Gladbach war ihr Schicksal
Wenn morgen Abend ab 18.30 Uhr der Ball im Hamburger Volksparkstadion zum 20. Spieltag der 63. Spielzeit rollt, trifft der Wiederaufsteiger Hamburger Sport Verein gegen den übermächtigen FC Bayern München und wird garantiert nach allen Regeln der Kunst verprügelt. Bereits das Hinspiel in München endete mit einem glasklaren 0:5. Das war nicht immer so. In den Spielzeiten Ende der 1970er bis zu Beginn der 80er Jahre hatte der HSV einen gutklassigen Kader, der alle Male mit dem zusammengekauften Haufen der Bazis mithalten konnten. So, wie es auch dem SV Werder Bremen erging.
Nur ist das beinahe mehr als 4 Dekaden her. Der Berufsfußball hat sich seit dem verselbständigt und ist zu einem Industriezweig verkommen, innerhalb dessen Menschen ( Spieler ) - Material ausgebildet und ausgespuckt wird, sofern der von außen sowie auch eigens aufgebaute Leistungs - sowie Erfolgsdruck nicht eintrifft.
Die Namen der unzähligen Protagonisten gelten längst als beliebig austauschbar; sie sind mithin nur Schall und Rauch. Zudem von den, auf eine übertriebene Form der medialen Verarbeitung ihrer getrimmten Sportberichterstattung, zum Objekt der Informationsverarbeitung degradiert, auf dem öffentlichen Präsentationstisch als gläserner Mensch fein säuberlich seziert, alsdann in eine Scheinwelt eingebaut. Diese nennt sich " König Fußball ". Sie ist aber in Wahrheit keine Märchenwelt, in der das Gute obsiegt.
Doch zum Siegen sind alle Mannschaften der 56 Vereinen aus den drei Profiligen verdammt. Wenn dieses nicht regelmäßig umgesetzt wird, erkennt die Medien - Meute darin eine Krise; für den FC Bayern München nur eine " Ergebniskrise ".
Was für die zig Tausend Berufsfußballer gilt, trifft auf die Trainer alle Male zu. Sie sitzen mehr und minder auf einem Feuerstuhl, der bei dem geringsten Anlass mit ihnen los rast, um sie bei der nächsten Kurve aus heraus zu katapultieren.
Dieses Szenario droht dem Trainer des SV Werder Bremen. Der Verein konnte seit neun Spielen keinen Sieg erringen. Die von Horst Steffen im Nachholspiel im heimischen Weserstadion am Dienstag dieser Woche auflaufende Mannschaft blamierte sich mit einem 0:2 gegen die in einem Höhenflug befindliche TSG 1899 Hoffenheim. Die frustrierten Zuschauer pfiffen sie nach Spielschluss gnadenlos aus.
Das geschieht dort eher selten. Wenn die auch hier hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt werden, verlässt der Werder - Fan klammheimlich weit vor dem Schlusspfiff das Stadion, setzt sich in einen Bus, in eine Straßenbahn oder nimmt die Weserfahre " Hal över ". Die Masse zuckelt indes in die nächsten Kneipen, um bei einem " Beck´s ", einem " Hemelinger " oder vielleicht " Jever " vom Fass, den Frust herunter zu spülen.
Anlässe dazu gab es seit dem Gewinn der Meisterschaft 203 / 2004 und der späteren Demission des letzten Erfolgstrainers Thomas Schaaf genügend. Da kassierte das einstige Spitzenteam in Deutschland und eventuell auch in Europa gegen die ehemalige Konkurrenz richtige Packungen. Okay, die gab es dann und wann auch schon mal zu " König Otto I zu Bremen " ( Otto Rehhagel ). Da gingen die Grün - Weißen in Frankfurt bei der Eintracht mit einem 2 : 9 sang und klanglos am 14.11. 1981 im Main unter ( der bedauernswerte Torwart hieß Hermann Rülander und war danach nicht mehr die Nummer Eins ). Oder das legendäre 1:/ gegen Borussia Mönchengladbach am 21.03.1987 ( im Tor befand sich der Nationalspieler Dieter Burdenski ). Von " ganz schönen Riemen ( O - Ton Wolff - Christoph Fuss ) gegen die Bazis zu Hause oder in München will ich jetzt nichts mehr schreiben ( 0: 7; mehrfach 0:6, zuletzt 0:4 ).
Nun steht am 20. Spieltag die Begegnung gegen den VFL Borussia Mönchengladbach an. Das Hinspiel gewann der SV Werder bekanntlich am 15.09.2025 mit 4:0. Der Trainer bei den Gladbachern hieß Gerardo Seoane. Er durfte einen Tag später die Heimreise in die Schweiz antreten, wo er jetzt Young Boys Bern betreut. Auch der Frankfurter Trainer Dino Toppmöller verlor seinen Job nach dem schmeichelhaften 3:3 gegen Bremen. Vielleicht muss Horst Steffen am Sonntag ebenfalls die Koffer packen? Doch bei dem morgigen Gegner VFL Borussia Mönchengladbach werden wesentlich düsterere Erinnerungen wach.
Am 22. 05. 2021 ( einem Corona - Jahr ) verloren die Grün - Weißen mit 2:4 vor 100 Zuschauer ( sie sollten allesamt getestet worden sein ) gegen Gladbach und stiegen in die Zweite an. Trainer war der für den einen Spieltag zuvor gefeuert Florian Kohfeldt in die Bresche gesprungen. Zu spät! Der Abstieg war damit bereits besigelt.
Nie wieder?
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