Ohne Tannenbaum

 




Weihnachten liegt mehr als einen Monat hinter uns. Der 24. Dezember und die Weihnachtstage danach lassen immer noch die Spuren dieses, oft traditionell begangenen Festes erkennen. Zwar sind die Paletten weise angekarrten Schokoladenartikel nicht mehr zu sehen, auch die nervige Dudelmusik ist dem genauso auf den Kranz gehenden seichten Geplärre gewichen, doch ein Blick in einige Vorgärten lässt erkennen, dass für einige Weihnachtsschmuck affine Bewohner die Feiertage des letzten Jahres offensichtlich erhebliche nostalgische Anwandelungen hinterlassen haben. Dort blinkt und leuchtet es beim Anbruch der Dunkelheit immer noch in vielen Farben. 

Weil zu dem hohen Geschenkfest ein richtiger Tannenbaum nicht fehlen darf, steht dieser auch jetzt noch - zumeist - abgeschmückt und im lichter werdenden Nadelkleid in irgendeiner Ecke des überschaubaren Gartens.  

Bei unseren Nachbarn stammt das Skelett einer Nordmanntanne noch aus dem Jahr 2024. Das Ehepaar, längst Mitte 80, wollte partout einen Christbaum aufstellen, doch der inzwischen im Haus mit wohnende Sohn, hatte den Abholzeitpunkt des abgelegten Tannenbaumes verpasst und legte diesen einfach im Gestrüpp des verwahrlosten Gartens ab. Dort rottete er vor sich hin. Vielleicht war der Mann zu faul, die Tanne zum Wertstoffhof zu bringen. Aus den Augen, aus den Sinn?

Noch nicht ganz, denn der Baum in Nachbars Garten erbringt zumindest beim Dahinsiechen einen gewissen Nebeneffekt, denn er bildet dadurch Humus. Somit spart der bequeme Nachbar sich das Mulchen im hauseigenen Urwald, der mittlerweile entstanden ist.

Erde zu Erde, Asche zu Asche, Tannenbaum zu Mulch?

Das werden die nicht verkauften Bäume, die außerhalb der Verkaufsflächen des " REWE " - Supermarktes in Eching so vor sich hingammeln wohl kaum bewirken. Das Personal hat jene Überbleibsel aus der Adventszeit von dem Gartenartikelstand abgesondert und dezent an der  Seite des Unterstandes platziert. Dort siechen die Bäumchen, die einst - frisch geschlagen, in dem handelsüblichen Plastenetz zusammen gepresst - sich im satten Grün präsentierten Exemplare aus irgendeiner Plantage in der Nähe, vor sich hin. Sie werden vielleicht in den kommenden Tagen oder Wochen abgeholt, sofern es sich um Kommissionsware handelt. Sofern der Handels - und Lebensmittelgigant derer zu viele eingekauft und gekauft hat, finden sie alsbald ihren Weg in eine Recyclinganlage, in der sie fein geschreddert, später zu Biomasse für Kraftwerke ihre Weiterverwendung finden. Ein Teil findet auch den Weg zu einem Zoo, der sie an die dort kasernierten Tiere verfüttert.

https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-wohin-mit-den-weihnachtsbaeumen-diese-moeglichkeiten-gibt-es-100.html#:~:text=Was%20passiert%20mit%20den%20alten%20Weihnachtsbäumen?,"%2C%20erklärt%20Ziegenwirt%20Hubert%20Decker.

Na, bitte, das ist ein hervorragendes Beispiel für Nachhaltigkeit der ansonsten weiterhin bestehenden Wegwerf - Gesellschaft des 3. Jahrtausend. 

Auf Rückweg von unserem ersten Lauf im neune Jahr 2026 warf ich einen Blick in den Garten eines weiteren Nachbarn. Dort stand - warum wunderte es mich nicht - ein abgeschmückter Christbaum. Er sah bereits reichlich ramponiert aus. So, wie ich den Herrn des Hauses einschätze, wird das einst gute, nunmehr ausrangierte Stück, auch noch in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten dort verbleiben und vor sich hin träumen. Er - der einstige Christbaum - hat sein Schuldigkeit getan und verliert jetzt zusehends an Attraktivität. Die Nadeln werden langsam vertrocknen, um dann zu Boden zu fallen. Der Weihnachtsbaum wird sein vormals grünes Nadelkleid verlieren und braun, somit unansehnlich, aussehen. Braun ist die Farbe des Vergangenen; auch heutzutage immer noch!

 Beim Vorbeilaufen fragte ich mich, ob der Nachbar das bräunliche Stück, dass noch vor einigen Wochen seinen angemessenen Platz inmitten des bereits zugestellten Wohnzimmers fand, nun zum Wertstoffhof karrt oder ob es auch einen Platz im Garten findet, vielleicht sogar in der freien Natur, wo wir jetzt wieder so manchen entsorgten Leidensgenossen gesehen haben?

Wie dem auch immer sei, die meistens Haushalte sind längst ohne den Freund zu Weihnachten und haben auch sonst, alles was daran erinnern könnte - bis auch die falschen Geschenke sowie noch nicht eingelösten Gutschein dafür - wieder in Kisten, Kästen und Beutel verpackt. Bis Weihnachten 2026 sind es noch ( nur noch ) 330 Tage. Die nächste Generation Weihnachtsbäume wartet bereits in den unzähligen Plantagen auf die Anschlussverwendung als Wegwerf - Objekt? 



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