Gib das Kraut frei
Dass mit dem Eigenbedarf von illegalen, weil dem Fiskus keine Steuern ins Staatssäckel spülenden, Rauschmitteln ist so ’ne Sache. Einst, vor mehr als einem halben Jahrhundert, habe ich dann und wann mal davon genascht. Zum Glück nie über einen längeren Zeitraum und wenn, dann nur passiv. Besser gesagt: Außer Haschisch ( Motto: „Hast du Haschisch in den Taschen, hast du immer was zu naschen!“) und LSD waren weitere Gifte bei mir absolut tabu.
Was ein Dauerkonsum bewirken kann, durfte ich über viele Jahre an vielen Beispielen vor und während meiner Anwaltstätigkeit hautnah miterleben. In den 80ern absolvierte ich eine sechsmonatige Ausbildungszeit in einem Anwaltsbüro im Bremer Steintor, das als Szeneviertel berühmt, berüchtigt war ( ist). Hierbei durfte ich den Absturz unzähliger Drogenabhängiger in das kriminelle Milieu verfolgen. Mehr Therapie vor Ort geht nicht.
Nun, circa 25 Jahre mit vielen Ups and Downs des Lebens später, konsumierte ich mit einer damaligen Lebensgefährtin Astrid S. ein wenig Marihuana. Das war’s dann aber auch schon.
Als ich vor einiger Zeit erfuhr, dass bei einem Nachbarn Hanf angebaut wird, berichtete ich ihm ganz entspannt aus meiner eigenen Jugend und von den dortigen, eher kleineren Fehltritten, den sogenannten Jugendsünden. Dazu zählte zweifelsohne auch das Obengesagte.
Inzwischen ist der Anbau von drei Hanfpflanzen je Haushaltsangehörigen gesetzlich erlaubt. Die vormals von dem zuständigen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mitbetriebene Novelle zum BtMG in Form des Gesetzes zum Umgang mit Konsumcannabis (Konsumcannabisgesetz – KCanG ), wonach ab dem 01. 04. 2024 der Besitz von maximal drei lebendigen Pflanzen erlaubt und demgemäß nicht mehr strafbar ist, war heftig umstritten. Vor allem die Schwarzen liefen gegen das Gesetzesvorhaben einst Sturm. Nun ist dieses beinahe 2 1/2 Jahre in Kraft und die von der CDU / CSU und den braunen Horden aus der AfD initiierte Hetzkampagne ist allenfalls nur noch als laues Lüftchen im Medienwald zu spüren.
Am Sonntag war ein Cannabisblatt an der Klingel zu sehen. Es steckte dort unter der Metallabdeckung. Wie es dort hinkam, konnte ich nur erahnen. Ich entfernte es und steckte das Blatt in ein Schnapsglas mit Wasser. Dort welkt es jetzt langsam vor sich hin. Wenn ich in der Küche am Laptop sitze, blicke ich ständig auf das Hanfblatt.
Dabei erinnerte ich mich an meine Lehrzeit. Jene drei Jahre, in denen ich eher widerwillig bei der längst nicht mehr existierenden Firma Herm. Altenburg KG in Bückeburg eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolvierte und in der dazu begleitenden Berufsschule in dem Fach Deutsch einen Aufsatz über die Gefährlichkeit von Drogen schreiben sollte. Ich schrieb – nicht aus Überzeugung –, dass der Konsum von illegalen Rauschmitteln gefährlich sei, weil gesundheitliche Schäden sowie die gesetzliche Bestrafung sowie gesellschaftliche Ächtung damit einhergehen. Den später folgenden Absatz über die Gefahr des Alkoholkonsums strich die fast 60‑jährige Berufsschullehrerin komplett durch. Sie benotete meinen Erguss dennoch mit einer glatten 2.
Mehr als 5 1/2 Dekaden danach weiß ich, was der Lehrerin damals so gefiel. Es waren meine eher naiven Denkmuster, die ich einst zu Papier brachte. Drogenkonsum = gesellschaftlicher Abstieg, weil Diskriminierung und Kriminalisierung.
Könnte sie die Entwicklung der letzten vier Jahre noch miterleben, würde sie sich kopfschüttelnd abwenden. Dieses, obwohl im wiedervereinigten Deutschland mittlerweile 2,1 bis 2,2 Menschen als alkoholabhängig gelten sowie 5,5 bis 8,6 Millionen ein riskantes Konsumverhalten aufweisen. Der Fiskus nimmt von dieser größer werdenden Bevölkerungsgruppe jährlich knapp 2,1 Milliarden Euro als Branntweinsteuer sowie weitere cirka 0,98 Milliarden Euro in Gestalt der indirekten Steuern ein.
Ab dem 01. Januar 2027 ist eine 20%ige Erhöhung der Steuersätze geplant. Na, bitte, das nenne ich mal eine sinnvolle Reform. Und dass der Konsum oder Anbau von Hanf steuerfrei sei, ist ein Märchen der schwarz - braunen Politiker und ihrer Vasallen. Beim Verkauf von Hanfprodukten fällt nämlich Umsatz - Mehrwertsteuer an.
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