Mittwoch, 14. Februar 2018

Die Fahne hoch für die Internationale?


Heute Morgen, so ab kurz vor 5.00 Uhr fröstelte es mich wieder. Ein Kater hatte sich zwar bei uns im Bett breit gemacht, doch dessen pelziges Winterfell nebst 4,5 Kilogramm Kampfgewicht, auch in dieser Jahreszeit wohl temperiert, reichte bei weitem nicht aus, um die Minus 5 Grad da draußen zu kompensieren.

Ich stand also auf und trollte mich ins Bad. Im Treppenhaus war es lausig kalt. Ein sicheres Anzeichen, dass der Pelletofen wieder kein Brennstoff gezogen hatte. Jedes Jahr die gleiche Schei.., jedes Jahr der gleiche Dr... - im Winter, versteht sich.

Fluchend begab ich mich irgendwann danach in den Keller, drückte die Taste auf dem Display des Ofens und ließ der Automatik ihren freien Lauf, aber nicht, ohne unmittelbar darauf mit wuchtigen Schwingern meiner rechten Faust, das Pellet - Sack - Silo in professioneller Weise zu malträtieren. Alles gut!

Es wurde zwar während des gemeinsame Frühstücks nicht warm, aber diese Aufgabe erledigte der " Smeg " - Backofen, den ich auf " volle Pulle " einstellte. Zuvor gab es allerdings noch einen Einlauf wegen meiner Gips - und Deckenputz - Verschmieraktion, die ich gestern Vormittag bis in die Nachmittagsstunden bei dem Versuch, ein Stromkabel weniger elegant in der Decke zu verlegen, vollbracht hatte. Nachdem - nicht völlig unbegründeten - Vorwurf des ungeschickten Arbeitens, machte ich mich gedanklich auf die Suche nach irgendeiner Abhilfemöglichkeit und fand sie später darin, die beiden Treppenstufen einfach von dem Sisal ähnlichen Abstreifern zu befreien. Ich riss sie hoch, brauste die schmuddeligen Auflagen mit heißem Wasser ab und stülpte sie über den Wannenrand.

Danach befreite ich Diego, den jammernden Kater aus seinem Büro - Gefägnis, der mir - weil er es nicht mehr aufhalten konnte - alsbald auf den Fußabstreifer vor der Terrassentür strullte. Nach einer zweiten Aufwischaktion, bei der ich wie ein Rohrspatz schimpfte, obwohl es in der Tat mein eigenen Versagen war, brauste ich auf diesen Raumverschönerungsartikel gleichfalls mit heißem Wasser ab und legte ihn auf den Wandrand. Da lagen sie nun, die drei Verschmutzen.

Nach der üblichen Tisch - Abdeck - Tätigkeit erinnerte ich mich irgendwie an einen ehemaligen Schulkollegen aus den Zeiten, in denen ich das Fachabitur nachholen wollte. Ich bestritt ein Jahr mit ihm auf der Berufsaufbauschule in Stadthagen, der BAS Fachrichtung Wirtschaft. Jener Mitschüler hatte zuvor in Rinteln bei einem der damals noch existenten Einzelhandelsgeschäfte mit Namen, qualitativ guten Textilien und ordentlich Umsatz, eine Ausbildung zum Dekorateur, besser gesagt: zum Schaufenstergestalter, erfolgreich absolviert.  Nun versuchte er sich auch auf dem zweiten Bildungsweg.

Ich bildete mit ihm damals eine Fahrgemeinschaft. Er fuhr von Rinteln mit seinem Jeans farbenen VW Käfer 1303, einer ausgemachten Spriteule, bis vor das Hausgrundstück meiner Eltern und stieg dann in den billigeren roten Renault 4 bei mir ein. Eine Woche später fuhr er mich mit seinem Käfer nach Stadthagen. So sparten wir beide Benzingeld und konnten uns unterwegs noch über schulische Dinge unterhalten.
Gerd K., so hieß der Schulkollege, war einige Jahre älter als ich. Er hatte nach dem obligatorischen Volksschulabschluss, seiner Berufsausbildung, auch beim Bund für 18 Monate gedient. Zudem war er mit einer Vietnamesin, die als Krankenschwester in Rinteln arbeitete, verheiratet. Ein durchschnittlicher Lebensweg, eines sodann durchschnittlichen Schülers also.

Gerd K., ansonsten ein lustiger Vogel, der immer für einen flotten Spruch oder eine spaßige Aktion zu begeistern war, trank leider etwas zu viel Alkohol. Wenn er sein Quantum intus hatte, kam er so richtig in Fahrt. Vor allem bei den Klassenfahrten oder unseren abendlichen Treffs im Bückeburger Lokal " Minchen " und an einem Treffen am Ende des Schuljahr in einer Dorfgaststätte in Pollhagen, war er der ausgemachte Pausenclown.

Gerd K., der lustige Vogel, dem der Schalk viele Male im Nacken saß, hatte dabei ein selbst gefertigtes Ritual. War der Alkoholpegel hoch genug, stimmte er die " Internationale " an, um daran anschließend das Faschisten - Lied " Die Fahne hoch " zu intonieren. Grausam, grausig, weil völlig falsch, grölten wir  immer kräftig mit. Sofern der Bier - und Schnapskonsum es noch so gerade zuließ.

Weil gestern der 73 Jahrestag der Bombardierung unserer schönen Landeshauptstadt durch alliierte Flugzeuge, ohne großen Krawall, begangen wurde, ich heute Morgen dazu in den Frühnachrichten eine Meldung hörte, kam mir dabei die Assoziation, dass es eben das Deutsche III. Reich und seine ihm vorstehenden Polit - Verbrecher selbst waren, die jenes grausame Ereignis verursachten. Das wird von den Blödmännern, die jenes Ereignis für ihre Zwecke instrumentalisieren möchten und rechten Müll dazu absondern, geflissentlich ausgespart.

Aber, weiter mit Gerd K. Er war weder Kommunist, noch das Gegenteil, ein Neofaschist, er war eher einfach gestrickt und dem Genuss von Alkohol zugetan. Mitschüler K. also intonierte an jenem Abend im März des Jahres 1975, also vor fast 43 Jahren und 30 Jahre nach dem Zusammenbruch des III. Reichs, zunächst die " Internationale " und sodann das braune Kampflied. Wir grölten beides lautstark mit. Ich war einst weder bei dem einen, noch bei dem anderen Lied textsicher und versuchte dieses durch besonders lautes, falschen Mitsingen zu kaschieren. Es mag wohl aber auch an dem ekeligen " Persico " ( vulgo: " Perversico " ) gelegen haben, dass zusammen mit genauso widerlich schmeckenden Bier aus der Hannover´schen " Gilde " - Brauerei gelegen haben, dass ich voller Inbrust auch das Faschisten - Kampflied " Die Fahne hoch " mitsang

Unser Klassenlehrer B. ( vulgo: " Flower " ) verweigerte sich diesem Spass, sang aber dafür aus voller Kehle die " Internationale " mit. Es war ja schließlich rot, wenn auch nicht " dunkelrot bis unter die Haarwurzeln ", aber eben Sozialdemokrat - wie ich dann später aus. Er war zuvor in irgend einem Sektierverein mit einem " K " in den Parteibuchstaben - somit Kommunist, weil auch " 68er " und später deshalb - es mag auch an dem geringeren Verdienst gelegen haben - nur angestellter Lehrer statt Beamter. Tja, die " Internationale " und das braune Lied mit der hoch wehenden Fahne, es waren jene Erinnerungen, die mir beim Abräumen des Frühstückstisches kamen.

Das ist sehr lange her. Mittlerweile hat sie, die " Internationale " kaum noch Bedeutung. Das Lied der SA jedoch wohl noch, wenn auch in einem anderen Umfeld und einem völlig anderen Gewand. Es sind die Neo - Faschisten und ihre rechten " Vordenker ", die jene braune Ideologie, den ganzen Schwachsinn von völkischen Volk und arischer Rasse sowie nationalem Stolz, diesen Sondermüll, gegen den ich vor beinahe 40 Jahren in Bremen auch auf die Straße gezogen bin. Die " Internationale " wurde einst auch abgespielt und andere kommunistische Kampflieder.

Dann sang und summte ich doch statt ihrer doch heute Morgen das Faschisten - Lied. " Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen... "! Widerlich! Aber: So mancher " Rote " von einst wurde sehr schnell " schwarz " und einige von ihnen ( Elsässer, Mahler oder Rabehl ) braun.
Das " Horst - Wessel - Lied " indes, dass wir noch Mitte der 1970er sangen, dessen Text ich allerdings bis heute nicht richtig wieder geben kann, wurde damals immer noch gebrüllt.

Im Suff, auf den Treffen von Alt - und Neofaschisten sowie bei so manchen SS - Mann von dem Plattenspieler.

Nachdem ich - kaum Alkohol gewöhnt - mich auf der Toilette des Pollhäger Gaststätte, die von den Eltern eines Schulkollegen betrieben wurde, ausgekotzt hatte, brachte mich dieser zum Rausch ausschlafen in ein Gästezimmer. Ich war fertig mit der Welt. Mein Körper streikte.
Die " Internationale " hin, das SA - Lied her.
Ich musste erneut kotzen als mich meine Schwester nebst Schwager in spe von dort abholte.
Er hielt mir dabei eine Blumenvase hin. Die hatte eine braune Farbe.



" Ici Maintenants " - " Galaxy Valley " -  " Space And Time " - 2001:









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