Die Schäferin, ein Film aus dem Märchenbuch des Fernsehalltags.


Da bolzten am 6. September 2013 ab 20.45  im ZDF - Programm die beiden sehr hoch sowie hoch bezahlten Fußballer in ihren Nationalmannschaften von Deutschland und Österreich gegeneinander. Ein Quotenbringer für das Rentnerprogramm aus Mainz also. In ARTE versuchte sich die eiskalte Lady mit dem Comic - Gesicht Ferres, um der hanebüchenen Geschichte " Mein Mann, ein Mörder " zumindest namentlich ein kleines bisschen Realität zu verleihen, währenddessen die Alte Tante ARD eine weitere Episode aus dem heiß umkämpften Markt der Märchen - Macher als Drehbuchverkäufer zu senden.

Unter dem viel sagenden Titel " Die Schäferin " geht es hier um eine fehl geleitete Frau aus der Rhön. Einen Flecken des alten Deutschlands in der sich bekanntlich regelmäßig Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Svea, so ist der Name der Protagonistin aus dem Grünen Wald, möchte nach dem Ende ihrer tristen Jugend in der hessischen Pampa, nur noch eins: Raus aus dem Kaff. Inzwischen ist die Süße aus der Rhön nach dem Abitur ( wie sie dazu kam, steht Drehbuch mäßig in den Sternen ) zur Schäferin ausgebildet und verlässt ihre traute Umgebung, um in der Anonymität der Großstadt ( Frankfurt am Main ) das Studium der Rechtswissenschaften aufzunehmen. Das hätte sie lieber sein lassen sollen,denn arbeitslose Juristinnen gibt es auch 2011 wie Sand am Meer.

Es kommt, wie es kommen muss: Svea legt ihre beiden Staatsexamina ab, doch: " Oh Schreck ", sie ist nun mal eine Frau, es gibt in der von Kerlen beherrschten Jurisprudenz keinen Platz für die " Schäferin " mit Jura - Ausbildung. So beendet sie das Spießrutenlaufen in Form der demütigenden Vorstellungsgespräche in Mainhattan und kehrt - nachdem sie einen heißen Tipp während eines mit einer Freundin geführten Telefonats - Krankfurt den Rücken, um zurück in die Ödnis der Heimat zu fahren, wo sie ihren gelernten Erstberuf als Schäferin aushilfsweise wieder aufnimmt. Das ganze mühsame rechtswissenschaftliche Studium war zunächst umsonst. Diese leidige Erfahrung haben in der Realität, also außerhalb der geschlossenen Gesellschaft, innerhalb der Leistungsfreiheit herrscht, jedoch die richtige familiäre Herkunft entscheidend ist, zig Tausende seit 1949 bereits machen müssen.

Svea also, hütet fortan Schafe in der Rhön und trifft dabei ihre Jugendliebe Hannes wieder. Und, hach, was für ein gewollter Zufall, es brennt immer noch lichterloh zwischen den Beiden. Hannes ist jedoch längst verheiratet, Vater einer Tochter und von Beruf Landtierarzt. Nun, die Schäferstündchen der gelernten Schäferin mit dem untreuen Veterinär dauern dann nur so lange, wie Svea selbst zu der erhellende Erkenntnis gelangt, dass beiden Idylle im Leben nicht zueinander passen. Der Aushilfsjob bei ihrem erkrankten Onkel als Schäferin ist zwar reizvoll, macht aber auch nicht richtig satt. Die Liebesaffäre mit dem Tierarzt Hannes ist ebenfalls reizvoll, führt aber endgültig in eine private Sackgasse, denn Hannes wird sich nicht von seiner Ehefrau und Tochter trennen.

So bringt die Schmonzette den Zuschauer von dem harten Boden der Berufsrealität in die rosaroten Sphären der Märchenidylle: Svea möchte den vermeintlich Goldenen Mittelweg nehmen: Nicht das frustrierende Leben der Ellenbogen - Großstadt, die sie arbeitslos gemacht hat, nicht das drückende Los der Kinderlosigkeit und des Singledaseins, sie möchte auch nicht die High Heels mit Gummistiefeln, den Trenchcoat mit einem rustikalen Schlapphut und das dekadente Loft mit einenm wenig glamourösen Schäferwagen lebenslänglich eintauschen, deshalb trifft sie sich - oha, welch Zufall - mit ehemaligen Studienkollegen, um eine Rechtsanwaltskanzlei zu eröffnen. Tja, der Schuss im beruflichen Niemandsland geht in der Regel des beruflichen Alltags auch nach hinten los. Bei derartigen ÖR - Märchen allerdings nicht.
Svea verbrät ihre letzte Kohle und wird - hui, nicht so schnell, eine erfolgreiche Rechtsanwältin.

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute.

Geht der - eher von den üblichen Beziehungsgesumse, denn von dem Zerrbild der Realität - völlig gelangweilte Glotzer, ein wenig hinter die Friede - Freude - Eierkuchen - Kulissen dieser Provinzgeschichte, kommt er sehr schnell zu der Frage, wie eine arbeitslose Juristin, aus dem Nichts eine erfolgreiche Rechtsanwältin werden kann, ohne die Vitamin B - Spritze aufzuziehen und sich zus setzten? Und da es solche Abarten aus Grimm´s Märchen nur im Film - Genre gibt, werde ich dann doch lieber die harten Fakten sprechen lassen:
  

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14022266.html

Wie, jetzt: 30 Jahre danach und immer noch kein bisschen weise?

..... Fortsetzung folgt.

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