Bald ist Halbzeit
Der Juni 2026 zeigte sich bisher von seiner nass - kühlen Seite. Von den 11 Tagen, die er hier auf dem Darß beschrieben hat, war mehr als die Hälfte regnerisch bei maximal 18 Grad. Eigentlich kein ideales Urlaubswetter. Doch: Was heißt das schon?
Weil Sommerwetter nicht unbedingt zu einem notwendigen Muss gehört, Warum soll die angeblich angenehmste Zeit des Jahres unbedingt von Sonne, Hitzetagen und schwülen Nächten gekennzeichnet sein. Solche Bedingungen bedeuten für viele Menschen nicht immer Gutes. Wer beispielsweise Probleme mit dem Kreislauf hat, dürfte froh sein, wenn die Sommertage eben nicht so heiß werden.
So mancher Hitzegeplagter erinnert sich mit Grausen an so genannte Rekordtemperaturen mit mehr als 35 Grad bis zu 40 Grad tagsüber, bei den unter den Mitteleuropäern eher unbeliebten Tropischen Nächten hatten viele Einschlafschwierigkeiten und so mancher Übergewichtige ( davon gibt es mittlerweile in diesem, unserem Land, mehr als 67 % bei den Männern sowie 53 % Frauen ) waren jene heißen Sommertage beileibe nicht beliebt.
So seht sich mancher wohl beleibter Erdenbürger nach dem Winter, denn dort schwitzt er nicht, hat keine Atemprobleme und muss vor allem nicht literweise Flüssigkeiten trinken.
Von dem allen sind wir am 12. 06. 2026 weit entfernt. Beim herunterscrollen der unzähligen Internet - Wetterdienste rufe ich dabei Temperaturangaben von 11 Grad nachts bis zu 17 Grad tagsüber auf. Der Himmel bleibt bewölkt; es könnte sogar leichten Regen geben.
Weil es nach den reichlich vorhandenen Wetterdienstprognosen im Netz zufolge in den kommenden Tagen so bleiben soll, Zeit also, um sich an die vergangenen Tage zu erinnern. Immerhin durften wir in denen uns für einige Stunden draußen aufhalten. Selbst Strandbesuche waren möglich.
Wer allerdings hier an der mecklenburgischen Ostseeküste von einem Sommer unter südlichen Bedingungen träumt, wir bald mehr oder minder große Abstriche machen müssen. Statt brennender Sonne, bei stahlblauen, wolkenlosen Himmel, gibt es einen ständigen Westwind, durchgängige Bewölkung und frische Plusgrade am Morgen. Statt bereits vorbereiteten Frühstücks Buffett mit Cornflakes, diversen Säften und reichlich Aufschnitt, Käsesorten oder Eivariationen, hält sich auf dem schmalen Tisch der Küchenzeile in der Ferienwohnung das Angebot in engen Grenzen. Dieses schon allein aus Platzgründen.
Dafür sind keine Schlangen vor den Buffetttischen zu sehen, in denen stark beleibte Männer und bullige Damen sich um die kredenzten Speisen und Getränke anstellen müssen, damit sie die voll gepackten Teller kurz danach leeren können, um hiernach erneut den Gang in das Fressparadies antreten zu dürfen. Oder der frühmorgendliche Gang zum Pool, um auf einer der abgezählten Liegen sein Handtuch zu legen und hiermit die Besitzansprüche gegenüber den anderen Hotelgästen zu dokumentieren, bleibt uns erspart.
Dieses alles gibt es nur für " all inclusive " - Urlauber, die anschließend zwar genervt, aber um einige Kilogramm schwerer, den Heimflug antretend, zuhause dann von dem vermeintlichen Traumurlaub irgendwo im Süden zu schwärmend. Was ebenso eine Form von Selbsttäuschung sein muss. Häufig verbleibt dann nur die Erkenntnis, dass das Geld für jene Tage in der Fremde aus Nimmerwiedersehen entschwunden ist. Urlaub ist nun einmal längst zur Massenware, zu einem industriell vorgefertigten Produkt geworden, so wie viele andere Dinge im Leben eines privilegiert lebenden Menschen auch.
In zwei Tagen ist die zweite Woche des Darß - Aufenthalts abgelaufen. Wir dürfen die Halbzeit begehen. Was danach noch auf uns zu kommt, ist - wie das Wetter hier - eher ungewiss.
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