustl Ferdinand Mollath und Dr. Beate Merk, außer dem Anfangsbuchstaben ihres Vornamens, gemeinsam?
Sie wohnen und leben beide in Bayern, wobei Merk in dem bayrischen Teil Schwabens und Mollath in Nürnberg beheimatet ist.
Da in Bayern - das dürfte unstrittig gestellt werden können - bekanntlich die Uhren anders ticken und so manches, immer unter dem Gesichtspunkt, dass der gesunde Menschenverstand bei dem außenstehenden Betrachter funktioniert, mit einem heftigen Kopfschütteln begleitet werden muss, gilt dieses auch für den Fall " Mollath ", der sich einst, wie folgt zutrug:

" Mollath erstattete 2003 Anzeige wegen Schwarzgeldtransfers gegen Mitarbeiter der HypoVereinsbank, der die Staatsanwaltschaft nicht nachging. Anschließend wurde Mollath selbst von seiner Ex-Frau, früher Mitarbeiterin der HypoVereinsbank und in den Schwarzgeldtransfer verwickelt, angezeigt und 2006 als nicht schuldfähig und gemeingefährlich in das Bezirkskrankenhaus Bayreuth, Abteilung Klinik für Forensische Psychiatrie Bayreuth gemäß § 63 StGB in den psychiatrischen Maßregelvollzug eingewiesen. "

- Zitatende - aus: WIKIPEDIA " Gustl Ferdinand Mollath "

Bekanntermaßen sind im schwarzen Freistaat die drei Säulen der Demokratie durch die CSU sehr eng miteinander verwoben. Hinzu kommt der klerikale Anstrich, der von der römisch - katholischen Kirche eingebracht wird, die ihre speckigen Finger bis in die Niederungen der Kommunalpolitik eingesteckt hat und womit verhindert wird, dass das Freistaatsgebilde noch zusätzlich in seinem Bestreben, sich von dem Joch der CSU - Klientelpolitik befreien zu wollen, erheblich beeinträchtigt wird. So predigt denn so mancher Pfaffe am Wahlsonntag von der Kanzel, welches Kreuz - neben dem des durch den Heilands getragenen - das Richtige auf dem Stimmzettel ist, nämlich jenes, dass gleich zuerst in den dortigen Kreis hinein gesetzt wird. Der Allmächtige wird´s dann scho´richten.

 Aus jenem Dunstkreis entstammt die derzeitge Justiministerin und Ministerin für Verbraucherschutz Beate Merk. Merk ist seit geraumer Zeit durch eher seltsame Ansichten zu verschiedenen aktuellen gesellschaftlichen - und Rechtsproblemen aufgefallen, statt durch stringente demokratische Haltungen. So dröhnte der Ex-Bischof Mixa im Februar 2010  die sexuelle Revolution sei mitursächlich für den sexuellen Missbrauch an Kindern in katholischen Einrichtungen. Merk hatte sich bei Mixa „sehr dankbar für diese klare Stellungnahme“ gezeigt. Sie sehe darin „keine unglückliche Formulierung, sondern den Versuch einer Erklärung“


" Im Juli 2010 machte Merk indirekt sogenannte Killerspiele und die FDP für Missbrauchsfälle in einem Ferienlager auf Ameland verantwortlich. Die von der FDP durchgesetzte Übereinkunft der schwarz-gelben Bundesregierung, das Zugangserschwerungsgesetz auszusetzen, also auf eine Sperrung von Internetseiten zu verzichten und die Löschung von Websites mit kinderpornografischen Inhalten anzustrengen, bezeichnete sie als „grob fahrlässig“.Sie befürwortet im Zusammenhang mit der Verbreitung von Kinderpornografie Online-Durchsuchungen.
Merk wurde von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kritisiert, weil sie forderte, Cyber Grooming unter Strafe zu stellen, obwohl dies bereits seit 2004 durch § 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB geregelt ist. "

- Zitatende - aus: Wikipedia " Beate Merk "

Dr. Merkwürden Merk verhielt sich denn auch in dem Fall " Mollath " ähnlich und behauptete, dass die von dem untergebrachten Gustl Mollath  bereits vor vielen Jahren erhobenen Vorwürfe der Geldwäsche der Hypo - Vereinsbank (HVB) hätten sich nicht bestätigt, obwohl ein vertraulicher Sonderrevisionsbericht der HVB diese gerade bestätigte und dort konstatiert wurde, dass Mollath zweifelsohne über Insiderwissen verfügt. In diesem Bericht werden Vermögenstransfers in die Schweiz beschrieben., die den Tatbestand der Geldwäsche und zudem geht es um Schwarzgeldgeschäft, die steuerstrafrechtliche Voraussetzungen erfüllen.Die Bank habe nämlich - so der erhobene Vorwurf - dort deponiertes  Schwarzgeld einer Kundin, einer allgemein bekannten Persönlichkeit, künstlich aufgesplittet.  Dieses alles ficht Merk indes nicht an und so behauptet sie noch am 30. Oktober 2012 in einer Antwort auf eine Anfrage der Süddeutsche Zeitung ( SZ ) : Die Vorwürfe Mollaths hätten sich "gerade nicht bestätigt".

Die üblichen Rücktrittsforderungen, u.a. jene der Freien Wähler (FW) kamen obligatorisch als Reaktion zu der Causa " Mollath " und wurden damit begründet, dass die Ministerin hier schlicht und ergreifend die Öffentlichkeit belogen habe. Jenseits dieses medial aufgeblähten Rituals, welches in solchen Fällen quasi als Schwanz, der beim Lügen und Betrügen ertappten " Politiker - Ratte " hinterher gezogen wird, steht inzwischen fest, dass die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth - nach dortigen Angaben - den Revisionsbericht erst Ende 2011 von der Bank angefordert hat.
Auch Madame " Merkwürden " Merk muss somit, spätestens im März 2012, als sie den Bayrischen Landtag über den Fall Mollath unterrichtete, ausreichende Kenntnisse über den brisanten Inhalt des Papiers gehabt haben. 

Selbst wenn sie das Papier nicht selbst gelesen haben sollte, so hat sie die Verpflichtung sich von ihrer Behörde über den Gesamtkomplex aus jenem Bericht unterrichten zu lassen. Der Merk´sche Augiostall scheint aber nicht einmal hier zu funktonieren, denn selbst wenn sich die Ministerin das Papier hat nicht vorlegen lassen, so ist der Behördensprecher oder ein Referent gehalten, sich mit der Angelegenheit zu befassen.

So stellt sich dem kritischen Beobachter die Frage, warum Dr.Merk den Rechtsausschuss über die unappetitliche Causa Mollath  informiert , ohne sich eines der wichtigsten Dokumente vorlegen zu lassen? Gustl Mollath,inzwischen 56, ist seit mehr als sechs Jahren aufgrund eines fragwürdigen Urteils des Landgerichts Nürnberg in diversen Psychiatrien in Bayern untergebracht. Eines der tragenden Argumente in dem - als politisch motiviert zu betrachtenen - Urteil aus dem Jahr 2006 der erkennenden Kammer des Landgericht Nürnberg lautete denn auch: " Der Angeklagte habe ein "paranoides Gedankensystem" entwickelt und er sei "unkorrigierbar" der Überzeugung,  dass eine Vielzahl von Personen aus dem Geschäftsfeld seiner früheren Ehefrau in einem "komplexes System der Schwarzgeldverschiebung" verwickelt seien.

Dr. " Merkwürden " habe sich in dem Fall inzwischen hinter die von ihrem Hause weisungsgebundenen Staatsanwaltschaft versteckt und den " Schwarzen CSU - Peter " nach dorthin verschoben, so oder so ähnlich lauten die Kritiken aus den Reihen der Landsoppositionsparteien.
Merk sieht indes keinen Anlass für einen Rücktritt.  Sie hält die Forderung für "absurd" , denn es sei in dem Verfahren " Mollath " alles "regelkonform und ganz korrekt gelaufen". Weiterhin führt sie in pathetischer Weise aus, dass sie es nicht hinnehmen wolle, dass die Justiz in einer solchen Art und Weise weiter angegriffen werde. Eine Erklärung für ihre Behauptung, dass die Bankprüfer die Vorwürfe Mollaths "gerade nicht" bestätigt hätten, liefert sie indes nicht und erklärt schlankweg, soweit der Revisionsbericht strafrechtlich relevante Sachverhalte aufgedeckt habe, so seien diese  bereits 2011 "verjährt" gewesen. Klar, doch, Kollegin " Merkwürden ", das  ist nicht weiter verwunderlich, denn der Bericht wurde erst Jahre nach Mollaths Vorwürfen angefordert. Das richt stark nach CSU - Politik am Grenzbereich der Strafvereitelung im Amt.

Welches Geiste´s Kind ( der Heilige Geist möge lieber in sie gehen ) Merk ist, hat sie nicht nur in ihrer Stellungnahme vor dem Landtag im März 2012 zur Sache Mollath durchblicken lassen, als sie den Schnellhefter, den Mollath in der Verfahren gegen ihn vor dem Landgericht Nürnberg zu seiner Verteidigung vorgelegt hatte, als abstruses Sammelsurium von nicht aussagekräftigen Papieren diskreditierte. " Merkwürden " erwähnte in einem einzigen Satz, dass darin auch Abschriften aus Mollaths Schriftverkehr mit der Hypo-Vereinsbank enthalten seien. Mehr Energie verwendet Merk denn dabei, in großer Breite vor allem diejenigen Dokumente aufzuzählen, die für die beschriebenen Schwarzgeldgeschäfte tatsächlich keinen Aussagewert hätten. Darunter seien auch - sicherlich Druckwerke  kruden Inhalts, wie eben jenes, in dem Mollath fordert:  : "Make Peace - no War".

Aus einer Journalisten - Recherche der Redaktion der " SZ " geht hervor, dass dieser Unterlagen zur Verfügung gestellt worden seien, in Es denen sich diverse Buchungsanordnungen für eine Reihe von in der Schweiz geführte Nummernkonten erkennen ließen; wobei die Namen dieser Konten erkennbar sind. Auch Vermögensverzeichnisse des dort betreuten Klientels seien vorgelegt worden, die offenbar von einer Schweizer Bank ausgestellt wurden. Weiterhin lägen dokumentierende Fotos vor, die zumindest den Verdacht nähren, dass die in von Mollath benannten  "Schwarzgeldseminare", auch tatsächlich stattgefunden haben.
Da nun endlich auch die Strafverfolgungsbehörden einen Anfangsverdacht für ein strafrechtliche relevantes Geschäftsgebaren bei der Hypo - Vereinsbank in Bayern erkannt haben, schwirrte gestern eine Armada von 60 Staatsanwälten nebest Hilforganen aus und vollzog einen Sicherstellungs - und Beschlagnahmebeschluss des zuständigen Gerichts im Eilverfahren in den Geschäftsräumen des Geldinstituts. Spät, aber nicht zu spät - hoffentlich!

" Merkwürden ", Dr. jur. Beate Merk aus München muss sich indes ernsthaft fragen lassen, ob sie - wie es die Causa " Mollath " erkennen lässt, dem Ministeramt überhaupt gewachsen ist. Villeicht geht sie derweilen Hilfe aus hören Kreisen einholen, getreu dem Motto: " Hilft Dir Gott, sonst hilft Dir keiner! "


Der Gitarren - Magier Jimi Hendrix und sein früh geplanter Tod vor 42 Jahren.


                                                                                                        (c) Joachim Müllerchen bei WIKIPEDIA

Es gibt TV - Sender, deren Existenzberechtigung schon allein am eigenen Namen scheitert, weil der nur Verdummungsformate erkennen lässt. Hierzu gehören sicherlich: RTL II, SuperRTL,VOX, die gesamte Bandbreite der zur Erblindung führenden " Erotikkanäle ", deren eigentlicher Zweck darin besteht, dem unter erektiver Dysfunktion ab 20 Plus leidenden Mann mittels Dauerpräsenz barbusiger " Mops "-Monster sowie Frischfleischbergen rund um die Uhr, wieder auf die Sprünge helfen zu wollen; nicht aber, um zuvor die Telefonkosten in exorbitante Höhen zu treiben. Aber auch der in München beheimatete FC Bayern - Lobhudelsender " SPORT1 " zählt zu der Garde, der Unsehbaren, denn hier wird mit bescheidenen Aufwand und unter dem Aspekt der permanenten Kostenkontrolle sowie dem des Profitstrebens durch inflationär eingespielte Werbung, wenig Information vermittelt.
Ein Zwitterwesen aus diesem Genre ist " ServusTV ".

Der 1995 als " SalzburgTV " gegründete und ab dem 1. Oktover 2009 unter dem letztgenannten Namen über Kabel und in digitaler Form empfangbare, zu der " Red Bull Media House GmbH " in Wals - Himmelreich ansässige Privatsender, hat neben einem breiteren Kulturprogramm, sowie Unterhaltungs - sowie Sportsendungen, auch eine breite Palette an Werbesendungen des Brötchengebers, der " Red Bull GmbH " parat. Jenes österreichischer Mixgetränke - Herstellers, dessen Gesöff angeblich Fliehkräfte im kognitiven - und Triebabfuhrbereich verleihen soll. Diese Mär über jenes Brechreiz verursachenden Gebräus führte dazu, dass der Gesamtumsatz der " Red Bull GmbH " auf ca. 4,3 Mrd. Euro hoch schnellte.

http://de.wikipedia.org/wiki/ServusTV

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_ServusTV-Sendungen

http://de.wikipedia.org/wiki/Red_Bull_GmbH

So konnte sich der Gigant aus dem Alpenland es leisten, neben dem hirnrissigen " Formel1 " - Zirkus - Engagement, auch auf Sendung über eben " Servus TV " zu gehen.

Nun, nimmt der gemeine Glotzer einmal jene Hintergrundinformationen beiseite, so bleibt zu konstatieren, dass im kleinen, dafür sehr deutschen Nachbarstaat, jene Privatsender wegen des oft heraus gekehrten Alleinstellungsmerkmals der staatlichen Anstalten in Wien, durchaus zur Auffrischung des oft drögen Ö1 bis Ö3 - Angebots geführt hat.
Immerhin ist denn " ServusTV " auch ohne zusätzliche Kosten und Decodierung qua Freischaltcode empfangbar. Womit es mir gelang, eine Dokumentationssendung zu dem einstigen Gitarristen und Musiker James Marshall " Jimi " Hendrix aufzunehmen.
Der Musiker wäre am 27. November 2012 glatte 70 Jahre alt geworden. Ist er aber nicht, weil er am 18. September 1970 in London / England verstarb.

Wer unter seinen Namen im Internet recherchieren möchte, wird förmlich von der Vielzahl an Seiten sowie Clips und Informationen erschlagen. Dass " Jimi " einst, nämlich ab den späten 60er Jahren und auch weit nach seinem Tod als eine Art Gitarren-Gott, als ein " Guitar - Heroe " und " Musik - Idol " hoch stilisiert wird, liegt auch daran, dass er es in den wenigen Jahren seines Schaffens verstand, den eigenen Musikstil, der vom Rhythm & Blues, Rock und Soul beeinflusst war, ständig zu verändern.

http://www.allmusic.com/artist/jimi-hendrix-mn0000354105

Weltweit werden wohl an die 100 Millionen Tonträger zu oder mit seiner Musik verkauft worden sein oder liegen irgendwo und irgendwie in irgendwelchen Sammlungen. Wer mit der einzigartigen Kunst, die Gitarre so zu bearbeiten, dass sie nicht nur wohlklingende Töne hervor zaubert, des James Marshall Hendrix groß geworden ist, der erinnert sich auch an seine legendären Auftritte im Rahmen der ungezählten Festivals der 60er Jahre. So beschäfftigte sich die Dokumentation über den " Gitarren-Hexenmeister " Hendrix, dessen Wortbeiträge in die deutsche Sprache gesetzt, durch den Sänger Xavier Naidoo übernommen wurde, mit jenen Live-Stücken, die auf diesen Musikertreffen von einst, aufgenommen und konserviert worden sind.
Spielte " Jimi " Hendrix die US-Nationalhymne 1969 auf dem " Woodstock " - Festival, so war er mit " Voodoo Chile " auf der " Isle of Man " und mit " All along the Watchtower " im " Fillmore West " zu sehen und hören. Seine Haarpracht im Sinne einer Löwenmähne oder des Afro-Looks von einst schien bei jenen Gitarren-Zaubereien nahezu wie angeklebt zu bleiben. Der Zuschauer konnte noch einmal die irrwitzigen gags während seiner Auftritte bewundern, als er die E-Gitarre mit den Zähnen bespielte, sie rückwärts spielend malträtierte oder ihr den " Todesstoß " versetzte, indem er den Gitaarrenhals mit beiden Händen umfasste und den Korpus auf den Boden zertrümmerte.

" Jimi " der Hexer, der Magier, der Zauberer auf der Gitarre, die er wie kein Zweiter vor und nach seinem frühen Tod als Geliebte auf der Bühne bespielte. Ein Künstler aus dem Genre der Drogen umschwängerten Musik, weshalb er auch der Richtung " Acid Rock " zugeteilt wurde. Wenngleich dieses Attribut nur einen Teil des Repertoires wieder gibt. " Jimi " spielte den Blues, mit Rockelementen behangen, die seine Stücke als Symbiose zwischen beiden Musikstilen werden ließen, wie ein auf der Klanwolke dahin schwebender Messias. Das 13 Minuten - Epos " Red House " ist hierfür nur ein Beispiel. Die Hendrix-Gitarre singt, spricht, Stakkato ähnlich und lässt Töne ineinander fließen. Bluesrock, wie er von " Jimi " Hendrix einst zelebriert wurde, hatte viele Anhänger, denn es gab ja auch einige Interpreten. Jimmy Page, Eric Clapton oder Rory Gallagher sowie Alvin Lee waren vor mehr als 4 Dekaden jene Gitarren-Künstler, die ihr Instrument, dann und wann auch als Waffe gegen das Böse in der Welt, der Gesellschaft und den Menschen ansich einsetzten.

Die Doku lässt auch erahnen, dass " Jimi " in den frühen Jahren seiner Karriere eher apolitsch war, ehe er  - aufgescheucht durch den verbrecherischen Vietnam-Krieg - klare Aussagen zum Krieg und der Gewalt tätigte. " Machine Gun ", ein Stück, welches er nach vorläufiger Auflösung seiner Begleitgruppe " The Experience ", der zunächst Mitch Mitchell am Schlagzeug und der Bassist Noel Redding angehörten, zusammen mit Billy Cox am Bass und dem genialen Schlagzeuger Buddy Miles als " Band of Gypsys " aufnahm, gilt er Beispiel für das Politische des Musikers. Der rastlose, immer nach anderen Klangmustern und Collagen suchende Gitarrist gründete nur einen Monat nach dem Auftritt mit Cox und Miles die neue " Experience ", der dann der alte Schlagzeuger Mitchell wieder angehörte.

Mehr als 40 Jahre nach seinem Tod und 46 Jahre nach der Gründung der " Jimi Hendrix Experience " hören sich die Aufnahmen von einst im Original nicht gerade wohl klingend an. Der Sound ist archaisch, die Ausschnitte von den Bildaufzeichnung sind es auch. Dennoch: Der Gitarrenmeister mit seiner Afro-Frisur fasziniert immer noch. Leider ist er längst von den ungezählten Radio - und TV-Programmen in die Verbannung geschickt worden. Hendix mit " Hey Joe ", " All along the Watchtower " oder " Purple Haze " gelten denn heute eher als unspielbar. So kommt es nicht von ungefähr, dass der Spartensender " Servus TV " sich seiner annehmen musste, damit die hinter bliebende Fangemeinde ihn noch so in Erinnerung behält, wie er sich auf der " Isle of Wight " und dem " Fehmarn Love and Peace - Festival " den Zuschauern zeigte: als Magier an der E-Gitarre ", den eigenen Tod längst voraus planend.

http://de.wikipedia.org/wiki/Jimi_Hendrix







Dienstag, 27. November 2012

Nähen bis in den Tod.



Das Land gilt als eines der ärmsten dieser Erde: Bangladesch. Das war vor 41 Jahren nicht anders. Einst, nämlich am 1. August 1971 zelebrierte der Ex-"Beatle" George Harrison zusammen mit den Sitar-Musiker Ravi Shankar im Madison Square Garden vor 40.000 Besuchern ein unvergessenes Konzert. Der daraus und durch den Verkauf von Tonträgern erzielte Betrag ging an die UNICEF, die ein Hilfsprogramm für die durch den dort tobenden Krieg mehr als 10 Millionen Flüchtlinge auflegte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Konzert_f%C3%BCr_Bangladesch

Über 4 Dekaden später ist das Land immer noch unter entwickelt und gilt in den Zeiten der Globalisierung als Hort für Ausbeutung, Korruption und Kinderarbeit. So kommt es nicht von ungefähr, dass seit 2005 bei sieben tödlichen Vorfällen in verschiedenen Textilfabriken insgesamt 145 Menschen starben. Eine veröffentlichte Studie, die aufgrund von vorherigen Überprüfungen durch beauftragte Mitarbeiter der Kampagne für Saubere Kleidung erfolgte, ergab, dass die Mehrzahl dieser Betriebe selbst minimale Sicherheitsvorkehrungen nicht einhalten waren. So wurde fest gestellt, dass lose elektrische Leitungen in den Produktionsräumen herunter hingen. Feuerlöscher und Brandschutzmaßnahmen fehlten generell. Notausgänge seien nicht vorgefunden worden und Fluchtwege durch Stoffe oder andere Materialien häufig versperrt gewesen.

Auch in dem Nachbarstaat  Pakistan sind derartige Unglücke nicht selten. Erst im September gab es einen verheerenden Brand mit mehr als 259 Toten in einer Textilfabrik in Pakistan, die für die Billig-Disconter " KiK " Textilien lieferte. Bangladesch war bis 1971 ein Teil Pakistans. Die Bedingungen sind auch hier ähnlich. Es werden Hungerlöhne für die - zumeist weiblichen - Arbeiter gezahlt, die dafür mehr als 12 Stunden pro Tag, ohne Arbeitspausen und 7 Tage lang schuften müssen. Aufgrund dieses - weit unter dem Existenzminum liegenden Lohns - hausen die Arbeiter zumeist in Fabriknähe in Ein-Zimmer-Unterkünften, deren Zustand so miserabel ist, dass dagegen selbst ein industrieller Tiermastbetrieb in der BRD noch als Luxusunterkunft zu bezeichnen wäre.

Die  sehr niedrigen Lohnkosten in Bangladesch haben dazu geführt, dass viele Unternehmen aus den Industrieländern angelockt werden.  In den vergangenen Jahren konnte sich das Land deshalb als Produktionsstandort für Textilien hervor tun . Die Zahl der Textilfabriken stieg auf mindestens 5000 mit mehreren Millionen Beschäftigten, die meisten davon junge Frauen. Die dort vorherrschenden Arbeits- und Sozialstandards werden von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs)  jedoch immer wieder kritisiert. So würden keine Frauen über 30 in den Fabriken beschäftigt, da sie die 13- bis 16-Stunden-Schichten nicht schafften. Gewerkschaften würden nur selten toleriert. Außerdem gebe es kaum Kontrollen, sodass der Arbeitsschutz nicht gewährleistet sei.

Bei jenem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind in der Nacht zum Sonntag, den 24. 11. 2012, mindestens 104 Menschen getötet worden, als ein Feuer am in dem Werk am Rande der Hauptstadt Dhaka ausbrach. Wegen fehlender Fluchtwege und Brandschutzeinrichtungen wurden hunderte Arbeiter in den oberen Etagen des Fabrikgebäudes eingeschlossen.

Die Fabrik fertigte unter anderem auch für den bundesdeutschen Bekleidungskonzern C & A verschiedene Artikel an.
In weiteren Fabriken nähen Mitarbeiter  - ebenfalls unter meist ärmlichen Verhältnissen - Textilien für westliche Auftraggeber. Bangladesch ist jüngst zum weltweit zweitgrößten Textilexporteur aufgestiegen; 80 Prozent der Exporte des asiatischen Landes fallen auf den Textilsektor.Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor Bangladeschs. Die meisten Exporte gehen nach Europa, allein Deutschland importierte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2011 Bekleidung im Wert von 2,8 Milliarden Euro.

Durch die Hungerlöhne und die systematische Ausbeutung der Arbeiter in diesen Fabriken werden Textilien für einen Bruchteil der in Asien oder Europa anzusetzenden Lohnkosten hergestellt. Deshalb können Vertriebsketten, wie " KiK ", " Tacco " oder aber auch C & A die Waren zu relativ günstigen Preisen anbieten.
Auch wenn den Familien der umgekommenen Arbeiterinnen von Seiten der Textilindustrie des Landes eine finanzielle Unterstützung zugesagt worden ist, steht fest, dass diese den einzelnen Menschen nie ersetzen kann. Solange solche verbrecherischen Produktionsbedingungen in den Entwicklungsländern zugelassen sind oder geduldet werden, heisst diese für die bettelarmen Näherinnen dort: Nähen bis in den Tod!













Sonntag, 25. November 2012

Die Windscheidts - Der ganz normale Wahnsinn des ZDF?



Was so alles an Geldern von den 6,3 Milliarden ( in Zahlen 6. 300.000.000. ) Euro, die die Gebührenkrake GEZ von den angemeldeten Zahlern buchstäblich für den Verbrennungsofen der öffentlich-rechtlichen Anstalten gesteckt bekommt und welche sich von dort aus, über den Schlot in schwarzen Rauch verwandelt, der anschließend die Umwelt verpestet, zeigte sich am Montag, den 19. 11. 2012 ab 20.15 Uhr. Da lief nämlich der Pilotfilm zu der angedrohten ZDF - Serie " Die Windscheidts " an. Aber, schön der Reihe nach:

Ab 18. Oktober 2012 begannen die Dreharbeiten für den Auftaktfilm dieser neuen ZDF-Serie, in der Anja Kling und Hendrik Duryn jeweils eine der tragenden Rollen aufgebürdet bekamen. Alles hätte diese Welt, jenes Land und die längst verblödete Gesellschaft, nicht schon genügend Randprobleme, die jeden durch die Medienmafia fein säuberlich nach abgesprochener Wertigkeit dem Dauergestressten vermittelt werden, muss das ZDF nun auch noch ordentlich Seife in die bereits volle Wanne geben. Mit  "Die Windscheidts" wird eine der vielen - meist nicht funktionierenden - Patchworkfamiline zum Trostplaster der Mühsam und Beladenen, in diesem, unserem Lande, heran gezogen, um dann deren Phasen der großen Verunsicherung sowie einiger Schicksalsschläge, dem Gebührenzwangsgebeutelten näher zu bringen; immer in der Hoffnung, dass ein kleines Körnchen Realität im Alltag des gemeinen Plebs dabei hängen bleibt. Das Credo der ZDF - Retortenfamilie soll - gemäß dem CDU/CSU - Dogma vom Wohl oder Wehe der christlich orientierten, deshalb geheiligten Familie -dabei sein, dass die dieselbe manchmal unheile Familie in Zeiten der Scheinheiligkeit eine solche bleiben muss. Kostete es, was es wolle! Es sind ja nun mal Gebühren des sukzessive der geistigen Schwindsucht anheim fallenden Teutonen, die dafür verplempert werden.


Unter der Regie von Isabel Kleefeld ("Unter Verdacht", "Hilfe, Hochzeit!") und nach einem Drehbuch von Martin Rauhaus ("Liebe am Fjord", "Winterreise", "Die Luftbrücke") versuchen sich Hendrik Duryn ("Der Lehrer")  und Anja Kling ( Tja, ah ja,also, ja gut, ich sach mal: Ich kann sie nicht mehr sehen! ) in dem Irrsinn, der da heisst: Leben im Jahre 2012 n. Chr. den beruflichen und privaten Überanstrengungen zu stellen. Er, also der Hendrik, spielt einen überforderten Architekten mit dem Namen Jochen Windscheidt, den ein Burn-out-Syndrom an seine Grenzen und bis in eine psychiatrische Klinik bringt. Diese Volkskrankheit grassiert seit den 1990er mit zunehmendem Erfolg unter den Betroffenen der Industriegesellschaft, nicht nur in Germania. Anja Kling spielt seine Frau Susanne, die in ihrem Jobcenter permanent um Gerechtigkeit und ihren eigenen Status zu kämpfen hat und außerdem noch eine Affäre mit einem anderen Mann unterhält.

In den weiteren Rollen stehen diesem Versuchspaar  u.a. noch Barbara Nüsse ("Die Pfefferkörner") als Susannes an Demenz erkrankte Mutter sowie Samuel Schneider als ihr Sohn Florian  und Lilli Fichtner als Jochens sich vernachlässigt fühlende Tochter Marie zur Seite.

Weil das Leben der durch gestylten Durchschnittsfamilie ohne die gekünstelten Dialoge und teilweise aufgebauschten Handlungen, hätte eher öde dargestellt werden müssen, wird die volle Ladung der im Ausland oft belächelten " German Angst " dem Glotzer in die alternde Visage gekloppt. Neben dem Burn - Out - Syndrom des sich wieder selbst findenden Architekten, der nach seiner Rekonvaleszenz die ernüchternde Feststellung treffen muss, dass im Leben vieles daneben gehen kann und Geschäftspartner, aber vor allem Kompagnons, die größten Schweine sind, wird dann noch die Stiefmutter als Demenzkranke zu versorgen sein, der Stiefsohn ist von seinem Horrortrip, als übler Kleindealer von Drogen, abzubringen und demnach zu überführen, die eigene Tochter wird, zudem im pubertierenden Stadium, gegen ihre Vernachlässigung kämpfend, zu beruhigen sein und die eigene Frau muss von der irrwitzigen Vorstellung , sie müsse den weiblichen Michael Kohlhaas mimen,  auf den Boden der Gesellschaftsrealität herunter gedrückt werden.

Viel Stickstoff für knapp 90 Minuten Sendezeit; weshalb die Familie in dem Pilotfilm denn zu einem einzigen Chaotenhaufen verkommt. Jedoch nur vorüber gehend. Weil - so muss eine richtige ZDF - Family - Soap abgespult werden - sich der Gordische Knoten an lebens - und überlebenswichtigen Problemen schon bald von selbst löst, herrscht am Ende des abgedrehten Dünnpfiffs wieder eitel Sonnenschein. Nach dem Motto: " Wie sich klein Fritzchen den Urwald vorstellt ", stellt sich die Lösung des jeweiligen Problems bereits beim Erkennen und Auftauchen desselbigen ein. Das beinahe in die Insolvenz geratene Architekturbüro des zunächst ausgebrannten Familienvaters erhält einen Großauftrag, kann den finanziellen Verlust, der durch die kriminelle Handlung des Geschäftspartners entstanden war, kompensieren und auch das an eine Kredit gebende Bank verpfändete Haus der Familie bleibt unberührt. Der treu sorgenden Mutter Susanne geht zwar der schon sicher geglaubte, lukrativere leitende Posten bei der ARGE verloren, weil diesen ein aalglatter Schmierlappen von Kollege, der sich von einer anderen Dienststelle aus beworben hatte, erhält. Dennoch ist die auf Recht und Gerechtigkeit mimende und sich sanft unangepasst Gebende, dann doch zu der Erkenntnis gekommen, dass diese höher dotierte Stelle mit ihrem eigenen Rechtsempfinden und dem " Gutmensch " - Verhalten nicht in Einklang zu bringen gewesen wäre. Ergo: Lieber weniger Knete, dafür Mensch bleiben. Klingt gut bei der Kling, nicht wahr?

Auch der sich  als Kleinhändler von Cannabis und sonstigen Rausch verursachenden Mittelchen zunächst spezialisierende Sohn, wird von Mama Windscheidt in die Mangel genommen, im Schnelldurchgang therapiert und unter Androhung der Übergabe an die örtliche Polizei, von der Weiterführung seiner kriminellen Machenschaften abgehalten, indem der Plastebeutel mit dem " Stoff " aus dem die Albträume sind, einfach in die Havel geworfen wird. Auf Wiedersehen iphon, ipad, Luxusleben in Designer-Klamotten und Partyfeier bis zum Abwinken.
Auch das Töchterchen erhält die so lange vermissten Streicheleinheiten, die erforderliche Aufmerksamkeit und die ihr gebührende Wertschätzung in der Patchwork- Family " Windscheindt ".

Ach ja, der sich nach amerikanischem Grundmuster gut versorgt wissende ZDF - Fernsehfilmfan kann nebenbei auch noch einen Schuss Realsatire in den ansonsten fade schmeckenden Handlungscocktail erhalten, denn  die poltische Seite darf natürlich auf nicht fehlen. So wird denn - familiär einträchtig - gegen die Mächigen dieses, unseres Landes, verbal zu Felde gezogen. Die Susanne hat es ja nun mit den Untiefen der bundesdeutschen Geld - und Gaunergesellschaft zu tun, die da heißen SGB II, Hartz IV und Co. Dass der Ex-Bundeskanzler Schröder nebst Ex- Berater, Ex- VW Personalvorstandsvorsitzender Peter Hartz ihren Anteil an diesem nicht bezähmbaren Gesetzesmonster hatten und dafür heute noch in den Allerwertesten getreten bekommen, ist inzwischen TV-Alltag, dass aber die Merkel - Regierung dieses Untier weiter pflegt und hegt, schmeckt der von Anja Kling dargestellten ARGE - Mitarbeiterin, die sich mit ihren unzähligen Kunden deshalb anlegen muss, überhaupt nicht. Als dann noch die drohende Pleite des Mannes zu bewältigen ist, folgt der Gang nach Canossa, nämlich zu dem sehr wohl habenden und sich autoritär bis reaktionär aufführenden Vater des Architekten. Hier stellt der frustrierte Jochen Windscheidt denn im Gespräch mit diesem lapidar fest:  „Es ist aber trotzdem ein Wahnsinn, dass eine Regierung in Umfragen kaum mehr ein Drittel der Wähler hinter sich hat“. Und de grantige, erzkonservative Herr Papa schlägt noch fester in die Kerbe: „Das ist doch keine Regierung. Eine Frau aus der Ostzone, ein Bayer und dieser Milchreisbubi aus Ostasien, der für seinen schwulen Freund eingesprungen ist.“
Papa Windscheidt hätte seinen zu scheitern drohenden Sohn dennoch den Zaster für die Wiederbelebungsversuche seine Archtitektenschuppens gegegebn. Der will aber nach Rücksprache mit seiner Frau Susanne dann doch nicht annehmen, denn - so viel Rollenklischee muss auch hier sein - des Mannes Lanze ist zwar oft sein ganzer Stolz, sein blitz-blank geputztes PS - geladene High Tech - Gefährt sein öffentlich zur Schau gestellter Testestoronspiegel, aber das nicht gedeckte Konto kann dieses Beides nicht am Leben erhalten und funktioniert dann wie ein leerer Hodensack; es kommt am Ende nischt heraus. Dieses gilt auch für den zweckgebundenen Kaffeebesuch bei den Eltern Windscheidt.

Doch, der Rentnerkanal wäre sich selbst nicht gut genug, würde er die Arbeitsplatz erhaltene Rettung in Form des dritten, des goldenen Weges, nicht favorisieren. Hilf Dir keiner, so hilf Dir selbst! Wie gehabt! So lösen sich denn alle Probleme mir nichts, dir nichts, in heiße Luft auf. Dem ZDF ist´s zufrieden, dem Klischeeformat gedankt und dem Glotzer erlaubt, so ganz nebenbei zu hinter fragen, ob da Rosamunde Pilcher als Patin dieses Mülls benannt werden darf. 
Die Online - Präsenz der Programmzeitschriften droht uns denn bereits an, dass dieser Pilotfilm, der in Berlin und an der Nordsee abgedreht wurde, laut Produktionsspiegel von Studio Hamburg, lediglich als der Auftakt einer Chronik zu betrachten ist , bei der eine deutsche Mittelschicht-Familie durch Jahre ihres Lebens begleitet wird. Auweia, der ZDF - Eunuch zeigt auch hier seine sozialkritischen Eier!

Bezaubernde Jeannie und sonstige amerikanische Unserien.



Die Nachkriegsjahre waren für viele Deutsche mit vielen Entbehrungen verbunden. Es galt den Schutt und die sichtbaren Überreste des Großdeutschen Tausendjährigen Reiches zu beseitigen. Neben dem über Jahre andauernden Existenzkampf, bei dem es vor allem um das tägliche Sattwerden ging, entwickelte der Deutsche nach und nach andere Gelüste. So auch jene, gut unterhalten zu werden. Da war es zunächst das gute, bekannte Radio, dass dem Teutonen ein wenig Abwechselung in den ansonsten grauen Alltag brachte. In Westdeutschland war es die ARD, die mit ihren Rundfunkstationen für Information und Unterhaltung sorgte.
So wurde die ARD wurde am 9. Juni 1950 von den damaligen sechs Landesrundfunkanstalten BR, HR, RB, SDR, SWF und NWDR sowie – mit beratender Stimme – RIAS Berlin gegründet
In gleichen Jahr wurde in der DDR der Deutsche Fernsehfunk ins Leben gerufen.

Dass sich die beiden deutschen Staaten nach und nach nicht nur in den Rundfunk - und Fernsehsendungen erheblich voneinander unterschieden, dürfte sich bereits aus deren organisatorischen Gegebenheiten erkennen lassen. Die ARD sollte eine gewisse staatliche Unabhängigkeit beibehalten, was jedoch nicht immer gelang, während das Fernsehen der DDR direkt den staatlichen Organen unterstand.

Die Einflussnahme der Staatsorgane, insbesondere der Parteien, vollzog sich im Westfernsehen denn eher schleichend. Nicht nur über die diversen Gremien der autarken Sender und die der ARD.
So kam es nicht von ungefähr, dass bereits in den 50er Jahren diverse US - amerikanische Serien dem BRD - Fernsehkonsumenten allerlei Schwachsinn über deren Lebensweise herüber brachten.Ob nun " Fury ", " Lassie " oder " Am Fuß der Blauen Berge ", " 77 Sunset Strip ", " Mr. Ed ", " Bonanza " oder " Der Mann ohne Colt ". Sie zeigten dem nach platter Unterhaltung lechzenden Durchschnittsglotzer, dass in diesem Genre schon damals vieles erlaubt, nichts dumm genug sein darf und weniges ein wenig Niveau aufwies. Dennoch wurde die Glotze, der Riesenkasten aus Teakholz und mit Röhren bestückt

http://www.tv-nostalgie.de/Sound/Fury.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Lassie

http://de.wikipedia.org/wiki/Am_Fu%C3%9F_der_blauen_Berge

http://de.wikipedia.org/wiki/77_Sunset_Strip

http://de.wikipedia.org/wiki/Mr._Ed

http://de.wikipedia.org/wiki/Bonanza


Zu den stumpfsinnigen Unterhaltungsserien, die sukzessive aus den intellektuellen Giftschränken der US - Importe durch die TV - Oberen in Westdeutschland dem Michel in synchronisierter Form kredenzt wurden, gehört " Bezaubernde Jeannie ". Der Inhalt dieser Serie, die in 113 Folgen vom 19. September 1967 bis 3. Februar 1970 des gleichen Jahres vom ZDF ausgestrahlt wurde, ist denn eher simpel.

Der Astronaut Tony Nelson wird nach einer missglückten Landung seiner Raumfähre auf eine menschenleere Insel im Pazifik verschlagen, auf der er dann eine seltsame Flasche findet. In dieser Flasche haust seit 2000 Jahren ein orientalischer persisch sprechender Geist (Dschinn) namens Jeannie, der zudem auch noch magische Kräfte besitzt. Jeannie hat die Gestalt einer schönen, blonden Frau, deren Bestimmung es ist, demjenigen uneingeschränkt zu gehorchen, der die Flasche öffnet und den Geist somit befreit.


Die Verbannung hat natürlich eine Vorgeschichte: Jeannie wurde am 1. April 64 v. Chr. in Pompeji geboren, was in der Folge "Wie alt ist das Flaschenkind?" dem Zuschauer auf amüsante Art und Weise mitgeteilt wird. Sie weigerte sich, den gefährlichen Zaubergeist Blue Djinn zum Ehemann zu nehmen, woraufhin sie dieser in einen Flaschengeist verwandelte. In einer verschlossenen Flasche sollte sie auf einer einsamen Insel auf ihre Befreiung warten. Zwei Jahrtausende vergehen, bis ihre Rettung am 18. September 1964 in Gestalt des US-Astronauten Tony Nelson naht.

Und eben jener Astronaut Tony Nelson wird von Larry Hagman gespielt. Hagman, am 21. September 1931 in Fort Worth, Texas, geboren, hatte zuvor einige Rollen in US - Western erhalten.
Seine kommödiantenhafte Art in dieser US - Serie machte ihn auch bei den bundesdeutschen Zuschauern durchaus beliebt. Obwohl die Serie nach relativ kurzer Zeit aus dem Nachmittagsprogramm des ZDF wieder heraus genommen wurde, hatte sich Larry Hagman damit einen hohen Bekanntheitsgrad erworben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Larry_Hagman


Damit die ansonsten dümmliche US - Serie eine gewisse, jedoch nicht zu aufdringliche und dem einstigen prüden gesellschaftlichen Vorstellungen entsprechende erotische Note erhielt,verliebt sich Jeannie  in ihren Befreier, den sie in penetranter Form " Meister " nennt,  und versucht, ihn durch Zaubertricks (meist bewirkt durch das Blinzeln ihrer Augen und gleichzeitigem Verschränken der Arme) für sich zu gewinnen. Der Flaschengeist folgt ihm heimlich bis zu seinem Haus in Cocoa Beach an der Küste Floridas. Roger Healey, Tonys bester Freund und Arbeitskollege, ist der einzige, der noch von Jeannies Existenz weiß und genauso wie Tony laufend in die spektakulärsten Zaubereien verwickelt wird. Er ist ein liebenswerter Schürzenjäger mit komödiantischer Ader und geht bei Tony ein und aus. Dieses soaziale Umfeld entsprach denn auch dem gänngigen Klischee der amerikanischen Mittelschicht, die in den 60iger Jahren den Geschmack stark beeinflußte. Weshalb die Folgen in jener Nonsensserie sich ausschließlich auf das Umsetzen materieller Wünsche des Astronauten Tony Nelsen beziehen.
Die Art mit einer gewissen herzlichen Naivität, wie Jeannie Tonys heimliche Wünsche Wirklichkeit werden lässt, befördert ihren Meister allerdings von einer Schwierigkeit in die nächste. Außerdem stellt sich schnell heraus, dass Jeannie in vielen Dingen ihren eigenen Kopf hat und Tony allzu gern bevormundet.

Tonys und Rogers unmittelbarer Vorgesetzter, Colonel Alfred Bellows, ein NASA-Psychiater, interpretiert die ungewöhnlichen Situationen, die durch die Zauberkunststücke Jeannies in jeder Episode neu entstehen, stets als abnormales Verhalten von Tony Nelson. Da die US - Mittelschicht bereits in einen gewissen Luxus lebte, wurden seelische Probleme dort überwiegend durch einen Psychater behandelt, somit wir auch erklärlich, warum Dr. Bellows selbst Opfer von Jeannies magischen Kostproben wird und sich dann an den eignen Vorgesetzten wendet , um ihn von Tonys übersinnlichen Fähigkeiten zu überzeugen. Weil er mit diesem Ansinnen jedoch regelmäßig scheitert und für verwirrt gehalten wird, verordnet ihm der laufend neue Psychoanalysen. Schon zur damaligen Zeit zeigte sich - wenn auch im Spass -, dass die Masse der zur US - Gesellschaft zählenden Durchschnittsamerikaner einen an der Waffel hatten.

Damit der Flaschengeist - Schwachsinn nicht nach nur einer handvoll Folgen sich ausgespukt hat, wird wunderbar in 25 - in der BRD werbefreien - Minuten in filetierter Form gezeigt, was dem depperten Astronauten mit der Jeannie noch so alles passiert:, wenn Tony hat unter den Umtrieben seines Hausgeistes leiden muss:  mal geht er auf unfreiwillige Abenteuerreise in die Vergangenheit, mal muss er sich mit absonderlichen Talenten oder herbeigezauberten Dingen herumschlagen, die ihm nur Ärger und Probleme sowie peinliche Momente bescheren. Zudem ist Jeannie ungemein eifersüchtig. Wann immer Tony einer anderen Frau schöne Augen macht, tritt sie mit ihren raffinierten Tricks dazwischen.

Aber auch in der Historie kennt sich der 2000 Jahre alte Flaschengeist aus: Um ihrem Meister Erholung zu verschaffen, macht sie jeden Tag zu einem Sonntag; unvermittelt findet sich Tony auf einer Party mit Shakespeare und Sigmund Freud wieder oder muss den Zorn Napoleons ertragen. Gegenstände und Personen verschwinden oder tauchen aus dem Nichts auf und niemand hat eine vernünftige Erklärung.

Weil aber der Tony Nelson mit seinen realen, dem irdischen, aber vor allem amerikansichen Leben so zufrieden ist, schlägt er die vielen materiellen Wohltataen der Jeannie schlankweg aus.Dieses  ärgert Jeannie, daenn sie möchte ihren  Tony  die herbeigehexten Reichtümer und Wundertaten quais als Morgengabe kredenzen. Der will stattdessen selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen und versucht vergeblich Jeannie beizubringen, wie man mit den eigenen Händen putzt und kocht. Das ist ja in der amerikanischen Gesellschaftsideologie erforderlich, wenn die eigene Kohle nicht dazu ausreicht, um sich - meistens farbige - Bedienstete hierfür zu leisten. Und - als wäre ein bekloppter, schwer verliebeter Falschengeist allein nicht schon genug - erscheint die böse - natürlich schwarzhaarige - Schwester der Blonden , die ihr gern den „Meister“ ausspannen möchte, um Tony zu ihrem Geschöpf zu machen; dabei schreckt sie nicht einmal davor zurück, Jeannie gefangen zu nehmen oder anderweitig auszuschalten.

Selbst 45 Jahre nach der Einmottung dieser - definitiv unsehbaren - US - Serie, steht fest, dass der Yankee doch ein auf sich selbst bezogenes, militates Wesen darstellt, wenn es darum geht, der übrigen Welt zu zeigen, was für einen Müll er einst auf Celluloid bannen konnte. Denn - des Abwechselung muss auch hier sein - Jeannie hat auch einen Vorgesetzten: Den alten Haji, seines Zeichens Herr über alle Dschinns. Wenn Jeannie wieder einmal gegen die Regeln ihrer Zunft verstößt oder Rat benötigt, entsteigt er mit großem Getöse einer Rauchsäule und tadelt sie unbarmherzig für ihr frevelhaftes Verhalten.

In der fünften und letzten Staffel - der amerikanischen Kitschideologie in Pink nicht genug - heiratet Jeannie ihren Meister offiziell und muss sich nun nicht mehr vor der Öffentlichkeit verstecken. Aber das irdische Glück hat dennoch einen Haken, denn ihre Zauberkraft behielt Jeannie trotz der Hochzeit mit einem „normal sterblichen“ Mann. Und - hier folgt der US - Amerikaner seiner widersprüchlichen Darstellugn des Außerirdischen:  obwohl in einer früheren Episode mit dem Titel "Wie soll das weitergehen?" gezeigt wurde, sie würde diese dabei verlieren. Und dann folgt noch - als wäre die Menschheit von derartigen Schmus aus dem Kaugummi - Fast Food - Fraß - Land nicht schon genug bestraft - Das Kinder des Paars die Zauberkraft erben können. Weil der " Eagle " auch in den folgenden Jahrzehnten fliegen muss,wird dies in dem Film Die Rückkehr der bezaubernden Jeannie von 1985 eindrucksvoll gezeigt, in welchem Jeannies Sohn TJ Jeannie mit einem Blinzeln aus ihrer magisch verschlossenen Flasche befreit.

Wenige Jahre später konvertierte der dann längst gealterte Astronaut Tony Nelson zum Glauben an das unerschöpfliche Öl und verwandelt sich ab 1978 in den Fiesling und texanischen Magnaten J.R. Ewing in der Familienserie " Dallas ".

http://de.wikipedia.org/wiki/Larry_Hagman


Vielleicht mag es daran liegen, dass in den verspießten Nachkriegsjahren die Erwachsenenwelt für Kinder und Jugendliche eher feindlich, denn liebens - oder nachahmenswert erschien, womit derartige Nonsenssendungen wie " Mr. Ed ", durchaus bei dem heranwachsenden Zuschauer ankam, soweit dieser überhaupt in den Genuss kommen konnte, diese Fernsehsendungen zu betrachten. Meistens hatten die Eltern in dem überschaubaren Umfeld keinen solchen Wunderapparat, weil sie sich das sünthaft teure Gerät erst gar nicht leisten konnten.
Dieses Privileg hatten wir einst, denn die Großeltern kauften sich einen solchen Riesenkasten für viel Geld. So wurde denn die " Bezaubernde Jeannie " in unseren Teeniejahren zum gern gesehenen Geist aus der Flasche, weil sie den Ungeist der Steinzeiterziehungsmethoden - neben der Jugendpostille " BRAVO, in der sie auch als fleischliche Frau, nämlich als Schauspielerin als Barbara Eden zusammen mit Larry Hagman zu bestaunen war - für 25 Minuten weg zauberte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bezaubernde_Jeannie

Larry Hagman ist am 23. November 2012 im Alter von 81 Jahren verstorben. Er war für viele Glotzer zwar nur der böse J.R. aus " Dallas ", für mich aber eher ein Relikt aus der Jugendzeit.

Freitag, 23. November 2012

Dynamo Dresden: " Ei jei jei ja! "





Der 24. Oktober 1973 war - dem Gregorianischen Kalender nach - ein  Mittwoch. Am Firmament zeigte sich der zunehmende Mond, zwei Tage vor dem Vollmond. Die Temperaturen waren in Deutschland sehr unterschiedlich ( Trier 11,1 ° C, München 5, 2 ° C, Dresden 6, 2 ° C ); wobei der Oktober deutschlandweit im Durchschnitt um 0,9 ° C zu kalt war.

Die übrige Welt war übersichtlich, aber keineswegs in Ordnung. Sie zeigte sich in den Zeiten des Kalten Krieges, wie gehabt:  Dort der böse Osten, die Kommunisten und Araber sowie die Chinesen, hier der böse Westen, die Kapitalisten, Revanchisten, Imperialisten, die Westdeutschen, die Amerikaner und ihre NATO-Verbündeten. Dann waren da die Israelis mit ihrem Jom-Kippur-Krieg vom 6. Oktober 1973, mit dem sie die halbe Streitmacht der verfeindeten arabischen Staaten in die Wüste geschickt hatten. Die OPEC revanchierte sich im einem Öl-Embargo, das dann für den BRD - Autofahrer ab dem 25. November in ein viermaliges Sonntagsfahrverbot mündete. Der Spareffekt war Null, die Ölkrise brachte jedoch einen enormen Anstieg an Firmenpleiten, eine höhere Arbeitslosigkeit und einen allgemeinen ökonomischen Abschwung. Einige Jahre später stand dann fest, dass es nicht die bösen OPEC - Araber mit ihren Scheichs und den Krummsäbeln waren, die die westdeutsche - aber nicht nur die - Wirtschaft in die Rezession jagten, sondern das Verbrecher-Syndikat der Ölmultis, die damals schon den Rohstoff künstlich verknappten, indem sie bereits beladene Riesen-Öltanker auf den Weltmeeren lange herum dümpeln ließen, statt sie zu löschen. Nun, ja, das ist Alter Tobak.

Auf dem westdeutschen Musikmarkt und in den manipulierten Hitparaden plärrten zu jener Zeit:

1. Der kleine Prinz Bernd Clüver

2. 48 Crash Suzi Quatro

3. Ballroom Blitz Sweet

4. Angie Rolling Stones

5. Rote Rosen Freddy Breck

6. Can The Can Suzi Quatro

7. The Free Electric Band Albert Hammond

8. Goodbye My Love Goodbye Demis Roussos

9. One and One Is One Medicine Head

10. Ooh Baby Gilbert O'Sullivan

10. Schmetterlinge können nicht weinen Jürgen Marcus

12. Rising Sun Medicine Head

13. La Paloma ade Mireille Mathieu

14. I'd Love You To Want Me Lobo

15. Ginny Come Lately Albert West

16. Dancing On A Saturday Night Barry Blue

17. My Friend The Wind Demis Roussos

18. I'm The Leader Of The Gang (I Am!) Gary Glitter

19. Ich komm' bald wieder Cindy und Bert

20. My Friend Stan Slade

21. Carnival Les Humphries Singers

22. Das Schiff der großen Illusionen Christian Anders

23. Komm auf das Schiff meiner Träume Bata Illic

24. See My Baby Jive Wizzard

25. Der Stern von Mykonos Katja Ebstein

26. Und das Meer singt sein Lied Julio Iglesias

27. Skweeze Me Pleeze Me Slade


Ein Jahr zuvor, sah es etwas weniger düster aus:



1. Popcorn                 Hot Butter

2. Ich hab' die Liebe geseh'n                Vicky Leandros

3. Wig-Wam Bam              Sweet

4. Hello-A                Mouth and McNeal

5. Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben         Jürgen Marcus

6. Children Of The Revolution               T. Rex

7. Bottom's Up                    Middle Of The Road

8. Rock  and Roll                    Gary Glitter

9. Silver Machine               Hawkwind

10. Mexico                   Les Humphries Singers

11. Mama Weer All Crazee Now         Slade

12. School's Out                    Alice Cooper

13. Let´s Dance                Cats

14. Michaela                           Bata Illic

15. Ich fang für euch den Sonnenschein             Tony Marshall

16. 6 Uhr früh in den Straßen                 Christian Anders

17. Blau blüht der Enzian                 Heino

17. Sylvia's Mother                  Dr. Hook

19. Easy Livin´                    Uriah Heep

20. Pop Corn         Anarchic System

21. Annabelle                Daniel Boone

22. Hans im Glück                 Mireille Mathieu

22. If You Could Read My Mind                Spotnicks

24. Little Willy                   Sweet

25. I Didn't Know I Loved You Till I Saw You Rock Roll            Gary Glitter

25. Überall auf der Welt                   Freddy Breck

27. Pop-Corn                     Pop-Corn Makers


Auch in dieser Zeit waren es überwiegend unhörbare Stücke, die bei dem Rockfreund bis heute heftigste Ohrenschmerzen verursachten.

Und aus der großen Fußballwelt gab es auch sehr viel Interessantes zu berichten,. Die Meisterschaft in Deutschland ( West ) gewannen erneut die Bayern aus München, in Deutschland ( Ost ) die Dynamos aus Dresden.
So wurden dann im August 1973 die Begegnungen für den Europapokal der Landesmeister 1973/74 mit seiner 19. Auflage ausgelost. An dem Wettbewerb nahmen einst  31 Klubmannschaften teil, darunter 30 Landesmeister der vorangehenden Saison und mit Ajax Amsterdam der Titelverteidiger. Jene Übermannschaft in Europa mit Johan Cruyff, Johan Neeskens und Horst Blankenburg oder Arie Haan, gewann jener Verein ab 1971 drei Mal hinter einander den Europapokal der Landesmeister. Noch am 7. März dieses Jahres bügelten " de Graachten " die Bazis aus München im heimischen Stadion mit 4:0 ab und zogen nach einem 1:2 in München, einem 2:1 und 1:0 gegen Real Madrid in das Finale, das 1:0 gegen Juventus Turin am 30. Mai 1973 in Belgrad  gewonnen wurde.

Für Österreich  nahm der Meister Wacker Innsbruck und für die Schweiz der FC Basel teil. Ferner waren vertreten:

Fram Reykjavík  ( Island )
Roter Stern Belgrad  ( Jugoslawien )
FKS Stal Mielec  ( Polen )
Åtvidabergs FF  ( Schweden )
Benfica Lissabon  ( Portugal )
Olympiakos Piräus  ( Griechenland )
Waterford FC  ( Irland )
Újpesti Dózsa SC  ( Ungarn )
Turku PS  ( Finnland )
Celtic Glasgow  ( Schottland )
Juventus Turin  ( Italien )
FC Brügge  ( Belgien )
FC Floriana   ( Malta
Jeunesse Esch  ( Luxemburg )
FC Liverpool  ( England )
Atlético Madrid  ( Spanien )
Galatasaray Istanbul   ( Türkei )
Viking Stavanger  ( Norwegen )
Spartak TAZ Trnava   ( Tschechoslowakei )
Vejle BK  ( Dänemark )
FC Nantes  ( Frankreich )
ZSKA Sofia   ( Bulgarien )
Crusaders FC   ( Nordirland )
Dinamo Bukarest  ( Rumänien )
Sorja Woroschilowgrad  ( UdSSR )
APOEL Nikosia  ( Zypern )

Wer sich heute, also 39 Jahre danach, diese Namen einmal näher betrachtet, wird zu der Erkenntnis kommen, dass der Europacup von einst doch eigentlich fairer ausgetragen wurde, denn solche Vereine aus  Irland, Nordirland, Zypern oder Norwegen, Dänemark und Finnland haben längst keine Chance mehr, sich überhaupt für die Gruppenphase des Monetenverteilungscups zu qualifizieren.

So spielten sie dann ab dem 18. (Reykjavik vs. Basel) und 19. September; die Rückspiele fanden am 20. September (Basel vs. Reykjavik) und 3. Oktober 1973 statt.
Es fielen enorm viele Tore, so mancher Klub musste viel Lehrgeld zahlen und bekam vom Gegner die Hucke voll und es gab aber auch faustdicke Überraschungen:

Fram Reykjavík schied mit 0:5 und 2: 6 gegen Basel aus. Belgrad besiegte die polnische Vertretung aus Mielic mit 2: 1 und 1:0. Benfica Lissabon bezwang die Griechen aus Piräus zwei Mal mit 1:0.
Die irische Mannschaft vom FC Waterford unterlag den Ungarn aus Dozsa mit 2:3 und 0:3. Die Finnen von Turku PS gingen mit 1:6 und 0:3 gegen den schottischen Verein Celtic Glasgow unter. Noch deutlicher fertigte der FC Brügge die Malteser aus Floriana ab ( 8:0, 2:0 ). Erstaunlich gut hielt sich die luxemburgische Mannschaft aus Esch gegen den übermächtigen FC Liverpool und trotze den Engländern ein 1:1 zuhause ab; wenngleich die zweite Begegnung 0:2 verloren ging. Der spanische Meister Atletico Madrid tat sich gegen Galatasaray Istanbul noch schwerer und musste nach einem 0:0 in Hin - und Rückspiel in die Verlängerung, in der sie mit 1:0 als Sieger hervor gingen. Der norwegische Verein Viking Stavanger unterlag den Tschechoslowaken aus Trnava mit 1:2 sowie 0:1 und schied aus. Das Team von Veilje BK besiegte indes die Franzosen aus Nantes (2:2, 1.0 ) und zog in das Achtelfinale ein. Ebenso die Elf aus Sofia, die den Österreichern vom SSW Insbruck mit 3:0 und 1:0 keine Chance gaben.
Der Vertreter aus der UdSSR Sorja Woroschilowgrad ( dem heutigen Lugask,der Hauptstadt der Region Oblak - Luhansk, Ukraine ) gewann gegen die Zyprioten aus Nikosia mit 2:0 und 1:0. Den Vogel in Sachen Torausbeute schoss indes die rumänische Mannschaft von Dinamo Bukarest ab, die die Nordiren des FC Crusaders mit sage und schreibe 1:0 und 11:0 abwatschte.

Und somit kommen wir zu den deutschen Dynamos aus Dresden. Die bekamen gleich in der ersten Runde einen " Knaller " vorgesetzt: Die alte Tante " Juve " aus Turin, der italienische Meister. Gespickt mit Nationalspieler und mit viel Geld aufgebläht durch den Fiat-Konzern . Die Dresdner zogen sich - eigentlich sensationell gut - aus der Affäre und warfen die Italiener aus dem Wettbewerb.

Dynamo Dresden - Juventus Turin 2:0 (2:0)

30.000 im Dynamo-Stadion am 19. September 1973

Dynamo: Boden - Ganzera, Geyer, Wätzlich, Häfner, Schade, Kreische, Helm, Heidler, Rau, Sachse (79. Klaus Sammer)

1:0 Kreische (29.), 2:0 Schade (40.)



Juventus Turin - Dynamo Dresden 3:2 (3:1)
70.000 im Stadio Comunale Turin am 3. Oktober 1973

Juventus Turin: Zoff - Salvadore, Spinosi, Morini, Marchetti, Capello, Furino,  Cuccureddu, Causio, Anastasi, Altafini (60. Bettega)

Dynamo: Boden - Helm, Geyer, Klaus Sammer, Wätzlich (74. Schmuck), Häfner, Schade, Ganzera, Heidler, Rau, Sachse

1:0 Furino (9.min)
1:1 Rau (24.min)
2:1 Altafini (25.min)
3:1 Cuccureddu (30.min)
3:2 Sachse (75.min)

Noch wesentlich dramatischer gestaltete sich die Begegnung der westdeutschen Mannschaft aus München. Die Bayern hatten gegen die schwedische Vertretung von Ätvidabergs FF anzutreten.
Ein schwedischer Chronist beschreibt denn das Geschehen von einst so:

" Man kennt es aus Science-Fiction-Filmen. Jemand reist mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit, schlägt dort eine lästige Fliege tot – und bei der Rückkehr in die Zukunft ist die Frau plötzlich eine ganz andere und die USA ein Entwicklungsland. Ähnlich hätte es auch dem FC Bayern München ergehen können, wenn Uli Hoeneß am Abend des 3. Oktober 1973 im schwedischen Åtvidaberg eine Viertelstunde vor dem Ende nicht getroffen hätte. Es war das vielleicht wichtigste Tor in der Historie des Rekordmeisters, der Anfang eines Triumphmarsches durch Europa, der die Bayern zu dem machte, was sie heute sind. Eine Zeitreise. "

- Zitatende -

Und jener Kenner der schwedischen Fußballszene gibt eben in seinem weiteren Artikel  - wunderbar nachvollziehbar -  jene Arschlöcherigkeit dieses Vereins wieder, dem diese bereits vor 39 Jahren gnadenlos attestiert werden musste:


http://www.svenskfotboll.de/aff_bayern.html


FC Bayern München - Åtvidabergs FF 3:1 1:3 n.V.  (4:3 i.E.)

Während die " Bayern - Dussel " eben jenen Dusel hatten, der sie auch in den weiteren Begegnungen teilweise begleitete, erfreuten sich die Dynamos aus Dresden der nächsten Runde in der Königsklasse. In der sie dann auf jene Bayern aus München trafen.

Am 24.10.1973, um 20.00  Uhr im Olympiastadion (München) vor 50.000 Zuschauer war es soweit. Das erste deutsch - deutsche Aufeinandertreffen auf internationaler Fußballbühne wurde von  Schiedsrichter: Davidson (Schottland) angepfiffen.
Die Erwartungen der Westdeutschen waren hoch. Hochgepuscht von der Schmierenpresse aus dem Hause Springer, den Scharfmachern aus den Reihen der CDU/CSU oder anderen Reaktionären, die in dem Fußballvergleich natürlich einen solchen der Staats - und  Gesellschaftssysteme hinein interpretierten.
Aber auch die DDR - Seite ließ sich nicht lumpen und fabulierte von einem Kampf gegen den kapitalistischen Berufsfußball. Es herrschte bei den Sicherheitsbehörden Hochalarm. Sowohl der westdeutsche BND als auch die Stasi hatten alle Hände voll zu tun, um ihrer Manie, der Feind könne neben Fußball auf dem Rasen zu zelebrieren, gleich in einem Atemzug das andere Land besetzen, nach zu kommen, wurden weder Kosten noch Mühe gescheut, dieses schon durch - aus heutiger Sicht lächerlicher - Überwachungsmaßnahmen im Keim zu ersticken.

Fußballerisch trug sich der Systemvergleich so zu:

Tore

0:1 Johnny Hansen 13. (Eigentor)
1:1 Hoffmann 17.
2:1 Dürnberger 26.
2:2 Sachse 36. (Kopfball)
2:3 Heidler 42.
3:3 Roth 71.
4:3 Müller 83.

Aufstellung Bayern  München:

Maier ,
Hansen ,  Schwarzenbeck
Beckenbauer , Dürnberger
Zobel , Gersdorff
Roth , Ulrich Hoeneß
Gerd Müller, Hoffmann

Aufstellung Dynamo Dresden:

Boden
Ganzera , Wätzlich,
Dörner,  Geyer,
Schade,  Helm,
Häfner, Rau,
Heidler ,Sachse,
 
Wechsel Bayern München:

Hadewicz für  Gersdorff  (46.)


Wechsel:  Dresden

Riedel für Sachse  (75.)
Schmuck für Rau  (83.)

http://de.wikipedia.org/wiki/Europapokal_der_Landesmeister_1973/74

Obwohl das " Spiel des Jahres ", wie es von den BRD - Medien hoch stilisiert wurde, sendete die ARD, das Erste Fernsehprogramm, es eben nicht live. Der aufgeregte bundesdeutsche Fußballanhänger musste deshalb mit dem alten Dampfradio vorlieb nehmen, wenn er etwas zu dem aktuellen Geschehen im Münchner Olympiastadion erfahren wollte. Der Bayrische Rundfunk war da federführend und übertrug für die ARD - Radioprogramme jene Begegnung, um die es um so viel Prestige ging, live. Der Reporter muss wohl Oskar Klose gewesen sein. Er hätte auch zusammen mit einem seiner Kollegen aus dem BR - Team kommentiert haben können, nämlich Sammy Drechsel oder Günther Wolfbauer. Klose selbst war glühender Anhänger des 1. FC Nürnberg und deshalb eher prädestiniert dafür gewesen.

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag:  Bereits in der 13. Minute ging Dynamo mit 1:0 in Führung. Bei dem Tor - es war wohl ein Eigentor des Dänen Johnny Hansen ( einige schreiben es dem Dynamo-Stürmer Rainer Sachse zu ) - sah die Bayern - Abwehr schlecht aus. Der Dynamo - Spieler Ganzera hatte sich auf der linken Seite des Bayern - Strafraums durch gespielt, flankte an dem indisponierten Beckenbauer vorbei in die Mitte des FCB - 16er. Dort stand Hansen und bugsierte den Ball an dem verdutzten Maier vorbei ins eigene Tor.
Bereits vier Minuten später antwortete der BRD - Meister. Der Ball wurde von Dürnberger in den Dresdner Strafraum gepasst. Dort nahm ihn der Bayern-Spieler Müller an, verlängerte zu dem neben ihm stehenden Hoffmann. Der schoss das Leder an dem Dynamos Torhüter Boden vorbei zum 1:1  in die Maschen.
In der 26. Minute legte Schwarzenbeck das Leder für Beckenbauer vor. Der dribbelte, schlug einen Pass auf den mit gelaufenen Dürnberger, der schoss von der linken Seite des Dresdner Strafraums kommend, satt in das Tor . 2: 1 für Bayern München. Dass Stadion tobte.
Allerdings nur für 10 Minuten, denn die Dynamos spielten nicht nur mit und waren dem großen Meister aus München ebenbürtig, nein, sie erzielten schon bald danach den Ausgleich.
In der 36. Spielminute wurde eine Flanke von der rechten Strafraumseite der Bayern hinein gezogen, wo in der unmittelbaren Nähe des Elfmeterpunkts der Dresdner Linksaußen Rainer Sachse stand und der versenkte den Ball völlig unbedrängt per Kopf in Maier´s Gehäuse. Es stand 2:2 ! Was für ein Spiel!

Als sich die Münchner Zuschauer schon mit diesem Ergebnis zu den Bierständen begeben hatten, kam es noch dicker für den FCB:
Der vom arroganten Beckenbauer und seinen Verteidigern eigentlich nie in den Griff zu bekommene  Frank " Katze " Ganzera flankte wieder wunderbar von der linken Außenseite kommenden über den FCB - Verteidigungstorso, obwohl ihn der immer noch indisponierte " Kaiser " daran zu hindern versuchte, der Ball landete wieder bei Rainer Sachse, der legt per Kopf zu seinem Mittelstürmer Gert Heidler ab, dieser stoppte das Leder kurz und dreht sich in " Müller - Art " um 180 Grad, um die Kugel dann an Maier vorbei ins Bayern - Tor einzuschießen.

3:2 für die Dynamos aus Dresden!

http://www.youtube.com/watch?v=Xtd3Fj28D-E&feature=related


Über 3 Dekaden danach phrasiert eine " SPIEGEL " - Journalistin über das deutsch-deutsche Prestigespiel so:
" In der 42. Spielminute sieht es im Münchner Olympiastadion so aus, als ob die historischen Gesetzmäßigkeiten des Marxismus selbst für die schönste Nebensache der Welt gälten: Frank Ganzera spielt über Rainer Sachse zu Stürmerstar Gerd Heidler, der schießt völlig unbedrängt an Nationaltorhüter Sepp Maier vorbei ein. Ein historischer Sieg scheint zum Greifen nahe, der Kapitalismus dem Kommunismus auch auf dem Fußballplatz unterlegen: Dynamo Dresden, der David aus der DDR, führt mit 3:2 gegen den Fußballriesen FC Bayern München.

Bei der ersten deutsch-deutschen Fußball-Begegnung im Europa-Pokal steht viel auf dem Spiel, es geht um den Einzug ins Viertelfinale. Alles andere als ein Sieg des haushohen Favoriten aus dem Westen wäre eine Blamage - sportlich sowieso, aber auch politisch. Der entgehen der FC Bayern und die BRD an diesem 24. Oktober 1973 nur denkbar knapp: Bayern-Goalgetter Gerd Müller trifft sieben Minuten vor dem Abpfiff zum Endstand von 4:3 für das bundesdeutsche Team. "

- Zitatende - aus:  Helene Heise: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/318/klassenkampf_auf_gruenem_rasen.html

Auch das Drumherum, der schizoide Sicherheitsaufwand und das reaktionäre Geschmiere der Springer-Presse in dem Latrinenblatt " BILD " - Zeitung tat ein übriges, um aus dem Achtelfinalspiel im europäischen Meisterwettbewerb ein Politikum zu gestalten. So stellt die Autorin in dem " SPIEGEL " - Artikel  2008 weiter fest:

" Gegen die Mühen, die sich die Mannen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) aus Anlass der prestigeträchtigen Partie ihres hauseigenen Clubs gegen den Klassenfeind machten, wirkt der mühsame Arbeitssieg der Bayern allerdings geradezu wie ein Freizeitkick. Denn während die SED-Propaganda das deutsch-deutsche Fußballspiel zu einer "ganz normalen" internationale Begegnungen herunterzureden versuchte, rotierte im Hintergrund der SED-Sicherheitsapparat auf Hochtouren - einen beinahe "schizophrenen Sicherheitsaufwand" hätte die Maschinerie des fußballbegeisterten MfS-Chefs getrieben, konstatiert der Politikwissenschaftler Hanns Leske in seinem Buch über "Erich Mielke, die Stasi und das runde Leder".

- Zitatende - aus: a.a.O.

Das der Überwachungsstaat seinen gesamten Apparat in Bewegung setzte, um dieses - eigentlich nicht gewollte - Spiel zweier deutscher Vereinsmannschaften in " geordneten " Bahnen verlaufen zu lassen, war auch den ansonsten nichts ahnenden Westdeutschen klar.

" Den enormen Aufwand illustrieren eindrucksvoll die Stasi-Akten zur "Aktion Vorstoß", so der Codename der Operation der DDR-Geheimpolizei. Schon die Spielvorbereitungen der beiden Trainer begleitete die Stasi minutiös: Bayern-Trainer Udo Lattek behielten ihre Agenten genauestens im Visier, als er in die DDR reiste um die Dresdner in ihren Oberliga-Partien gegen Zwickau und Dynamo Berlin zu beobachten. Dresdens Trainer Walter Fritzsch durfte in Begleitung eines Aufpassers zu zwei Spielen der Münchner in den Westen fahren, um sportliche Stärken und Schwächen des "kapitalistischen Profifußballs" beim FC Bayern zu erkunden. Wenig überraschendes Ergebnis der Geheimdienst-Recherche zum Gegner: "Mit Müller, Beckenbauer und Hoeneß hat Bayern-München drei überragende Fußballspieler."


Die politische Zielvorgabe der DDR-Führung für das Dynamo-Team stand lange vor dem Hinspiel in München am 24. Oktober fest: Zwei Siege gegen das "KA", Stasi-Abkürzung für das "kapitalistische Ausland", forderten die Funktionäre von ihrer Mannschaft. Klaus Sammer, 1973 Dresdner Spieler, später Trainer, erinnert sich an den Umgang der Mannschaft mit den "lächerlichen" ideologischen Vorgaben aus Ost-Berlin: "Sollten die da oben sich doch die Köpfe einschlagen."
Den Spielern sei es immer nur um den Sport gegangen. Ähnlich erinnerte sich später auch Bayerns Stürmerstar Uli Hoeneß: "Das war das erste wichtige Spiel zwischen zwei deutschen Oberligamannschaften. Es wurde im Vorfeld als Pressespektakel aufgebauscht. Für mich war so etwas nicht besonders wichtig, es stand die sportliche Bedeutung im Vordergrund: Der FC Bayern hatte

- Zitatende - aus: a.a.O.

So gestaltete sich das Rückspiel am Mittwoch, den 7. November 1973 auch im Vorfeld der Begegnung mehr als schwierig. Die Bayern aus München waren trotz der guten Ausgangsposition der Dynamos immer noch ganz klarer Favorit. Das war für den DDR - Meister eine Konstellation, die der Dresdner Spieler Klaus Sammer mit " groß gegen klein " beschrieb.Weshalb nicht nur er und seine Mannschaftskollegen auf den großen FCB im heimischen Dresden gespannt waren.
Der Bayern - Profi Schwarzenbeck erinnerte sich dann daran, dass bei der Ankunft des Mannschaftsbuses alles rundherum abgesperrt war.
Auch persönliche Kontakte der Dynamo - Spieler wurden untersagt.
Wobei sich denn eher die Westdeutschen aus Bayern noch lächerlicher machten, als es bei den Isolierungsaktionen durch die Stasi im Rückspiel der Fall war:

" Knapp zwei Wochen später, am 6. November 1973, erwarteten rund 400 ostdeutsche Fans vor dem Hotel Newa die Ankunft der Bundesliga-Stars zum Rückspiel in Dresden. Doch die Bayern kamen nicht: Statt im realsozialistischen Interhotel übernachteten die West-Profis lieber kurz vor der Grenze, auf heimischen bayrischem Boden in Hof. Offizielle Begründung des Managements: "Akklimatisierungsprobleme", bedingt durch den "Höhenunterschied zwischen München (rund 500 m) und Dresden (106 m)". Die nicht einmal 400 Meter Gefälle sollten einer internationalen Spitzenmannschaft aus dem Voralpenland solche Schwierigkeiten bereiten, dass die Equipe die fünf Fahrstunden von München nach Dresden lieber in zwei Etappen zurücklegte? "

- Zitatende - aus: a.a.O.

Den wahren Grund für das seltsame Verhalten der Münchner gibt der Artikel so wieder:

" Was wirklich dahinterstand, erzählt Uli Hoeneß: "Beim UEFA-Jugendturnier in Leipzig hatten starke Westmannschaften Probleme mit Erkrankungen und Durchfällen gehabt, man informierte den Verein. Es gab die Vermutung, dass etwas ins Essen getan wurde, dass die Zimmer und Besprechungsräume abgehört wurden." So gingen die Autogrammjäger vor dem Hotel Newa leer aus. Erleichtert registriert die Stasi im Lagebericht vom 6. November um 16 Uhr, dass die etwa 400 wartenden Personen zwar enttäuscht seien, ansonsten aber "keine wesentlichen Vorkommnisse" zu melden seien. ".

- Zitatende - aus: a.a.O.

Das die Eintrittskarten nach " sozialistischer Art " überwiegend an verdiente Genossen verteilt wurden, war ebenso bekannt, wie die Tatsache, dass für das Spiel locker die doppelte Anzahl an Zuschauern in das Rudolf-Harbig-Stadion hätten eingelassen werden können.

" Trotz des großen Zuschauerinteresses gelangten nur etwa 8.000 Karten in den freien Verkauf, 2.000 Tickets erhielten die Bayern für mitgereiste Schlachtenbummler. Die restlichen 25.000 Billets verteilten die DDR-Behörden an besonders zuverlässige Genossen: In den volkseigenen Betrieben erhielten einzig "verdiente Meister der Arbeit und des Sports der DDR" Eintrittskarten. Doch selbst diesen ausgewählten Zuschauern trauten die Sicherheitsorgane nicht, zusätzlich verteilten sich Stasi-Männer überall auf den Tribünen - zwei von fünf "Fans" waren in Wirklichkeit im Auftrag des MfS im Stadion.

Ob des künstlichen verknappten Angebots kam es am Vorabend des Verkaufsbeginns für die wenigen verfügbaren Karten zu beunruhigenden Szenen, jedenfalls aus Stasi-Sicht: Gegen Mitternacht hatten sich vor den Vorverkaufsstellen rund 2.200 meist jugendliche Fans mit Schlafsäcken, Decken und dazu reichlich Alkohol eingefunden, um vor Ort zu übernachten und ab 9 Uhr morgens eines der raren Tickets (zum stolzen Preis von 8,10 Mark der DDR) zu ergattern. Nur durch "Agitation von Sportfunktionären und Angehörigen der Sicherungskräfte" sei ein weiteres Anwachsen der Menge verhindert worden, vermeldet der Stasi-Bericht. Kaum hatte der Vorverkauf dann begonnen, war er um 10 Uhr auch schon wieder vorbei - ausverkauft. "

- Zitatende - aus: a.a.O.

Tja, und dann gab es natürlich Unstimmigkeiten mit einer geplanten Live-Übertragung. Das Westfernsehen hätte so gar einen Batzen DM hingeblättert, um aus der Dresdner Arena übertragen zu können. Doch die DDR-Offiziellen sagten ab. Es gab dennoch eine Übertragung . Und zwar auf  DDR I ab 20.00 Uhr. Und selbst damit kamen dann nur wenige Westdeutsche in den Genuss, dass Spiel in voller Länge live im TV sehen zu können, denn das ostdeutsche Staatsfernsehen hatte noch ein weiteres Bonbon in der Tasche.

Da saßen sie nun, meine Kameraden von der Bundeswehr, genauer gesagt von der Stammkompanie 2 der " Kampftruppenschule II / III ( KTS II / III ) in der Kaserne in Munster / Örtze ( auch Munsterlager genannt ) an jenem 7. November 1973. Einige hatten sich Bierflaschen mit genommen, die sie im " Arbeitsanzug " kurz vor dem Anpfiff mit der " Hebamme " öffneten. " Gluck, gluck, gluck! Rülps! Ah! ". Die nächste Flasche Bier folgte. Gespräche zu dem Spiel fanden kaum statt. Die Mehrzahl der Soldaten aus meiner Einheit kam aus dem näheren ost-niedersächsischen Umfeld. Aus Faßberg, Soltau, Lüneburg. Einige aus Stade, Hannover oder Celle. Dann war ein starker Anteil von Ruhrpöttlern in der Kompanie. Essener, Oberhausener, Dortmunder. Die hatten mit den Bazis nichts am Hut. Aber: Es ging demnach primär um den Feind im nahe gelegenen, abgeschotteten Osten. Dort, wo kein BW-Soldat ohne Genehmigung durch den Kompaniechef, den S1 und im Einzelfall den MAD hin fahren durfte. Feindesland, eben! Dass es der eigentliche Grund war, warum der wehrtaugliche männliche Westdeutsche ab 18 Jahren sich 18 Monate in eine Uniform zwängen lassen musste, konnten jene Kameraden von einst, dann doch nicht ganz verhehlen; auch wenn sie die Bazis nicht mochten ( jedenfalls der überwiegende Teil von ihnen ).

Anstoss im DDR - Fernsehen. Erstaunlicher Weise in Farbe. Denn das TV - Gerät im Aufenthaltsraum der Stammkompanie 2 hatte einen entsprechenden " SECAM " - Decoder eingebaut bekommen, damit sowohl West - als auch Ostfernsehen in Farbe geglotzt werden konnte. Heinz Florian Oertel war der Live-Kommentator. Der war mir ja aus den DDR - Sportsendungen zuvor bestens bekannt. Er brachte ab und zu einige Spitzen in seinen Kommentar. Zeigte sich aber sonst - wie immer - als kompetenter Fußballreporter. Das Rückspiel entpuppte sich dann als ein Kampf auf Biegen und Brechen. Nach nur 13 Minuten lagen die Bayern durch zwei Tore vom wuschelköpfigen, aber technisch exzellenten  Hoeneß ( 11. und 13. Minute ) vorne. Die Soldatenmeute um mich herum, immer noch eifrig Bier trinkend, warens´s zufrieden. 2:0 gegen den Feind vor der Haustür, da konnte eigentlich nichts mehr viel passieren.
Doch es kam völlig anders.

Auf der " Dynamo " - Fanseite ist hierzu nachzulesen:

" Jetzt mussten 3 Tore her und sie kamen. Mit einer klasse Leistung, einer super Moral und jeder Menge Spielwitz erzielten Wätzlich noch vor der Pause und Schade und Häfner nach der Pause die Tore zur 3:2 Führung. Das Stadion glich einem Tollhaus. "

Nicht so gut wurden die drei Treffer bei meinen BW - Kameraden im Gemeinschaftsraum aufgenommen. War das 1:2 Anschlusstor durch den Dresdner Wätzlich für sie eher eine Art Ergebniskosmetik, so sollte sich die Laune nach der Halbzeit bald verschlechtern. Zunächst aber saß die Fußballtruppe in olivgrün vor einem fußballlosen Bildschirm, denn DDR I hatte sich nach der Halbzeit klamm heimlich aus der Übertragung aus Dresden verabschiedet und sendete nach der AK irgendeinen anderen Mist. Da saßen wir als Unwissende auf unseren mit Stoff bezogenen Einheitsstühlen und glotzten blöd. Bis plötzlich ein Gefreite, der in Wietzendorf wohnte und die Empfangsmodalitäten bei den DDR - Sendern kannte, wie von der Tarantel gestochen aufsprang, an den Fernsehkasten ging, dort an dem dicken Kanal - Drehknopf herum drehte und das II. Programm des DDR - Fernsehens eingestellt hatte. Ein erleichtertes Aufstöhnen ging durch den Raum. Soviel Gemeinheit hätte der gemeine westdeutsche Landser dem gemeinen Feind hinter dessen Zonnengrenze nun doch nicht zugetraut. Fies, diese Ostzonen-Deutschen, diese Kommunisten und Hetzer, so dachte die Mehrzahl der Anwesenden.

Dann geschah das Unfassbare: In der 52. Minute glich Dynamo Dresden durch Schade zum 2:2 aus. Vier Minuten später erzielte Häfner das 3:2 für Dresden. Oertel flippte am Mikrophon aus. Der Arroganz - Verein aus München war am Boden. Doch noch nicht ganz, denn der unnachahmliche Müller schoss bereits 2 Minuten später das 3:3. Es gab zwar noch einige große Tormöglichkeiten auf beiden Seiten, wobei Heinz Florian Oertel diese u.a. mit den Worten: " Nun schieß doch Junge! " enthusiastisch kommentierte und dafür von meinen Kameraden in Olivgrün höhnische Gelächter erntete, aber das 3:3 war der Endstand nach 90 Minuten in Dresden. Damit stand auch fest:

"  So blieb es bei Dynamo bei der Erinnerung an 2 mitreissende Spiele in denen Dynamo den Bayern nicht nur gehörig Paroli bot, sondern besser war. "
Das Spiel am 7. November 1973 war gegen 21.45 Uhr zu Ende. Kurz vor der verordneten Nachruhe in der Kaserne und eine Viertelstunde bevor der UvD seinen Stubenrundgang absolvierte. Die Meute der Fußballfans stand auf und freute sich über das Weiterkommen der Bayern aus München. Nur einer der Anwesenden nicht und der war ich. Als damaliger Gladbachfan hasste ich die " scheiß " Bayern aus München wie die Pest und hielt in beiden Spielen den Dynamos aus Dresden die Daumen. " Scheiß Bayern! ", murmelte ich beim Aufstehen und Verlassen des Gemeinschaftsraumes. " Wieso? ", fragte mich mein Nachbar und starrte mich mit großen Augen und ungläubigen Gesichtsausdruck an. " Scheiß - Dreck, Bayern München! ", veränderte ich meine Aussage. " Was bist´n Du für Einer? ", sagte ein zweiter Kamerad beim Vorbeigehen. " Kein Bayern - Fan! ", antwortete ich ihm. " Nee, ich auch nicht! Aber Deutscher! ", gab der mir bissig zurück. " Klar, die aber auch! ", entgegnete ich ihm. und verschwand aus dem Raum.


SG Dynamo Dresden - FC Bayern München 3:3 (1:2)

Am 07.11.1973, im "Dynamo Stadion" in Dresden

Statistik

Zuschauer: 36.000

Torschützen:

0:1 Uli Hoeness (11.min)

0:2 Uli Hoeness (13.min)

1:2 Wätzlich (42.min)

2:2 Schade (52.min)

3:2 Häfner (56.min)

3:3 Müller (58.min)

Schiedsrichter: Wurtz (Frankreich)

Aufstellungen

Dynamo Dresden: Boden - Dörner, Helm, Geyer, Wätzlich, Häfner, Schade
(78. Riedel), Ganzera, Heidler, Rau, Sachse

Bayern München: Maier - Hansen, Schwarzenbeck, Beckenbauer, Dürnberger, Schneider, Zobel, Roth, U. Hoeness, G. Müller, Hoffmann

Als Nachlese zu diesem Ereignis, das in beiden deutschen zum Kampf der Systeme aufgebläht wurde, ist aus dem Netz zu entnehmen:

" Hans-Jürgen Kreische, Spielmacher und Torjäger, konnte zwar nicht auflaufen, profitierte aber trotzdem vom West-Kontakt. Ein ZDF-Reporter hatte den damals 26-Jährigen in dessen Wohnung überrascht. Er wollte ein Interview mit ihm führen. „Ich habe dem die Taschen gefüllt, dafür legte er einen Schein unter die Obstschale, und ich konnte mal im Intershop einkaufen.“
Für einen anderen Dresdner sind die Erinnerungen an die Begegnung mit den Bayern dagegen schmerzlich. „Bei seinem Treffer zum 3:3 ist mir Gerd Müller auf die Hand getreten“, erzählt Torwart Claus Boden.

Gerd Müller weist das brüsk zurück: „Der stand doch auf der Linie“, behauptet das Bayern-Idol, der heute noch kräftig durchatmet, wenn er von diesem spektakulären innerdeutschen Fußball-Gipfeltreffen erzählt.


Etwa 3000 Leute wollten ihnen am Tag vor dem Spiel vor dem Hotel „Newa“ einen jubelnden Empfang bereiten. Sie warteten vergeblich auf die Truppe um Trainer Udo Lattek, Kapitän Franz Beckenbauer und eben jenen Müller, den die Fans als „Bomber der Nation“ auch im Osten verehrten. Die Stars übernachteten in Hof. Der Höhenunterschied zwischen München und Dresden sei zu gewaltig, erklärte Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker. Müller verrät, wie es wirklich war: „Das war nicht geplant. In München hatte der West-Meister den Klassenkampf mit 4:3 für sich entschieden. Weniger das knappe Ergebnis als vielmehr die Befürchtung, ihnen könnte vor der Partie in Dresden etwas in den Tee gemixt werden, machte den Bayern Angst und Bange.


Beim Essen in Hof erzählten Uli Hoeneß und Paul Breitner, dass sie vor den Spielen immer müde geworden seien, wenn sie mit der Nachwuchsauswahl in der DDR gespielt hatten. Unser Manager Robert Schwan entschied daraufhin spontan: Wir bleiben hier.“
Erst sechs Stunden vor dem Anpfiff rollte der Bus der Bayern am Hotel vor. Die Gäste ahnten nicht, dass ihre Mannschaftsbesprechung aus dem verwanzten Salon „Puschkin“ live in die Stasi-Zentrale auf der Bautzner Straße übertragen wurde. „Ich habe beim Einlaufen die Stimmung im Stadion gespürt, und mir war klar: Wir können heilfroh sein, wenn wir uns hier nicht blamieren“, sagt Müller: „Als dieses ,Dynamo‘ von allen Seiten erschallte, bekam ich eine Gänsehaut. Für die Heimmannschaft ist das natürlich überragend.“

Turbulente 90 Minuten endeten 3:3. Dynamo hatte die Sensation knapp verpasst. Müller: „Für uns wäre das Ausscheiden eine Katastrophe gewesen, aber ich denke, gegen jede andere Mannschaft wäre Dynamo damals weitergekommen.“

 - Zitatende - aus Sven Geissler: " Ein Kribbeln wie 100.000 Stecknadeln " aus :

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2258582

So relativiert sich beim Schreiben dieses Artikels im Nachhinein so Einiges. Verabscheute ich einst die arroganten Bayern - Spieler, weil sie sich in der Öffentlichkeit auch so aufführten, dann auch noch einen Rückzieher machten, weil es in die böse DDR nach Dresden ging, wo es nichts vernünftiges zu Kauen gab, so war es heute die pure - vielleicht auch begründete - Angst, das Spiel durch irgendwelche Manipulationen verlieren zu können, die als Triebfeder jenes seltsamen Verhaltens stand. Dennoch stehe ich auch fast 40 Jahre nach dem ersten innerdeutschen Fußballduell zu meiner damaligen Einstellung. Nicht nur deshalb, weil ich den FCB bis heute nicht abkann ( um es milde auszudrücken ), sondern weil in den 180 Minuten Spielzeit die Dynamos spielerisch die bessere Mannschaft waren.Ein Fußballverein mit einem "großen" Namen muss nicht automatisch besser sein, nur weil er viel Geld in klangvolle Spielernamen investiert. Dieses Schubladendenken - das sich in der Medienindustrie längst verselbständigt hat - widert mich an. Und darum geht es mir heute noch.

Weil es jetzt auf ein paar Zeilen nicht mehr ankommt, informiere ich ( soweit recherchierbar ) über den Verbleib der " Helden " von damals:


Bayern München:


Maier , Josef , Dieter " Sepp " ( 69 ) ist mit 95 A-Länderspielen, einigen Titeln für den FCB, nach der aktiven Laufbahn zunächst Torwarttrainer in München geworden,später bis 2004 für den DFB. Überwarf sich mit Ex-Nationaltrainer Klinsmann und beendete 2004 seine Berufstätigkeit.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sepp_Maier



Hansen , Johnny, Terney ( 69 ) ist in Veijle / Dänemark geboren, wo er seine ersten Profieinsätze hatte. Kam über den 1.FC Nürnberg 1970 zu Bayern München und avanciert bis 1976 zum Stammspieler. Absolvierte 45 A-Länderspiele für Dänemark,wo er 1978 in Veijle seine Karriere abschloss.

http://de.wikipedia.org/wiki/Johnny_Hansen_(Fu%C3%9Fballspieler,_1943)


Schwarzenbeck, Hans-Georg " Katsche " ( 64 ), bestrit 416Pflichtspiele für den FCB und 44 A-Länderspiele, ehe er 1981 seine aktive Laufbahn in München beendete, wo er zuletzt ein Schreibwarengeschäft führte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Schwarzenbeck


Beckenbauer , Franz, Anton " der Kaiser ", " die Lichtgestalt des Deutschen Fußballs " ( 67 ), Biografie ist bekannt, der bislang erfolgreichste deutsche Fußballer.


Dürnberger, Bernhard " Bernd " ( 59 ), absolvierte 375 Bundesligapflichtspiele für den FC Bayern München, errang zahlreiche Titel, beendete 1985 nach 13 Jahren dort seine aktive Laufbahn.


http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_D%C3%BCrnberger

Zobel , Rainer (  64 ), spielte bis 1976 insgesamt 180 Mal für den FCB in der Bundesliga.
Errang dort zahlreiche Titeb 1986 Trainerlaufbahn zunächst bei Eintracht Braunschweig; zuletzt beim moldawischen Erstligisten FC Mildawi; wurde ein Weltenbummler in Sachen Fußball.


http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Zobel


Gersdorff, Bernd ( 66 ), verließ die Bayern 1973 nach nur 12 BL-Einsätzen wieder, kehrte nach Brauschweig zurück, wo er bis 1976 als Profi tätig war. Spielte dann 4 Jahre bei Hertha BSC Berlin, wo er im Januar 1980 seine BL-Karriere beendete, um anschließend in San Diego einige Spiele bis zum Laufbahnende zu bestreiten. Wurde danach bei der Salzgitter AG beschäftigt, wo er bis heute als deren Konzernsprecher fungiert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Gersdorff

Roth , Franz " Bulle " ( 66 ), bestritt bis 1978 insgesamt 322 BL-Spiele für den FC Bayern München, ehe er nach 12 Jahre zu Casino Salzburg in die österreichische Liga wechselte. Seine Aktivelaufbahn beendete er 1985 bei dem Amateurklub TSV Mindelheim. Machte sich danach als Betreiber von zwei Sportgeschäften selbständig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Roth

Hoeneß,  Ulrich  " Uli ", ( 60 ), beendete seine Fußballerkarriere 1979 nicht beim FCB, sondern in Nürnberg, beim Club. Der weitere Werdegang ist bekannt. Derzeit nicht unumstrittener Präsident  Münchens Vorzeigevereins.

http://de.wikipedia.org/wiki/Uli_Hoene%C3%9F


Müller, Gerd  " kleines,dickes Müller ", " Bomba der Nation " (  67 ), bestritt für den FCB insgesamt 453 BL-Partien und schoss 398 Tore. Verabschiedete sich eher unrühmlich 1979 zu den Fort  Lauderdale Strikers nach Florida, wo er nebenbei ein Restaurant " The Ambry " erfolglos betrieb. Kam 1984 dann als Alkoholiker zurück, unterzog sich einer Kur, wurde ab 1991 Co - Trainer der II. Mannschaft und bestand 1992 den A-Schein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_M%C3%BCller


Hoffmann, Wilhem ( 64 ), kam 1971 zu den Münchnern und absolvierte dort bis 1974 nur 55 BL- Einsätze. Kehrte danach zum SV Göppingen zurück, wo er bis 1980 als Spielertrainer tätig war . Schloss die Aktivenlaufbahn beim SSV Ulm 1846 im Jahre 1982 ab.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Hoffmann_(Fu%C3%9Fballspieler)#Karriere


Hadewicz, Erwin ( 61 ), war als Profi von 1973 bis 1975 bei den Bayern tätig. Brachte es nur auf 19 Einsätze. Spielte danach beim VFB Stuttgart, wo er es bis 1983 auf 233 BL-Pflichtspiele brachte, eher er zum VFR Aaalen wechselte, dort seine Laufbahn beendete und anschließend Trainer wurde.

http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Hadewicz


Schneider, Edgar ( 63 ) spielte von 1970 bis 1973 beim FCB, wo er 66 BL-Einsätze erhielt. Spielte bis 1978 beim FC Augsburg,ließ die Fußballerlaufbahn in seiner Heimatstadt Pforzheim 1986 ausklingen, wo er bis 1990 auch Trainer war.

http://de.wikipedia.org/wiki/Edgar_Schneider




Dynamo Dresden:



 Boden, Claus ( 61 ), kam bereits als Nachwuchsspieler zu Dynamo Dresden, wo er dann ab 1972 zum Stammtorhüter avancierte. Bestritt in dieser Zeit mehrere U23 - Auswahlspiele für die DDR, ehe er dann 1977/1978 durch den von Hansa Rostock abgeworbenen Bernd Jakubowski verdrängt wurde. Wechselte 1982 zur BSG Stahl Riesa und beendete 1988 seine aktive Laufbahn. Nach der Wende war Claus Boden als Torwarttrainer tätig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Boden


Dörner, Hans - Jürgen " Dixie " (  61 ) kam als 18 jähriger von Görlitz zu den Dynamos. Bestritt dort nach deren Abstieg 1968 aus der Oberliga und sofortigen Wiederaufstieg bis zu seiner offiziellen Verabschiedung 1988 100 A - Auswahlspiele für die DDR, war mehrfach DDR - Meister und FDGB - Pokalsieger. War bis zur Wende 1989 dann u.a. Trainer der DDR-Olympiaauswahl, dann beim DFB im Nachwuchsbereich, ehe er 1996 die Profmannschaft des SV Werder Bremen übernahm und den Abstieg verhinderte. Wurde am 20. 08. 1997 dort entlassen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-J%C3%BCrgen_D%C3%B6rner_(Fu%C3%9Fballspieler)#Fu.C3.9Fballkarriere


Helm, Christian ( 60 ) war bereits in den Jugendmannschaften von Dresden aktiv. Der rechte Verteidiger gewann mehrfach die DDR-Meisterschaft mit den Dynamos. Er wurde ebenfalls international eingesetzt, ehe er 1982/1983 seine Laufbahn beendete.


Geyer, Eduard " Ede " ( 68 ) der gebürtige Oberschlesier kam 1968 zur SG Dynamo Dresden, wo er bis 1975 insgesamt 90 Oberligaeinsätze hatte. War Meister - und Pokalsieger, DDR-Auswahlspieler und ab 1975 bis 1986 Nachwuchstrainer, dann bis 1990 Trainer der 1. Mannschaft, von 1989 bis 1990  DDR-Auswahltrainer, ab 1994 bis 2004 Trainer von Energie Cottbus, ehe er 2007 wieder für kurze Zeit  in Dresden Trainer wurde.

http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Geyer


Wätzlich, Siegmar ( 65 ), kam 1965 zu Dynamo Dresden und absolvierte dort 139 Oberligaspiele. War einige Male verletzt,schaffte es dennoch zum DDR-Auswahlspieler und gewann mit der SGD mehrfach die Meisterschaft sowie den FDGB-Pokal. Beendete seine Karriere  1975 und übernahm ab 1977 zusammen mit seiner Ehefrau eine Gaststätte in seinem Heimatort Rammenau. Siegmar Wätzlich erkrankte schwer und musste nach fünfjähriger Dialyse sich zweier Leber-Ops unterziehen, gesundete und trainiert danach den Ortsverein Edelweiß Rammenau.

http://de.wikipedia.org/wiki/Siegmar_W%C3%A4tzlich


Häfner, Reinhard ( 60 ) kam über den FC Rot Weiß Erfurt zur SGD, wo er 391 Oberligaspiele bestritt, vier Mal Meister und Pokalsieger wurde, den Olympiasieg im Fußball verzeichnen konnte und vielfach internationale Begegnungen für Dresden bestritt, ehe er 1987 seine aktive Zeit beendete.
Wurde danach Trainer und ist derzeit in Radebeul tätig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_H%C3%A4fner



Schade, Hartmut ( 58 ) war bereits in den Jugendmannschaften Dresdens tätig, bestritt 1973 sein erstes Oberligaspiel für die SGD, mit der er vier Mal Meister, drei Mal Pokalsieger wurde. Gehörte wie Reinhard Häfner zur Olympiasiegerauswahl 1976. Er brachte es auf 198 Oberligaeinsätze, in denen er 34 Tore schoss. Nach dem Karrierende 1983 / 1984 war er zusammen mit Reinhard Häfner als Trainer in Dresden tätig, dann bis 2001 als Amateurtrainer beim TSV 1860 München.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmut_Schade


Riedel,  Dieter ( 65 ) wurde 1966 von Görlitz zu den Dynamos deligiert, mit denen er 5 Mal Meister und 2 Mal Pokalsieger wurde. Gehörte zur DDR - Auswahlmanhaft und schoss hier einige Tore. So wurde er 1976 Olympiasieger mit der DDR. In der Saison 1980/1981 beendete Dieter Riedel seine Spielerlaufbahn im 211. Oberligaeinsatz. Wurde später Co - Trainer bei Klaus Sammer, gehörte dem Vorstand von Dynamo Dresden an, wurde dann Ehrenmitglied und ist heute in Freiberg als Sportlehrer noch tätig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Riedel


Ganzera, Frank ( 65 ), kam in der Spielzeit 1966/1967 als Verteidiger von der BSG Lokomotive Dresden zur SGD, für die er bis 1976 insgesamt 133 Oberligaspiele bestritt. Wurde hier auch Auswahlspieler und erstmals Double-Gewinner, ehe er dann zu seinem Ursprungsverein Lok Dresden zurückkehrte, wo er seine Laufbahn 1978 beendete und bis 1980 als Trainer fungierte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Ganzera


Heidler, Gert, ( 64 )  spielte zunächst als Jugendlicher bei verschiedenen Bautzner Vereinen, ehe er in der Saison 1967/ 1968 zu Dynamo Dresden deligiert wurde. Stieg dann mit dem Verein ab und ein Jahr später wieder auf. Brachte es auf 267 Einsätze in der DDR Oberliga, wo er 49 Tore für Dresden schoss, ehe er nach 15 Jahren seine Karriere  dort beendet. Gert Heidler war ebenfalls in den Auswahlmannschaften der DDR als Spieler eingesetzt. Ab 1992 ist er als Trainer in Dresden tätig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Heidler


Rau, Horst, ( 63 ) kam als 19jähriger Stürmer von Lokomotive Dresden zu den Dynamos, wo er 1968 zunächst in der II. Mannschaft eingesetzt wurde. Wurde dann in der Saison 1969 / 1970 zum ersten Mal in der Oberligamannschaft eingesetzt. Bestritt in 6 Jahren für den Verein 82 Partien und erzielte dabei 11 Tore. War mit Dynamo zwei Mal Meister und ein Mal Pokalsieger sowie an internationalen Auftritten beteiligt. Beendete seine aktive Laufbahn nach einigen weiteren Jahren bei Lok Dresden, wonach er Trainer wurde.

http://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Rau


Sachse, Rainer, (  62 ) begann seine Fußballerlaufbahn bei verschiedenen Dresdner Jugendmannschaften. Wurde dann ab 1970 in dem A - Kader als Stürmer eingesetzt. Absolvierte bis 1980 insgesamt 172 Spiel, in denen er 70 Tore schoss. Ab der Saison 1980/1981 spielte Rainer Sachse bei Stahl Riesa und stieg mit dem Verein aus der Oberliga ab. Er war bis zur Saison 1983/1984 noch als Spieler in Riesa tätig. Wurde dann Trainer, bis er 1997 aus gesundheitlichen Gründen sich komplett aus dem Sport zurück ziehen musste. Unterhält seit dem ein Kleintransportunternehmen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Sachse_(Fu%C3%9Fballspieler)

 
 Auch wenn er aus disziplinarischen Gründen, nämlich wegen der Aufnahme von direkten Kontakten ( ZDF-Sportreporter ) zum Klassenfeind an den beiden Schlachten nicht teilnehmen durfte, gehört ein Mann mit Sicherheit zu den Helden aus jenen glorreichen 70er Jahren:

Kreische, Hans - Jürgen ( 65 ), wurde bereits mit 17 Jahren bei einem Oberligaspiel der Dynamos eingesetzt. Stieg dann 1968 mit dem Verein ab und sofort wieder auf. Bestritt für die SGD insgesamt 237 Oberligaspiele in denen er 131 Tore erzielte, sowie 50 A-Länderspiele und kam 37 Mal bei Europapokalspielen zum Einsatz. Das entfant terribel der Dynamos beendete 1977 seine aktive Laufbahn und wurde Trainer. Betreibt eine Fußballschule in Dresden-Weißig und ist zurzeit Talentsichter für RB Leipzig.


http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-J%C3%BCrgen_Kreische

Als kleines Schmankerl für den Blogger - Kollegen Octa sei noch gesagt, dass ich auf fast 40 Jahre nach den beiden " Klassenkämpfen " gegen die Bazis der festen Überzeugung bin, dass die Dynamos einst nicht nur auf Augenhöhe ( um das absolut schwachsinnige,derzeitge Reporter - Modewort hier zu benutzen ) mit dem Überverein aus München spielten, sondern spielerisch besser und taktisch exzellent von dem Trainer Walter Fritzsch eingestellt waren, weshalb eigentlich der etwas clevere Verein siegte. Schon allein deshalb waren meine Sympathien bei der Dresdnern und wären sie auf dann noch, wenn das Rad der Fußballhistorie um jene fast 40 Jahre zurück gedreht wird.

" Ich haben fertig! "