Das Burgunder - Kaninchen, das ein Widder war.
Es ist bereits fünf Tage her, seit ich das Kaninchen in unserem Garten gefunden hatte. Oder, um es besser zu beschreiben, den Rumpf des Tieres. Inzwischen hat sich geklärt, wer der Halter des Kaninchens war. Eine Familie aus der Nachbarschaft gab sich als ein solcher zu erkennen und verbreitete ein Suchnachrichten mittels einiger angeklebter Zettel an einigen Laternenmasten.
Hierin stand, dass das Tier seit Sonntag vermisst werde. Es hatte die Stalltür öffnen können und war anschließend fort gehoppelt. Das kommt öfters vor. Es endet im besten Fall mit dem Einfangen des Ausreißers, jedoch häufig in einem Desaster. Letzteres war also hier der Fall.
Am Endes des Laufs rund um den Echinger See las ich die Suchanzeige aus der Nachbarschaft und berichtete meiner besseren Hälfte hiervon. Diese überzeugte mich, die angegebene Mobilfunknummer zu wählen. Während des Anrufs erklärte ich der Mutter der Kaninchenhalterin, was in unserem Garten geschah.
Ja, wir leben hier tatsächlich ländlich. So etwas kann immer wieder passieren. Leider!
Im Verlaufe des Gesprächs erfuhr ich dann auch, um welche Kaninchenrasse es bei dem Ausreißers sich gehandelt hatte. Nein, es war kein Burgunder, sondern ein Widder. Genauer gesagt, es war eine Zwergwidder - Zibbe.
https://de.wikipedia.org/wiki/Widderkaninchen
Ein richtiger Bug - Bunny, ein Walt Disney - Klopfer, ein echter Rabbit; auch wenn es kein Hase war.
https://en.wikipedia.org/wiki/Lop_rabbit
Ich erzählte der Mutter, dass ich das Widder - Kaninchen im Mallershofer Holz beerdigt hätte. Damit konnten ihre Tochter und sie die Suche nach dem Tier beenden; die Sache abschließen. Wie schwer es so manchem Kind fällt, den Verlust eines geliebten Tieres zu verarbeiten, ist mir aus jenen Jahren noch bekannt, in der meine Tochter eine Unzahl von Tieren sammelte. Da gab es ein riesen Geschreie, als sich plötzlich ein Zwergkaninchen sowie ein Meerschweinchen nicht mehr auffinden ließen.
Die Suche nach dem mutmaßlich verlustig gegangenen Mitbewohnern reduzierte sich zunächst auf das sehr überschaubare Gartenstück. Doch die beiden Tiere ließen sich nicht auffinden. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes, wie vom Erdboden verschluckt. Nur, wie konnten sie das, wenn der Plaste - Sperrzaun für sie unüberwindlich war? Wie? Die Antwort auf jene existenzielle Frage fanden wir beim näheren untersuchen der eingezäunten Rasenfläche.
Das Zwergkaninchen hatte neben einem eingeschlagenen Flock im Gras einfach eine kleine Erdhöhle gegraben, in der sich die Tiere vor der prallen Sommersonne schützen konnten. Darin hockten sie nun und sahen uns bei Ausgarben mit den Kulleraugen fragend an. Wir bugsierten sie zurück in den Stall und ließen sie nur noch bei angenehmeren Temperaturen heraus.
Soweit, so mir noch in Erinnerung.
Heute werde ich erneut ins Mallershofer Holz laufen und ein Foto von der Ablagestelle des Burgunder - Kaninchen, dass ein Wahrheit ein Widder war, aufnehmen, Damit die Trauergemeinde endgültig Abschied von der Verblichenen nehmen kann.
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