Montag, 23. April 2018

Westworld



Beim Herumzappen zwischen den vielen - eigentlich zu vielen - " Sky " - Kanälen, prangte mir gestern Nachmittag ein Programmtitel in meine viereckigen Glüsen, der mir seltsam bekannt vorkam. " Westworld " war in dem Text zu lesen.  Wie, jetzt? " Westworld "? Da war doch etwas von einst, also vor vielen, sehr vielen Jahren, zu jenen Zeit, als ich die zunächst halblang, auf Vokuhila getrimmten und längst noch nicht völlig ergrauten Haare zunächst gegen einen " adretten ", laut Dienstordnung beim Barras, nicht mehr über den Kragen reichenden, Fassonschnitt umzuändern hatte, wieder wachsen ließ und sich meine bereits abgeschlossene Leerzeit sich jetzt in klingende Münze auszahlen sollte, weil ich für knapp 3 1 / 2 Monate wieder bei der Herm. Altenburg KG in Bückeburg als Verkäufer arbeiten konnte, in meiner Erinnerung verblieben.

Im " Residenzkino ", der einstigen Fürstenresidenzstadt Bückeburg, sah ich bei meinem obligatorischen Gang durch die sehr überschaubare, aber dafür nicht mit genormten Filialen irgendwelcher Handelsketten zugepflasterten Innenstadt, in den verglasten Schautafeln des Kinos die Vorschau zu eben jenem US - Schinken mit dem viel sagenden Namen " Westworld ".
Wie damals üblich war das Filmplakat, auf dem der Hauptakteur mit dem Namen Yul Brynner " zu bestaunen war, mit Fotos garniert, die ihn und andere Helden bei der Arbeit und in voller Montur in reißerischer Aktion zeigten, garniert. Schließlich aß das nicht gerade verwöhnte Provinzauge bereits damals mit.

Yul Brynner, eigentlich gut bürgerlich, aber mit russischen Wurzeln behaftet, Juli Borissowitsch Briner, wurde eben am 11. Juli 1920 in Wladiwostok, der ehemaligen UdSSR, geboren. Er ist ab 1949 in einer Vielzahl von US - amerikanischen Streifen zu sehen.
Natürlich auch in Western  und Kriegsfilmen sowie anderen mit Pulverdampf behafteten Machwerken. Ab den 1970ern, als die futuristischen, mit modischen Schnickschnack aufgelockerten Filme aus den großartigen Vereinigten Staaten in das vermeintlich kulturlose Westeuropa gespült wurden, agierte Yul Brynner in solchen Science Fiction - Filmen wiederum als Knarrenmann.

Brynner war zu jener Zeit äußerst beliebt. Neben dem Macho Charles Broson oder auch Henry Fonda, John Wayne, Robert Mitchum oder wie sie sonst noch alle hießen, war Brynner die Inkarnation des heldenhaften Mannes schlechthin. Er war ein amerikanischer Held, ein Revolverheld. So lange, bis er im jugendhaften Alter von 65 Jahren verstarb.


https://de.wikipedia.org/wiki/Yul_Brynner

Der jute Yul mimt in dem Machwerk einen Androiden, der in dem Film dann außer Kontrolle gerät. Die Idee, von Menschen konstruierte Roboter, also Androiden und Gymnoiden als Statisten für ein Freizeitvergnügen, bei dem der Urtrieb des Yankees, den Schießprügel statt  der Worte sprechen zu lassen, erst so richtig zum Tragen kommt, brachte dem Regisseur Michael Crichton einen beachtenswerten, kommerziellen Erfolg ein.



https://de.wikipedia.org/wiki/Westworld


Anno 1973 als so weltbeherrschende Männer, wie Bill Gates, Steve Jobs, Jeff Bezos oder der twitternde US - Clown Trump noch nichts zu melden hatten, konnten sich Filmschaffende die Nutzung künstlicher Intelligenz als Massenware nicht einmal ansatzweise vorstellen. Deshalb entstanden futuristische Streifen, wie " Westworld ".

Mich konnte der Schinken mit dem glatzköpfigen Brynner nicht überzeugen, als ich diesen Monate nach seinem Anlaufen in der BRD eben in dem " Residenzkino " im friedlich - provinziellen Städtchen Bückeburg für 3,50 DM auf einem Parkettsitz hockend über mich ergehen ließ. Yul Brynner war nicht so mein Favorit, auch wenn er häufig in den Rollen des bösen Mannes abgestempelt durchaus schauspielerische Klasse bewies.
Vielleicht mag es auch daran gelegen haben, dass ich mir die Haare lang wachsen ließ und Glatzen abstoßend fand.

Bei einem zufälligen Besuch in der Mindener Diskothek " Studio M " fiel mir das lebensgroße Poster des gebürtigen Russen schon damals unangenehm auf. Ich setzte mich deshalb außerhalb der Sichtweite zu Brynner´s Konterfei in eine andere Ecke. Statt Musik aus dem " Westworld " - Film gab´s dann ordentlichen Rock von den " Who " mit " Won´t get fooled again " auf die Ohren.

Immerhin ein Lichtblick im leeren " Studio M " des Jahres 1974.

Nun hat also " Sky " für seine zahlende Kundschaft die futuristische Schwarte wieder aus der Mottenkiste geholt und kredenzt diese zu verschiedenen Tages - und Nachtzeiten auf irgendeinem der eben zu viele Kanälen. Alles hat seine Zeit und Brynner ist ja schon fast 33 Jahre tot. Dann lebt eben " Westworld " weiter. Und - so ganz nebenbei gesagt - die heutige Technik würde auch einen wild um sich schießenden Revolverhelden auch unsterblich machen und es gar nicht dulden, dass dieser - wie im Film zu sehen - den qualvollen Feuertod erleiden muss.





" Sesiones Ácidas "  - " Tomorrow Never Knows " - Espacio Negativo " - 2008:





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