Mittwoch, 13. Juni 2018

Vertreibung aus dem Paradies



Neben der rasant ansteigenden Zahl der Erdenbewohner, die längst zu einer Überbevölkerung geführt hat, der immensen Zerstörung natürlicher Lebensräume, nimmt in Folge dessen auch die Vermüllung dieses Planten apokalyptische Ausmaße an.
Da mag der Bundesdeutsche Weltmeister im Wertstofftrennen sein; die mickrigen 84 Millionen ( 800.000 Geflüchtete von " Mama " Merkel´s Gnaden sind hier schon mit eingerechnet ) machen dort den Kohl nicht fett.

Weil der Deutsche nämlich auch Weltmeister oder zumindest Vizeweltmeister im Reisen ist, karrt er einfach den damit verbundenen Dreck eben in die entferntesten Ecken dieser, unserer, Welt und scherrt einen feuchten Kehricht um dessen Beseitigung dort. Schließlich hat der Grand Turismo viel Kohle für sein weiteres Heiligtum, die Fernreise, abgelatzt, um sich später damit zu brüsten, wo und wie er überall war.

Je weiter, desto schöner und je abgelegener, desto höher der Bransfaktor. Da reichen solche exotischen Ziele, wie die Seychellen, die Dom Rep oder gar Bali, längst nicht mehr aus, um bei dem Gegenüber den grünen Neidfaktor in dessen Visage zu projizieren. Nein, solche Urlaubsgegenden, wie etwa  Dominica, Madagaskar oder auch Sambia dürfen es dann schon sein.

Die Insel Boracay mit ihren knapp 32.000 Bewohnern, zählt zu den Philippinen. Sie umfasst in etwa 10 km² Fläche und zählt mit der Nachbarinsel Crocodile Island zu den beliebten touristischen Attraktion der Provinz Aklan. Aufgrund der exponierten Lage kann hier in bestimmten Monaten Wind - und Kitesurfen sowie auch Tauchsport betrieben werden.

Doch dem damit einhergehenden, eher sanften Tourismus, wird als Pendant der Krawall aus den unzähligen Bars und Diskotheken entgegen gesetzt, der damit auch den Sauf - und Partykult anzieht.


https://de.wikipedia.org/wiki/Boracay  

Damit verbunden ist ein hausgemachtes Müll - und Abwasserchaos, dass mutmaßlich dem auf der Insel Bali ähnelte ( https://indojunkie.com/artikelreihe-keep-bali-green-and-clean-bali-muellparadies/ ).

Nachdem ich die beiden Papp - Halbschalen, die mir der Verkäufer der Thüringer Bratwürstchen in Papier eingepackt, vor dem Transport zu unserer Strandmuschel, übergeben hatte, in einer der zahlreichen Abfalltonnen entsorgte, kam mir eben jener Kurzbericht in Erinnerung, den ich kurz zuvor im " SPIEGEL " gelesen hatte.

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte griff im April dieses Jahres zu rabiaten Mitteln und ließ die Insel Boracay kurzerhand von sechs bewaffneten Hundertschaften der Polizei für einen Zeitraum von 6 Monaten besetzten. Die Polizisten hinderten Touristen am Betreten der Fähren, die Insulaner wurden verpflichtet, die Strände und die Insel zu säubern.

Damit mussten Hunderttausende Urlauber ihren Besuch auf dem Eiland absagen. Erst wenn die Reinigung von Borcay beendet ist, kann der Massentourismus dort wieder toben. Das Abwasserproblem dürfte dabei auch eingeschlossen sein, denn Präsident Duterte formulierte in seiner rechtfertigenden Erklärung die Hauruck - Aktion mit den Worten: " Das Meer riecht nach Scheiße ".

Die Insulaner waren zwar grundsätzlich mit der Maßnahme einverstanden, kritisierten jedoch die rabiate Vorgehensweise des Staatsoberhaupts. Weniger amüsiert werden jedoch die potentiellen Besucher Boracays gewesen sein. Sie mussten ihre Fernreise in das vermüllte Paradies für dieses Jahr zunächst stornieren. Auch die Umwelt belastenden Kurzvisiten Tausender Kreuzfahrttouristen werden wohl von der Okkupation betroffen sein.

Die Insulaner verdienen zwar in dieser Zeit kein Geld, doch die geschundene Natur darf aufatmen. Das einstige Paradies wird es aber auch nicht nach der Zwangsreinigung des Eilands zurück geben.

Leider!

Da lobe ich mir unsere Ostsee. Zumindest hier ist vieles geklärt, wenn auch nicht so exotisch, bei Wassertemperaturen von 26°, aber dafür ohne die blöden Krawalltouristen.


Ringo Starr - " Postcards From Paradise " - 2015:





       

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