Der Kühlschrank, ein lebendiges Wesen?

 


Vorgestern Nachmittag waren wir bei besten Pfingstwetter bei den Kindern in Oberschleißheim. Nicht nur zum Grillen, sondern vor allem zum Reden. Hierfür gab es inzwischen ausreichenden Anlass. Nicht nur die Absicht der ältesten Enkeltochter aus dem Elternhaus ausziehen zu wollen, sorgte für Diskussionsstoff, auch ihr derzeitiges Verhalten barg in sich genügend Redebedarf.

Sie studiert nun seit knapp einem Jahr an der TU in München Architektur, hat sich dabei einen Freund zugelegt und gibt sich insgesamt große Mühe, das Rundum - Sorglos - Ambiente des Elternhauses langsam zu verlassen.

Das gelingt nicht immer. 

Vor allem dann nicht, wenn die nicht immer kompatiblen Lebensgewohnheiten angeglichen werden sollen. Das gilt insbesondere für die tägliche Versorgung. Hierbei  spielen einige Möglichkeiten eine Rolle. Da gebe es die Studentenmensa, die werktäglich Essen und Trinken in verschiedener, subventionierter Form anbietet. Dann wären da diverse Gastronomiebetriebe, die Snacks, Menüs oder Fastfood kredenzen. Weiterhin sind ausreichende Einkaufsmöglichkeiten in Lebensmittelgeschäften vorhanden.

Allerdings gibt es dieses alles nicht gratis.

Obwohl unsere Enkeltochter - statt BaföG - eine monatliche Zahlung der Eltern von 1.000 Euro erhält, achtet  sie darauf, die Verpflegungskosten möglichst niedrig zu halten. In ihren Bemühungen, dieses umzusetzen, plündert sie des Öfteren den elterlichen Kühlschrank. Da wird dann schon mal frisch eingekauftes Fleisch allein aufgegessen, der Milchvorrat aufgebraucht oder das aufbewahrte Essen des Vortages restlos verspeist.

Der Kühlschrank zeigte sich beinahe so, wie er am Tag der Lieferung war, nämlich leer. Was im Magen der Enkeltochter gelangte, war demgemäß für die übrige Familie nicht mehr verfügbar. Der Kühlschrank ist trotz des technischen Fortschritts kein sich permanent erneuernder Gegenstand. Ist er leer, bleib er somit auch weiterhin leer. Es sei denn, er wird nach einem Lebensmitteleinkauf wieder aufgefüllt. 

Und just hier liegt der Hase im Pfeffer. Ohne eigens Dazutun wird der leere Kühlschrank auch weiterhin so bleiben. 

Dieses einer inzwischen erwachsenen Person aus der Familie zu vermitteln, fällt nicht immer leicht. Insbesondere dann nicht, wenn die vorgängige Erziehung darauf nicht ausgelegt war. Die Wege bei der Vermittlung der Erfordernisse zur Selbständigkeit sind sehr steinig. Und so manche Diskussion über den Sinn und Zweck des Zusammenlebens enden in einer Sackgasse. Oder anders durch ein geflügeltes Wort ausgedrückt: " Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr " ?

 

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