ELODIE in der Lüneburger Heide
Es hat einmal eine Zeit gegeben, in der eine sehr überschaubare Anzahl von öffentlich-rechtlichen Rundfunkstationen neben Operetten -, Marsch- und Schlager- auch Volksmusik plärren ließ. Hierzu zählte auch der Deutschlandfunk aus Köln, der leistungsstarke Mittelwellenstationen unterhielt, die diesen Schund neben einer Flut von CDU‑eingefärbten Beiträgen den Hörern oder Besitzern, der stark begrenzten Zahl Röhrenradios auf die Ohren kloppte. In jener Zeit jaulte aus dem Grundig - Radiogerät, das in der Küche meiner Eltern stand, eine Heimatschnulze, die sich so anhörte:
Viele Jahre später lernte ich die Lüneburger Heide von einer anderen Seite kennen, als ich als Soldat bei der Bundeswehr meinen Kriegsdienst in Munster / Lager im Landkreis Soltau‑Fallingsbostel ableisten musste.
Und mehr als ein halbes Jahrhundert danach durfte ich mir den Fernsehfilm "Elodie", der just in der Lüneburger Heide gedreht und am vergangenen Mittwoch im Ersten gesendet wurde, ansehen.
Die Handlung lässt sich kurz so beschreiben:
Die auf einem eher heruntergekommenen Hof in einem Heideort ( Wrestedt ) des Landkreises Uelzen ( https://de.wikipedia.org/wiki/Wrestedt) ) mit ihrem Mann Jochen ( Michael Wittenborn ) lebende Imkerin und ökologisch angehauchte Barbara Keyserling ( Sibylle Canonica ) darf ihren 65. Geburtstag begehen. Die beiden gemeinsamen, längst dort weggezogenen Kinder Elodie ( Karoline Schuch ) und Ben ( Jan Lennart Krauter ) reisen aus diesem Anlass aus Brüssel bzw. mit Familie an. Dass Elodie sich inzwischen von ihrem Mann Mehdi getrennt lebt, verschweigt sie während der gesamten Besuchszeit beharrlich. Da sich ihre eigene belastende Lebenssituation auf das Verhalten ihrer Mutter gegenüber auswirkt, gibt es statt eines harmonisch verlaufenden Besuchs mehrfach ausgetragene Streitigkeiten, die letztendlich eskalieren.
Weitere, umfangreichere Informationen zu dem Film lassen sich hier nachlesen:
https://story.ndr.de/elodie/index.htm
Nun, gut, ich habe schon bessere Filme aus der Lüneburger Heide, dem so wunderschnen Land, im Laufe der letzten 5 Dekaden nach meinem letzten Tag beim Barras in Munster / Lager gesehen. Allerdings hatten die eine anders gelagerte Thematik. Diese setzten sich mit der Atomkraftwerkspolitik auseinander. Deshalb reduziere ich meine Kritik auf die Medienkritik zu dem Film rund um die Familie Keyserling.
Da bewertet der Rezensent auf der Seite " film - rezensionen.de " den ARD - Beitrag als " irritierend nichtssagend " und kommt zu dem Ergebnis:
" In „Elodie“ kehrt eine Frau in ihre alte Heimat zurück und muss sich einer verdrängten Erfahrung stellen. Die Themen sind gut, die Absicht war es auch. Anstatt sich mit dem Inhalt aber wirklich zu beschäftigen, gibt es nur plakative Szenen, die eher Fragen aufwerfen, als sie zu beantworten. Dass die Hauptfigur derart reduziert wird, macht es auch nicht besser. "
– Zitatende – aus:
https://www.film-rezensionen.de/2026/10/elodietv-fernsehen-das-erste-ard/
Thomas Gehringer stellt bei " tittelbach.tv " dazu fest:
" Der Film legt nahe, dass Elodies Leben durch das Verschweigen des mehrmonatigen Aufenthalts bei der Kinderfrau beeinflusst worden sein könnte. Überzeugend wird aber vor allem erzählt, dass die Suche nach und die Konfrontation mit der Wahrheit ein Akt der Befreiung ist. "
- Zitatende - aus:
https://www.tittelbach.tv/kritiken/elodie/
Bei " epd medien " stellt die Rezensentin Heike Hupertz fest:
" Elodie bewegt Probleme Erwachsener mit frühkindlicher Traumatisierung auf sehr eindrückliche, konkrete Weise. Der Film eröffnet Räume und kann als Türöffner für familiäre Diskussionen wirken. "
– Zitatende – aus:
https://medien.epd.de/article/5337
Die Süddeutsche Zeitung " gibt in einer ausführlichen Kritik eine positive Bewertung zu dem Film ab. und " (l)Lobt den Film als starkes „Schauspielerfilm“-Ensemble und hebt Karoline Schuchs facettenreiches Spiel hervor, die die Figur mit der Energie einer „geballten Faust“ verkörpere.
Ebenso zeigt sich die Filmrezension in der " FAZ ", die sowohl die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Karoline Schuch als auch die Kameraführung in dem als Familiendrama eingeordneten Films.
In der "Berliner Zeitung" hingegen wird kritisch angemerkt, dass die Kulisse mit dröhnenden Panzern eines nahen Truppenübungsplatzes als militärische Metapher für den familiären „Kriegsschauplatz“ etwas zu überfrachtet wirke.
Und just hier möchte ich ein wenig anknüpfen. Abseits der in unqualifizierten Lesermeinungen ( siehe " Film - Rezensionen.de " ) ausgedrückten Missfallenbekundungen, steht beim Lesen der oben angeführten Kritiken fest, dass so mancher Rezensent in einem verklärten Blick die gezeigte Kulisse beschreibt. Hier sind nicht ausschließlich malerische, idyllische Heidelandschaften zu bewundern, sondern gezeigt wird vornehmlich jenes, was einst gewesen ist. Heruntergewirtschaftete Mietblocks, in denen einst Unteroffiziere der Bundeswehr über Dekaden preisgünstig wohnten, alte Backsteinbauten, deren Fassaden bröckeln, eine verkommen wirkende Infrastruktur, die das Flair der " goldenen " 50er bis 80er Jahre darstellt. Wer hier etwas von Wohlstand erkennen möchte, sollte die Brille wechseln. Das Umfeld wird von verlassenen, vergammelten Gebäuden, von der Tristesse der Heidedörfer aus jenem Zeitabschnitt geprägt sowie von den Menschen, die seit Jahrzehnten hier irgendwie existieren müssen. Da ist das Ehepaar Keyserling ( sie als Imkerin; er als leitender Mitarbeiter in der Panzerfabrik von " Rheinmetall " ) noch relativ gut situiert. Die einstige Mitschülerin in der "Elodie"-Dramaturgie lebt in ärmlichen Verhältnissen. Deren Bruder sowie die ehemalige Kinderfrau ebenfalls.
Wo ist da generierter Wohlstand?
Die Lüneburger Heide rund um den Großraum Celle, Uelzen, Fallingbostel, Soltau bis weit in die Region um Winsen - Luhe ist nach dem radikalen Umbau der Bundeswehr hin zu einer derzeitigen Rumpfstreitkraft zu einem Armenhaus geworden. Das zeigt dieser Beitrag rund um den Themenkreis Familienkonflikte – Depressionen – Sprachlosigkeit besonders deutlich.
SOCRATES - Every Dream Come To An End - Phos - 2004:
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