Die Singdrossel

 



Seit einigen Wochen ist sie wieder ab den frühen Morgenstunden deutlich hörbar - die Singdrossel ( lateinisch: Turdos philomelos ). Ihr gesangsartiges Gezwitscher setzt mit zunehmenden Tageslänge früher ein. Heute war sie ab kurz vor 5 Uhr zu hören.

Singdrosseln gelten als Zugvögel, denn sie überwintern größtenteils in den wärmeren Gefilden; zumeist im West - bis Mittelmeerraum. Mit zunehmender Anzahl der eher milden Winter bleiben viele  dieser Vögel, die der Familie der Drosseln ( Turdidae )  zugeordnet werden, als so genannte Standvögel, in ihrem Brutgebieten. Damit haben sich auch ihre Lebensbedingungen verändert, so wie es bei dem angeblich intelligentesten Lebewesen auf diesem Planeten auch der Fall sein kann. 

Ein verändertsten Lebensumfeld, Veränderungen im eigenen Leben, zählen nicht selten zu den nicht unbedingt kalkulierbaren Risiken. So mancher scheitert bei den Versuchen, diese zu bewältigen. 

Als ich gestern bei meinem Lauf rund um den Echinger See einige Zwischenstopps einlegte, erinnerte ich mich daran, dass meine leibliche Tochter aus dem ersten Eheversuch mittlerweile zarte 35 Jahre alt geworden ist. Sie wurde tatsächlich am 04. 05. 1991 in Bremen, in dem damaligen St. Jürgen - Krankenhaus ( jetzt Klinikum Bremen - Mitte ) geboren. Ich habe mir nicht nur die Nacht um die Ohren geschlagen, bis gegen 4.00 Uhr sie per " Kaiserschnitt " zur Welt, kam, sondern auch in den Jahren danach, in denen diverse Wehwehchen zu überwinden waren. 

Irgendwann ging die Ehe in die Brüche und sie versuchte als so genanntes Scheidungskind den Schul - und später Berufsalltag zu bewältigen. Dass ihre Mutter ( die Ex - Frau ) dazu noch einmal ( ein drittes Mal ) heiratete, mag dabei kein sehr großes Hindernis gewesen sein. Schließlich sprang der neue Mann, ihr Stiefvater, klaglos in die Rolle als Finanzier des extrem teuren Hobbys Reiten ein. Mit zunehmender Zeit seit der Ehescheidung vollzog sich eine Entfremdung zwischen meiner Tochter und mir. Der Hauptgrund war dabei nicht nur in der sehr großen räumlichen Entfernung zu sehen, sondern vornehmlich in dem Verhaltens der Mutter, die sie beinahe systematisch als Werkzeug gegen mich nutzte. 

Nun sind viele Jahre seit der Scheidung im Sommer 1998 vergangen, das Leben ging auch danach weiter, wenn auch zunächst in einer Abwärtsspirale.  Längst habe ich ein anderes familiäres Umfeld mit aufbauen dürfen. Dieses gibt mir immer noch einen festen Halt. So, wie auch meine Tochter aus erster Ehe ein anderes Umfeld bekommen hat, verändern sich in ihm die Lebensbedingungen, aber auch die neuen Herausforderungen.

Inzwischen sind wir mehr als 20 Jahre lang verheiratet. Über 2 Dekaden, in denen sich sehr viel ereignet hat. In der weiten Spanne von Geburt bis hin zum Tod war alles dabei. Ein buntes Leben vielleicht, ein abwechslungsreiches in jedem Fall. 

Die Singdrossel kehrt immer wieder zu ihrem Brutplatz zurück. Sie gilt als ortstreu. Viele Menschen sind dieses aus sehr vielen Gründen nicht. Ich gehörte auch dazu. Das Leben ist zu kurz, als das es immer in gleichförmigen ablaufen muss. Das war und ist mir zu öde, zu einfältig, zu sehr planbar.

Deshalb möchte ich nicht mit der Singdrossel tauschen.

Nach mehr als 7 Jahrzehnten ziehe ich dann und wann schon mal Bilanz. Ja, ich würde sehr vieles anders machen, aber auf keinen Fall als Singdrossel leben.  


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