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Sonntag, 29. Juli 2012

" Der Architekt ", ein Film über das Ende einer Lebenslüge.




 Am Freitag,27. Juli 2012 wurden ja bekanntlich die XXX. Olympisches Sommerspiele der Neuzeit feierlich eröffnet. Mit viel Pomp, Gedöns und Geknalle. Wer sich die 4 stündige ZDF-Übertragungsorgie nicht antun wollte, hatte bis auf einige, wenige Ausnahmen, nur wenig Freude an dem Alternativangebot der übrigen Sender. Zu den sehenswerten Beiträgen an diesem Freitag zählte zweifelsohne " Neue Vahr Süd " von Hermine Huntgeburth und  " Der Architekt ", der auf dem Spartensender Eins Festival gleich im Anschluss danach lief.

Der Film wurde bereits 2008 in den Kinos gezeigt; mit mäßiger Resonanz. Eigentlich schade, denn er handelt von einem Familienkonflikt, wie ein solcher sich in der harten Realität des Lebens hunderttausendfach abspielt. Ein Sozialdrama ohne Happy End, ohne großes Getöse, eher mit leisen Untertönen und mit Darstellern, die auf das sonst übliche egomanische Gehabe vollkommen verzichten.

Georg Winter ( hervorragend dargestellt von dem bayrischen Schauspieler Josef Bierbichler ) ist 58 Jahre alt, lebt in der Hansestadt Hamburg und ist von Beruf ein durchaus erfolgreicher Archtitekt. Kein Schicki-Micki-Spinner mit Archtitektenhaus, Porsche und Designermöbeln, sondern einer von der eher ruhigen, der unscheinbaren Sorte. Seine Frau Eva (Hilde van Mieghem) stammt ebenfalls aus einer Architektenfamilie und zwar aus einer einflussreichen, denn sie hat über ihren Vater Georg auf die Karriereleiter gehievt.

Bei einer öden Preisverleihung irgendwann, irgendwo in Hamburg, kommt es zu einem Eklat als Georg als Preisträger nach einer kurz gehaltenen Rede mit den üblichen Danksagungen die Contenance verliert und Eva´s Vater, der inzwischen schon betagt,nur noch als Gastdozentent an der Universität einige Vorlesungen im Fachbereich Architektur hält, anraunzt. Georg ist sauer, verlässt die Veranstaltung und geht zu Fuss nach Hause. Er wird dann von Eva mit dem PKW eingeholt. Beide betreten anschließend die stilvoll eingerichtete, gemeinsame Wohnung, wo sich Georg einige Whisky genehmigt und seinen Frust ablässt. Eva erinnert ihn dabei, dass er nur durch ihren Vater und sie zu dem geworden ist, was er heute darstellt. Georg hat sich derart in Rage geredet und echauffiert, dass er wegen seiner Herzerkrankung einen Schwächeanfall im Bad erleidet und zu Medikamenten greifen muss.

Einige Zeit danach erscheint Eva auf der Baustelle und teilt Georg mit, dass seine in Österreich lebende Mutter verstorben sei. Georg hat sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Angeblich sei die Beziehung zwischen ihnen nach dem Tod seines Vaters völlig zerrüttet. Eva, die mit einen Akzent sprich ( Hilde van Mieghem ist ja gebürtige Belgierin ) erinnert ihren Mann an seine familiären Wurzeln und appelliert an dessen Gewissen. Georg lässt sich schließlich breit schlagen und fährt zusammen mit den beiden erwachsenen Kindern Reh (Sandra Hüller) und Jan (Matthias Schweighöfer) zur Beerdigung seiner Mutter in die Alpen.

Während der Fahrt wird Georg abgelenkt und begeht einen Fehler, wodurch der PKW ( ein Mittelklasse- BMW ) von der Straße abkommt und in einen Schnee bedeckten Weg abdriftet. Da das Fahrzeug keine Winterreifen aufgezogen bekommen hat, nur Heckantrieb besitzt, bleibt es im Meter hohen Schnee stecken. Die Familie steigt aus und geht den restlichen Weg in das abgelegenen Bergdorf zu Fuss. Das kleine Örtchen inmitten der Tiroler Alpen zeigt deutlich, dass die dort vorhandenen Strukturen auch einige Dekaden nach dem Weggang von Georg noch vollkommen intakt sind. Es gibt die Respektspersonen, den Bürgermeister, den Pfarrer, den selbstständig Schreiner und weitere Bewohner, die sich aus der sonstigen Armut los lösen konnten. Georg´s Mutter hatte dieses zu Lebzeiten nicht mehr geschafft. Sie bewohnte ein kleines Holzhaus, in dessen Innersten die Zeit stehen geblieben ist.
Einfache Wohnverhältnisse, die durch Hand gemachte Möbel, veraltete sanitäre Einrichtungen und dunkle Zimmer. Die beiden erwachsenen Kinder der Winters kommen mit den Verhältnissen in der Tiroler Einöde eher schlecht als recht klar.

Eva versucht das Haus ein wenig wohnlich zu gestalten und räumt auf. Dabei bemerkt sie in den geführten Gesprächen, dass Georg sich noch weiter von ihr entfernt. Er isoliert sich zunehmend. Als Eva ihn in der Nacht zum Sex verführen möchte, stößt ihr Mann sie mit einem eruptiven Ausbruch weg. Eva befriedigt sich selbst und schläft ein. Georg trifft beim Heruntergehen in die Stube des mütterlichen Hauses die Tochter und beginnt von seiner Jugend zu erzählen. Er zeigt Reh Alben und Fotos aus jenen Tagen, verklärt dabei aber nicht die Vergangenheit. Spätestens hier wird deutlich, dass Georg ein emotionaler Mensch ist. Er nimmt seine Tochter in den Arm, drückt sie fest an sich heran; ob es zu inzestiösen Handlungen kommt verschweigt der Film indes.

Am Tag der Beerdigung geht er der mysteriösen Hannah (Sophie Rois) und ihrem Sohn Alex (Lucas Zolgar) auffällig aus dem Weg. Als Eva ihn deswegen anspricht, leugnet Georg, sie näher zu kennen. Auch beim Leichenschmaus und sträubt er sich, Hannah Beachtung zu schenken. Mit seiner Weigerung, die offensichtlich unaufgeklärte Vergangenheit seiner Familie zu erläutern, eckt er an. Als Hannah ihn eher zufällig an der Tankstelle trifft, führen beide ein eher belangloses Gespräch. Georg erklärt ihr, dass er Winterreifen hat aufziehen lassen müssen. Sie erwartet jedoch etwas völlig anderes von ihm. Hannah betreibt ein kleines Geschäft, zu dem Georg sie begleitet, um eher aus Verlegenheit ein Tüte Milch zu kaufen. Georg möchte den unfreiwilligen Aufenthalt beenden. Nachdem das Fahrzeug startklar ist, lädt er seine Frau und die beiden Kinder ein und fährt los. Ein Lawinenabgang hat jedoch die einzige Zufahrtsstraße blockiert, so dass die Familie wieder umkehren muss.

Sie kehren in das einzige Gasthaus im Ort ein, um dort zu Essen. Bei der Bestellung gerät Georg in einen Disput mit der, sie bedienenden Betreiberin, die ihn offensichtlich aus vergangenen Tagen noch kennt und hasst. Georg steigert sich in das Streitgespräch hinein, wird nur kurz von Eva beruhigt und verlässt wütend das Lokal, als ihr die dumm-dreiste Wirtin seinen Speisewunsch verweigert.
Bedingt durch die Straßensperrung müssen die vier Besucher länger am Ort verweilen, so dass Georg noch Gelegenheit findet, die Grabstätte der Mutter aufzusuchen. Mit dem Steinmetz möchte er die Grabsteinfrage klären und wird dabei überrascht, denn seine Mutter hat dieses bereits zuvor geklärt.

In der Kirche eröffnet der Pfarrer das Testament der verstorbenen Mutter und lüftet damit auch das Geheimnis zwischen Georg und Hannah. Beide hatten vor mehr als zwei Jahrzehnten ein Verhältnis. Aus der Liason ist der Sohn Alex hervor gegangen, der nun wiederum der Haupterbe nach der Mutter wird; während Georg nur seinen Pflichtteil erhält. Ein Eklat ist damit vorprogrammiert. es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Eva und Georg; auch die beiden Kinder wenden sich von ihm ab. Der Sohn wirft ihm vor, dass er ein Lügner und nie sein Vater gewesen sei; seine Tochter stößt ihn von sich und Eva erklärt ihm, dass er sie wohl nie geliebt habe. Er bejaht diesen Vorwurf und kränkt sie mit der Feststellung, dass er sie aber doch geheiratet habe.

Als die Familie dann endgültig abfahren will, bekommt Georg auf der Toilette der Tankstelle einen weiteren Schwächeanfall. Dieses Mal wirft er keine Pillen ein. Er geht durch die Seitentür der Tankstelle hinaus und durchquert ein tief verschneites Feld. Die übrigen Drei sehen ihm wortlos nach und fahren von der Tankstelle in Richtung Straße, während Georg in den Ort zurück gehen will. Einige Kilometer weiter bricht er in einem Schneehaufen am Straßenrand tot zusammen.


Der Film hat deshalb kein Happy End, weil er eine kritische Sozialstudie herüber bringen möchte,denn
die Winters sind eine gutbürgerliche Familie, wie sie im Buche steht. Zwar verfügen sie über materiellen Wohlstand, emotional sind sie aber voneinander entfremdet. Während Tochter Reh als angehende Konzertviolinistin der ganze Stolz des Vaters ist, hat dieser für den nichtsnutzigen Sohn nur wenig übrig. Mutter Anna ertränkt ihren sexuellen Frust und die mangelnde Aufmerksamkeit ihres Gatten mit reichlich Alkohol. Obwohl die Figuren gewollt stereotype Züge tragen, gelingt es den Schauspielern immer wieder emotional dichte Augenblicke zu schaffen, die angenehm unkonstruiert wirken. Besonders unauffällige Szenen wie der Leichenschmaus oder der Besuch im Haus der Mutter erzählen geradezu beiläufig von den zwischenmenschlichen Beziehungen der Familienmitglieder. Dementsprechend sind auch die leisen Dialoge, wie etwa zwischen Rois und Bierbichler, am intensivsten, während die theatralischen Gefühlsausbrüche von Hüller und Mieghem eher gewollt wirken. Georg wird von Josef Bierbichler so gespielt, wie es einem frustrierten, jedoch funktionierenden Erfolgsmenschen geziemt: als typischer Grandler, wie ihn der unvergessene Weltklassetrainer Ernst Happel hätte nicht besser darstellen können.

Um seine Illusionen beraubt, die einstige Jugendliebe Hannah vergessen wollend und dabei die Herkunft verleugnend, begibt sich Georg in die verlogene Scheinwelt des spießigen hanseatischen Großbürgertums und geht daran zu Grunde. Erst als Georg in seinen Geburtsort zurückkehrt, wird er mit den wahren Lebenskampf wieder konfrontiert, in einem Milieu, aus dem er einst geflohen war - aus der materiellen Armut eben. Neben dem abgeschiedenen Schauplatz verdeutlicht Regisseurin Weisse die Isolation und Verlorenheit der Figuren auch mehrmals, indem sie ihre Darsteller alleine und unter großer Anstrengung durch den hohen Schnee stapfen lässt. Im Gegensatz zu solchen beschwerlichen Bildern gelingen der Regisseurin andererseits immer wieder Augenblicke voller subtilen Humors. Im besten Fall wird daraus eine kabarettistische Höchstleistung wie die Essensbestellung im örtlichen Wirtshaus. Mit einer grandios unterkühlten und zickigen Maria Hofstätter als Bedienung entspinnt sich hier ein absurder Dialog über Speisekartenbürokratie und dem darüber intendierten Fremdenhass auf alle Personen, die nicht Einheimische sind und auch keine Tiroler.
Mit einer Familie in einer Extremsituation verfügt " Der Architekt " über die besten Voraussetzungen für ein wirkungsvolles Kammerspiel. Im Verlauf des Films lässt die Regisseurin Ina Weisse ihre Figuren jedoch zunehmend mit ihrem Schmerz allein, anstatt sie miteinander zu konfrontieren. Dieses ist wohl so gewollt, um die längst vorhandene Zwangslage aller vier Beteiligten, miteinander auskommen zu müssen, zu verdeutlichen. Zwar entgeht dem Film damit reichlich Konfliktpotenzial, was sich vor allem darin zeigt, dass die Handlung gegen Ende erheblich an Dynamik verliert, aber die kalte Businesswelt, die mit dem Sprung auf der Karriereleiter einhergeht, lässt keinen andere Darstellung zu.
Ein exzellent verfilmtes Stück Sozialgeschichte im III. Jahrtausend, innerhalb einer verlogenen Scheinwelt aus Materialismus, Egoismus sowie geheuchelter Zufriedenheit, aus der sich der Hauptdarsteller nicht ganz unfreiwillig über den einsamen Tod endgültig verabschiedet.

Darsteller/Regie


Georg Winter        Josef Bierbichler

Eva Winter            Hilde van Mieghem

Jan                        Matthias Schweighöfer

Reh                       Sandra Hüller

Hannah                 Sophie Rois

Alex                      Lucas Zolgar


Regie                    Ina Weisse

Kamera                Carl F. Koschnick

Drehbuch              Ina Weisse, Daphne Charizani

Musik                   Anette Focks



Da kann der TV-Glotzer schon mal sämtlichen Wiederholungsbrei, die Olympia-Dauerberieselung und den sonstigen Brüll-Müll-Schund getrost vergessen und dieses als billigen Versuch, auf dem Sender zu bleiben mit einem süffisanten Lächeln quittieren. Solche Filme sind es wert, sie mehrfach zu genießen.

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