Montag, 11. Dezember 2017

Jack Nicholson und " Das Versprechen "


Wenn ein bekannter Schauspieler einen runden Geburtstag begeht, der zudem weit abseits der statistischen Lebensmitte liegt, ist es der Medienmeute alle Male einen Bericht wert. Die Filmarchive werden zudem geöffnet und dem eher gelangweilten Zuschauern dürfen " olle Kamellen " mittels eines technisch verbesserten Bild - und Tonträgers zum Anglotzen oder Abspielen bereitgestellt werden. Dazu ergießt sich die typische Wortakrobatik über des selbst ergraute Haupt des Rezipienten, sofern er überhaupt etwas mit dem Namen des Hochverehrten anfangen kann. Von der üblichen Schwachsinnbehauptung der Gefeierte sei eine " lebende Legende ", er sei ein großartiger Charakterschauspieler bis hin zu dem Unwort " Super - Mega - Star ", ist sodann alles in de Lobhudelorgie enthalten, was die dafür bezahlten Medienschaffenden an Giftpfeilen aus dem uniformen Köcher ziehen.

Der US - Amerikaner und mehr, John Josef  " Jack " Nicholson beging am 22. April dieses Jahres seinen siebten Runden. Wer sich in diesem greisen Alter noch feiern lassen darf, der hat es wohl geschafft, mehr als nur einen Pfahl den Sand der schnelllebigen Filmwelt einzusetzen. Nicholson wurde dafür aber auch genug Zeit gegeben. Obwohl sein Name längst wieder in der Versenkung des großen Meeres der vielen Hollywood - Stars verschwunden ist, bleiben doch großartige Filme mit ihm zurück.

Als der Gemeinschaftssender 3sat gestern Abend zum xten Male den Film " Das Versprechen " sendete, wurde sehr schnell deutlich, welch schauspielerisches Potenzial in dem US - Amerikaner war.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jack_Nicholson

Er spielt hier einen kurz vor seiner Pensionierung stehenden Kriminalpolizisten Jerry Black, der in der Großstadt Reno im US - Bundesstaat Nevada Jahrzehnte lang seinen Dienst versehen hat. Noch während seiner Abschiedsfeier, die er eher missmutig über sich ergehen lässt. trifft in der Dienstelle eine Meldung ein, die dann auch hart gesottene Polizisten mehr als nur berühren. Ein 7jähriges Mädchen wurde auf bestialische Weise ermordet. Ein mittelbarer Tatzeuge, der mit seinem Motorschlitten wegen eines technischen Defekts in der Nähe des Tatortes liegen bleibt, findet die grausam zugerichtete Schülerin und informiert später die Polizei. Er erkennt einen Pickup, der fluchtartig das Areal verlässt und in Richtung des nahe gelegenen Highways davon fährt. Später wird ein verdächtiges Fahrzeug kontrolliert, dessen Fahrer, ein einschlägig vorbestrafter, geistig verwirrter Indianer, als Täter in Betracht kommen könnte. Der Nachfolger von Jerry Black presst aus diesem tatsächlich ein Geständnis heraus. Noch während seiner Überführung in das Gefängnis gelingt es dem Verdächtigen, die Dienstpistole eines Polizisten zu entwenden und sich damit zu erschießen.
Black glaubt - im Gegensatz zu seinen Kollegen - nicht an den damit überührten Täter und den abgeschlossenen Mordfall.

Er ermittelt deshalb auf eigene Faust und, weil er der Mutter der getöteten Schülerin ein religiös motiviertes Versprechen abgegeben hat, dass er den Mörder überführt.

Zunächst gelingt es Black, einen Zusammenhang zu weiteren, gleichartigen Mordfällen herzustellen. Alle Opfer waren Schülerinnen zwischen 7 bis 8 Jahre alt und blond. Um in den räumlichen Umfeld des mutmaßlichen Serien - Mörders zu bleiben, erwirbt der Pensionär Black eine herunter gekommene Tankstelle, von der er aus eine Vielzahl von Fahrzeugen überprüft.

Als wenig später eine Mutter mit ihrer 7jährigen Tochter, die er nur flüchtig über seine einstige Dienststelle kennt, einzieht, um vor ihren gewalttätigen Ex - Mann zu fliehen, kommt Black auf die Idee, den möglichen Täter eine Falle zu stellen. Ihm gelingt es, das Mädchen dazu zu überreden, sich mit den, inzwischen von Black ermittelten Kindesmörder, zu treffen.
Er schaltet deshalb seine einstige Dienstelle ein. Doch dieser Plan misslingt. Black wird als alkoholkranker Spinner dargestellt und die Beziehung zu der Kindesmutter zerbricht.

Black verfällt danach noch weiter dem Alkohol und lebt danach in einer völlig verwahrlosten Tankstelle.

Tatsächlich verunglückte der Täter mit seinem PKW auf der Fahrt zu dem Treffen mit der Tochter seiner Mitbewohnerin tödlich, denn er verbrennt in seinem Auto. Black´s Nachfolger erkannte dieses beim Vorbeifahren an der Unfallstelle, doch dieser behält sein Wissen für sich und lässt Black als Trottel dastehen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Versprechen_(2001)

Sicherlich gibt es bessere Filme, in der Jack Nicholson eine Hauptrolle spielt. Doch schon allein, weil Sean Penn, der personifizierte Dauerkritiker des " american way of life ", die Regie führte, kommt jenem Streifen mit Nicholson als ergrauter 64jähriger, ein besonderer Stellenwert zu. Es wird hier nicht auf die übliche Effekthascherei, auf spektakuläre Handlungen, besondere Grausamkeit und irrealen US - Blödsinn gesetzt, sondern auf jenen alltäglichen menschlichen Wahnsinn, der mit Rassismus beginnt, sich über Karrieregeilheit fortsetzt und seinen Höhepunkt in Zuneigung, die dann  in Hass umschlägt, erfährt. Jack Nicholson alias Jerry Black zeigt sich nicht als schießwütiger Robocop, nicht als abgehobener Mastermind und als fehlerfreier Gesetzeshüter mit einem Superspürsinn. Er repräsentiert vielmehr einen dienstbeflissenen Kriminalpolizisten, dem die Berufserfahrung einen Schutzpanzer verpasst hat, der ihn nach außen hin sachlich - nüchtern auftreten lässt, aber nie völlig gefühlskalt. Dass er zum Schluss die harten Konsequenzen für seinen praktizierten, aber dann doch nicht erfüllten, Glauben an die Gerechtigkeit in der US - Gesellschaft, die persönliche Strafe durch den Suff erleidet, ist tragisch, aber in einem Sean Penn - Film nur konsequent.

Auch wenn der Film bereit 16 Jahre auf dem Buckel hat, ist er immer wieder sehenswert. Ein Verspreche eben, der US - Gesellschaft ständig den Spiegel der verlogenen Doppelmoral vor die Visage zu stellen. Das dieses unter gütiger Zuhilfenahme und in Anlehnung an den gleichnamigen Roman des Juristen Friedrich Dürrenmatt sowie den Klassiker " Es geschah am hellichten Tag " geschieht, bleibt dabei völlig unerheblich.



" Rock Sitar " - Live at the Patan Museum - 2011:





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