Die bayrischen Schwaben, ein besonderer Menschenschlag?


 


Als wir am Dienstagmittag unseren ersten Strandgang antraten, zeigte sich das Wetter auf dem Darß von seiner vor sommerlichen Seite.  Bei 24 Grad, beinahe Windstille und wolkenlosen Himmel, war der einzige Wehrmutstropfen der nur geringe Abstand zu einer kurz nach unseren Aufbau des Windschutzes und der Campingstühle, der etwas zu geringe Abstand zu einer wenig später eintreffenden fünfköpfigen Familie, die sich zudem in den Dünen breit machte. 

Nach einem laut geführten Telefonat des Vaters verabredete sich die Familie mit weiteren, offensichtlich befreundeten Urlaubern. Und die erschienen kurz danach in vielköpfiger Zahl. Die sodann lärmende Meute breitete sich am FKK - Strand aus. Dazu wurde Ball gespielt, gemeinsam gebadet oder sich einfach nur hörbar unterhalten.

Eine Zumutung für jeden ruhesuchenden FKKler, der unisono selbst in der Vorsaison längst in der Minderheit geraten ist. Dieses umso mehr, als dass die Urlauber aus dem so genannten Osten, vornehmlich den Bundesländern Sachsen und Thüringen, seit den Corona - Jahren und nach dem Beginn des Ukraine - Krieges ausbleiben.

Statt ihrer treffen vermehrt Urlauber aus den wirtschaftlich besser aufgestellten Bundesländer, wie Baden - Württemberg sowie Bayern hier ein. Weil diese zudem bis zum Wochenende Pfingst - Schulferien haben, finden sie sich hier gerne ein. Dieser Urlaub ist nicht nur planbarer, somit sicherer, sondern insbesondere billiger. Und Letzteres zieht bei den Schwaben bzw. Baden - Württemberg besonders gut.

Deshalb fanden sich in den letzten Jahren nicht wenige Familie auf der Halbinsel ein, um den Jahresurlaub zu verbringen. So auch diese Familien. Aber, ausgerechnet an dem eh schon verkleinerten FKK - Strand? 

Im Laufe der Jahre haben wir uns längst an ein derartiges Bild gewöhnt. Während die FKK - Anhänger im Textilbereich nicht geduldet sind, dürfen bekleidete Badende umgekehrt sich ohne weiteres im Nudistenbereich aufhalten. Na, gut, es gibt gravierende Ungleichheiten.

Die Familien tobten sich jedenfalls über einige Stunden neben uns aus. Dabei war für uns deren eigenartiger Dialekt auffällig. Es hörte sich nach einer Mixture zwischen schwäbischer Mundart und der uns wohl bekannten oberbayrischen Sprache an. Nun kennen wir aus unserem näheren Umfeld keinen, der so seltsam spricht.  

Ich erinnerte mich an einige Sendungen, in denen über die bayrischen Schwaben berichtet wurde. Eine Bevölkerungsgruppe, die sich geografisch zwischen der südwestlichen Grenze der Bundesländer Baden - Württemberg mit Bayern verorten lässt und mit Augsburg ihre größte Stadt vorweisen kann. Zu den weiteren Zentren zählen Kaufbeuren und Kempten im Allgäu und Memmingen. Ferner zehn Landkreise von Aichach über bis Dillingen bis Unterallgäu. Auf den knapp 10.000 Km² verteilen sich mehr als 1,9 Millionen Einwohner, die regional unterschiedliche Mundarten sprechen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwaben_(Bayern)

Das Online - Lexikon " wikipedia " stellt hierzu wertend fest:

....

"Dialektal ist Schwaben durch den Lech gespalten: westlich werden schwäbisch-alemannische Dialekte gesprochen, östlich altbairische (mit Übergangsformen - Lechrainisch - zum Schwäbischen). Die Allgäuer Dialekte sind nicht immer ganz leicht zu verstehen. "

- Zitatende - aus:

https://de.wikivoyage.org/wiki/Schwaben_(Regierungsbezirk)

Und just einen solchen Dialekt muteten die Familien uns über Stunden zu.

Wie dem auch immer sei, dieser Kauderwelsch belustigte uns dennoch zunehmend. Als sich dann die pubertierende, älteste Tochter schamvoll unter einem Handtuch ihr Bikini - Oberteil auszog, lästerten wir dazu ab. Schließlich kannten wir dieses von unseren beiden Enkelinnen nur zur Genüge.   

Bei allen Unterschieden zur Freikörperkultur, in einem übertraf deren Spießigkeit auch diese noch. Als die anderen Familien sich laut verabschiedet hatten, vollzog der sich als treusorgende Vater umgehend eine Metamorphose und wandelte sich in einen Mini - Despoten. Er machte seine Tochter, die wohl zuvor mit einem der beiden jüngeren Söhne beim Ballspiel in ungeschickter Weise Schmerzen zugefügt hatte, zur Schnecke.

Das kam denn das Alltäglich, die hässliche Seite des familiären Zusammenlebens wieder zum Tragen. Jenseits der gegenüber den Bekannten vorgegaukelten " heile Welt " im Familienleben existierte eben die dunkle Seite. Nachdem der Mini - Diktator ordentlich Dampf abgelassen hatte, legte er sich auf die Stranddecke und schlief. Die traditionelle Rollenteilung spielte dabei auch eine gewichtige Rolle. Die Mutter der drei Kinder schwieg ab dann. Von dem komischen Dialekt war fortan nichts mehr zu hören. Die Kinder blieben ebenso stumm wie ein Grab.

Eine Wohltat!

Während dieser Friedhofsruhe, erinnerte ich mich kurz an die verzogenen Kinder aus den Neubauten in der Nachbarschaft. Ein lärmender Haufen. Nur, Vorsicht, waren wir nicht manchmal auch so? Spießigkeit im Alter lässt vielleicht die eigenen Entwicklungsabschnitte so manches Mal verblassen. Insoweit unterschieden wir uns nicht von den bayrischen Schwaben am FKK - Strand in PPrerow.


 


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