Das letzte Aufgebot: Rentner an die Front?
Als ich vor 54 Jahren meinen Wehrdienst in Munster an der Örtze ( Munster / Lager ) als Panzergrenadier in der Ausbildungskompanie 408 anzutreten hatte, waren die einstigen Feindbilder klar definiert. Diese bestanden aus den Staaten des Ostblocks, aus der " kommunistischen " Hemisphere und aus Systemgegner in den K - Parteien sowie in Teilen der SPD.
So indoktriniert glaubte ich, dass die Guten im Westen und die bösen im Osten sitzen würden. Da der Gegner direkt vor der Haustür eine Streitmacht von mehr als 500.000 Mann angesammelt hatte, musste der Gegenpol im eigenen Lande, in der BRD, genauso stark sein. Deswegen zählte die Bundeswehr damals über 500.000 Mann. Eine halbe Millionen Soldaten, die durch die Wehrpflicht in jedem Quartal aufgefrischt werden konnten. Die Zeit, an denen sich jeder junge Mann ab 18 an die Grundsätze von Befehl und Gehorsam gewöhnen musste, betrug bis Ende 1972 satte 18 Monate. Dafür gab es eine finanzielle Entschädigung, die sich auf zirka 150 Deutsche Mark ( DM ) ( https://dserver.bundestag.de/btd/07/018/0701854.pdf ) belief und mit einer Beförderung leicht erhöht werden musste.
Im Idealfall konnte ein Soldat mit Volksschulabschluss oder weniger als Obergefreiter die Truppe verlassen. Er besaß nach 18 Monaten nichts, denn der Wehrsold ging zumeist für Saufen, Rauchen und vergünstigte Familienheimfahrten mit der Bahn weg.
Ein tristes, ein von langer Weile geprägtes Dasein, dass allenfalls einen freudigen Höhepunkt erfuhr, wenn der Urlaubsantrag durch den Kompaniefeldwebel ( Spieß ) unterschrieben und damit genehmigt war.
Da ich mich für 2 Jahre dienstverpflichtet und zudem freiwillig für den Bund gemeldet hatte, durfte ich mich über einen Sold von zunächst zirka 750 DM erfreuen. Der stage in jenen 21 Monaten, die ich dann abzuleisten hatte auf mehr als 880 DM. Im Vergleich zu den Wehrpflichtigen nicht gerade wenig Geld.
Über meine freudlose Zeit beim Bund habe ich ja bereits mehrere Post hier eingestellt, unter anderen diese hier:
https://lobster53.blogspot.com/2023/11/und-der-rest-von-heut.html
https://lobster53.blogspot.com/2023/03/wie-kommen-sie-auf-edge.html
https://lobster53.blogspot.com/2021/08/stuben-und-revierreinigen.html
Nun, kommt es heutzutage nicht mehr unbedingt auf das sportliche Äußere an, sondern eher darauf, eine ausreichende Zahl von Bewerbern für den so genannten Dienst an der Waffe verpflichten zu können. Der Personalnotstand in der Bundeswehr, die sich - das dürfte selbstredend sein - ihr Gesicht mit der Zeit gehend radikal verändert hat, ist so groß, dass einige Herren aus dem Umfeld des Bundeswehr - Reservistenverbandes ihre Gedanken um eine Verlängerung der Reservedienstzeit von 10 auf 12 Monate und die Altersgrenze von derzeit 65 Jahren auf 70 anheben zu lassen.
Not macht bekanntlich erfinderisch. Deshalb stellte ich mir , nachdem ich diese Meldung hörte, bildlich vor, wie 70jährige, schon erkennbar stark von den Unbilden des zivilen Lebens gezeichnet, eines Tages in die wieder aktivierten Kasernen einrücken, um ihrer patriotischen Pflicht, das Vaterland vor den Feinden aus Russland oder sonst wo schützen zu dürfen, mit Feuereifer nachkommen.
Nicht Germans an die Front, sondern Rentner?
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