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Dienstag, 31. Juli 2012

Bernhard Schlink´s " Der Vorleser ", ein Stück Zeitgeschichte in drei Episoden.


Der ausgebildete Jurist sollte zunächst eins sein: ein Generalist. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass er seine Nase immer und ewig in die Angelegenheiten anderer Leute hinein stecken muss. Kraft langer und nicht ganz leichter, oft auch langsamer Ausbildung könnte er eines guten Tages zu der erhellenden Erkenntnis kommen, dass die Juristerei ( insbesondere die Paragrafenreiterei ) eintönig, öde und häufig auch lebensfremd sein kann.
So entfernt sich mancher Volljurist - nicht selten - aus dem profanen Metier der Rechtsanwendung und widmet sich der Muse der Schreib - und Dichtkunst.
Ein weltbekannter Vertreter aus der Kategorie der Dichterjuristen war beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe; einer aus dem Bereich der vielen schritstellernden Rechtsgelehrten ist Berhard Schlink.


Als Bernhard Schlink, geboren am 6. Juli 1944 in der Nähe von Bielefeld, seinen Roman " Der Vorleser " schrieb, sind bei ihm sicherlich die allgemeineren Grundlagen seiner juristischen Ausbildung in den Vordergrund getreten. Er versieht die Haupthandlung, die ja eine - eigentlich verbotene - Liebesbeziehung zwischen einer 36 Jahre alten Bahnangestellten mit dem Namen Hanna Schmitz und dem 15 Jahre alten Schüler Michael Berg mit historisch belasteten Nebenhandlungen, wie einem Kriegsverbrecherprozess, in dem dann Hanna als SS-Frau des 300 - fachen Mordes angeklagt und verurteilt wird, einem Besuch in dem KZ Auschwitz und den verlogenen Entnazifizierungsversuche der 50er und  60er Jahre. Dass daneben die verspießte Gesellschaft in der Nachkriegsära unter der Ägide des Katholiken Adenauer im westdeutschen Wirtschaftswunderland auch mit eingeflochten wird, ergibt sich bereits aus den Rückblenden auf die Jugendzeit des Schülers Berg.

Der Autor erzählt in der Ich-Form, was den Roman eine gewisse Spannung gibt. " Der Vorleser " aus dem Jahr 1995 wurde ein internationaler Erfolg und konnte in vielen Sprachen übersetzt werden. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte auch sein, dass sich der Verfasser Bernhard Schlink kritisch - distanziert zu jener NS-Zeit gibt und er die verbotenen Liebesbeziehung von einst, auch über 20 Jahre nach ihrer abrupten Beendigung durch den Wegzug der Hauptperson Hanna Schmitz, nicht mit einem Happy End beenden lässt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vorleser



Als ich das Buch vor nahezu 16 Jahren auf meinen Geburtstagstisch legte und es später in mein eher spärlich bestücktes Bücherregal stellte, konnte ich nicht wissen, dass der Bestseller 2008 verfilmt werden würde. Erst die Nachrichten über die Filmarbeiten, brachten mich dazu es im Mai 2009 während eines Kroatienurlaubs wieder heraus zu nehmen. Ich las den Roman innerhalb eines Tages durch und schämte mich gegenüber meiner besseren und weit aus Literatur beleseneren Hälfte, dass ich das Schlink´sche Werk bislang verschmäht hatte.

Nun, der Film startete im Dezember 2008 in den Kinos der USA und wurde im Februar 2009 auch in der Bundesrepublik aufgeführt. Mit einem durchaus beachtlichen Erfolg, denn die Hauptdarstellerin Kate Winslet bekam für die Rolle der Hanna Schmitz einen Oscar.

Als der Kinofilm am 30. Juli 2012 von der ARD ab 20.15 Uhr zur besten Sendezeit ausgestrahlt wurde, musste er mit der ZDF-Olympiaübertragung konkurrieren und holte sich mit über 4,4 Millionen Zuschauer die Goldmedaille.
Der Film war indes in den USA nicht unumstritten. Einige jüdische Kritiker hielten ihn für verharmlosend und interpretierten in die Filmhandlung, den Versuch hinein, die Ermordung der jüdischen Bevölkerung relativieren zu wollen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vorleser_(Film)#Kritik_und_Kontroversen

Vielleicht liegt es an dem vorzunehmenden Spagat, den ein Regisseur ständig vorzunehmen hat, wenn er einen exzellent geschriebenen Roman als Drehbuchvorlage so zu verändern hat, dass die Filmhandlung noch schlüssig erscheint. Leider gelingt diese Verrenkung nicht immer. So auch in dem Kinofilm " Der Vorleser ", der deutlich an Qualität im Vergleich zu dem Roman von Berhanrd Schlink verliert. Leider kommen auch die übrigen Darsteller nicht annähernd in den schauspielerischen Bereich von Kate Winslet. Vielleicht liegt es daran, dass in die Handlungsstränge und bei den Zeitsprüngen oder Rückblenden eben jene historischen Gegebenheiten nur angedeutet werden. Andererseits setzt das Werk von Bernhard Schlink erhebliche geschichtliche Grundkenntnisse voraus, die in dem Film nicht eingebracht werden konnten, weil die Gesamthandlung dadurch vollkommen zerfasert worden wäre.

Trotzdem hat es sich alle Male gelohnt, die Verfilmung " Der Vorleser " in der ARD zu sehen, denn wenn anspruchsvolleres Kino schon mal zur besten sendezeit ausgestrahlt wird, sollte die öde Olympia-Dauerübertragung in den Hintergrund treten. Weil in der BRD des Jahres 2012 noch nie so wenig gelesen wurde, ist es um so wichtiger zumindest gute Literatur vom Film her zu kennen, damit die flache Allgemeinbildung nicht noch weiter in den Keller sinkt.




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