Arterienverkalkung oder warum das Altern überhaupt nichts für Feiglinge ist
Seit einigen Tagen liegt das Untersuchungsergebnis des Klinikums München - Bogenhausen in einer meiner vielen Hefter, die ich in Sachen Gesundheit eigens angelegt habe. In dem Bericht wimmelt es nur so von fachspezifischen Begriffen. Da meine Lateinkenntnisse allenfalls als rudimentär einzustufen sind, nahm ich eines der im Internetz angebotenen Lexika zu Hilfe. Den " Pschyrembel ", den ich mir berufsbedingt in den 1990er Jahren angeschafft hatte, konnte ich nicht in meinen Fachbuchbestand wieder finden. Bei der Online - Recherche zu diversen Abkürzung sowie den lateinischen Fachbegriffen kam mir die Erinnerung zu dem Verbleib des einst erworbenen medizinischen Lexikons. Ich hatte es einst an eine Bekannte verschenkt.
Da Nachsehen der nicht bekannten Fachbegriffe im Netz bestätigte dann das, was ich bereits beim Verlassen der Münchner Herzklinik vermutete. Das schon reichlich betagte Herz, der Muskel allen Lebens, ist nicht mehr in einem Topzustand. Es weist einige nicht von der Natur vorgesehenen Veränderungen auf. Es sind Ablagerungen in den zum Herzmuskel führenden Arterien. Einerseits sind Plaques, die sich an den Innenwänden abgelagert und andererseits waren Verkalkungen, die zu der berüchtigten Gefäßverengungen geführt haben.
Es wird deshalb so kommen, wie es die Medizin bei diesen altersgemäßen Veränderungen vorsieht: Es droht die tägliche Einnahme eines Blutverdünners mit dem Namen " ASS ". Dieses Wundermittel verändert die Konsistenz des Lebenssaftes, der wird tatsächlich dünnflüssiger. Damit wird die ständige Versorgung des Herzens durch Blut sichergestellt. Es soll eine Staubildung vermieden werden. Immerhin ein Lichtblick für den festgestellten, eher bedenklichen Zustand des koronaren Herzbereiches.
Beim Lesen des Berichts, den ich nach Brieföffnung und grober Durchsicht der Untersuchungsaufstellung irgendwo im Arbeitszimmer abgelegt hatte, formulierte ich die sich unweigerlich aufdrängende Frage nach den Ursachen für die diagnostizierten Beeinträchtigungen. War es das über Jahre zelebrierte starke Rauchen in den 1970er Jahren, die zu den Verengungen der Blutgefäße geführt hat? War es eventuell der zeitweise lebensfrustbedigte Alkoholkonsum in den 1990ern? Oder lag es an den den zeitweilig ungesunden, weil aus stark Zucker haltigen Lebensmitteln bestehenden, Essgewohnheiten? Nur zu viel Süßes statt Nahrhaftes führt nicht zu Arterienablagerungen.
Was es auch immer gewesen ist, ich werde meine unisono bereits stark reduzierten Genüsse von Zucker haltigen Süßwaren noch stärker einschränken müssen. Zudem wird wohl die Einnahme eines den Cholesterinspiegel senkenden Mittels ebenfalls unumgänglich werden.
Blutdrucksenker, Blutverdünner, Cholesterinverminderer? Boah, eine Apotheke im Ort wird sich wieder über leicht gesteigerten Umsatz freuen. Die AOK, die selbst ernannte Gesundheitskasse, hingegen erfreut dieses eher weniger.
Als ich vor einigen Jahrzehnten einen Mandanten mit einer nahezu identischen Diagnose in einer Regresssache vertrat, waren seine Probleme für mich so weit weg, wie die Erde von der Sonne. Er befand sich in meinem jetzigen Alter und nahm regelmäßig Blutverdünner, den Blutdruck senkende Arzneien und Cholesterinsenker ein. Er kam damit nur sehr schwer zurecht, denn sein Lebenseinstellung war nicht auf Älterwerden programmiert. Bis zu jenem Tag, als er mit seinem Motorrad in Frankreich verunglückte und er sich einer Herzoperation unterziehen sollte. Dagegen wehrte sich der " Feigling " vehement. Beinahe wäre es zu spät gewesen.
Ist Älterwerden nichts für Feiglinge?
Kommentare