Arm und blind?
Dass die derzeitige Bundesgesundheitsministerin Warken - wie ihre Vorgänger auch - gegenüber der Lobbyisten - Meute aus der Wirtschaft keinen leichten Stand hat, dürfte allgemein bekannt sein. Der so genannte Reformbedarf, den nicht nur sie erkannt haben will, scheitert schon dann, wenn die ökonomischen Interessen anderer Beteiligter im Verteilungskampf um Milliardenbeträge tangiert werden könnten.
Der mediale Aufschrei, der geplanten Veränderungen in schöner Regelmäßigkeit im Zusammenhang im Gesundheitswesen begleitet ist enorm und ähnelt dem Ablauf einer der ab den 1990er Jahren hohen Einschaltquoten bringenden Talksendung. Allgemeines, oft unstrukturiertes Gerede zu Themen, von denen die Mehrzahl der Anwesenden keine Ahnung hatten. Das - woher sonst? - aus den USA übernommene Sendeformat führte deshalb zu einer überbordenden Anzahl von Verdummungssendungen, in denen die identischen Personen zu angeblich aktuellen Themen ihren Senf zugaben. Öder waren und sind nur noch die vielen Serien und Krimis. In den Talk - Sendungen werden indes nur Themen angerissen, die allenfalls aktuelle politische Entwicklungen aufnehmen. Wer sich mit speziellen Problemen befassen möchte, ist bei den Spartensendern aufgehoben. Und hierbei auf die eher geringe Zahl an Informationssendungen, wie beispielsweise " Panorama 3 ", die vom NDR produziert und gesendet wird.
In dieser Sendung wurde am gestrigen Dienstag, den 05.05.2026 ausgestrahlt und befasste sich mit einem Thema, das nicht ständig in den Medien präsent zu sein scheint; wenngleich es immer wieder im Leben eines Menschen eine gewichtige Rolle spielt - die Gesundheit. Hierbei geht es - wie überall sonst auch - um Geld. Eigentlich dürfte die finanzielle Seite nur nebenbei erwähnenswert sein. Doch die Realität ist auch hier eine völlig andere. Ohne eigenen monetären Einsatz dürfte selbst eine so genannte Grundversorgung nicht mehr zu bewerkstelligen sein.
Selbst untere und mittlere Einkommen werden von Zuzahlungen, Eigenbeteiligung und Privatleistungen erfasst. Ob es nun die seit Jahrzehnten bestehenden, über ein ärztliches Rezept verordneten Medikamente, die bei stationärer Behandlung zu leistende Eigenbeteiligung oder die noch kostspieligeren Zahnersatzformen sind, sie alle gehen dem Kassenpatienten ans Portemonnaie. Zusätzlich ist dieser den Auswüchsen der ökonomisierten Gesundheitsversorgung durch beinahe betrügerische Handlungen der hier agierenden Mediziner ausgesetzt.
Ob es nun fragwürdige Operationen in Krankenhäuser, Falschbehandlungen oder diskutable Untersuchungen, die als " IGEL " - Angebote offeriert werden, betrifft, sie alle zeigen deutlich, dass sich ein nicht informierter Patient sehr schnell " hinter die Fichte geführt wird ".
Dieses dürfte wohl auch der Fall gewesen sein, über den in der oben genannten " Panorama " - Sendung berichtet wurde. Hierin wurden dubiose Verfahrensweisen bei der Behandlung einer häufig verbreiteten Augenerkrankung, die weitläufig als " Grauer Star " bekannt ist, kritisch unter die Lupe genommen. Eine Standardbehandlung, deren Kosten voll umfänglich von der GKV übernommen wird, kann sehr schnell zu einer teuren Angelegenheit werden, wenn der Augenarzt noch zusätzlich daran verdienen möchte. Wer sich für eine als " schonender " angepriesene Laserbehandlung entscheidet, deren tatsächlicher Nutzen aufgrund von wissenschaftlichen Überprüfungen, als nicht nachgewiesen einzustufen ist, muss - Einzelfall bezogen - kräftig zuzahlen.
Der Bericht wertet diese, nicht seltene Verfahrensweise als " Abzocke "; ein Rechtskundiger könnte es als " Abrechnungsbetrug " qualifizieren.
Wie dem auch immer sei, die latent vorhandene Angst, gepaart mit einem gerüttelt Mass an Unwissenheit der Patienten wurde offensichtlich ausgenutzt, um zusätzlich abzukassieren. Wer zudem die geforderten Honorare nicht sofort aus eigenen Finanzmitteln abdecken kann, ist gehalten sich durch einen Kredit zu verschulden oder den Betrag anzusparen. Letzteres ist nur über erhebliche Einschränkungen in der eigenen Lebensführung möglich.
Während ein Verzicht auf die Zahngesundheit, die allerdings auch Auswirkungen auf den gesamten menschlichen Organismus hat, ohne gravierende Konsequenzen bleiben kann, ist das Auge als Sinnesorgan einzigartig und könnte nachfolgend mehr oder minder die Lebensqualität beeinträchtigen. Weshalb Behandlungen dort im Leistungskatalog der GKV uneingeschränkt aufgeführt sind.
Arm oder blind ist damit ausgeschlossen; arm und blind allerdings eben nicht.
Kommentare