Dienstag, 14. November 2017

Aus dem Jahr 2017: Drei mal Orkan und Milliardenschäden, doch " Quimburga " konnte es besser.



Nur noch 46 Tage, dann darf die Erdbevölkerung das Jahr 2017 nach Christigeburt auch ad acta legen. Neben allerlei üblichen Unwägbarkeiten, wie Kriege, Hungerkatastrophen und so genannten Selbstmordattentaten, hab es für viele Länder auch reichlich Sturm zu ernten.

In unseren Gefilden wüteten 2017:

https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmtief_Sebastian

https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmtief_Xavier

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-10/sturmtief-herwart-deutsche-bahn-zugverkehr-orkanboeen


Dabei entstanden jeweils materielle Schäden in Milliardenhöhe. Viel tragischer indes sind die Toten, die durch diese drei Orkane registriert werden mussten. Der damit verbundene, reflexartige Hinweis auf die klimatischen Veränderungen auf unserem Planeten, ist zwar erforderlich, sollte allerdings nicht dazu verwandt werden, dabei die Vergangenheit zu verklären. Denn Orkane in diesem Ausmaß hat es nicht nur jenseits des Großen Teichs gegeben.

Als vor genau 45 Jahren ein Sturmtief mit dem Namen " Quimburga " über halb Europa jagte, hinterließ es mindestens 75 Tote und mehre Hundert, zum Teil Schwerverletzte. Was aufgrund der damals noch überschaubaren Wetter - Techniken als eher harmloser Herbststurm deklariert wurde, entpuppte sich schon bald als Bäume fressendes Monster.

" Quimburga " wütete auch in Niedersachsen. Wo ich als Soldat in der KTS II / III in Munster / Lager meinen Kriegsdienst versah. Munster liegt bekanntlich in der Lüneburger Heide. Auch dort hatte die extensive Nutzung des einst durchgängigen Mischwald - Gebietes dazu gehört, dass Monokulturen entstanden. Die aufgeforsteten Kiefernwälder waren ein leichtes Spiel für " Quimburga ". Der Orkan knickte sie ab oder entwurzelte sie über Kilometer. Was sich später dort zeigte, war eine Schneise der Verwüstung. Die Kiefern lagen wie Streichhölzer über einander.

In den frühen Vormittagsstunden wurde auch in Munster / Lager Katastrophenalarm ausgelöst. Dass bedeutete, dass jener Soldat von seiner Dienststelle zu seiner Kompanie zurückzukehren hatte. Die Einheiten wurden in Bereitschaft gehalten, sofern es erforderlich gewesen wäre, hätten sie aus den vielen Kasernen ausrücken müssen.

" Quimburga " verzog sich genauso rasend schnell, wie sie gekommen war. Gegen Mittag war der Spuk vorbei. Ich zog meinen so genannten Arbeitsanzug wieder aus und tauschte diesen in den kleinen Dienstanzug und meldete mich wieder bei meinem Hauptfeldwebel auf der Dienststelle des S 3 Org.

Der Orkan war längst kein Thema mehr. Allenfalls die Medien berichteten noch darüber. Doch einige Monate später, der Frühling 1973 war längst angebrochen, verkündete der Kompaniefeldwebel, den wir wegen seiner schmächtigen Statur und seines watschelnden Ganges nur " Enten - Dieter " oder " Enten - Schmeichel " nannten, in dem morgendlichen Appell eine gute Neuigkeit. Es wurden Freiwillige für einen " Arbeitseinsatz " in den Wäldern rund um die Stadt Munster gesucht, die beim Aufräumen der Waldschäden mit anfassen sollten. Als Dank dafür gab es jeweils einen Tag Sonderurlaub.

Sonderurlaub? Das zog natürlich bei mir. Schließlich verstand ich meinen Auftrag und den darauf geleisteten Eid - damals noch mit konfessioneller Formel - als sinnloses Absitzen innerhalb eines Staates im Staat, der überwiegend aus reaktionären oder mindestens konservativen Männern geführt wurde. Nein, Kriegsdienst war nicht so mein Ding. Was mich dabei lockte, waren die Moneten, die ich als popeliger Einzelhandelskaufmann so nie hätte verdienen können. Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Zulagen und dann noch Sonderurlaub? Wo gab es das schon in der kapitalistischen Freiwirtschaft? Nur in den großen Konzernen. Und Bandarbeiter bei VW. Conti oder H. Heye Glasfabrik Obernkirchen, dat war auch nüscht für mich.

Also meldete ich mich - von " Enten - Schmeichel " sehr wohl wollend zur Kenntnis genommen. Sein Kommentar bei meiner Freiwilligenmeldung: " W. Sie wollen sich doch nicht etwa die Hände schmutzig machen? " Meine Antwort: " Doch, Herr Hauptfeld, doch! "

An einem Freitagmorgen standen mehrere Dutzend so genannte Freiwillige im Arbeitsanzug mit grünem Schiffchen als Kopfbedeckung bekleidet in der Kompanie. " Enten - Dieter " ließ sie nach dem Morgenappell rechts raus treten und zählte durch. Mit leichtem Schmunzeln registrierte er, dass nahezu die Hälfte " seiner " Kompanie ausrücken wollte, um die Hinterlassenschaften von Tante " Quimburga " zu beseitigen.

Die hatte, wie später fest gestellt werden konnte, allein in Niedersachsen mehr als 10 % des damaligen Waldbestandes gekillt, was einer Fläche von ca. 100.000 ha des gesamten Waldbestands von einst 954.244 ha, auf der 50 Millionen ( ! ) Bäume umgeworfen waren, die zwischen 16 bis 17 Millionen Festmeter Holz entsprachen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Orkan_Quimburga

So setzte sich also eine Kilometer lange Kolonne von Bundeswehr - Fahrzeugen aus Munster / Lager in Gang, um die Schäden beseitigen zu wollen. Beteiligt daran waren einige Tausend Soldaten. Als wir in dem Waldabschnitt in der Nähe von Munster ankamen, sah es dort aus, wie auf einem Schlachtfeld. Nach dem Absitzen ging es innerhalb eines von einem aufsichtsführenden Hauptfeldwebel abgesteckten Areal an die Arbeit. Es konnten allerdings nur die abgebrochenen Äste auf die Bundeswehr - LKW geladen werden. Die Stämme der Fichten mussten zersägt werden und dafür hatten wir weder Werkzeug noch die Qualifikation.

Dennoch kamen Hunderte LKW - Fuhren an jenem und den drei anderen Tagen zusammen. Dann wurde der Arbeitseinsatz in den Wälder rund um Munster beendet.

Ich durfte mich auf vier Tage Sonderurlaub freuen, die mir auf meiner Urlaubskarte eingetragen wurden. Immerhin konnte ich damit die 26 Werktage auf satte 30 Tage, also insgesamt 6 Wochen Jahresurlaub ausdehnen.

Die meisten Waldgebiete blieben indes unaufgeräumt. Viele Bereiche konnten nicht einmal wieder aufgeforstet werden, weil dazu das Geld fehlte. So überließen die unfähigen CDU - Verantwortlichen jene " Quimburga " - Hinterlassenschaften dem natürlichen Selbstlauf. Die umgeknickten und entwurzelten Fichten begannen zu verfallen, sich zu zersetzen, als Totholz in den Wäldern zu verbleiben. Und sie wären nach vielen Jahren auch zu eine Art Mulch kompostiert worden, hätte es 1975, also drei Jahre nach " Quimburga " ein verheerendes Großfeuer gegeben, dass den zerstörten Wäldern dort dann den Rest gegeben hat.


http://www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie/1975-Feuerkatastrophe-in-der-Heide,heidebrand2.html

Der damals als Oberkreisdirektor fungierende Dr. Axel Bruns ( natürlich ein Schwarzer ) musste nach der - auch parlamentarischen - Aufarbeitung des größten Flächenbrandes in der Geschichte der Bundesrepublik seinen Hut nehmen. Doch die Kritik an diesem unfähigen Kaspar verstummte schon bald. Heute ziert sein Name die Berufsbildende Schule " BBS II " in Celle. Die damals schwarz - braune Seilschaft, zu der auch der Versager Bruns gehörte, bestehend aus selbst ernannten Honoratioren aus dem Lüneburg - Celler - Dunstkreis brachte es auch fertig, einen Adjutanten des Gröfazes aus Braunau am Inn, denn SSler Darges nebst Angetrauter wieder in Amt, Ehren und Ansehen zu hieven ( http://antifa.sfa.over-blog.com/article-celler-seilschaften-deckten-jahrzehnte-einen-nazi-41878628.html ).

Aha, nun weiß ich auch, warum mir der Waldarbeitereinsatz wegen " Quimburga " eigentlich schnuppe war, so wie das Einstehen für das ehemalige " Vaterland " - es gehörte wieder den Braunen im schwarzen Gewande, die hätte Tante " Quimburga " lieber gleich mit entsorgen sollen.

" The Hollies " mit der Bobby Dylan - Adaption " Blowin´In The Wind " - 1968:



Hach, wat war´n mer jung, schön und dumm ( Geht dat eigentlich )?


Und zum Abgewöhnen, einst aus dem Saustall der Ballermann - Proleten:



P(B)asst scho!


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