Kalkutta liegt am Ganges
Bevor am gestrigen Samstagabend die Vertretungen der Schweiz und Katars zu dem Gruppenspiel innerhalb der laufenden Weltmeisterschaft antraten, hörte ich in den Nachrichtensendungen von einer Meldung, wonach in dem Nachbarland ein Plebiszit durch die SVP imitiert wurde, über das ein Gesetz eingebracht werden kann, das eine Begrenzung der Bevölkerungszahl auf maximal 10 Millionen Einwohner vorsieht.
Aha! Die Schweizer müssen sich also auch über eine drohende Überfremdung Gedanken machen. So sieht es zumindest die nationalistisch - rassistische Schweizerische Volkspartei. Eine Ursache zu den so geschürten Ängsten sind seit Dekaden steigende Bevölkerungszahlen, die vornehmlich durch die Nettozuwanderung, die zunehmende " Überalterung " sowie ein gehobener Wohlstand in dem Alpenland, der den Ausländeranteil von 27 % weiter wachsen lässt.
Na, gut, dann dürften 17 der Spieler aus dem Schweizer Kader sowie deren Trainer eigentlich nicht für das Nachbarland antreten.
Das war vor mehr als einem halben Jahrhundert noch anders. Der Schweizer war noch ein echter Schweizer, so auch der am 21. 09. 1920 in Genf geborene Vico Torriani. Ihm gelang es ab den 1950er Jahren sich in die damalige Fernsehlandschaft als Sänger und mehr einzufügen. Das erbrachte in jenen Dekaden zwar einen hohen Bekanntheitsgrad, jedoch weniger klingende Münze. Deshalb versuchte sich der mit bürgerlichen Namen Ludovico Oxans Torriani geborene Schweizer auch in anderen Genres. Er schrieb später Kochbücher, schauspielerte, moderierte Fernsehsendungen und trat regelmäßig als Showmaster auf.
Wenn er damit seine Gelder für das Alter verdienen konnte, dann nur, weil Torriani sich als Multitalent verkaufte, das sich nicht zu schade war, auch flache Unterhaltung abzusondern. Es waren halt andere Zeiten, in denen er seine Brötchen verdienen musste.
Hierzu gehörte dann auch zweifelsohne das Darbieten biederer Schlagertitel, wie etwa " Granada ", " Tango der Nacht " oder " Bon soir, bon soir ", " In einer kleinen Konditorei ", " Ananas aus Caracas ", " Ave Maria, no morro ", Straße meiner Lieder " und auch " Kalkutta liegt am Ganges ". Diese und andere Stücke lagen nicht nur im westdeutschen Trend, die Welt auf friedliche Weise als Tourist erkunden zu wollen und spiegelten die Sehnsucht vieler BRDler wider, aus dem Alltagstrott einmal ausbrechen zu wollen.
Das die Torrianische Diskografie auch Schlagertitel enthält, die in den Hochzeiten der " LGBQ " - Bewegung mitsamt ihren zensorisch wirkenden Auswüchsen kaum akzeptiert werden können, sei mal hier dahingestellt. Die Single " Schön und kaffeebraun ", " Sie war nicht älter als 18 Jahr´" oder " Lebe wohl, kleine Frau " dürften vielleicht hierunter einzuordnen sein. Ebenso " Du schwarzer Zigeuner ".
Die Rückkehr zu unverhüllten Versuchen, die Kunst und Kultur zu gängeln, wie sie seit den späten 1990ern wieder en vogue geworden ist, würde dem im Alter von 77 Jahren in der Schweiz verstorbenen Vico Torriani zweifelsohne heutzutage erhebliche Kopfschmerzen ( und nicht nur diese ) bereiten.
So bleibt denn meine Erinnerung an jene Jahre meiner nicht gerade unbeschwerten Kindheit, in denen im elterlichen Wohnzimmer, durch das der Hauch von sich anbahnenden Wohlstand zu verspüren war, eine Musiktruhe stand, in deren Fächer sich einige Vinyl - und Schellackscheiben wider fanden.
Darunter solche Gassenhauer, wie " Junge, komm bald wieder ", von Freddy Quinn " Wir wollen niemals auseinander gehen ", gesungen von Heidi Brühl oder " Tanze mit mir in den Morgen " mit Gerhard Wendland. In diesem bunten Schlager - Reigen durfte der Schweitzer Vico Torriani und seine Erkenntnis " Kalkutta liegt am Ganges " ( Paris liegt an der Seine ) nicht fehlen.
Das Abdudeln jener Platten verlangte ein ein wenig technisches Geschick, denn die klobige " Nordmende " - Musiktruhe benötigte einige Zeit, ehe aus ihr die erwünschten Töne krächzten.
https://lobster53.blogspot.com/2020/08/der-babysitter-boogie-aus-der-nordmende.html
Wohlan, auch diese hier:

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