Selbstfindung
Heute Morgen beobachtete ich, wie unser Nachbar mit seinem Fahrrad, einem Marken - Rucksack aufgeschnallt, in dem sich eine Yoga - Matte befand, von dannen radelte. Er dürfte wohl zum Yoga - Training bei der VHS - Eching gefahren sein. Yoga soll gesund sein. Der Sport trainiert Körper und Geist gleichzeitig. Für einem Mittsiebziger gerade der richtige Ansatz. Weil der Mann seit knapp 1 1/2 Jahren Witwer ist, dürfte er gezielt nach Lebensinhalten suchen. Da kann dieser Sport vielleicht der richtige Ansatz sein. Ein so einschneidendes Ereignis wie der Tod des Partners bringt bei nicht wenigen Menschen das selbst gebaute Daseinsgefüge erheblich zum Wanken. Oft hilft dann nur eine Neuausrichtung. Was nicht immer umsetzbar ist.
Die über Jahrzehnte eingegangenen Gepflogenheiten sind häufig nur schwer austauschbar. Die Bereitschaft dazu ist auch nicht jeden Menschen gegeben. Ein Umdenken in der eigenen Lebensführung fällt schon allein deshalb schwer. Noch problematischer gestaltet sich dieses, wenn das Berufsleben - so wie es bei dem Nachbarn der Fall war - kurz nach dem Tod der Ehefrau beendet worden ist. Der Mann sucht nach Inhalten, wie er die ihm jetzt massig zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll verbringen kann.
Da ist der Yoga - Sport ein durchaus vernünftiger Ansatz. Darüber hinaus möchte er in absehbarer Zeit den Jacobsweg wandern. Ein ambitioniertes Vorhaben, denn wenn er sich für den Camino Frances entschieden haben sollte, beträgt die Strecke satte 780 - bis 800 Kilometer und benötigt einen Zeitraum von knapp 5 Wochen. Ob der Nachbar diesen Wander - oder auch Pilgerweg tatsächlich absolviert, bleibt indes unklar. Er dürfte diesen Plan geschmiedet haben, um auf andere Gedanken zu kommen. Möglicherweise mit der Absicht verbunden, zu sich selbst zu finden.
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