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Mittwoch, 1. August 2012

Die Goldmedaille im Eierlaufen.



                                                                                                           (c) D. Albert - WIKIPEDIA

Als vor knapp 4 Jahren, nämlich am 8. August 2008 die 29. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit im chinesischen Beijing ( Peking ) feierlich eröffnet wurden, gab es an jenem Freitag Einige in diesem, unserem Lande, die viel Wichtigeres zu hatten, als sich um die hoch gezüchteten Mutanten, die Muskelprotze und Humanoiden zu kümmern, denn der 8.8.2008 enthielt drei Achten auf ein Mal, womit jener Freitag für jene Bundesdeutschen, die sich im heiratsfähigen Alter ab 18 Plus befanden, eine günstige Gelegenheit darstellte, sich das viel geschmähte Ja-Wort zu geben. Wenn die Standesbeamtin/ der Standesbeamte überhaupt noch einen Termin an solch einen besonderen Tag mit so vielen Achten vergeben durfte, dann taten sie/er es. Schließlich kommt dieser Tag nie wieder und die ewig klammen Kommunen benötigen ja auch Geld. Dennoch sahen viele Millionen Glotzer an den TV-Geräten in der Bundesrepublik die Eröffnungsfeier im fernen China, die ab 14.00 Uhr übertragen wurde. Die Desinteressierten gaben sich inzwischen die Klinke des Trauungszimmers in den Standesämtern der Republik in die Hand.
Jedem das Seine, eben!

Nun sind die 29. Olympischen längst Geschichte, die vielen Sportarten und deren Medaillengewinner statistsich erfasst und der ganze Zinnober - gewinnbringend - medial verwurstet. Was bleibt sind nur noch Erinnerungen; wenngleich sich die Menschenrechtssituation durch die Olympiade in Beijing dort nicht verbessert hat. Auch so manche Ehe, die am 8.8.2008, wie auch jene am 7.7.2007 oder am 9.9.1999 ist wieder geschieden worden. So spielt das Leben nun mal.
Es gibt Sieger,Besiegte,Gewinner,Verlierer,Verheiratete und Geschiedene.

Wenn am 12.12.2012, einem Mittwoch, die Standesämter hierzu Lande wieder regen Betrieb vermelden, dann sind die aktuell laufenden Olympischen Sommerspiele in der englischen Hauptstadt auch längst Geschichte. Die Medaillen der vielen Teilnehmer bereits stolz gezeigt, die Werbeverträge deshalb unterschrieben und die Sieger mit Ruhm, Ehre und Privilegien im jeweiligen Land bedacht worden.
Die manchmal unaussprechlichen Namen der Olympioniken und der Edelmetallgewinner sind dann für viele Zuschauer von jetzt zu Schall und Rauch geworden. Wer vermag sich daran noch an sie zu erinnern?
Genauso ist es jenen Teilnehmern vor 4 Jahren in Peking ergangen. Ihre Namen wurden oft genannt, dennoch sind sie inzwischen in Vergessenheit geraten. So auch jene, die in Peking einst für die Mehrzahl der olympischen Goldmedaillen gesorgt hatten, nämlich die Deutsche Reiterequipe.
Dazu stand seiner Zeit in der Ausgabe 34 / 2008 des Hamburger Nachrichtenmagazin " DER SPIEGEL " zu lesen:

" Die Spiele der Reiter scheinen auf einem anderen Planeten stattzufinden: Es gibt keinen Smog in Hongkong, das Internet ist frei - und die deutsche Equipe gewinnt sogar mehr Gold als erwartet.

Nachts um fünf vor zwei Uhr kommen die Sieger in die Scene Bar, sie liegt im Erdgeschoss des Regal Riverside Hotels in Hongkong, die Bässe hämmern, das Tsingtao-Bier kreist, als Heike Kemmer und Nadine Capellmann unter rhythmischem Klatschen auf eine kleine Bühne steigen. Sie haben vor drei Stunden die Team-Goldmedaille im Dressurreiten gewonnen, zusammen mit Isabell Werth, die noch beim Doping-Test ist. Es ist das dritte Gold für Deutschland im dritten Reitwettbewerb. Und jetzt wird gefeiert.

Aus den Boxen dröhnen die Bee Gees, "You Win Again", auf der Bühne steht der Bundestrainer der Springreiter hinterm Keyboard, Kurt Gravemeier simuliert ein Solo, seine Augen sind rot unterlaufen, die Haare stehen wirr vom Kopf ab. Die Musik wechselt zu 50 Cent, und Hinrich Romeike, der Doppel-Olympiasieger im Vielseitigkeitsreiten, tanzt oben auf dem Podium HipHop."

- Zitatende - aus: " Galopp und HipHop " von Maik Großekathöfer in: " DER SPIEGEL ", Nr. 34 / 2008 vom 18.08.2008, S. 116

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-59099383.html

Dass die Reiter, ob nun proefesionell, semi-professionell oder amateurhaft agierend, auch viel vom Feiern verstehen, dürfte als bekannt vorausgesetzt werden. Tatsächlich sind sie allesamt ab einem Alter von 16 Plus auch dem Alkohol nicht abgeneigt, dessen übermäßiger Genuss im Verlaufe der reiterlichen Festivitäten dazu führt, dass jene in oft wilden Orgien ausufern. Häufig wird auch dabei vergessen, mit welchem Partner der Pferdefreund oder die Pferdenärrin den Festort betreten hat. Selbst der König der Springreiter Paul Schockemöhle schien in dieser Hinsicht manchmal Orientierungsprobleme gehabt zu haben, als er - noch jünger und knackiger -dabei Pferde - sowie Partnertausch mit einander verwechselnd, plötzlich eine andere Stute ritt. Der bundesdeutschen Reiterei tat auch dieser gewollte Fehltritt keinen Abbruch, denn sie dominiert seit Jahrzehnten das olympische Geschehen im Parcours, Dressureck sowie Gelände.

Der " SPIEGEL " - Journalist hält die " Reiter - Sause " bis zum Schluss durch und berichtet deshalb:

" Unten lassen Funktionäre, Ehemänner und Freunde im Takt die Arme fliegen, nur der frühere Springreiter Paul Schockemöhle hält sich am Pils fest, neben ihm schüttelt eine Blondine ihr pralles Dekolleté. Der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung klopft seinem Generalsekretär auf die Schulter, als wäre er ein Hannoveraner-Hengst. Romeike hat inzwischen eine Plastiktüte auf dem Kopf. Um halb drei ist endlich auch Isabell Werth da, es ertönt "Wir sind die goldenen Reiter", die neue Version eines alten Hits von Joachim Witt. Die Equipe hat das Lied vor den Spielen aufgenommen, und Gravemeier schwingt das Mikrofonkabel wie ein Lasso. Schluss ist erst, als draußen schon der Freitagmorgen graut."

- Zitatende - aus: a.a.O., S. 116

Tatsächlich erkennt Maik Großekathöfer denn auch, dass zwischen den profanen Wettkämpfen in den übrigen Disziplinen und denen, die mit dem Pferdesport etwas gemeinsam haben, auch in Peking himmelweite Unterschiede vorliegen:
"Es gibt zwei olympische Welten bei diesen Spielen, es gibt die Welt in Peking und jene in Hongkong, und sie könnten nicht unterschiedlicher sein.
In Peking ist der Himmel grau und die Luft schmutzig, überall Polizei, Militär, Absperrungen, in Peking geht der Deutschland-Achter unter, die Pistolenschützen treffen nicht, und der Turner Fabian Hambüchen patzt mit der Mannschaft und im Mehrkampf, in Peking enttäuschen die Boxer, die Schwimmer außer Britta Steffen, die Radfahrer, und in der Leichtathletik gehen die Hoffnungen in den nächsten Tagen gegen Null.

In Hongkong strahlt die Sonne, Palmen wiegen sich im Wind, man kann das Meer riechen und die Homepage von Amnesty International aufrufen. Die Ordner sprechen perfekt Englisch. In Hongkong, beim Reiten, übertreffen die Deutschen die Gewinnprognose, und sie können diese Woche noch dreimal Gold holen. In Hongkong, im duftenden Hafen, ist Deutschland ein Land des Lächelns."

- Zitatende - aus: a.a.O., S. 116/117

Damals gab es einen Olympiasieger mit dem Namen Hinrich Romeike aus Rensburg, einen Halb-Profi, der hauptberuflich Zahnarzt ist und wohl am ehesten dem Olympischen Gedanken des Pierre de Coubertin, wie er bei der Gründung des Internationale Olympischen Komitees noch getragen wurde, entspricht. Aber auch ein eigentlicher Amateur, der aber nach den heutigen Möglichkeiten der Sportausübung wohl eher als semi-professionell arbeitend einzustufen ist, kann die Phalanx der Deuteschen Reiterei bei Olympia gut vertreten. Romeike ist 2012 in London nicht dabei, weil sein Erfolgspferd " Marius " verletzungsbedingt nicht mehr zu der damaligen Leistung zurück fand und er dem Wallach das so genannte " Gnadenbrot " gab.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hinrich_Romeike

Obwohl die Deutsche Equipe bei jeder Olympia überaus erfolgreich abschnitt, können auch diese Pferdesportler von den Preisgeldern, die sie danach erhalten, allein nicht leben. So bleiben denn auch viele eher bodenständig, so, wie sie es von ihrer Herkunft gewohnt sind. Die überwiegende Mehrzahl stammt vom Lande und bleibt dort auch - oft ein Leben lang. Erfolgreiche Unternehmer, wie Paul Schockemöhle, der einen riesigen Reitstall unterhält und dazu weitere Firmen, wie eine Spedition, führt, sind da eher die Ausnahme. Die Nähe zum Pferd als eigentlicher Olympionike bleibt deshalb beinahe mystisch. Es wird - wie es auch bei Hobbyreitern häufig der Fall ist - dabei weit vor den übrigen Mitmenschen gestellt.
Deshalb konstatiert der Journalist Großekathöfer auch:
" Die Reiter, sie bilden eine Subkultur bei den Olympischen Spielen. "

- Zitatende - aus: a.a.O., S. 117

Das arrogante Gehabe, das Abgehobene und das Weltfremde beschreibt er indes so:
" Auf der VIP-Terrasse des Stadions lehnt der Präsident des deutschen Dachverbands, Breido Graf zu Rantzau, an einem Stehtisch. Hinter ihm brennt das olympische Feuer. Sein australischer Kollege schüttelt ihm die Hand, gratuliert zum Erfolg seiner Reiter. Rantzau grinst breit. "Heute haben sie in Peking wieder irgendwelche Medaillen gewonnen, im Eierlaufen oder so", sagt er. Er meint das Gold von Benjamin Kleinbrink und Britta Heidemann im Fechten.

Es ist der erste Tag der Team-Dressur, Rantzau hat den Termin für das Interview vorgeschlagen, "weil Dressur so langweilig ist". Es ist nicht ganz klar, was er meint, die deutsche Überlegenheit oder die Disziplin als solche. Gerade reitet ein Japaner Piaffe, Traversale, Passage, und Rantzau sagt: "Der krebst da nur bei 58 Prozent rum." Auf der Anzeigetafel werden dem Publikum die Regeln erklärt, auf der Tribüne sind ein paar einheimische Zuschauer eingeschlafen, in den Katakomben drängen sie sich vorm Fernseher und gucken Volleyball, China gegen Kuba. "

Ann Kathrin Linsenhoff kommt an den Tisch, sie hat 1988 bei den Spielen in Seoul Gold in der Team-Dressur gewonnen. Ihr Handy piept, eine SMS: Der Lufthansa-Chef ist von Montag bis Mittwoch in Hongkong, er will Karten. "Montag wäre ideal", sagt Rantzau, "da findet das Mannschaftsspringen statt, da sind wir Favorit, da kann er richtig was erleben."

- Zitatende - aus. a.a.O.. S. 117



Das aufgeblasene Getue kommt nicht von ungefähr, denn die Deutschen Reiter haben bei Olympischen Spielen 79 Medaillen gewonnen, davon 37-mal Gold. Der Grund hierfür ist bestens bekannt, auch im Ausland: "Der Erfolg basiert auf der Pferdezucht, die Hälfte der Pferde, die in Hongkong sind, kommen aus Deutschland. "Deutsche Pferde sind im Ausland beliebter als deutsche Ingenieure", sagt Rantzau. "Und unsere Reitausbildung, unsere Trainer - da setzen wir Maßstäbe."

- Zitatende - aus: a.a.O., S. 117

So stellt der " SPIEGEL " - Redakteur denn zum Schluss seines Artikels fest, dass die Reiterei auch was mit Feierei, weniger mit Geld, aber dafür mit Naturverbundeheit zu tun hat und ein erfolgreicher Unternehmer auf dem Gebiet des Pferdesports  in jedem Fall selbst ein erfolgreicher Reiter sein sollte, in dem er schreibt:

" Der sportliche Direktor schaut vorbei, er hat eine hässliche Schramme am Oberarm, da stand eine Mauer im Weg Dienstagnacht, nachdem man Romeikes Siege gefeiert hat.

Am nächsten Morgen um acht Uhr untersuchen Tierärzte in roten Jacketts die Springpferde. Auf dem Weg Richtung Stall steht der Brasilianer Alvaro Alfonso de Miranda Neto im Schatten, der Ehemann von Athina Onassis. Sein Pferd lahmt, er kann nicht starten, seine Frau, die Milliarden-Erbin, ist wahrscheinlich einkaufen.

Ludger Beerbaum und sein westfälischer Wallach haben die Prüfung schon hinter sich. Beerbaum kommt aus dem Stall, in weißem T-Shirt und schwarzer Trainingshose, er ist groß und schlank und behauptet von sich, er sei nicht ehrgeizig, sondern besessen. "Das liegt in der Familie", sagt er im Athleten-Bistro. "In keinem Land kann ich meine Besessenheit besser ausleben als in Deutschland. In Italien würde sie mir nichts nutzen. Die Möglichkeiten, die wir haben, sind einmalig. Deswegen sind wir aber auch verdammt dazu, im Team-Springen was zu holen."
Beerbaum ist Unternehmer, er hat einen Reitstall mit 14 Mitarbeitern und 70 Pferden, er macht zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr. Morgens geht er anderthalb Stunden ins Büro, dann reitet er den ganzen Tag, dann geht er wieder ins Büro. Er liebt die Natur, Großstädte sind nichts für ihn. Gestern ist er zum Interview beim chinesischen Staatsfernsehen gefahren, "diese vielen Menschen hier auf den Straßen, 40 Leute im Fahrstuhl, 20 sprechen ins Handy - wenn ich hier leben müsste, furchtbar", sagt Beerbaum und schlägt die Hand vor die Stirn.
Beerbaum war Fahnenträger 2004 in Athen, er findet es nicht gut, dass die Reiter in Hongkong sind, er wäre lieber auch in Peking. "Ich hätte gern mal Roger Federer gesehen und Kobe Bryant", sagt er. "Ich würde mich gern mit Dirk Nowitzki unterhalten. Die Chinesen kriegen doch sonst alles hin, warum haben sie es nicht geschafft, uns nach Peking zu holen? Es ist ein Jammer."

Es gibt auch in Hongkong ein olympisches Dorf, aber dort sind nur zwei deutsche Reiter abgestiegen, die anderen wohnen im Hotel, weil ihre Partner nicht im Dorf übernachten dürfen. Und Alkohol bekommt man dort auch nicht. "
- Zitatende - aus: a.a.O., S. 117

Die ersten beiden Goldmedaillen bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London gewann für die bundesrepublikanische Mannschaft ein gewisser Michael Jung ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag. Er sieht zwar nicht danach aus, denn seine Halbglatze macht ihn mindestens um 10 bis 15 Jahre älter, aber er ist..... Richtig: Vielseitigkeitsreiter. Und da der Erfolg durch eine Olympische Bronzemedaille für die aus Ganderkesee stammende Sandra Auffahrt im Einzelwettbewerb noch komplettiert wurde, war auch klar, wer die beste Mannschaft stellte und damit Gold holte. Die " Goldenen Reiter " setzen das fort, was auch vor 4 Jahren vom Journalisten Maik Großekathöfer beschrieben wurde: " Heute haben sie in  Peking ( ( London ) wieder irgendwelche Medaillen gewonnen, im Eierlaufen oder so. " Immerhin, gab es davor schon eine Silberne für die seit Freitag erfolglosen BRD-Olympioniken durch Britta Heidemann im Fechten, so würden die arroganten und abgehobenen Funktionäre der Reiterei noch behaupten, sie hätten für das Vaterland in London die Ehre gerettet. Bei der Suche nach dem Sieger der spöttisch kreierten Disziplin im Eierlaufen sind sie damals jedenfalls auch nicht fündig geworden. Ist auch besser so!






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