Mittwoch, 7. Februar 2018

Vor Wurzen wurd´s ´em schlecht. Hinter Wurzen wurd´s ´em besser!



Das Städtchen Wurzen liegt im Landkreis Leipzig. Es zählte bis zum 31.12.2016 ganze 16. 293 Einwohner, was auf einer Fläche von 69,04 Km² eine Einwohnerdichte von 263 je Km² ausmacht. Das ist nicht so sehr viel. Aber immerhin genug, um einige faschistoid denkende und handelnde Mitbürger hervor zu bringen.

Dass sich die Städtchen sechs Kfz - Kennzeichen leisten darf, nämlich:

L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR

Nun,ja, - geschenkt!

Allerdings hat die Stadt seit den 1990er Jahren ein wesentlich gravierenderes Problem. Es sind Neo - Faschisten, die dort eine Jugend - Szene etablieren konnten.

https://www.antifainfoblatt.de/artikel/wurzen-schlimmer-gehts-nimmer-0

http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2018/01/23/neonazi-gewalt-und-verharmlosung-in-wurzen_25377

Doch allein die Berichterstattung über die Gewaltexzesse aus der Neo - Faschisten - Szene in den Medien wird die Wurzeln des Übels nicht beseitigen können. Es sind leider nur zu oft Medienberichte, die mit erhobenen Zeigefinger, auf jene jungen Menschen hinweisen, die sich zu schweren Straftaten hinreißen lassen.
Die faschistoide, Menschen verachtende und rassistische Einstellung ist von jenen Tätern bereits mit der Muttermilch eingesogen worden.

Da sind es eben die Eltern, die nach der Wende sich als Abgehängte gesehen haben, die dann als Arbeitslose, als Sozialhilfeempfänger und später HARTZ IV - Bezieher zu Menschen zweiter Klasse degradiert wurden. Diese werden ihre Kinder nicht im Sinne einer demokratisch - humanistischen Gesellschaft erziehen, sondern mit Hetze und alle jenem undifferenzierten Denkweisen, die Schuld an ihrer eigenen Misere immer bei noch schwächeren Mitbürgern suchen.
Demnach sind sie nicht selbst die Verursacher ihrer wirtschaftlich und sozial prekären Lage, sondern andere Mitbürger. Menschen, denen es vielleicht noch schlechter geht, wie Obdachlosen, Flüchtlingen und andere Sozialtransfersbezieher.

Wurzen mit seiner Gewaltszene, die nur eine Minderheit verkörpert, ist kein Einzelfall, Wer die Denkmuster, die Vorurteile über andere Menschen, den Hass und die ausgeübte Gewalt, die darauf folgen, sich in den Sozialen Netzwerken einmal betrachtet, dem muss eher angst und bange werden.

Diese Spezies von Bundesmicheln, ganz egal, ob Ostdeutscher oder Westdeutscher, ist faschistoid erzogen worden. Zwar nicht von der Schule, wohl aber im Elternhaus. Nach Jahre langer, oft eher Jahrzehnte langer, Arbeitslosigkeit, werden viele dieser Abgeschriebenen dann verbittert. Sie entwickeln kein Selbstwertgefühl, sind zumeist antriebslos und denken sodann eher rückständig. Getreu des Grundsatzes: Früher war alles besser, wird deren Leben, eher schlecht als recht, ablaufen. Wenn Perspektivlosigkeit sich mit relativer Armut und einem eher niedrigen Bildungsstand ( im Polit - und Medienjargon wird von " bildungsfernen Schichten " phrasiert ) paart, entsteht eine Melange, die sich nur allzu häufig von den völkischen Rattenfängern aufgenommen und weiter verwurstet wird.

Die Blutwurst aus Wurzen ist dafür ein leuchtendes Beispiel. Und: Die Medien stürzen sich auf jene Ereignisse dort, als kämen diese von einem anderen Stern, als seinen es Aliens, die dort ihr Unwesen treiben. Dabei sind es Sprößlinge aus Familien, deren soziales Gefüge nach dem Zusammenbruch der DDR ebenfalls implodierte. Aus einem geregelten, normierten Lebensumfeld entwickelte sich chaotischen Restdasein, dass auch auf die Nachkommen projiziert wurde.
Als Schuldige für dieses Tohuwabohu wird die " große " Politik fest gemacht, werden Andersdenkende die es vielleicht geschafft haben und eben solche Menschen, den es noch schlechter geht als diesen Abgekoppelten selbst, nämlich Flüchtlinge und auch Ausländer.

Wurzen steht auch für eine verfehlte Wirtschafts - und Sozialpolitik der Schwarzen in Sachsen. Statt in die vorzeigbaren Großprojekte, die Ansiedlung von Konzern - Niederlassungen zu setzen, hätten die sächsischen Politiker den Mittelstand sowie die Kleinbetriebe fördern müssen. Ebenso ist es die verfehlte Bildungspolitik, die junge Menschen zu Wegzug in den Westen, die Alt - Bundesländer treibt, weil dort ein höherer Verdienst sowie schnellere Aufstiegschancen winken. Was verbleibt ist der Bodensatz und in den kleineren Orten sowie Städten, viele ältere Bürger. Diese sind vermutlich eher für radikale politische Einstellungen empfänglich.

In den vielen Berichten über und zu der Neo - Faschisten - Szene werden diese Ursachen nicht einmal angedeutet. Die Rechtsradikalen und ihre Mitläufer sind kein Produkt einer, aus dem Nichts gekommenen Entwicklung. Sie sind das Ergebnis einer gesellschaftlichen Aufspaltung in Arm und Reich, Dumm und Ausgebildet, aber nicht Ost und West.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wurzen

Mein bereits verstorbener Schwiegervater pflegte bei Fahrten auf der Strecke von Dresden nach Leipzig zu sagen:
" Vor Wurzen wurd´s ém schlecht. Hinter Wurzen wurd´s ´em besser! "

Darin könnte ein Körnchen Wahrheit liegen, wären da nicht die vielen Gleichgesinnten irgendwo zwischen Flensburg, Garmisch - Patenkirchen, Prenzlau und Aachen.


" Narcotic " - " Liquido " - 1999:







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