Bei Werder Bremen wackelt die Wand
Nun ist er vorbei, der in kastrierter Form absolvierte 24. Spieltag der ersten Fußballbundesliga. Er brachte die erhellende Erkenntnis, dass außer dem FC Augsburg kein einziger nebenher existierender Klub den großen FC Bayern München ärgern kann. Nicht einmal die Borussia aus Dortmund im angeblich schönsten Stadion Deutschlands. So bleibt dann doch alles beim Alten. Die Meisterschale kommt erneut dorthin, wo sie hingehört ( O - Ton Hoeneß ).
Das war vor einigen Dekaden nicht immer so. Da durften der BVB aus Dortmund, der VFL Wolfsburg, der VFB Stuttgart, der 1. FC Kaiserslautern oder der Hamburger SV und mein SV Werder aus Bremen die Bayern ab und an herausfordern und sogar besiegen. Das gelang zuletzt Bayer 04 Leverkusen.
Aktuell sind - mit Ausnahme des BVB all jene Vereine weit abgeschlagen, wobei die Nordklubs eher gegen den Abstieg und der 1. FC Kaiserslautern in der ungeliebten zweiten Liga kämpfen
Hach, was waren das noch für wunderbare Erlebnisse, wenn die Bayern in diesen Stadien nicht immer als klarer Sieger heraus gingen.
Zu den einst ernst zu nehmenden Konkurrenten zählte nach dem Wiederaufstieg 1981 der SV Werder Bremen. Er bot nicht nur den mit dominierenden Rivalen aus Hamburg, dem HSV, sonder ebenso dem FC Bayern München Paroli. Und dieses über viele Jahre lang.
Der Trainer Otto Rehhagel formte aus eher durchschnittlichen Spielern sowie einer Mischung aus Routiniers mit jungen Talenten in seiner Ära eine Mannschaft mit internationalen Format. In der erfolgreichsten Zeit des norddeutschen Traditionsklubs musste der SVW jedoch eine Vielzahl von Topspielern regelmäßig an wirtschaftlich besser aufgestellte Konkurrenten im In - und Ausland abgegeben werden, weshalb Werder Bremen nicht ständig um die deutsche Fußballmeisterschaft mitspielen konnte. Dennoch: Der von Otto Rehhagel geprägte Fußball war durchaus erfolgreich und ließ den Verein häufig auf europäischer Ebene antreten.
In der Rehhagel - Ära strömten Hunderttausende zu den unzähligen Spielen in das Bremer Weserstadion. Die Begeisterung war derart groß, dass das ehemalige Gesangsduo Klaus & Klaus den aus dem Irischen stammenden Gassenhauer " The Wild Rover ", den es in " An der Nordseeküste " textlich in das Deutsche umformte, nunmehr mit " Ja, bei Werder Bremen " ab 1985 / 1986 abwandelte. Das Lied schallte regelmäßig bei den Heimspielen aus der noch technisch eher unzureichenden Lautsprecheranlage des Weserstadions.
Da die Meiden schon damals für erfolgreiche Vereine ein besonderes Faible entwickelten, waren unter anderen das ZDF mit seinem einst tätigen Kommentator Rolf Töpperwien ein Dauergast in der Arena. Internationale Spiel wurden vormals wie selbstverständlich live übertragen. Dass der Fußball sich in dem Zeitraum von 1981 bis 1995 längst zum einer reinem Kommerzveranstaltung verändert hatte, wusste auch Otto Rehhagel- Er wechselte die Vereinsfarben und versuchte sich bis 1996 bei dem von dem Duo Hoeneß / Rummenigge geformten FC Bayern München. Ohne Erfolg.
Erfolglos agierte auch der Nachfolger Aad de Mos bei den Grün - Weißen. Nach nur 7 Monaten musste der Niederländer seinen Hut nehmen und hatte den Platz für den Dresdner Hans - Jürgen " Dixie " Dörner zu überlassen. Dem gelang es, die von de Mos hinterlassene chaotische Mannschaftsstruktur einigermaßen zu sortieren sowie den drohenden Abstieg zu vermeiden.
Nach gut 1 1/2 Jahren war auch für " Dixie " Dörner bei Werder Feierabend. Das Trainer - Karussell drehte sich danach noch schneller. Es folgten Versuche mit Wolfgang Sidka ( einem Ex - Profi ) sowie Felix Magath, ehe der einstige Werder - Berufsfußballer Thomas Schaaf das Zepter in die Hand nahm.
Der agierte als Chefcoach von Mai 1999 bis Mai 2013. Und dieses sehr erfolgreich.
Eher mit Abstiegssorgen hatten sich seine Nachfolger, nämlich Robin Dutt, Victor Skripnik, Alexander Nouri sowie Florian Kohfeldt zu befassen. Der Verein musste folgerichtig in der Spielzeit 2020 / 2021 ( vor allem wohl wegen der Corona - Beschränkungen ) die erste Liga für ein Jahr verlassen. Die kürzeste Zeit als Werder - Trainer konnte bislang Markus Anfang verbuchen. Er stolperte über einen gefälschten Corona - Test und musste nach 5 Monaten gehen.
Sein Nachfolger Ole Werner führte den Klub nach einer Saison aus der 2. Liga zurück in die Beletage des deutschen Fußballs. Auch er wurde nach knapp 3 1/2 Jahren freigestellt und durch Horst Steffen ersetzt, der wiederum nach nur 7 Monaten wieder ergehen durfte.
Nun soll es der Ex - Profi Daniel Thioune richten. Dessen Bilanz sieht nach vier Spielen eher durchwachsen aus. Nach einem 0:1 in Leverkusen folgte - wie nicht anders zu erwarten - ein 0:3 im Heimspiel gegen Bayern München, als ein 1:2 in Hamburg beim FC St, Pauli, der sich ebenfalls im Abstiegsstrudel befindet. Ein erlösendes 2:0 gegen den Tabellenletzten 1. FC Heidenheim beendete schließlich die Negativserie von bis dato 13 nicht gewonnen Spielen.
Nun, ja, ein kleiner Lichtblick bei den Grün - Weißen. Die mehr als nur unzufriedenen Fans zeigten sich dabei versöhnlich und suchten den Schulterschluss mit der Mannschaft. Immerhin ein erforderlicher Schritt in Richtung erfolgreicher Abstiegskampf.
Und so wackelt die Wand bei Werder Bremen 40 Jahre nach der Saison 1985 / 1986, 30 Jahre nach dem Ende der Rehhagel - Erfolgszeit sowie 22 Jahre nach dem Gewinn der letzten Bundesligameisterschaft erneut. Allerdings wegen eines immer noch drohenden Abstiegs in die ungeliebte Zweite.
https://www.werder.de/der-svw/historie/alle-werder-trainer/

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