Zum Weststrand

 


Wer über die Buchenstraße, Hülsenstraße und Grüne Straße in Richtung Westen auf die Langseer Straße einfährt,  gelangt in die Peripherie des Darßer Waldes. Entlang des von den Regenschauern der letzten Tage aufgeweichten Waldweges, an dessen Rändern mannshoher Farn wächst, gelangt der Radfahrer nach mehr als 5 Kilometern zu dem Strandaufgang Langsee. 


An diesem Montagnachmittag herrschte ein kräftiger Wind mit Stärken zwischen 5 und 6. Auf der Meer waren unzählige Wellen mit größeren Schaumkronen zu sehen.



 


Bei diesen Wetterbedingungen - das Thermometer zeigte um die 18 ° C an und die Sonne zeigte sich am Himmel - entschlossen wir uns einen längeren Strandspaziergang zu starten. Nach und nach sahen wir, welche Kraft das Meer, die Ostsee bei noch wesentlich stärkeren Wind entfalten kann.





Wo vor langer Zeit noch der typische Mischwald mit Eiben, vereinzelten Eichen sowie Kiefern, und Lärchen den Küstenstreifen säumten, ist jetzt nur noch Fragment artiges Gehölz zu erkennen. 





Das ewig heran rollende Meer, die ständigen Westwinde sowie die von den Starkregenfällen verursachten ausgewaschenen Sandbodenflächen haben den Bäumen zugesetzt. Sie verloren den von ihren starken Wurzeln gewährleisteten Halt und stürzten irgendwann über die überall erkennbare Abbruchkante.



  Was für den vorbei gehenden Betrachter als verheerendes Ergebnis der Bodenerosion und des steigenden Wasserspiegels, bedingt durch den Klimawandel, aussieht, ist ein durchaus natürlicher Prozess, der allerdings durch die exzessive forstwirtschaftliche Nutzung verursacht wurede:


" Auf dem Darß befand sich einer der berühmtesten sogenannten Urwälder des Deutschen Reiches. Er ist allerdings nicht als tatsächlicher Urwald anzusehen, da er seit dem Mittelalter mit verschiedener Intensität forstlich genutzt wurde. Erst seit Gründung des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft wurde gemäß dem Nationalparkmotto „Natur Natur sein lassen“ zumindest in der Kernzone im Nordwesten des Darßwaldes die forstliche Nutzung beendet. Die Spuren der Waldnutzung sind in dem zu den größten zusammenhängenden Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns zählenden Darßwald allerdings auch heute noch deutlich ablesbar. Der Darßwald war ehemals ein Weidewald. Aus dieser Zeit sind die zahlreichen, zum Teil weit auseinander stehenden und skurril gewachsenen Weidbuchen übrig geblieben. Besonders von den dänischen und französischen Besatzern wurde im Darßwald Raubbau betrieben. Der kurzen dänischen Zeit beispielsweise fielen sämtliche alten Eiben zum Opfer. Sie dienten zur Innenraumvertäfelung der Schlösser Rosenborg und Amalienborg.

Die zurückgelassene Heidelandschaft mit meist lockerem Baumbestand wurde von den preußischen Forstleuten schrittweise wieder aufgeforstet. Dabei kamen schnellwüchsige Nadelholzarten zum Einsatz. Die heute noch im Darßwald verbreitete FichteEuropäische Lärche und Douglasie kommen dort aber von Natur aus nicht vor. Auch der Anteil, der heute von der Waldkiefer eingenommen wird, ist als zu hoch anzusehen. Natürliche Waldkiefernwälder bestehen auf den jüngeren Reffs, den ehemaligen Strandwällen, im Norden. In den Dünentälern, den Riegen, haben sich mittlerweile naturnahe Roterlen-Bruchwälder herausgebildet. Auf den älteren Reffs sind von Natur aus Rotbuchenwälder bodensaurer Standorte zu erwarten. Die natürliche Waldgrenze am Weststrand des Darß wird auch von der Roterle gebildet. Auffällig ist auch der starke Königsfarn-Bewuchs des Unterholzes im gesamten Darßwald.

Ein weiteres Indiz für die intensive forstliche Nutzung sind die Harzlachten an vielen alten Kiefernstämmen. Sie wurden schräg in den Stamm geritzt, um Harz zu gewinnen. Auch zu DDR-Zeiten wurden damit Grundstoffe für die chemische Industrie gewonnen. "





Was dem Strandwanderern als skurril anmutendes Naturschauspiel anmutet, dürfte sich auf den zweiten Blick eher als eher bedenkliche Entwicklung innerhalb dieses zirka 16 Kilometer langen Abschnittes entpuppen. Überall dort, wo die Ostsee an dem Küstenstreifen knabbert, geht Waldfläche verloren. Ob dieses unwiederbringlich bleibt, ist jedoch nicht festgestellt worden, denn der abgetragene Sand wird einige Kilometer weiter angespült. So verändert der Darß im Laufe der Jahre sein Gesicht.


 Das ausgegeben Motto bei der Gründung des Nationalparks " Vorpommersche Boddenlandschaft "

„Natur Natur sein lassen“

sollte ad infinitum bestehen bleiben.


KING CRIMSON  -  I Talk To The Wind  -  In The Court Of The Crimson King  -  1969:




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