Donnerstag, 30. November 2017

Schmidteinander


Nachdem die Sondierungsgespräche der vier Parteien in Berlin krachend gescheitert sind und das Stimmenvieh gezeigt bekommen hat, dass Grün nicht mit Gelb und Gelb nicht mit Dunkelschwarz und umgekehrt kann, legte sich - medial betrachtet - eine bleierne Stille rund um das Kanzleramt. Allenfalls durch den bereits aufgestellten Tannenbaum, der ab Sonntag bis in das Neue Jahr hinein, den dortigen Protagonisten rund um " Mutti " Merkel ein wenig Erleuchtung in dieser dunklen Zeit bringen wird, kommt dann auch Erhellendes aus dem Prunkbau an der Spree.

Während die Republik, ganz Europa, nein, sogar die Welt, auf unser " Vaterland " schaut und darauf wartet, dass es endlich mit den Front - Germanen irgendwie weiter geht, ereignete sich ein Provinzposse am Rande des weltmännischen Geschehens.

Ein Bundesminister mit dem deutschen Namen Schmidt geriet in den Fokus der paralysierten Medienöffentlichkeit und damit auch in das Visier der " Facebook " - Hetzer. Nicht der aus dem braun - nationalistischen Umfeld, auch nicht aus den eigenen, nicht fest geschlossenen Reihen seiner Partei, der CSU , prügelten Frau und Mann auf diesen Schmidt ein, nein, die ungehemmte Wut wurde aus den Reihen der Krawallos und Maulhelden des grünen Dogmatismus heraus gelassen.

Der geschäftsführende Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt, 60 Jahre alt, hatte es gewagt, bei der Abstimmung über die zeitlich begrenzte Weiterverwendung des sehr umstrittenen Pflanzengiftstoffs " Glyphosat " in Brüssel ein " Ja " abzugeben, obwohl er sich hätten enthalten müssen. Seine Kabinettskollegin Barbara Hendricks ( SPD ), die Ressort übergreifend ein paritätisches Mitentscheidungsrecht inne hat, stellte sich gegen die Weiterverwendung des Gifts; womit nach der noch geltenden Geschäftsordnung, der CSU - Schmidt eine sich enthaltene Stimme für die Bundesrepublik abzugeben hat.
Hat er aber nicht.

" Mutti " zählte ihn daraufhin an. Das war´s bereits von ihrer Seite. Schließlich plagen die Kanzlerin andere, weit aus gewichtigere Sorgen und Nöte. Sie muss, wenn sie ihren Anspruch auf eine Fortführung der Kanzlerschaft umzusetzen gedenkt, eine Bundestagsmehrheit zusammen klauben. Das wird schwer genug. Was also, ist dann daran so interessant, wenn ein Fachminister die Geschäftsordnung missachtet?

Und Pflanzengift in der industriellen Landwirtschaft? Was macht das schon? Das nutzen doch nahezu alle Länder dieser Erde. Sollen die Landwirte noch weniger Erträge einfahren? Müssen noch mehr Betriebe aufgeben, weil sie nicht wirtschaftlich produzieren und die Konkurrenz sie vom Markt verjagt?

Nein, nicht mit CSU - Schmidt.

Er hat da seine eigenen Erfahrungen gesammelt. Als Biertrinker aus Bayern, eben. Darin soll auch Glyphosat nachgewiesen worden sein. Ach, und wenn schon! Schmidt lebt immer noch. Und wird bis zur Bildung der nächsten GroKo auch geschäftsführend überleben. Danach entfleucht er in das schwarze Bayern. Dorthin, wo bereits " Doofbrindt " abgezwitschert ist. Auch seine Vorgängerin Ilse ( keiner will se´ ) Aigner hat nur 4 Jahre lang die Patschehändchen mit der Agrarlobby - Bande halten dürfen, ehe sie Merkels Bannstrahl traf. Ab, zurück in die bayrische Pampa, hieß es dann. Aigner verwehrte unter andrem auch die Einführung einer so genannten Ampel für Lebensmittel. Da haben die Bayern - Bauern ganze Arbeit geleistet, denn bei Schmidt war diese Forderung nicht einmal auf seiner Agenda.

Nun hat Schmidt seinen bayrischen Getreuen einen " Bärendienst " erwiesen und seine Zustimmung zur Verlängerung des Pflanzengifts erteilt. Pro forma natürlich nur, aber er ist damit gegenüber dem Koalitionspartner vertragsbrüchig geworden. Das wird das Klima zwischen den möglichen Koalitionären nicht gerade verbessern.

Schmidt, der Rebell löste deshalb dadurch ein Sturm im Wasserglas aus. Dennoch hat sein unbotmäßiges Verhalten de jure keine Konsequenzen, denn bei möglichen Gesprächen zwischen den beiden größten Bundestagsparteien wird die SPD auf ein gesetzliches Verbot des Pflanzenschutzmittels " Glyphosat " drängen und dieses als Bedingung für eine Regierungsbildung in den Koalitionsvertrag einfließen lassen.

Schmidt, der rebellische Papiertiger aus dem Freistaat mit dem Löwen im Wappen? Von dort kamen bereits andere aufgeblasene Politiker, die dann in Bonn und Berlin grandios scheiterten und in das zweite Glied der CSU - Riege verbannt wurden. Dieses Schicksal wird auch Schmidt ereilen. Da walte Hugo, der Dicke!

Dann heißt es nur noch: " Schmidteinander "!


Joe Walsh " Analog Man " - 2013:






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