Frieda, die Möwe
Es ist schon wieder einige Jahre her als ich an einem sonnigen Septembertag am Nordstrand des Darß einige mitgebrachte Scheiben vertrockneten Brots an die hier herum kreisenden Möwen verteilte Während sich die kreischende Schar um mich herum flog, ertönte aus der Lautsprecheranlage, die sich bis weit hinten zu der Surfstation erstreckt in scheppernd - schnarrenderden Ton die Stimme der DRLG - Crew von der Station vor der Prerower Seebrücke:
" Das Füttern der Möwen ist untersagt. Möwen sind Wildtiere. Sie suchen ihre Nahrung selbst. "
Nun, gut, ich nahm es zur Kenntnis. Mehr auch nicht, denn nach meinen Beobachtung gibt es nicht mehr so viele dieser Vögel hier. Das liegt vornehmlich daran, dass auch die Ostsee seit Jahrzehnten als überfischt gilt, was nichts anderes bedeutet: Die Wildtiere finden die Nahrung eher selten. Somit bleibt den Allesfressern noch Muschelfleisch, Kleinstiere, wie Krebse oder auch Nahrungsreste aus dem Meer, die von Schiffen über Bord geworfen wurden.
Okay, die Seevögel werden zwar nicht verhungern, aber sie vermehren sich nicht so rasant, wie der Mensch.
Diese Überlegungen traf ich, als ich einige Tage später wieder Brotreste zum Strand mitnahm. Dieses Prozedere wiederholte ich in den Jahren danach. Sofern Brot übrig blieb, steckte ich dieses in den Rucksack und schleppte an den Strand, um es dort zu verfüttern.
Die Anzahl der sich dabei einfindenden Möwen, aber auch Krähen, blieb immer überschaubar. Mal gesellten sich vielleicht 10 Vögel, mal bis zu 20 hinzu. Darunter ist auch eine Silbermöwe die im Laufe des ersten Aufenthaltes sich mehrere Male bei uns am Dünenplatz zeigte. Sie wusste längst, dass es hier Essbares gibt. So erschien „ Frieda „, wie wir diese Möwe später nannten, jedes Mal, wenn sie unsere Strandmuschel erkannte. Sie wusste, es gibt hier Futter.
Und diese Silbermöwe ( https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/silbermoewe/ ) besuchte uns nun regelmäßig, weil sie längst registriert hatte, dass es hier Essbares gibt.
So erschien sie am vorgestrigen Donnerstagnachmittag laut zeternd am Strandplatz und forderte Futter. Möwen sind intelligent und verfügen damit über ein Langzeitgedächtnis. Deshalb war es dem Wasservogel möglich, uns wiederzuerkennen. Da ich das trockene Brot vergessen hatte, konnte ich ihren Wunsch leider nicht erfüllen. Nach einigen Minuten flog sie davon.
Am Freitag konnte sie sich jedoch an dem alten Brot wieder satt fressen. Mein Kurzzeitgedächtnis funktionierte auch.
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