Medikamentencocktail
Da vergaß ich doch tatsächlich, dass unser Nachbar vor uns bereits im Juni dieses Jahres verstorben war und längst beerdigt wurde. Er verstarb am 14.06.2026 im Alter von 95 Jahren. Ein durchaus bemerkenswerter Lebenslauf lag da bereits hinter ihm. Hierzu konnte ich dieses nachlesen:
" Karl Heinl ist seit dem 01. Januar 1958 SPD-Mitglied und über einen Zeitraum von 38 (!) Jahren war er der Kassier des Ortsvereins. Heute kann man sich das kaum mehr vorstellen, insbesondere wenn man bedenkt, dass früher die Beiträge monatlich bei den Mitgliedern eingesammelt wurden. „Das war zeitaufwändig“, so Karl Heinl, „sorgte aber auch für regelmäßigen Austausch mit den Mitgliedern“.
Aus einer sozialdemokratischen Familie stammend, war es für ihn gleichermaßen Wunsch und Verpflichtung, auch selbst SPD-Mitglied zu werden. Die Familie stammt aus dem Sudetenland und Karls Vater war auch dort schon politisch aktiv. Was ihm über 6 Monate Haft im KZ Dachau einbrachte. Wegen Zugehörigkeit zu einer anti- nationalsozialistischen Partei wurde er vom 13.10.1938 bis zum 20.04.39 im Lager Dachau inhaftiert.
Karl war Zeit seines Lebens aktiv, nicht in der weißen Kapitänsuniform auf der Kommandobrücke, sondern im Maschinenraum. Neben dem Amt des Kassierers, wie schon erwähnt, war er immer dabei, wenn es anzupacken galt. Er plakatierte, verteilte Broschüren, bereitete Veranstaltungen mit vor usw., was halt alles so anfällt bei der politischen Arbeit vor Ort. Ein über Jahrzehnte verlässlicher Aktivist der SPD-Eching.
Karl ist körperlich und geistig absolut fit und man mag ihm sein Alter gar nicht recht glauben. Wir wünschen ihm, dass dieser Zustand noch möglichst lange anhalten möge."
– Zitatende – aus:
https://www.spd-eching.de/meldungen/die-spd-eching-gratuliert-karl-heinl-zum-95-geburtstag/
Der Begriff " Sudetenland " ist mir durchaus geläufig ( https://de.wikipedia.org/wiki/Sudetenland ),denn daraus ist auch ableitbar, dass der verstorbene Nachbar dort von seiner Geburt bis zum Kriegsende 1945 gelebt haben muss. Damit galt er als Sudetendeutscher ( https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Sudetenland ), der ab Mai 1945 bis in das Jahr 1945 zwangsausgesiedelt wurde.
Das " Sudetenland " zählte nach Ende des II. Weltkrieges und der damit einhergehenden geografischen Neuordnung zur Tschechoslowakei ( Tschechien ). Die damit verbundenen Ereignisse werden historisch als eines jener Gebiete betrachtet, aus denen Millionen Menschen gewaltsam vertrieben worden sind.
Was den Nachbarn tatsächlich in die BRD, nach Bayern verschlagen hat, lässt sich aus dem kurz skizzierten Lebenslauf nicht erkennen. Hier lebte er jedenfalls über viele Dekaden mit seiner Familie bis zu seinem Tod. Seine Frau verstarb 2013 weit vor ihm.
Als wir ihn die letzten Male vor unserem Ostseeurlaub ab Juni sahen, wirkte er noch rüstig. Trotz seines hohen Alters bewegte er sich noch im Garten und führte seinen Haushalt überwiegend ohne fremde Hilfe. Ebenso saß er regelmäßig hinter dem Lenkrad seines Mercedes A170, den er sicher auf den Ortsstraßen führte.
Doch das war die eine Seite des verstorbenen Nachbarn. Die andere zeigte einen doch von einem gerüttelten Maß an Altersstarrsinn behafteten Mann, der eher Hilfe von außen ablehnte, denn solche erbat. Und so kam es, wie es häufig kommen muss: Er verwechselte Teile der verordneten Medikation. Vielleicht war auch die im Juni herrschende Hitzewelle im Juni daran schuld? Wer allerdings eine Vielzahl von Arzneien einnehmen muss, sollte sich bei der Einhaltung des Plans fachkundige Hilfe geben lassen. So aber führte diese Ignoranz wohl zum Tod?
Ruhe in Frieden!

Kommentare