Montag, 4. Juni 2018

" Westfälisches Zwiebelfleisch kennen Sie wohl hier nicht? "



Tag 2 unseres Aufenthalts im Ostseebad Prerow. Heute Morgen stand Einkaufen im Supermarkt auf der Agenda. Da die Zeiten, in denen der mobile Urlauber - der lieben Gewohnheiten wegen - ganze Batterien an Konserven, Kisten voller Bier, Wasser und Wein oder auch gewohnte, heimische Spezialitäten durch halb Europa kutschieren musste, um auch beim leiblichen Wohlergehen nicht darben zu müssen, sind längst passe´.

Ebenso wenig muss der Einnahmen bringende Touristin diesen Gefilden heutzutage mehr auf heimische Hör - und Sehgewohnheiten im Rundfunkt und Fernsehen verzichten und sich von fremdländischen Gedudel nerven zu lassen. Dank des Internets und der Satellitentechnik lässt sich nahezu jeder Lokalsender auf am Nordkap, auf Sizilien und auch auf der Halbinsel Fischland - Darß - Zingst empfangen.

Vorbei sind hier die Zeiten, als Lieselotte Koslowski ihr Kofferradio in den PKW mit Wohnanhänger verstaute, dort aber zuvor den regionalen Radiosender einstellte, dann pünktlich auf dem Werkparkplatz des Arbeitgebers ihres Ernährers erschien, dieser nach dem Schichtende den Motor anließ, um in Richtung Italien oder Spanien zu fahren, um dort enttäuscht festzustellen, dass der Lokalsender plötzlich Kauderwelsch brabbelte.

Auch die bohrende, die penetrante Frage, ob " Mann hier deutsch spricht " ist längst nicht mehr erforderlich.

Und dennoch gibt es den typisch deutschen Urlauber, der mit sauertöpfischer Miene am Domizil, das er für nicht gerade wenig Geld gemietet hat, an den örtlichen Gegebenheiten herum mäkelt.

So geschehen, eben heute Vormittag in dem " EDEKA " - Supermarkt in Prerow.

Schon die Fahrt auf den Kundenparktplatz  ( ich hatte die " Penny " - Filiale favorisiert, diese jedoch wegen einer falsch notierten Adresse nicht gefunden ) verhieß Stress pur beim notwendigen Kaufen von Salz, Zucker und Essig. Der Platz war voll. Das lag nicht nur an dem abgelaufenen Wachende, sondern wohl auch an den Neuankömmlingen, die - so wie wir auch - am Sonntagnachmittag angereist waren.

Relativ voll war es auch im Markt selbst. Eisgraue - so, wie wir auch - schoben ihre Metallwagen kreuz und quer durch die Gänge. Immer auf der Suche nach einem Super - Sonderangebot des Tages. Das relativ junge Personal ertrug das Gewühl mit Fassung.

Hinter mir beschwerte sich eine beinahe Gleichaltrige, aber wesentlich korpulenterer Mitstreiterin um die Deutungshoheit der Angebote und ihres Verkaufsstandes, über das Wooling in dem Markt. Sicherlich, dass Einkaufen macht an solchen Großkampftagen keinen Spaß, aber - so sagen wir Norddeutsche: " Wat mutt, dat mutt ! ". Und der Magen knurrt nicht zeitlich unbegrenzt.

Ein sauberes Hochdeutsch vernahmen meine Ohren auch aus der Richtung eines knapp hinter uns herum fuhrwerkenden Ehepaars. Ich hörte tadelnde Worte, wie: " haben die nicht " oder " habe ich hier nicht gesehen " und " das gibt es hier wohl nicht ".

Die Krönung der Arroganz vollbrachten aber zwei - vermutlich - Rentnerinnen, die an dem  Fleischstand des Marktes die vorwurfsvolle Feststellung trafen: " Westfälisches Zwiebelfleisch kennen Sie hier wohl nicht? " Die Mitarbeiterin reagiert mecklenburgisch kühl und bügelte den Einwand mit der Antwort: " Das ist eine regionale Besonderheit " ab.

Nach dem erledigten Einkauf, erinnerte ich mich an die penetrant auftretenden Deutschtümler im europäischen Ausland. Die in Italien nach deutschem Bier, in Spanien nach Schnitzel mit Pommes oder Currywurst fragten oder in Frankreich nach Königsberger Klopsen.

Der angeborenen Leichtigkeit des westdeutschen Seins waren durch die DM nahezu keine Grenzen gesetzt. Und weil diese Währung eben erfolgreicher als der Alu - Zaster des sozialistischen Bruderstaates, dem der gemeine Malocher dank der CDU - Propaganda - Rhetorik reinweg gar nichts abgewöhnen konnte, sind eben jede so gepolten Rentnerhorden aus dem " Besser - Westen " immer noch gebrieft, in dem Besuchsland der einstigen Ostzone ein Refugium zu sehen, in dem eben nicht Milch und Honig aus der Leitung läuft. Das einstige Entwicklungsland DDR hat sich zwar in die Neuen Bundesländer aufgeteilt, diese sind jedoch vielen Westlern genauso fremd, wie sie einst zu Zeiten der Existenz des antifaschistischen Schutzwalls waren.

Kein " Westfälisches Zwiebel - Sauer - Pökelfleisch " auf dem Darß? Eine kulinarische Schade, also. Wir wussten ja schon immer, das wir ja dass das Übermitteln der wahren deutschen Werte, auch 28 Jahre und ein paar zerhackte Monate nach der unerwünschten Wende, noch lange nicht beendet ist. Also: Fahren wir mit dem Lernprogramm " Freiheit geht durch den Magen " fort.

Zwiebelfleisch hin, höhere Rente her: Auch in der Vorsaison sind wir auch hier immer noch wer!


" Sendelica " - " This Is The Day " - " The Pavillion Of Magic And Trials Of The Seven Surviving Elohim " - 2011:




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