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Mittwoch, 13. Dezember 2017

7 Tage .... Im Dorfladen von Kogel



Es gibt inzwischen jede Menge empirische Untersuchungen über das allgemeine Befinden der Ostdeutschen. Vor allem, jener Bürger, die sich nach der angeblichen " Wende " irgendwie, irgendwann und irgendwo ausgegrenzt sehen. Ob diese Einstellung nun völlig zutrifft oder nur eine Art wehmütiges Gefühl an vergangene, vielleicht auch bessere, aber zumindest andere Zeiten, wieder geben soll, mag dahin gestellt bleiben. Bei vielen Menschen, die jene persönliche, gesellschaftliche, aber insbesondere wirtschaftliche Umwälzungen, die nach November 1989 von statten gingen, noch heute tiefe Furchen und Narben in der eigenen Biografie hinter lassen haben, dürften es wohl eher Anflüge eines sehnsüchtigen Gefühls sein, dass dann geweckt wird, wenn ein Beitrag sich auch mit der DDR - Vergangenheit gefasst.

Es muss eben nicht alles schlecht gewesen sein, was einst im anderen deutschen Staat von 1949 bis 1989 von diesen Generationen erlebt wurde. Natürlich war es die Planwirtschaft in Form der einhergehenden Mangelwirtschaft, die dann einen gewissen Zusammenhalt erzeugte, der beispielsweise den Ostdeutschen mittels einer Studie, die von der privaten " Jacobs Universität Bremen " im Auftrag der " Bertelsmann Stiftung " vor kurzem publiziert wurde, heutzutage mutmaßlich fehlt. Aber, nicht dieses allein lässt jene nostalgischen Anwandlungen begründen, mit der so mancher Ex - DDRler die Zeit von einst - fast glorifizierend -, ständig hoch hält.

Gut, ja, gut, ich sach´ma: Wir werden alle älter. Und damit färbt sich auch die Lebensphase, in der sich Kindheit, Jugend und späteres Berufsleben abspielen, in zumeist rosaroten Farbschattierungen. Da wird etwas in den Himmel gehoben, was eigentlich erdverwachsen sein muss: das eigene Leben.

Als ich einen Beitrag über einen Dorfladen im mecklenburgischen Kogel sah, blieb auch für mich die Frage nachdem angeblich besseren Gestern in diesem Ort offen. Kogel ist ein ehemaliges Dorf, das ab 2005 als Ortsteil der Gemeinde Fünfseen, die geographisch zur Mecklenburgischen Seenplatte zählt, angegliedert wurde. Diese Gemeinde registrierte 2015 1.072 Einwohner, die sich auf die Ortsteile Adamshoffnung, Grüssow, Rogeet und Satow sowie Bruchmühle, Lenz - Süd, Neu Grüssow, Petersdorf wie auch Satow - Hütte verteilen.

Einige Dutzend davon leben in Kogel. Auch dieses, einst eigenständige Dorf wird von dem Amt Malchow verwaltet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kogel_(Fünfseen)

Kogel ( Fünfseen ) ist nicht mit dem gleichnamigen Ort in dem Landkreis Ludwigslust - Parchim zu verwechseln:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kogel



In einem halbstündigen Beitrag, den der NDR vor einigen Tagen sendete. berichten die hierfür Verantwortlichen, Stefanie Gromes und Sebastian Bäumler über einen Dorfladen in Kogel, der nicht nur als Einkaufsmöglichkeit zu sehen ist, sondern eine Art soziale Anlaufstelle verkörpert. Das Geschäft ist ein Relikt aus jenen Zeiten, in denen Kogel ein kleines Rädchen in der DDR - Planwirtschaft war, weil hier die LPG Satow - Kogel  einst als größter Arbeitgeber fungierte.
Hierzu findet sich im online gestellten Archiv des " Neuen Deutschland " ( ND ) in dessen Ausgabe vom 06.06.1984  dieser Artikel:

Sowjetische Pädagogen besuchen Agrarbezirk
Neubrandenburg (ND-Korr.). Eine Delegation des Ministeriums für Volksbildung der Karelischen ASSR weilt gegenwärtig im Bezirk Neubrandenburg. Die Schulfunktionäre informieren sich über Erfahrungen bei der Gestaltung des polytechnischen Unterrichts und bei der Berufsorientierung der Schüler. Während ihres siebentägigen Aufenthaltes besuchen die Gäste unter anderem die LPG Pflanzenproduktion Satow/ Kogel und hospitieren dort im Fach produktive Arbeit ..  "

- Zitatende - aus: https://www.nd-archiv.de/ausgabe/1984-06-06

Und just 33 Jahre danach verweilte die NDR - Mitarbeiterin Stefanie Gromes, die selbst in dieser Region zu DDR - Zeiten geboren wurde, in Kogel.
Von der DDR - LPG ist längst nichts mehr zu sehen. Der Ort, die gesamte Region blutet sukzessive aus, weil die älteren Menschen versterben, die nächsten Generationen längst weggezogen sind und jene Teile des Bundeslandes ( wie anderenorts auch ) keine Zukunftsperspektiven vorweisen können.

Der Dorfladen von Kogel, eines von noch zwei Geschäften, dass der jetzige Betreiber nach der " Wende " übernommen hat und mehr schlecht als recht weiterführt.  Der Dorfladen, ein Hauch von DDR - Nostalgie weht während dieser halben Stunde Sendezeit hindurch, auch wenn es inzwischen nicht mehr jene DDR - Produkte gibt, für die auch in den Städten und anderswo, so viele Bürger des anderen deutschen Staates stundenlang angestanden haben, um noch " etwas zu erwischen ".

Doch die Mangelwirtschaft von damals ist nicht das Thema von heute. Ein Bewohner des Ortes steigt aus seinem französischen PKW aus und schwandroniert über die billigen Mieten in den Zeiten des real existierenden Sozialismus. Er habe nur ein Bruchteil dessen bezahlen müssen, was er für eine Unterkunft heute entrichtet. Dabei umschifft er ganz diskret, dass es  - wenn es sich nicht gerade um die Karnickelstall ähnlichen Normbutzen handelte, die so genannte " Plattenbauwohnung ", die letzten, weil unsanierten Löcher waren. Den Eigentümern und Vermietern fehlte zwar nicht immer das Geld, sondern noch mehr das Baumaterial, um jene Buden zu sanieren.

Planwirtschaft im leibhaftigen Sozialismus war nicht nur erlebte Mangelwirtschaft und lag nicht ausschließlich daran, dass die Konsumgüter, die durchaus Qualität vorwiesen, gegen Devisen in den Coop - Bunkern verkauft werden mussten und in den Mägen des Klassenfeindes verdaut wurden, nein, es lag auch an der Schattenwirtschaft, die da Vitamin B ( Beziehungen ) hieß und genauso wie heute, vorhanden sein mussten, um über die Runden zu kommen. Die geplante Mangelökonomie ist deshalb kein reines Verteilungsproblem gewesen, wie es uns einstmals ein DKP - Hochschullehrer weiß machen wollte, sie konnte auch nie verbessert, geschweige denn behoben werden, denn die chronische Devisenknappheit war die Ursache allen Übels.

Aber, die Nostalgie ist eine wunderbare Erfindung der menschlichen Gefühlswelt, die es ermöglicht, sich nur an jene Dinge zu erinnern, die dann völlig unkritisch als " besser " angesehen werden.
So kramt dann die seit 40 Jahren in dem Kogeler Dorfladen tätige Dagmar ihre alten Fotoalben hervor und erklärt der NDR - Mitarbeiterin Stefanie, wie eines Tages die wahre DDR - Herrscherin Margot Honecker mit ihren bläulich gefärbten Haaren in dem Dorf aufschlug. " Honnis " bessere Hälfte war Ministerin für Volksbildung und wurde die " lila Hexe " bezeichnet. An dieses Ereignis konnte sich Dagmar nun wirklich noch erinnern, als sie dazu erklärte, dass die Ministerin mit den lila Haaren, jene zirka 20 Meter von einem Schuleingang zum anderen mit der Dienstlimousine fuhr.

Na, bitte, da haben wir es doch. Die damalige Speerspitze im permanenten sozialistischen Kampf um Planerfüllung, Wohlstand und den BRD - Klassenfeind im Westen, wollte sich auch nicht die Salamander - Schuhe aus Kornwestheim auf dem Boden des Arbeiter - und Bauernstaates schmutzig machen.

Früher war alles besser? Nö, aber irgendwie anders. Es lebe die Nostalgie:


http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/7_tage/7-Tage-im-Dorfladen,sendung64520.html


" Booker T. & M.G. S " - " Time Is Tight " - 1969:




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