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Dienstag, 11. Dezember 2012

Zeit der Fische von Heiko Aufdermauer oder: Lebt denn der alte Punkrock noch?


                                                                                                       (c) Gerald Knizia


Das anspruchsvollere Fernsehen findet seit vielen Jahren entweder in den Spartengrogrammen statt oder erst weit nach der Hauptsendezeit. Ausgehend von dieser unstrittigen Feststellung, verwundert es denn auch nicht wirklich, dass ein Debütfilm eines relativ jungen Regisseurs auch nur dort einen Platz findet. Deshalb hat der SWR sich erbarmt, den Film " Zeit der Fische " des gebürtigen Fürther Heiko Audermauer ( ja, der heißt so und stammt nicht aus dem Osten ) am 16.09.2008 um 22.30 Uhr erstauszustrahlen.
Eine doppelte Bestrafung also. Wie sich zeigt, jedoch völlig zu Unrecht, denn er Film des mittlerweile 36jährigen Heiko Aufdermauer ist ein Spiegelbild dieser Gesellschaft, dieses sich spaltenden Landes und der systematischen Verarmung ganzer Bevölkerungsteile.

Heiko Aufdermauer ist ein noch unbekannter Regisseur, der sich während seines Studiums eher dem experimentellen - und dem Kurzfilm hingegeben hat. Möglicherweise liegt dieses an dem ausbildungsbedingten Umständen und der Vorprägung durch das Grundstudium der Theaterwissenschaften in Berlin.

http://www.firststeps.de/pdfausgabe_person.pdf?tx_wfqbe_pi1%5Buid%5D=df336b8f-231c-4f2c-ae2c-c2179b5b9ad1

Das dieser Film nichts für Fans der verlogenen Friede -, Freude-, Eierkuchen - Welt ist ergibt sich schon allein aus der kurzen Inhaltsbeschreibung.
Hier wird eine knallharte Milieustudie betrieben. Jenseits der Wegwerf-Gesellschaft mit ihrem Hang, die mediale Scheinwelt zum erstrebenswerten Lebensziel zu erklären.

http://www.monstersandcritics.de/artikel/200833/article_97267.php

Die Protagonisten, der 19jährige Robert ( gespielt von  Janusz Kocaj ), die fast gleichaltrige Jana ( dargestellt von  Kim Schnitzer ) und ihr leicht älterer Bruder Clemens ( die Rolle spielt Christian Blümel ) leben in der Plattenbau - Siedlung Halle - Neustadt. Im Volksmund oder DDR-Sprech " HaNeu " benannt. HaNeu ist auch heute noch die Ausgeburt der post-sozialistischen Wohn - und Baukultur. Der Stadt(teil) wurde am 12. Mai 1967 zur eigenständigen und kreisfreien Stadt (Stadtkreis) erklärt, nachdem sie ursprünglich als neuer Stadtteil von Halle erbaut worden war. Die Einwohnerzahl betrug 1972 51.600 und 1981 mehr als 93.000. Am 6. Mai 1990 wurde Halle-Neustadt wieder nach Halle eingemeindet. Mit der Abwicklung und Zerschlagung des Chemiekombinants Buna und den Leuna - Werken ab 1991, wurde auch das
„Chemieprogramm der DDR“, zu Grabe getragen, das gleichzeitig auf der die Ansiedlung von Arbeitskräften in der Nähe der Chemiestandorte der Buna-Werke in Schkopau und der Leunawerke in Leuna basierte.. Nach umfangreichen Standortuntersuchungen und Planungen im Bezirk Halle beschloss das Politbüro der SED am 17. September 1963 den Aufbau der „Chemiearbeiterstadt“, wobei die Stadt in größerer Entfernung von den Chemieanlagen errichtet wurde.


Mit dem Abwicklung der Chemiewerke veränderte sich das Sozialgefüge in HaNeu. Die Abgehängten blieben, die Jugend zog - soweit möglich - der Arbeit nach und die einstigen Vorzeigebauten verkamen. Deshalb betrug die Einwohnerzahl am 31. Dezember 2010 nur noch  45.157.


In dieser Tristesse leben die drei Hauptpersonen des Sozialdramas.

Robert lebt bei seiner Mutter Anna (  Steffi Kühnert ) und ist arbeitslos, während diese sich zunächst mit Aushilfsjobs versucht.Über Beziehungen erhält Roberte einen Ausbildungsplatz bei einem Autohändler ( Manfred Möck ), der die Kunden übers Ohr haut. Dieses versucht Robert bei seinem ersten Kundengespräch mit den Pockradts ( Frau Pockrandt:  Marie Gruber, Herr Pockrandt Klaus Rätsch ) erst garnicht, sonder gibt diesen zu verstehen, dass sie beschissen werden sollen. Robert fliegt sofort raus. Angewidert von dem spießigen Leben seiner Mutter, die,  nach dem  Roberts Vater vor vielen Jahren die Familie verließ, sich ebenfalls durch öde Aushilfstätigkeiten finanziell über Wasser halten muss, an Robert klammert.
Dieses Mutterverhalten, was aber auch mit dem  - immer noch nicht verwundenen Weggang des Ehemannes erklärlich ist - nervt den Sohn gewaltig. Es entsteht eine Konfliktebene, die beide Beteiligte auf ihre Weise lösen. Robert zieht sich weitesgehend aus dem Alltagstrott zurück und spielt Musik. Er baut seine Scheinwelt in einer herunter gekommenen Garage, eines noch mehr nach Verödung aussehenden Garagenhofes an der trostlosen Hochhaussiedlung auf. Die Mutter indes versucht ihre Sehnsucht nach Wiederherstellung der zerbrochenen Familie durch Annahme von inhaltslosen Jobs zu verdrängen. Sie ist in einer Kaschemme vor Ort, die sich auch noch " Bar " nennt als Servier - und Animierkraft tätig. Der Wirt ( Joachim Lätsch ) ebenfalls ein HaNeu-Bewohner knechtet sie ständig, um den Umsatz zu erhöhen Robert hasst sie eigentlich dafür, zeigt ihr aber auch keine Alternative zu dem prekären Leben in der Platte auf.

Als Robert eines Tages die auf Straße, genauer gesagt in einem ehemaligen Kindergarten hausende Jana trifft, sich in sie verliebt, gerät seine und die Welt der Mutter vollends aus den Fugen. Nicht nur, dass die Mutter eifersüchtig um Jana herum strolcht, sie dann als Lügnerin und Diebin einstuft, nein, die Beziehung zwischen ihrem Sohn und dem noch weiter unten stehenden Mädchen soll zerstört werden. Hinzu kommt, dass der drogensüchtige Bruder Clemens ebenfalls versucht, Jana aus der Liebelei mit Robert zu drängen. Er mimt den Hilflosen, der vorgibt, seine Schwester zu benötigen, um aus dem Drogenelend heraus zu kommen. Nebenbei erfährt Robert, dass Clemens und Jana auf der Fahndungsliste der Polizei stehen, weil Clemens deren Vater in einem Streit erschlagen haben soll. In diesem Problemsumpf kann sich keine junge Liebe entwickeln. Dieses zeigt sich im Laufe des Films sehr deutlich, denn die Hauptpersonen entwickeln sukzessive ein komplexes Beziehungsgeflecht, was dann zu ständigen Konflikten führt und in dem unisono problembeladenen Umfeld, jenes Scheitern der jungen Menschen zur Konsequenz hat.
Die Versuche des jungen Paares sich aus den beiderseitigen Abhängigkeiten zu lösen und einen eigenen Weg, der sie aus der perspektivlosen Tristesse der HaNeu - Platte heraus bringen könnte, sind allesamt zur Erfolglosigkeit  verurteilt.

Die permanenten Konflikte innerhalb des sozialen Randgebietes können deshalb auch zu keinem Happy End führen. Clemens wird von Jana halb tot geschlagen in der Kindergartenbruchbude aufgefunden, noch bevor sie mit Robert aus dem belastenden Milieu fliehen kann. Roberts Mutter verzinkt Clemens und Jana bei der Polizei, die dann beide verhaftet. Robert flippt darauf hin aus und will seine " Musik " - Garage mit Benzin anzünden. Zum Schluss drückt er seiner Mutter das Feuerzeug dafür in die Hand, eilt davon und verursacht am folgenden Morgen auf einer Hauptverkehrsstraße in Halle einen riesigen Verkehrsstau, weil er sich mitten auf die doppelspurige Fahrbahn legt, auf der er den Namen " Jana " gesprüht hat.

Dieses schwer verdauliche Sozialdrama war dem MDR, in dessen Sendegebiet die Handlung einzuordnen ist, denn nur ein Programmplatz kurz vor Mitternacht und erst Jahre nach der Filmfreigabe wert.
" Zeit der Fische " lief hier an einem Dienstag, nämlich den 04.09. 2012 ab 23.45 Uhr (!)

http://programm-origin.ard.de/TV/mdrfernsehen/2012/09/04/zeit-der-fische/eid_282298539937747?list=main

Warum die MDR - Programmfürsten an solchen realitätsnahen Streifen kein Interesse haben, liegt auf der Hand: Eine mit Ostalgie und Bonbon farbigen Sendeformat voll gestopftes Programm hat keinen Kontrast hierzu nötig, um die weitere Verdummung voran zu treiben. Schon gar nicht, wenn es um Themen geht, die es eigentlich nicht geben darf, wie Jugendarbeitslosigkeit, Armut und soziale Verwahrlosung.
Was allerdings in einigen Filmkritiken zu lesen ist, dürfte genau so dümmlich sein. Es gibt eine solche Sozialbiografie nicht nur in den ostdeutschen Städten, sondern auch in Hamburg, Dortmund oder Saarbrücken. Nämlich genau dort, wo die ökonomischen Bedingungen längst zur Verarmung geführt haben und die Zurückgebliebenen weder die Chance, noch die Kraft zur Veränderung haben.

HaNeu ist dann überall!

Das Sozialdrama im post - traumatischen Punk - Ambiente der 80er Jahre lässt indes erkennen, warum die Zeit hier stehen geblieben ist: Als die Retortenstadt mit ihren Plattenbauten und den Karnickelställen noch blühte, weil die chemischen Werke jene Arbeitsplätze aufwiesen, für jene Menschen von dort, die es längst nicht mehr gibt; und dieses war in den 80er Jahren zur Hochzeit der Schrammelmusik mit den drei Gitarrenriff- Strukturen, krächzend - scheppernden Lautsprecherboxn und einem Brüllgesang - Punk!

http://www.dieterwunderlich.de/Aufdermauer_zeit_fische.htm


http://www.ofdb.de/film/138017,Zeit-der-Fische
http://www.cineastentreff.de/content/view/5673/35/

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