Haftung für externe Links - Datenschutz

Hinweis und Belehrung

Aus gegebenen Anlass erkläre ich hier durch, dass eine rechtliche Haftung für den Inhalt externer Links - unter Anwendung der bundesdeutschen Gesetze und der Rechtsprechung - ausgeschlossen ist. Ich distanziere mich ausdrücklich von Inhalten, die mittels Verlinkung in meinen Veröffentlichungen eingebettet werden und möglicher Weise gegen Rechtsvorschriften verstoßen könnten.

Da die Verwendung von so genannten Cookies auf diesem Blog nicht erfolgt, schließe ich auch die Haftung - aus welchen Rechtsgründen auch immer - ausdrücklich aus.

Beiträge mit strafrechtlich relevanten Inhalt, wie beispielsweise Volksverhetzung, Beleidigung, üble Nachrede, Bedrohung sowie das Verwenden von verfassungsfeindlicher Symbolik, werden unangekündigt gelöscht und den zuständigen Ermittlungsbehörden zur Kenntnis geleitet.

Sonntag, 15. Juli 2012

Jazz - Lyrik - Prosa, eine gelungene Kombination,um den einst Herrschenden auf´s Maul zu schaun´.


Die Ödnis des Sommer-Fernsehprogramms - insbesondere bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten - zwingt den anspruchsvolleren Glotzer oft, die Kiste einfach abzuschalten, erst gar nicht anzumachen oder spätestens nach dem Ende der " Tagesschau " das " on-off " Knöpfchen zu drücken.
Die Jahr für Jahr wieder kehrenden, elenden Orgien, in denen uns die Sender versuchen, den de facto nicht vorhandenen Sommer, weiter einzutrüben, indem sie sich wahre Quotenschlachten um das x-Mal Gesehene liefern, haben jedoch auch eine gute Seite.
Ab und zu erstrahlt auf ein Beitrag aus längst vergangenen Zeiten wieder in das Pantoffelkino des daheim gebliebenen Durchschnittsmichels, der durchaus einer Wiederholung wert ist.

So brachte das Spartenprogramm N3 - während sich in der ARD der Hinterlader Hansi mit seiner Heimatmelodie-Verblödungssendung bei der Generation unter 90 Jahre einschleimte und das ZDF eine wiederholte Folge der Krimi-Serie " Der Alte ausstrahlte - einen Tatort mit Manfred Krug und Charles Braue aus dem Jahr 1999. Krug/Brauer, dass waren ab die Hamburger Kriminalkommissare Paul Stöver und Peter Brockmöller, die ab 1986 bis 2001 rund um die Hansestadt den Kriminellen auf die Spur gingen. Nun, die wiederholte Folge des NDR - " Tatorts " mit dem Titel " Habgier " ist sicherlich nicht eine, die unbedingt aus der Masse der bisher gezeigten " Tatorte " heraus sticht. Sie ist aber ein Beispiel dafür, wie ein Multitalent, als das Manfred Krug sich mit Sicherheit nennen dar, eine Rolle ausfüllt, die er wohl eher zum Broterwerb angenommen hat.

Krug kann nicht nur mehr, als das, was er zusammen mit dem ebenfalls über viele Jahre hinweg ihn begleitenden Charles Brauer, dort zu zeigen im Stande war. Stöver, der Kommissar aus Hamburg und Brockmöller sein hervorragend zu ihm passender Kollege, haben es bis 2001 geschafft, die manchmal eher flauen Drehbücher so darzustellen, dass selbst den eher kritischen Zuschauer ein breites Grinsen über das Gesicht zog, wenn das singende Duo in die Wohnzimmer gesendet wurde. Gut, 1,5 Dekaden sind kein Pappenstil. Ein verdammt lange Zeit für einen Schauspieler, der jedoch viel mehr, als ein solcher ist. Das gilt für Charles Brauer alle Male, das trifft jedoch explizit auf Manfred Krug zu.

Die Folge " Habgier " spielt in einem Kinderheim. In einem Umfeld also, dass häufig nur dann in die Medien gerät, wenn irgendetwas, irgendwo, irgendwie schief läuft. Wenn dort abgestellte Kinder und Jugendliche sich outen, weil sie beispielsweise in so genannten kirchlichen Einrichtungen von den dortigen geistlichen Mitarbeiter missbraucht wurden. So auch im Fall des Hamburger Ermittlerduos.

 Eine Kinderpsychologin wird tot im Wasser aufgefunden. Sie heisst Gabriele Eilbrook. Kurz danach steht fest: Sie wurde ermordet und in einen Hamburger Kanal geworfen. Kommissar Brockmöller ist sichtlich schockiert, denn nur einige Tage vorher hatte er die Frau auf einem Seminar getroffen und schätzen gelernt. Bei ihren Ermittlungen finden er und sein Kollege Stoever bald heraus, dass die Psychologin Gabriele Eilbrook auf der Spur eines Verbrechers war.
Zunächst fokussiert sich ihr Blick auf ein Kinderheim. Dort sind mehrere Kinder untergebracht, die von der ermordeten Psychologin betreut worden waren. Dass der Geschäftsführer dieser Einrichtung sich mittels Abrechnungsmanipulationen selbst bereichert, erfahren die Kommissare nur am Rande. Zwei der Jungen sind René und Axel hüten, jeder für sich ein Geheimnis, das die Ermittler langsam lüften können.

 Beginnt der Tatort „Habgier“ noch mit dem gemächlich-gemütlichen Auftritt von Vogts, der einem Nachbarn sein entlaufenes Kaninchen zurückbringen will, so entwickelt er sich nun zu einem undurchschaubaren Knäuel von Verschwörungen und diversen Verbrechen.
Da ist der mysteriöse Suizid von Renés Schwester, bei dem der undurchsichtige Politiker Heinisch anscheinend seine Finger im Spiel hat. Stoever und Brockmöller glauben, dass Gabriele Eilbrook Dinge über Heinisch wusste, für deren Kenntnis sie schließlich sterben musste.
Auch Gabrieles Patient Axel erscheint mehr und mehr in einem dubiosen Licht. Ein Trauma des Jungen scheint ebenfalls mit dem Mord an der Psychologin zu tun zu haben. Bei der Jagd nach dem Mörder decken Stoever und Brockmöller im Tatort „Habgier“ nebenbei auch noch Straftaten wie Kindesmissbrauch, Versicherungsbetrug und Transfers von Schwarzgeldern auf, bis sie am Ende Berti Vogts beim Tischfußball zuschauen und seiner Philosophie lauschen dürfen.

Das war über 15 Jahre das Brot von Manfred Krug. Er verdiente es sich, weil er mit seiner anderen, seiner eigentlich noch überzeugenderen Seite, als Musiker und Rezensent in der einstigen DDR immer haarscharf am absoluten Berufsverbot vorbei schrammend sowie auch im später wieder vereinigten Deutschland, damit keinen Blumentopf gewinnen konnte. Der musikalische Geschmack der breiten Masse war auch schon damals, vor knapp 50 Jahren ein anderer. Jazz - und Bluesmusik, wie sie Manfred Krug und auch weitere, exzellente DDR-Künstler favorisierten galt bei der Staatsführung als dekadent.
Im Jahre 1962 hatte das DDR-Kulturministerium jegliche öffentliche Beschäftigung mit dem Jazz streng untersagt. Der Musikstil galt bei der Mehrzahl der Kulturdogmatiker als Prototyp der " amerikanischen Unkultur ". ( Diese Wortschöpfung kommt dem historisch Belesenen doch bekannt vor ).

Das auch hier, wie im Goldenen Westen, wo Jazz, Rock´n ´Roll und Beatmusik als " Negermusik " bezeichnet wurde, jene Toleranz nicht vorhanden war, um auch Musik jenseits der von oben her propagierten Kampflied - und Schlagerkultur sich entwickeln zu lassen, dürfte genauso daran gelegen haben, dass hier gewendete Alt-Faschisten das Sagen hatten.

Manfred Krug ließ sich indes nicht verbiegen. Er fühlte sich als Bestandteil, ja er war ein wichtiger Bestandteil, der tatsächlich vorhandenen Gegenkultur. Zusammen mit der Amateur - Dixielandband " Jazz-Optimisten Berlin " trat er ab 1963 regelmäßig bei der Veranstaltungsreihe " Jazz und Lyrik " auf. Manfred Krug´s bereits bestehender Popularität war es unter anderem zu verdanken, dass außer gelegentlichen lauten Warnungen von Seiten des Staatsapparats, die Veranstaltungen dennoch - bis auf die Überwachung durch die Staatssicherheit - keine Repressionen kamen.

So konnte sich eine alternative Kulturszene entwickeln, die sich - unter vorgehaltener Hand - als Sprachrohr der politischen Opposition verstand. Die Folge waren ausverkaufte Veranstaltungen von Rostock bis Suhl. An diesen trat auch der schon damals umstrittene Liedermacher Wolf Biermann auf, dessen Texte indes von den Behörden nicht nur genau unter die Lupe genommen wurden, sondern die teilweise auch der Zensur zum Opfer fielen. Stücke des Künstlers wurden in der Folgezeit - so auch jene, die er in der Veranstaltungsreihe " Jazz - Lyrik - Prosa " vorgetragen wurden - mussten zuvor entschärft werden.

Wolf Biermann findet sich auf der CD " Lyrik - jazz - Prosa ", die einen Zusammenschnitt der Veranstaltungen vom 13.November 1964 und 31. Oktober 1965 in der Kongreßhalle am Berliner Alexanderplatz statt fanden, nicht wieder. Dafür enthält dieser Tonträger Beiträge von anderen Künstlern.



Die Kuh im Propeller

Vorgetragen von Manfred Krug bei "Lyrik, Jazz, Prosa" am 31.10.1965 in der Kongreßhalle am Alexanderplatz, Berlin (DDR)


Ein älterer, aber leicht besoffener Herr


Gerd E. Schäfer: Ein älterer, aber leicht besoffener Herr (Kurt Tucholsky)


Der Hase im Rausch


Eberhard Esche - Der Hase im Rausch


Der Flaschenzug


Berlin 1965 vorgetragen von Manfred Krug





Inhalt der CD Jazz Lyrik Prosa

Mitschnitt einer Veranstaltung vom 31.10.1965 in der Berliner Kongreßhalle



1. Jazz Optimisten Berlin - When It's Sleepy Time Down South



2. Manfred Krug - Die Kuh im Propeller



3. Jazz Optimisten Berlin - Lied der Wolgaschlepper Cover Song



4. Eberhard Esche - Der Hase im Rausch



5. Jazz Optimisten Berlin - My Funny Valentine Cover Song



6. Annekathrin Bürger - Die arme Frau



7. Manfred Krug - We Shall Overcome Cover Song



8. Eberhard Esche - Der Engel



9. Manfred Krug - A Foggy Day (In London Town) Cover Song



10. Gerd E. Schäfer - Ein älterer, aber leicht besoffenener Herr



11. Jazz Optimisten - Berlin Mackie Messer Cover Song



12. Manfred Krug - Der Flaschenzug



13. Jazz Optimisten Berlin - Neuer Abschiedsblues




http://www.amazon.de/Jazz-Lyrik-Prosa-Manfred-Krug/dp/B00000B6YB


Als westseits des " anti-imperialistsichen Schutzwalls " Geborener, ist mir Manfred Krug erst aufgefallen, als er nach seiner so genannten Übersiedlung 1977 im BRD-Fernsehen einige Rollen erhielt. Dass es ihn zuvor als glänzenden Bühnenkünstler gegeben hatte, wusste ich selbst - und dieses trotz der Möglichkeit regelmäßig DDR - Fernsehen zu schauen - damals eben noch nicht.

Die oben benannte CD enthält jedoch nicht nur Krug´sche Darbietungen. Auch die weiteren Künstler sind eine Ohrenweide. So der Initiator Werner Sellhorn, der es sich nicht nehmen ließ, für seine geladenen Gäste auf der Bühne zu werben und sie - wie eigentlich üblich - einzeln dem Publikum vorzustellen.
Der exzellente Rezensent Eberhard Esche, der sich mit seinen Beiträgen " Ode an die Aaalsuppe ", " Anekdote " Der Engel " und  " Der Hase im Rausch " auf der CD verewigt hat.
Aber auch Gerd E. Schäfer, der berlinernde Vortragende, der  " Ein älterer, aber leicht besoffener Herr " wahre Lachsalven im Publikum erzeugt. Nicht zu vergessen, die " Jazz-Optimisten Berlin " und die Sängerin Ruth Hohmann. Allesamt bilden sie ein Ensemble, dass der herrschenden Meinung in Politik und Kultur mit feinen, mit unterschwelligen Beiträgen, richtig auf´s Propagandamaul schlägt.

" Jazz - Lyrik - Prosa " wurde zunächst 1965 bei " AMIGA " als Schallplatten veröffentlicht; 1983 wieder aufgelegt und 1995 bei AMG, einer Tochter des Gütersloher Bertelsmann Konzerns als CD - Compiler auf den Markt gegeben. Die weitere Entwicklung dieser, inzwischen zum Kult gewordenen Veranstaltungsreihe, lässt sich u.a. hier nachlesen:


http://de.wikipedia.org/wiki/Lyrik_%E2%80%93_Jazz_%E2%80%93_Prosa

Nachdem uns Manfred Krug als Kommissar im Vormilleniumsjahr am 14.Juli als " Tatort " - Kommissar wieder begnete, haben wir bei Frühstück am Sonntagmorgen die CD mal wieder eingelegt und uns wunderbar über alte Zeiten unterhalten. Beim " Hase im Rausch " kamen mir die Tränen - vor Lachen:



" Sergej Michalkow







Der Hase im Rausch






Der Igel hatte einst zu seinem Wiegenfeste


den Hasen auch im Kreise seiner Gäste,


und er bewirtete sie alle auf das Beste.


Vielleicht ist’s auch sein Namenstag gewesen,


denn die Bewirtung war besonders auserlesen,


und gradezu in Strömen floß der Wein,


die Nachbarn gossen ihn sich gegenseitig ein.


So kam es denn, daß Meister Lampe bald zu schielen anfing,


er verlor den Halt.


Er konnte nur mit Mühe sich erheben


und sprach die Absicht aus, sich heimwärts zu begeben.


Der Igel war ein sehr besorgter Wirt


und fürchtete, daß sich sein Gast verirrt.


wo willst du hin mit einem solchen Affen?


Du wirst den Weg nach Hause nicht mehr schaffen


und ganz allein im Wald dem Tod entgegengehn,


denn einen Löwen, wild, hat jüngst man dort gesehn.


Dem Hasen schwoll der Kamm, er brüllt in seinem Tran:


Was kann der Löwe mir, bin ich sein Untertan?


Es könnte schließlich sein, daß ich ihn selbst verschlinge,


den Löwen her! Ich fordere ihn vor die Klinge!


Ihr werdet sehen, wie ich den Schelm vertreibe,


die sieben Häute, Stück für Stück, zieh ich ihm ab vom Leibe


und schicke ihn dann nackt nach Afrika zurück.


Und so verließ der Hase also bald das fröhlich laute Fest


und er begann im Wald von einem Stamm zum anderen zu wanken


und brüllt dabei die kühnlichsten Gedanken


laut in die dunkle Nacht hinaus.


Den Löwen werde ich zerzausen,


wir sahn in dem Wald noch ganz andre Tiere hausen


und machten ihnen doch den blutigen Garaus.


Infolge des geräuschvollen Gezeters und des Gebrülls des trunknen Schwerenöters,


der sich mit Mühe durch das Dickicht schlug,


fuhr unser Löwe auf mit einem derben Fluch


und packt den Hasen grob am Kragen.


Du Strohkopf willst es also wagen, mich zu belästigen mit dem Gebrüll


... doch warte mal, halt still! Du scheinst mir ja nach Alkohol zu stinken.


Mit welchem Zeug gelang es dir, dich derart sinnlos zu betrinken?


Sofort verflog der Rausch dem kleinen Tier, er suchte rasch, sich irgendwie zu retten.


Sieh - wir - nein ich - ... - oh, wenn sie Einsicht hätten,


ich war auf einem Fest und trank viel Alkohol, doch immer nur auf euer Gnaden Wohl


und eurer guten Frau und eurer lieben Kleinen.


Das wäre doch, so woll’ es mir scheinen,


ein trift’ger Grund, sich maßlos zu besaufen.


Der Löwe ging in’s Garn und ließ den Hasen laufen.






Der Löwe war dem Schnaps abhold und haßte jeden Trunkenbold,


jedoch betörte ihn, wie dem auch sei, des Hasen Speichelleckerei.


Berlin 1964


vorgetragen von Eberhard Esche


Und... es ging und geht weiter, denn gute Kunst stirbt nie aus:

http://www.jazz-lyrik-prosa.de/




Kommentare:

til_o. hat gesagt…

In jeder Kunst- und Kulturklitsche, egal ob Stadt oder Dorf, findest du hier, bei einem entsprechenden Ereignis, einen leicht besoffenen Eingeborenen über 50 der »Die Kuh im Propeller« sowie »Der Hase im Rausch« fehlerfrei aus dem Stegreif rezitieren kann.

Octapolis hat gesagt…

Gehört in jeden Plattenschrank! Da reiht sich Klassiker an Klassiker...