Eine Ehrenrunde bis zum Abitur?

 


Am letzten Wochenende war eine Bekannte aus Landshut mit ihrer Tochter sowie deren Freund zu Besuch. Es sollte eigentlich ein entspanntes Beieinandersitzen werden, wäre, ja wäre da nicht ein Problem zur Sprache gekommen, das mit der beruflichen Zukunft der Tochter zusammenhängt. Das Thema Schule und Ausbildung ist im Freistaat ein besonderes, denn noch vor vielen Jahren galt das hiesige Schulsystem als politisches Vorzeigeobjekt. Wer in Bayern eine der drei Schultypen abgeschlossen hatte, der durfte tatsächlich von sich behaupten, er ist gegenüber den Gleichaltrigen aus den übrigen Bundesländern privilegiert.

Das ist allerdings nicht mehr der Fall.

Längt hat das hiesige Bildungssystem den Spitzenplatz eingebüßt. Und das vollkommen zu Recht, denn es ist antiquiert.  

Das stoische Festhalten einen dreigliederiges Schulaufbau führt nicht erst seit heute zu Ungerechtigkeiten und durch soziale Verwerfungen bedingte zu frühes Selektieren in der Grundschule.

Und dieses war wohl auch die Ursache für jenen, sehr seltsamen Irrweg, den eben die Tochter unserer Bekannten eingeschlagen hat, um einen beruflichen Einstieg zu erhalten. Sie legte zunächst den Realschulabschluss mit einer Durchschnittsnote von 2,0 ab und beabsichtigte das Abitur abzulegen, um anschließend ein Studium zu beginnen.

Dieses Ansinnen stieß bei dem Vater, bei dem sie seit der Scheidung der Eltern lebt, auf keine positive Resonanz. Er hielt dieses Vorhaben für keine gute Idee, denn schließlich habe in dem ländlich - bäuerlich geprägten Familienumfeld niemand das Abitur abgelegt; geschweige denn ein Studium aufgenommen.

So schlug der mutmaßlich unwissende Vater vor, stattdessen eine landwirtschaftliche Fachschule im österreichischen Ort Klessheim bei Salzburg zu besuchen, um dort einen Fachschulabschluss erlangen zu können.

 https://www.lfs-klessheim.at

Nun stellte sich nach mehr als eineinhalb Jahren heraus, dass der dort erlangte Abschluss weder in Deutschland als Beruf anerkannt, noch diese sie berechtigen würde, darauf aufbauend nachträglich das Abitur erlangen zu können. Die internatsähnliche Einrichtung bietet allenfalls ein nicht allgemein anerkannten Abschluss, um in einen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaften zu können.  

Nun hat unsere Bekannte diesen Irrweg als solchen erkannt und der Tochter geraten, den Besuch der österreichischen Schule aufzugeben. Stattdessen wird sie Mitte Mai an einer Informationsveranstaltung an der " Fresenius Schule für Mediengestaltung " in München teilnehmen und sich dort beraten zu lassen. Dazu beabsichtigt sie, die allgemeine Hochschulreife in  Form einer Abend - und Wochenendveranstaltung, die über mehrere Monate laufend angeboten werden, zu erlangen.

Ein Umweg, den sie sich bei Kenntnis der Eltern hätte sparen können. In den Zeiten, in denen eine Lücke innerhalb des Lebenslaufs nicht mehr so gerne gesehen wird, lässt sich ein solcher Fehlgriff durchaus kaschieren. Es bleibt deshlab alles eine Frage der Interpretation des Warum?    

  

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

" Eine Seefahrt, die ist lustig. " - nur nicht in den 60er Jahren zum AOK - Erholungsheim auf Norderney.

" Oh Adele, oh Alele, ah teri tiki tomba, ah massa massa massa, oh balue balua balue. " und die Kotzfahrt nach Wangerooge.

Letztes Lied - Mascha Kaleko und die traurige Wahrheit über den Tod.