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Montag, 30. Juli 2012

Selbstfindung - Selbstverwirklichung - Selbstzweifel.

Unsere hoch technisierte und sozial kalte Gesellschaft duldet keine Versager. Jedenfalls dann nicht, wenn sie unterhalb der Einkommensskala von 1.000.000 € jährlich dahin vegetieren. Deshalb muss sich die Masse, der sich als arbeitende Bevölkerung definierenden Menschen, in dem täglich Kampf um den schnöden Mammon allzu häufig fragen lassen, ob sie/er den Anforderungen der eher tristen Erwerbswelt noch gewachsen ist. Wer dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass dieses nicht der Fall sein dürfte, sinniert über Abhilfemassnahmen, die in vielfältiger Weise angeboten werden. Je nach individueller Finanzkraft reichen diese, von einem kostspieligen Seminar zur Behebung der Selbstzweifel über Gruppentherapien, deren Ziele die Stärkung der seelischen Abwehrmechanismen gegen die Abarten der feindlichen Leistungsgesellschaft sind, bishin zu Einzelgesprächen auf der Coach eines Psychologen oder Psychiaters.

Die Angst vor dem Versagen erscheint oft leistungshemmend. Mancher Zweifler lässt sich dabei von Nichtigkeiten, von Banalitäten bei der Bewältigung des alltäglichen Lebensstresses beeinflussen. Längst hat die so genannte Volkskrankheit des Burn Out, des Sich - Ausgebrannt - Fühlens, überhand genommen. Da hilft oft nur eine Radikalkur. Einfach abschalten und alle Fünfe gerade sein lassen. Wenn ein Ausgebrannter diese Fähigkeit nicht besitzt, könnte es kritisch werden. Dann droht der stufenweise Absturz in den Bereich der psychischen Erkrankung; mitsamt seinen existenziell vernichtenden Folgen.

Es gibt aber auch hier eine Möglichkeit, einen solchen Abweg zu vermeiden. Der Versuch einer Selbstfindung. Mancher begeht diesen Pfad über die Religiosität oder Spiritualität. In den späten 60er Jahren galt es als " in ", sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen, um hierüber seine Erfüllung zu erlangen. Nach relativ kurzer Zeit kehrten jedoch jene Jünger des unterschiedlichen Glaubens reumütig in den Schoss der Normal-Gesellschaft zurück, die ihnen je nach Art und Umfang des Abdriftens, dann durchaus eine weitere Chance zur Reintegration gab. Willkommen zurück an Bord des Luxusliners, deren Fahrt denn eher in Richtung der materiellen Selbstverwirklichung geht.

Und damit erhält sich der heutige, ohne größere Altlasten aus dem bisherigen Dasein dahin vegetierende Durchschnittsmensch die Chance, ohne Ideologien, ohne Religionen und andere Heilsbringer den Weg der erwünschten Selbstverwirklichung standhaft zu Ende zu bringen. Ob nun das auf Hochglanz polierte vierrädrige Gefährt, die katalogisierte Urlaubsreise oder das Full-HD-TV-Gerät, diese Wunderdinge können sehr schnell bei der Erfüllung eines - wenn auch nicht sorgenfreien - Lebens  gute Dienste leisten. Andere Selbstverwirklicher versuchen es mit einem - vielfach ausgefallenen - Hobby. Der Modelleisenbahner, der " Matchbox "-Miniatorauto-Sammler, der Philatelist usw. Einige Ersatzbefriedigungsarten sind dabei aktuell, andere wiederum " mega-out ". Immerhin können sie alle dazu dienen, vor der Tristesse des genormten, des grauen Alltags zu entfliehen.

Der Mensch benötigt solche Inseln der Glückseligkeit. Sie helfen ihm dabei, sich vor der Unbill des oft lebenfeindlichen Routinelebens in der Leistungs - und Industriegesellschaft abzuschotten. Wobei es nicht Jedem gelingt, seinem Alltag einen anderen Sinn zu geben. Dabei spielt das Alter des Sichselbstsuchenden eine durchaus gewichtige Rolle. Geht es einem jungen Menschen vielleicht eher noch darum, sich in der Grauen Masse der Beliebigkeit hervor zu heben, aus ihr heraus zu treten und dabei ordentlich die Ellenbogen zu benutzen, so kämpfen die Zugehörigen der Industriegesellschaft in ihrer Lebensmitte ab Ende Dreißig bis Mitte Vierzig um das angeblich verloren geglaubte Terrain der eigenen Identität zurück zu gewinnen und der vermeintlichen Fremdbestimmung zu entfliehen, während die Protagonisten ab den Silverager-Jahren die gewonnenen Annehmlichkeiten des materialistischen Lebens in vollen Zügen und somit auch mit viel Zeit im Rücken konservieren möchten.

Besonders hart ist der Kampf gegen gescheiterte Lebensplanungen, wobei die Rückschläge bei den ungezählten Versuchen der Selbstfindung, immer wieder neu verarbeitet werden müssen, im mittleren Alter. Besonders das männliche Geschlecht fällt dabei regelmäßig in eine massive Existenzkrise. Nach den Antworten, auf die Fragen: " Wer bin ich, wohin gehe ich und was will ich? ", suchend, verfallen Männer oft in Selbstzweifel. Auf der eventuelle folgenden, jahrelangen Identitätssuche gelingt es vielen Vertretern des angeblich starken Geschlechts nicht, neue Ufer zu erreichen. Die meisten der sich versuchenden Freischwimmer ertrinken, ehe sie anderes Land in Sicht haben, im Meer des Selbstmitleids. Die armen, die geplagten Vierziger aus der Kategorie der Mühsam und Beladenen, deren Berufstätigkeit sie zwar angestrengt, aber nicht ausfüllt. Deren familiäre Verpflichtungen sie immer als lästig empfinden und die Erziehungskompetenzen ihres /r Kindes/Kinder als Erwachsener, dann doch lieber den Fachleuten, somit den studierten Pädagogen in der Schule, abtreten.


Ein solch dauergestresster Familienvater muss dann ja zwangsläufig nach neuen Identitätsmerkmalen suchen. Was kann ein solches Exemplar vom Leben noch erwarten? Da hilft meistens nur die Flucht in eine andere Welt. Die der Vergangenheit, als die Jugend noch unbeschwert, das soziale Umfeld überschaubar und die Verpflichtungen an einer Hand abzählbar waren. Dieses Refugium von einst möchte sich der dauerbelastete Mann zurück erobern. So drückt er sich vor allen unangenehmen Aufgaben und zieht sich ein sein selbst geschaffenes Schneckenhaus zurück. Mancher Versuch, dem tristen Restleben dadurch zu entrinnen, endete genauso kläglich wie er begonnen hat. Wenn nämlich eine Ersatzbefriedigung für das als eher unausgefüllt empfundene Dasein zu einer Lachnummer verkommt. Da kann der Bewohner eines auf ökonomische Autonomie konzipierten Lebensparks durchaus eine glatte Bauchlandung hinlegen, wenn plötzlich fest steht, dass dem Projekt die Insolvenz droht, weil der Initiator Gelder in die eigene Tasche gesteckt hat. Da kann dem Motorrad fahrenden Asphaltcowboy mit Zwei-Mann-Zelt im Topcase und einer 25 Jahre jüngeren Begleiterin im Rücken, schon mal der Gliederschmerz heimsuchen, wenn er auf einem knüppelharten Zeltboden nächtigt. Oder es mutiert der Mittvierziger zum Pausenclown, weil er die illegal herunter geladenene Rummelplatzmusik zwar über eine High Tech - Anlage den Anwesenden um die Ohren schlägt, aber selbst dabei vergisst, dass er weder die Schunkel - Rumpel - Mucke mit ihren sinnfreien Texten favorisiert noch die Kondition eines Zwanzigjährigen bei dem Durchhalten bis zum Morgengrauen besitzt. Da wird das self fulfilling prophecy zur Farce, der Selbstfindungstrip zur Höllenfahrt, der Selbstverwirklichungswahn zur Krankheit des eigenen Geistes und die permanent vorhandenen Selbstzweifel am eigenen Ego zur Mixtur aus Pest und Cholera.

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