Krankhaftes Geltungsbedürfnis

 Vor einigen Tagen verstarb die ehemalige Schwiegermutter meiner besseren Hälfte im fernen Schwerin im Alter von 94 Jahren. Die letzten Monate vor ihrem Tod dämmerte sie nur noch dahin, Ihr Puls war mit 38 / 31 kaum noch messbar. Ihr noch verbliebener Sohn nahm sie noch vor Weihnachten des letzten Jahres zu sich. Dort wurde sie bettlägerig und musste künstlich über eine Sonde ernährt werden. Nach wenigen Tage endete ihr entbehrungsreiches Leben.

Seit dem 07. 02. 2026 lässt sich nun eine Traueranzeige des Sohnes sowie der Schwiegertochter über das Portal des " Nordkurier " einlesen. Sie sieht - teilanonymisiert - so aus:



Aufgrund der vielen Gespräche mit meiner besseren Hälfte konnte ich eine Reihe von Details aus den Ehejahren und der Zeit nach der Scheidung mit dem Sohn erfahren. Dabei zeigte sich mir ein - nicht nur  beruflich - durchaus bekanntes Bild. Der " verlassene " Mann versuchte sich auf seine Weise an Ex zu rächen, indem er zunächst eine bereits zugesagte Dreiraumwohnung kündigte, die gemeinsame Tochter durch intensive - nicht nur - materielle Zuwendungen auf seine Seite zu ziehen und das gesamte Umfeld innerhalb seiner zweiten Ehe auf " heile " Familie einzurichten.

Die Jahre verflossen, die zweite Ehe des Sohnes der Verstorbenen scheiterten. dieses Mal krachend und eine dritte Langzeitpartnerin wurde sich angeschafft. Der werte Herr Dr. S. heiratete alsdann erneut und wurde zum zweiten Mal Vater. Zwei weitere Kinder der dritten Frau erhielten damit eine neue Familie. Den Hauptanteil der Erziehung der drei Kinder übernahmen die Großeltern, wohl auch deshalb, weil der Sohn der Illusion einer Unternehmertätigkeit nachgehen wollte. Er entwickelte dazu ein Fantasiegebilde, innerhalb dessen er sich die Übernahme des Kleinbetriebs durch die Tochter aus der ersten sowie den leiblichen Sohn aus dritter Ehe vorstellte. 

Das Truggebilde stürzte bald in sich zusammen. Nun verstarb seine Mutter; der Vater - einst linientreues SED - Parteimitglied - verabschiedete sich vor 5 Jahren. Dessen Traueranzeige sah damals ähnlich aus. Wenngleich sie nicht die aufgeblasene Titelhuberei enthielt.



Die sich mir beim Lesen der Traueranzeigen aufdrängende Frage lautete deshalb: Wem nutzt dieses Gebranse eigentlich?  

Der Aufwertung des Egos? Eine Form des Abgrenzens ? Oder ist es eher ein Ausdruck eines längst vorliegenden krankhaften Geltungsbedürfnisses? 

     

 



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